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(19.02.2018) Gefangen in einem Netzwerk und das Ding mit Aspirin und Heroin

Manchmal hab ich die grandiose Fähigkeit, durch sieben Wecker durchzuschlafen… zum Glück ist das schon immer so und so kann ich mir einfach noch viel mehr stellen.

Physik war einfach mal überhaupt nicht spannend und ich frage mich wirklich, was wir die Stunde über gemacht haben. Also ohne scheiß, ich hab keinen Schimmer.

Ansonsten war das Mittagessen heute auch etwas fraglich und irgendwie war alles ein bisschen komisch. Und Tara war krank, das kam als unschönes Event hinzu.

Ansonsten höre ich eine lustige Mischung aus „Tusen och en natt“ und „Ich will nur dass du weißt“ vor mich hin… warum grade die beiden in meinem Kopf stecken geblieben sind? Ich hab keine Ahnung.

Englisch war dann nicht besonders viel spannender.

Es ging weiter um die Bücher, die wir lesen und joa, das wars dann im großen und ganzen auch.

Ich wär zwischendrin fast eingeschlummert, denn wir sollten uns dann nämlich „The Black Cat“ von Edgar Allan Poe anhören und wir kennen mich alle schon länger, ich mag weder Horrorstorys, noch bin ich ein übermäßig großer Fan von Edgar Allan Poe.

Am Ende der Englischstunde wurde dann der Großteil der Klasse schon frühzeitig entlassen und alle die, die damals (also schon vor Wochen) krank waren, als wir diesen lustigen Artikel präsentieren sollten, haben das dann heute gemacht.

Ich muss mich an dieser Stelle bei Sophie entschuldigen, ich hab nämlich die blöde Eigenschaft mich beim Reden dann auf eine Person zu fixieren und in dem Fall war es – wahrscheinlich zu ihrem Leidwesen – sie.

Ansonsten kann ich dazu gar nicht so viel sagen, ich kann mich nämlich nicht mehr an besonders viel erinnern.

Ich hab inzwischen gar kein großes Problem mehr damit, vor Menschen zu sprechen. Zumindest wenn es ein Thema ist, in dem ich tief drinstecke und bei dem ich mich auskenne. Wir erinnern uns kurz mal an mein Geschichtsreferat über Doping in der DDR, das ich komplett ohne Notizen gehalten hab und das über ne Stunde lang war. Das ging, weil ich das super spannend fand und weil ich ganz viel dazu im Kopf hatte.

Das gleiche galt zum Beispiel auch für das lustige Referat über Strahlenschäden in Physik, da war das genau so.

Aber ich habs ja überlebt, auch wenn ich wirklich keinen Schimmer hab, ob ich alles wichtige gesagt hab, oder ob ich doch nur rumgestammelt hab oder was auch immer.

Danach haben der Kiwihüter und ich die Beine in die Hand genommen und sind auf, auf und davon, ab zu unserer Partnerschule.

Dort gabs dann heute ein obligatorisches Theaterstück.

An dieser Stelle möchte ich kurz anmerken, wie unfassbar fehl am Platz der Kiwihüter, Alex, Linn und ich uns da gefühlt haben. Wir gehen ja – anders als 95% der Menschen im Raum, nicht auf diese Schule.

Das wär ja gar nicht so dramatisch und auch gar kein so großer Unterschied, wär Jarlaplan nicht der Teil, der eben auf Ästhetik ausgerichtet ist. Darunter fällt alles von Kunst, Musik, bis hin zu Theater als eigener Zweig.

Und dann saßen da vier arme Naturwissenschaftler dazwischen und fragten sich, was sie in ihrem Leben falsch machen.

Das Theaterstück, es hier Fångad i ett nätverk („Gefangen in einem Netzwerk“) (ich setze hier mal nen Link hin, aber das ist alles auf Schwedisch) gehts eben genau darum, was da eigentlich für Gefahren im Internet lauern und dass man unfassbar vorsichtig damit sein muss, was man mit wem teilt, denn was, wenn deine Bilder irgendwie dann doch in falsche Hände geraten und man erpresst wird oder sie plötzlich weiter verschickt werden etc. Genau so ging es aber auch darum, wie scheiße schwer das sein kann, sich zu überwinden, Hilfe zu suchen und was da noch so dranhängt.

Ehrlich gesagt kann ich gar nicht in Worte fassen, wie überrascht (und definitiv glücklich) ich bin, das sowas in der Schule angesprochen wird und vor allem, dass alle das ernst nehmen und nicht ein dummer Spruch gemacht wird.

Es tut mir leid, dass ich das jetzt so sagen muss, aber das wär so in Deutschland einfach nicht möglich gewesen.

Und weil ich beschlossen habe, dass man Menschen zeigen sollte, dass sie was tun, was man selbst schätzt, bin ich danach dann zur Produzentin (oder was auch immer sie war) und hab ihr genau das gesagt, nämlich dass ich froh bin, dass sowas thematisiert wird, vor allem weil ich das so in der Form aus Deutschland gar nicht kenne, und sie hat sich sehr gefreut und ich hab mich gefreut und alle waren bedrückt-glücklich und joa.

Der Kiwihüter war dann schon verschwunden, der wollte nämlich schnell nach Hause, ich wusste aber nicht warum.

Der restliche Tag plätscherte dann so vorbei und irgendwann hab ich mich dann ins Bett geworfen.

Bis dann und wann, Jenna.

 

(18.02.2019) Jag antar det här klassrumet är mitt nu

Ich nehme an, dass dieses Klassenzimmer jetzt mir gehört.

Aber dazu gleich mehr.

Wir fangen nämlich erstmal mit Geschichte an. Yay. Freude. Große Freude. Freude schöner Götterfunken. Ich glaub ich mutiere zu Garfield.

Wir haben im Endeffekt einfach bloß weiter an unseren Mindmaps gebaut und wir durften sogar irgendwo anders in der Schule sitzen, was bedeutet, dass man Kopfhörer aufhaben kann und mit seinen Freunden quatschen. Vielleicht wars doch ein klitzekleines bisschen besser als sonst.

Wobei, die erste halbe Stunde plagte mich solche Unlust, dass ich effektiv gar nichts gemacht hab, außer mein Laptop zu öffnen und den Bildschirm anzustarren.

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Offensichtlich war selbst das Öffnen meines Laptops schon mehr, als irgendwer erwartet hab. Ich bin begeistert, welch guten Eindruck die alle von mir haben!

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Also verglichen mit vor zwei Wochen hab ich ja doch tatsächlich was gemacht. Aber trotzdem. Ich krieg echt bald nen Anfall.

Während dem Bau dieser Mindmap entstand dann auch der tolle Ausruf:

„I deleted Napoleon. We need to rewrite history now.“

Ansonsten wurde der Tag nach Geschichte aber besser. Wir saßen alle in nem leeren Klassenraum rum (wie eigentlich immer) und Tara und ich hatten mal wieder qualitativ völlig hochwertige Diskussionen. Ernsthaft. Wir haben locker zwanzig Minuten darüber diskutiert, wie man angemessen auf einer Tischplatte sitzt. Also ohne scheiß, ich liebe diesen Menschen.

Ansonsten hatte ich dann Deutsch und da haben wir ne Klassenarbeit geschrieben. Scheiße man, das wird bestimmt knapp, also ob ich das bloß bestehe…

Okay, es ging ums konjugieren von Modalverben und um das Übersetzen von Sätzen mit Akkusativobjekt. Wobei – und da kommen jetzt die letzten zwei Wochen durch, in denen ich gezwungen war, mich viel mit Grammatik zu beschäftigen – der eine gar kein Akkusativobjekt hatte. Der hatte zwar ein direktes Objekt, aber das stand gar nicht im Akkusativ, sondern im Dativ.

Ich hab das dann mal kurz in der Arbeit vermerkt.

Ansonsten hab ich dann auf dem Weg nach Hause noch kurz bei Coop angehalten, um überlebenswichtige Einkäufe zu tätigen. Höhö.

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Ich möchte übrigens mal kurz was in Sachen Milch anmerken.

Ich find ja H-Milch in Deutschland schmeckt schon echt mies. Das ist quasi weißes Wasser, mit seinen 1,5% Fett. Also dachte ich immer. Dann habe ich gelernt, dass die meisten Schweden dazu neigen, Lättmjölk zu trinken. Also quasi „Leichtmilch“. Die hat noch ganze 0,5% Fett und schmeckt ernsthaft komplett wie Wasser.

Aber gut, ich hab dann einfach mal beherzt dran vorbeigegriffen und vernünftige Milch mitgebracht.

Abends haben wir dann Besuch bekommen. Wenn ich das richtig verstanden hab, dann war der Mann, der mit Frau und Kind angerückt ist, einer der ersten schwedischen Freunde, den mein Gastpapa hier gefunden hatte, als er gerade erst aus England hergekommen war.

Die beiden nach 26 Jahren noch so zu sehen, gibt mir übrigens verdammt viel Hoffnung, dass ich meine Freunde auch für den Rest meines Lebens behalte.

Ansonsten haben sie mein Schwedisch sehr gelobt, was mich wirklich wirklich gefreut hat und deren Tochter mag Mamma Mia fast so gern wie ich. Wir hatten dann einen kleinen Disput, denn sie mag Cher und findet nicht, dass sie den ganzen Film ruiniert… aber gut, ich werde einfach mal versuchen, ihre Meinung zu akzeptieren.

Dieses Vorhaben läuft nicht per se gut.

Irgendwann ist mir dann eingefallen, dass ich ja mit Mama skypen wollte und so hab ich mich höflich entschuldigt und hab dann noch ziemlich lange mit meiner Mama geskypt.

Dann hab ich noch ein paar Seiten von „A Pocket Full Of Rye“ gelesen, was ich dann heute endlich abholen konnte und bis morgen eigentlich auch halb durchhaben muss. Welches Glück, dass ichs schon mal auf Deutsch gelesen hab.

Bis dann und wann, Jenna

(17.02.2019) Vafan har jag gjort idag?

Was zum Teufel hab ich heute gemacht?

Also eigentlich ganz schön viel und andererseits auch nix.

Ab und zu ist es wirklich schön, wenn man sich keinen Wecker gestellt hat (und auch nicht musste. Wenn man einen gebraucht hätte und sich bloß keinen gestellt hat, dann ist das fernab von schön!). So hab ich dann ganz friedlich lange geschlafen.

Dann ist mir eingefallen, dass ich heute in einer Woche ja schon in Norwegen bin und vielleicht mal schauen sollte, ob ich wirklich alles bereitliegen hab. Schließlich hab ich ja jetzt nicht mehr meinen Papa dabei, der im Zweifelsfall bestimmt die Dinge dabei hat, die ich vergessen hab.

So hab ich dann in dem Prozess auch gleich mein Zimmer aufgeräumt (ich hatte keine Wahl, ich brauchte Platz um meinen Kram auf allen Oberflächen auszubreiten).

Irgendwann hab ich mich dann mal dran gemacht, den gottverdammten Klettverschluss wieder an meine Handschuhe anzunähen. Das schieb ich nämlich so seit nem Jahr gedanklich vor mich hin. Ich hab mich in dem Prozess übrigens öfter gestochen, als ich zugeben möchte. Ohne scheiß… das war aber auch so dickes Material, dass ich dabei zwei Nähnadeln verbogen hab.

Wenigstens hab ich dabei dann mit meinem Papa geskypt, das hab ich ja irgendwie auch schon ewig nicht mehr gemacht, und meine Oma hab ich auch noch angerufen, schließlich hatte die ja Geburtstag.

Ansonsten ist meine Motivation für den morgigen Tag irgendwie nur so gemäßigt, aber wir wissen ja alle warum.

Ne aber ganz ehrlich, der tag heute war irgendwie ein bisschen strange. Ich hab rückblickend echt nicht viel gemacht, aber irgendwie stand ich die ganze Zeit so halb unter Strom und bäh, komisches Gefühl.

Aber wenigstens hab ich meinen Blog dann mal wieder auf Vordermann gebracht und mal eben locker-flockig 60 Beiträge zu meinem improvisierten Inhaltsverzeichnis hinzugefügt. Das war auch mehr so ne Sache von ne guten Stunde.

Bis dann und wann, Jenna

(16.02.2019) Om om och om igen

„Om, om, och om igen
Gör nått dumt som vi ångrar sen
Ramlar runt sen tillbaks igen
Gör det om, om och om igen“

„Wieder, wieder und immer wieder
Machen was dummes, was wir später bereuen
Stolpern herum und dann wieder zurück
Machen das wieder, wieder und immer wieder“

Mein neues Lebensmotto und außerdem das beste Lied, was das Melodifestivalen dieses Wochenende zu bieten hatte.

Aber erstmal muss der Samstag ja irgendwo anfangen und so bin ich dann heute schon wirklich ätzend früh (also weit vor meiner üblichen Aufwachzeit) aus dem Bett gefallen. Was ein Traum. Aber hey, so hatte ich verdammt viel Zeit, um unmotiviert im Bett zu sitzen und über den Sinn des Lebens nachzudenken. Ich bin übrigens nicht freiwillig aufgewacht, aber der Geräuschkulisse nach zu urteilen, hat jemand im Nebenzimmer versucht einem Elefanten jonglieren beizubringen. Das arme Tier war nicht so besonders talentiert.

Hab ich mal erwähnt, dass es hier Nöt-Creme gibt? Das ist wie Nutella, nur 17000 Mal besser.

Man kann das super auf gefrorenes Brot streichen und das dann in die Microwelle legen. Ich weiß nicht was da genau für Magie geschieht, aber das ist wohl das grandioseste Frühstück ever!

Der Kiwihüter hatte dann Pfadfinder, meine Gastschwester hat irgendwas gemacht, fragt mich nicht, und meine Gasteltern hatten den Tag auch irgendwas vor. Ich bin dann mal wieder zu Ante verschwunden, das hatte ich immerhin so mit seiner Mama abgesprochen.

Ernsthaft, das ist die zweitbeste Mama, die mir je untergekommen ist (nach meiner eigenen). Wobei, wenn man ihren Instagram-Account in betracht zieht, bin ich doch froh, dass ich nicht ihr Kind bin. Das senkt die Anzahl von strangen Bildern von mir dort beträchtlich!

Wir haben dann wie üblich gar nicht viel gemacht.

Ein bisschen Mythbusters geschaut, ein bisschen komische Musik gehört (eine kleine Auswahl folgt gleich) und ein bisschen in der Küche herumgeblödelt.

Das endete dann darin, dass ich gegen die kochend heiße Kaffeemaschine geflogen bin und mir volles Brett den Arm verbrannt hab… glücklicherweise hab ich ja so liebe Menschen um mich rum die meinen Arm dann gewaltsam und unter großen Protestschreien in die Spüle voller Eiswasser halten.

Ich schwöre ich hab da jetzt Erfrierungen!

Ansonsten folgen hier jetzt ein paar schlimme Lieder.

Und dann zum Abschluss doch noch ein schönes Lied, was ich seit Tagen in Dauerschleife höre.

„Nu börjar vi närma oss början av slutet, slutet av början
Så lyssna upp, alla förvirrade resenärer som är med på den här resan
Som inte vet vart de ska men de ska komma dit
Som tycker att förvirrad är ett negativt ord
Man behöver inte veta vart man ska
Man behöver bara veta att man ska komma dit“

„Jetzt beginnen wir, uns dem Anfang des Endes zu nähern, dem Ende des Anfangs
Also zuhören, alle verwirrte Reisende, die mit auf dieser Reise sind,
Die nicht wissen, wohin sie sollen, aber wissen, dass sie dort hin kommen werden
Die finden, dass verwirrt ein negatives Wort ist
Man muss nicht wissen wohin man soll
Man muss nur wissen, dass man dort hin kommen wird“

Anyway.

Irgendwann stand dann Abends natürlich Melodifestivalen an und ganz ehrlich? Mal wieder hat Schweden das einzig gute Lied rausgewählt. Das Lied, nachdem dieser Plogpost benannt ist.

Om om och om igen 

Aber hey, ich habe dann das ganze Ding einfach in „Årets besvikelse“ (Enttäuschung des Jahres umgetauft und dann gings mir auch schon viel besser.

Irgendwann bin ich dann nach Hause, schließlich wollte ich meine Gastschwester nicht allein da sitzen lasse.

Bis dann und wann, Jenna

 

 

 

(15.02.2019) En ledig dag

En ledig dag – Ein freier Tag. Genau das war das hier heute. Oh, und das ist ein Lied von Frida.

Unser Schülerrat hat heute sein jährliches Treffen und da fällt der ganze Unterricht aus. Da ich (und auch niemand meiner Freunde) aber nicht im Schülerrat bin, musste ich auch nicht zur Schule.

Ich hab also ganz friedlich ausgeschlafen und bin dann irgendwann aufgestanden, um ganz entspannt in die Küche zu schlurfen und ein Glas O’boy zu trinken. Ich hab ein bisschen mit dem Kiwihüter gequatscht und während er sich wieder seinen Computerspielen gewidmet hat, hab ich mich dann auf den Weg zum ABBA Museum gemacht, da war ich ja schon lange nicht mehr!

So saß ich auch keine 15 Minuten später mit meinem Frühstück im Bus.

Zu Fuß läuft man da übrigens auch nur schlappe 45 Minuten hin und die Strecke ist auch echt schön, aber ich wollte ja in Ruhe frühstücken.

Hab ich mal erwähnt, wie sehr ich ABBA liebe? und das dazugehörige Museum? Und wie glücklich mich das macht?

Das ist wie abtauchen in ne heile Welt.

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Okay, das unten links sieht nicht wirklich nach Glück und heiler Welt aus, aber ich schwöre, dass das bloß ein sehr energetisches „Summer Night City“ ist!

Ich werd inzwischen auch viel besser bei den ganzen interaktiven Dingern, die es da gibt. Ernsthaft, beim Dirigieren von „One night in Bangkok“ hab ich inzwischen solide 1890 von 2000 Punkten auf der höchsten Schwierigkeitsstufe!

Außerdem kommt im April ne neue Ausstellung ins Museum und ich bin schon super aufgeregt, das wird toll!

Oh, übrigens verkaufen sie jetzt Handtücher. Also ABBA Handtücher… das war genau das, was mir in meinem Leben noch gefehlt hat! Die sehen aus wie die Tour-Capes von 1979. Hach, was bin ich glücklich!

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Ich glaub ich wohne jetzt in dem Ding.

Abgesehen davon bin ich ja immer noch auf ner Mission, nen alten billigen Plattenspieler aufzutreiben. Also irgendwas, was ich für die nächsten vier Monate hier haben kann und dann auch gar nicht mit nach Deutschland zurückbringe, sondern einfach hier zurück in irgend nen Charity-Shop bringen kann.

Den hab ich zwar nicht gefunden, aber ne alte Canon Filmkamera von 1999. Für nicht mal 15€. Sie ist jetzt meine.

Ich hab dann – nach kurzer Googlelei – den entsprechende Film erstanden und hab die Bedienungsanleitung aus dem Internet runtergeladen (ja, Canon hat sie noch auf der offiziellen Internetseite und ich hab auch noch nen Forumthread aus dem Jahre ’00 gefunden, wo Leute darüber sprachen, dass sie an ihre „brandneuen Kamera“ den Ausknopf nicht finden. (Surprise, es gibt keinen. Man kann nur den Auslöser verriegeln).

Das einzig witzige ist eigentlich, dass ich hier n zwanzig Jahre altes Stück Technik in der Hand halte und es dazu Forumthreads gibt, in denen Leute dieses Ding als brandneu beschreiben.

Manchmal vergesse ich, dass das Internet auch schon relativ populär war, bevor ich auf der Welt war. Also zeitlich gesehen.

Ich hab mich dann also kurz schlau gemacht und dabei festgestellt, dass die Leute im Internet vor zwanzig Jahren viel freundlicher und hilfsbereiter waren.

Anyway, sie läuft jetzt und ich hab ne neue Kamera (die ich jetzt schon liebe).

Bis dann und wann, Jenna

(14.02.2019) Der Kampfengel und all die Pärchen

Toll. Valentinstag.

Aber erstmal gabs dann einen Test in Sachen schwedischer Grammatik.

Hab ich mal erwähnt, dass ich Grammatik eigentlich mag? Also so richtig. Außer in der Schule. Und ich benutze sie nicht gerne korrekt (deswegen möchte ich meinen Blog auch keinem Linguisten (oder wie die Sprachwissenschaftsmenschen auch immer heißen) zeigen, dem wird dann bestimmt schlecht.

Auf jeden Fall ist Grammatik, wie ich letzte Wochen schon berichtet hab, ja den schwedischen Schülern ein absolutes Fremdwort.

Und tatsächlich, ich glaub der Test lief ganz okay.

Das Ding ist nämlich, dass ich ja im Kopf alles einfach ins Deutsch übersetzten kann (also wirklich Wort für Wort, ohne die Satzstruktur zu verändern) und dann kann ich die gesamte Satzanalyse im Kopf auf Deutsch machen und dann kann ich alles wieder zurück ins Schwedische übersetzten… und bin immer noch schneller als die meisten schwedischen Schüler.

Die Schweden wussten nicht mal was ein eingeschobener Relativsatz ist. (Oder ein inskuten bisats). Das ist ja wohl definitiv das schönste Ding in der gesamten deutschen Sprache. Ich liebe ihn. Ich glaube, mein Deutschlehrer in Deutschland stimmt mir da nicht zu.

Ich neige nämlich dazu, eingeschobene Relativsätze in einem eingeschobenen Relativsatz im eingeschobenen Relativsatz zu haben. Es ist lustig und ich mags.

Ich kann da Jean-Jacques Rousseau empfehlen, der hat den selben Hang zu komischen Satzkonstruktionen.

Es folgte dann Mittagessen und dort gabs dann Donuts zum Essen. Vielleicht ist Valentinstag doch nicht so übel.

Ich mag den schwedischen Namen eh lieber. Alla hjärtans dag. (Quasi „Tag aller Herzen“).

Dann hatten wir Physik und zu meinem großen Glück hat sich meine Gruppe aus Zeitgründen davor drücken können, dass wir unsere Präsentation heute halten müssen.

Das bedeutet nicht, dass ich nicht am Liebsten jemanden erdrosselt hätte. Oder einen spezifischen Menschen in meiner Gruppe. Den einen, der sagt „Klar, ich mach die Präsentation“ und der dann ganz mysteriös an dem Tag nicht da war und natürlich auch keine Präsentation gemacht hat aber auch nicht Bescheid gesagt hat.

Den einzigen Menschen aus meiner Gruppe, den ich gefunden hab, hat nur mit den Schultern gezuckt und gesagt „Vi tar det som det kommer“ (Wir nehmen es, wie es kommt) und dass er nicht gedenkt, jetzt noch irgendwas zu machen. Ich find das aber hochgradig peinlich, dem Lehrer zu sagen „Ja du, wir können unsere Präsi jetzt leider nicht halten“.

Ich hab dann also schon beim Mittagessen nebenbei schon mal angefangen, ne Präsentation zusammenzubasteln.

Die Rettung kam dann in Form meines letzten verbleibenden Gruppenmitglied, das mir dann zwanzig Minuten vor Stundenbeginn nen Snap geschickt hat von wegen „Ey du, kanns sein, dass die, die unsere Präsentation machen wollte, jetzt nicht da ist? Wollen wir mal was zusammenbasteln?“

Gesagt getan, wir haben dann in Rekordzeit echt noch was relativ brauchbares zusammengeschustert.

Aber wie schon gesagt, am Ende mussten wir sie dann doch nicht halten.

Ansonsten gabs während der Stunde dann sogar noch Zimtschnecken und ich hatte ja auch noch die Muffins und hach, ich sag ja, bei all dem Gebäck werd ich vielleicht doch noch Freund vom Valentinstag.

[Ich möchte den Blick übrigens gern mal in die ganz obere, rechte Ecke des Bildes lenken… dieser Plastikhefter der da liegt, das ist wahrscheinlich die dickste Mappe, die ich je in irgend nem Fach hatte!]

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Oder auch weniger, aber hey.

Nach der Schule hab ich dann Ante abgeholt, immerhin kommt heute Alita: Battle Angel in die Kinos.

Hab ich mal erwähnt, wie froh ich bin, die se ganze Familie kennengelernt zu haben? Man oh man.

Übrigens mussten wir erstmal den gesamten Kühlschrank umsortieren… das war ein Spaß. Nein okay, um Muffins unterzubringen kann man das schon mal machen.

Wir sind dann irgendwann zum Kino, haben uns auf dem Weg noch Burger besorgt und als wir dann im Kino saßen, haben wir uns dann mal so umgeschaut und dachten uns so „Oh ja. Valentinstag. Ein Kino voller Pärchen. Toll.“

Die Begeisterung war riesig.

Aber ohne scheiß, der Film war unglaublich episch! Definitiv einer der besten, die ich in den letzten drei Jahren gesehen hab!

Schlussendlich neigte sich der Film dem Ende zu und wir sind nach Hause gefahren. Ich weiß nicht, aber – wie ich auch schon mit Tara gemerkt hab – wenn man mit den  richtigen Menschen in der U-Bahn sitzt dann ist das wie ein völlig neues Zeitfenster. Wie so ne alternative Realität, de fernab der normalen Zeitschiene existiert.

Ich kann das nicht wirklich beschreiben, aber manchmal hat man so Momente, so Momente wo alles okay ist und man so richtig glücklich ist und plötzlich, während man da so sitzt und lacht, vergeht die Zeit wie in Zeitlupe und es fühlt sich an, als würde der Blick wie so ne Fernsehkamera nach oben zur Seite rausschwenken und man sie die Gesamtsituation so von außen und man denkt sich so „Scheiße man, was hab ich für ein gottverdammtes, beschissenes Glück“.

Ich weiß nicht, das ist schwer in Worte zu packen.

Auf jeden Fall haben wir noch ein bisschen mit seiner Mama gequatscht und dann musste ich auch irgendwann wieder nach Hause.

Bis dann und wann, Jenna

 

 

(13.02.2019) Zwischen Chemie und Muffins

Aber erstmal Theater.

Ich muss schon sagen, mein schätzenswerter Charakter ist definitiv ein bisschen dolle dramatisch!

Ich füge hier mal die erste Szene ein, wo ich ein paar mehr Sätze am Stück sagen. Mein Charakter heißt D.Ä. und ist definitiv ein bisschen dämlich, blind und einsam.

[Ich hab das mal kurz frei nach Schnauze übersetzt und die Übersetzungen einfach unten den jeweiligen schwedischen Text geschrieben. Ich garantiere nicht für seine Richtigkeit.]

Ansonsten haben wir heute einfach bloß die ersten elf Akte geprobt, natürlich noch mit Text (was sehr strange aussah, weil nicht alle ihr Handy in der Handy hatten oder den Text ausgedruckt hatten, nein, da liefen Menschen mit nem MacBook im Arm rum.

Auch wenn das Stück selbst ja echt ziemlich cringy ist an manchen stellen, macht es doch ziemlich viel Spaß und ich freu mich einfach, dass sie mein Schwedisch für gut genug befunden haben, um mitspielen zu können.

Danach hab ich dann zugesehen, dass ich ganz schnell zurück zur Schule komme, denn schließlich hatte ich jetzt gleich nen Chemietest und ich wollte meine zwei Stunden Mittagspause dann doch lieber mit lernen verbringen. Deswegen hab ich mir auch – anstatt zum Mittagessen zu gehen, was erfahrungsgemäß ein langwieriger Prozess ist – auf dem Weg einfach ein belegtes Brötchen (das beste auf Erden!!!) mitgenommen und hab das einfach nebenbei gegessen.

Ich hab dann also da gesessen, mein Brötchen gemampft und brav ganz viel über Isomerie und die entsprechende Nomenklatur gepaukt und zu meiner Freude haben dann ständig Leute gestoppt um hallo zu sagen.

Also an sich war ich weniger begeistert, ich wollte ja lernen aber einfach bloß die Tatsache, dass ich mich inzwischen mit so vielen Schweden angefreundet hab, dass alle 15 Minuten jemand an meinem Tisch anhält, ist ein kleines Wunder und freut mich doch sehr.

Der Test selbst lief dann tatsächlich ganz okay.

Ich hab sicherlich irgendwo Fehler eingebaut und besonders bei den Aufgaben, wo man Dinge erklären musste (und nicht nur aufzeichnen und benennen), sind sicherlich auch Sachen schief gelaufen (oder ich wusste einfach nur nicht, wie man das jetzt auf Schwedisch sagt und hab dann irgendwelche abenteuerlichen und ausschweifenden Erklärungsversuche unternommen), aber bis zur allerallerletzten Teilfrage (7d, du dummes Ding) hab ich mich irgendwie durchgewurschtelt.

Dann gings um Stereoisomerie und mein Gehirn nur so häääää?????

Inzwischen ist mir auch wieder eingefallen, dass das das ist, wo zwei Stereoisomere die gleiche Summenformel haben, aber sie sich in der Anordnung der Atome unterscheiden.

Aber hey, alles in allem bin ich ziemlich happy, ich glaub es lief okay.

Dann bin ich nach Hause gewandert, schließlich wollte ich ja Muffins backen. Zum einen für meinen Haufen Lieblingsidioten in der Schule (damit Valentinstag erträglicher wird) (ih, glückliche Menschen) und zum anderen für Ante und den Rest der Familie, schließlich sind sie ja so lieb und nehmen mich mit nach Norwegen.

Ich hatte dann irgendwie vergessen, dass, wenn das US-amerikanische Zezept sagt „12 Muffins“, es nach schwedischen Standarts eh schon etwa 25 werden. Aber ich Schlaukopf hab das Rezept verdobbelt und hatte am Ende dann knapp 50 Muffins.

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Ich hab dann nen Großteil noch angemalt und in Boxen gepackt, aber irgendwann hab ich dann doch aufgegeben und den Rest im Gefrierschrank untergebracht.

Dann gabs Abendbrot und irgendwann bin ich dann ins Bett gerollt.

Bis dann und wann, Jenna