(27.08.2018) Zwischen Deutschunterricht, fünfstündigen Mittagspausen mit Wanderausflügen und Affen auf Geländwagen

Montag also.

Die Spannung wegen Geschichte war völlig unberechtigt. Solchen Bullshit hab ich ja selten erlebt, heiliger Gandalf!

Der Typ ist kein Lehrer sondern bestenfalls ein Pädagoge, der ein bisschen viel zu viel auf sich hält und außerdem glaubt, er unterrichte auf einer IGS anstatt eines Gymnasiums.

Man bedenke ich habe Blockunterricht, ergo 2:45h lange Unterrichtsstunden. In diesen knapp drei Stunden ging es nicht ein einziges Mal um Geschichte. Stattdessen hat er ach so wundervolle, pädagogisch sehr besonders doll wertvolle Konzepte rausgekramt und vorgestellt, nach denen er jeden Schüler individuell dabei unterstützen will, die für ihn optimale Lernzone zu definieren. Gleichzeitig erzählt er aber auch, er könne sich unsere namen allerfrühstens zu Weihnachten merken.

Dann hat er uns ein Budget von 20000kr gegeben, mit dem wir Pläne machen sollten, wie man den Klassenraum in eine Umgebung verwandeln kann, in der es sich besser lernen lässt.

Ich sehe noch nicht ganz, wie Plastikpflanzen, Sofas und Kissen in den Fensterbänken dazu beitragen sollen, dass das lernen leichter wird, wenn das Grundkonzept doch scheiße ist, aber gut.

Ich bin ja nur die Austauschschülerin. (Die aus einer – sei es brandschutzverordnungsbedingt – doch recht kargen Schule kommt und definitiv bestätigen kann, dass man zum lernen weder höchst komplizierte pädagogische Konzepte brauch, noch gottverdammte Plastikpflanzen und dämliche Sitzkissen – just saying).

Ich meine, die Schüler im vorletzten Jahr vor dem Abschluss sind hier wissenstechnisch auf dem Stand von deutschen Acht-, vielleicht grade so Neuntklässlern, aber klar, Sofas retten die Bildung bestimmt und beheben auch ganz sicher das Grundproblem!

Bis auf das war der Tag allerdings ziemlich verdammt awesome!

Die nächsten fünf Stunden saßen wir dann in der Schule rum –  und meine Glückssträhne fing so richtig an.

Fünf Stunden waren nämlich totzuschlagen bevor die eine von uns Aufnahmeprobe für den Chor hatte.

In den fünf Stunden haben wir einen kleinen Auflug in den Hagaparken gemacht, wo dieses entzückende blaue Kupferzelt steht. Auf dem Weg dahin hat mich dann ein Gorilla auf einem Geländewagen ziemlich furchtbar erschreckt – what a day!

Zurück vom Ausflug war der Rest der Truppe allerdings nicht mehr in dem Klassenraum, in dem wir sie zurückgelassen hatten, sondern in einem kleinen, durch eine Glastür abgetrennten, Nebenraum.

Während wir also in diesem lustigen kleinen Räumchen saßen und lauthals Bo Burnhams absolut wundervolle Liedchen mitschmetterten, füllte sich der Klassenraum nebenan. „Das ist der Französischkurs“, sagte die eine. „Oh, okay“, meinte ich.

Allerdings stand der Lautsprecher für die Höraufgaben direkt neben der Glastür, und als der schrecklich unfranzösische Satz „Entschuldigen Sie, ist der Platz neben ihnen noch frei?“ – „Ja, das ist er. Setzten sie sich.“ erklang, bin ich doch fast vom Stuhl gefallen.

Ein Deutschkurs! An meinem freien Montag! Tschacka!

Und als für den Deutschkurs dann Pause anstand bin ich doch mal kurz in den Klassenraum geschlüpft und hab ich in meinem schönsten Deutsch (Spaß beiseite, das war so strange plötzlich mit einem realen Menschen in persona Deutsch zu sprechen, ich hab plötzlich lauter komische Fehler gemacht) vorgestellt und mal höflich gefragt, ob eventuell die Möglichkeit bestände, sich mal eine einzelne Deutschstunde anzuschauen.

Nach einem wirklich netten Gespräch, bin ich nun herzlich eingeladen, Montag Nachmittag den Kurs Tyska 1 (Deutsch 1) zu besuchen und sie spricht mit meiner Schwedischlehrerin, ob ich für die ersten ein oder zwei Monate statt Svenska 2 (was saumäßig schwer ist) gegen Tyska 3 tauschen kann, denn auch da bin ich sehr herzlich eingeladen.

Und mit Parkour kann ich in 2 Wochen dann auch anfangen – viel epischer kann das alles eigentlich gar nicht mehr werden!

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

4 Kommentare zu „(27.08.2018) Zwischen Deutschunterricht, fünfstündigen Mittagspausen mit Wanderausflügen und Affen auf Geländwagen“

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