(29.08.2018) Wie Günther der Kiwi beim Backen half

Heute möchte ich definitiv Günther ins Rampenlicht rücken. Günther, der hilfreichste, schwedischste, deutschnamigste Kiwi, den ich je kennenlernen durfte. Günther war sehr hilfreich heute!

Aber alles auf Anfang!

Es war ein wirklich sehr normaler Schultag. Für schwedische Verhältnisse früh aufstehen, in den Bus springen, zur Partnerschule fahren, in die der Theaterunterricht ausquatiert wurde, diesen kurz abhalten, dann zurück zur Schule fahren, das erste wirklich schlechte Mittagessen in uns reinschaufeln, dann Mentorstid (Klassenlehrerzeit) und schon waren wir entlassen.

Okay vielleicht schalten wir kurz einen gang zurück.

Theater war sehr witzig. Es ging um Konzentration und Teamwork und so folgten viele (sehr viele) witzige Aufgaben.

Von einer Seite des Klassenraums zur anderen kommen ohne den Boden zu berühren

theater1 (2)

Mit Bällen werfen (mit sehr vielen actually), sich blind durch den Raum führen lassen, dann das selbe und nur noch per Stimmanweisung (und hey, ich hab das auf Schwedisch gemacht und meine arme Partnerin ist mit niemandem kollidiert – yay!) und auch blind an einer Reihe mit Leuten langlaufen und spüren, wo eine Lücke ist, die groß genug ist, um sie reinstellen zu können. Witzige Sache. Sehr schwierig.

Mentortid war tatsächlich wirklich sehr unspannend.

Ich spiele mit dem Gedanken sie in Dementortid umzubenennen.

Danach wurde es allerdings wirklich wirklich witzig.

Das Essen war ja bekanntlich nicht sonderlich berauschend und vom Hunger geplagt, philosophierten wir von Burgern. Glücklicher Weise war ein Burger King nicht weit und auch wenn niemand von uns besonders großer Fan davon war, war es uns das definitiv wert.

Dann plötzlich fiel dem Hausherr des Kiwis ein, man könne doch Zimtschnecken backen.

Welch vortreffliche Idee – nur so zeitaufwendig, dass wir bis dahin leider alle verhungert worden wären.

Zimtschnecken wollten wir trotzdem. Und während der Kiwihüter nach Hause eilte, um die Küche vorzubereiten, besorgten wir uns Burger. Okay wir dachten, dass das wir uns Burger holen, denn offensichtlich waren wir nicht die einzigen, die das Essen ziemlich schaurig fanden – denn der Burger Kind war mehr als rappelvoll. Also Umweg über McDonalds, meinetwegen.

Mit Essen bewaffnet konnte dann irgendwann dann das Backen losgehen. Es lief auch ganz vortrefflich. Wirklich vorbildlich haben wir uns an das Rezept gehalten – nur war das Rezept offenbar ziemlicher Humbug, denn unsere Füllung war irgendwie mehr Zuckerwasser mit leichter Zimtnote, als irgendwas, was nach zukünftigem Zimtschneckeninnenleben aussah.

Wir machen mehr Zucker rein, war der gemeinschaftlich beschlossene Beschluss. Wir haben keinen Zucker mehr, kam die ernüchternde Erkenntnis. „On of us should run off to a store and get some sugar“, kam mir ein grandioser Einfall. „Yea, you should do that“, bestätigten sie meinen Plan und kürten mich sogleich zur Auserwählten. „Okay sure, anything else that we need?“, ergab ich mich meinem Schicksal. „Get a package of cream“, trugen sie mir noch auf, bevor ich aus der Tür verschwand.

Und dann offenbarte sich das Dilemma.

Warum zur Hölle schickt man die Deutsche los, die erst seit 10 Tagen in dieser gottverdammten Stadt lebt, und gibt ihr nicht ein mal eine Ortsanweisung mit auf den Weg.

Der einzige Laden der mir spontan einfiel, war etwa 600 Meter weg – in meinem Fall wohl mehr, denn um mich nicht zu verlaufen, musste ich einen kleinen Umweg über die Schule und schlussendlich mein Zuhause nehmen.

Im Supermarkt selbst wurde es nicht besser. Dass Zucker Socker heißt, ist mir dank eines wundervollen Songs von Kent noch eingefallen, nur über Sahne singt ja irgendwie niemand, was als durchaus unpraktisch zu erachten ist. Mit der Hilfe von Google und inklusiv größtmöglicher Verwirrung (der Schwede hat Sahne in acht verschiedenen Fettstufen), ließ sich dann doch irgendwas aus dem Kühlregal als Sahne klassifizieren und ich konnte den Heimweg antreten – welch Glück.

Allerdings konnte man dem gar nicht so viel Zucker hinzufügen, dass es aufhört, wässrig zu sein. (Demonstriert in Bild eins, in dem wir das auslaufende Wasser fachmännisch mit Klopapier (keine Bange – ganz neuem!) auffangen.

Mit der zweiten Hälfte des Teiges haben wir uns dann lieber an einem auslaufsichereren Zimtzopf probiert, auch wenn wir dem Mitbewohner des Kiwis erst das Flechten beibringen mussten. Es gelang uns.

Weniger gut gelang es, dem doch etwas instabilen Zopf auf ein gottverdammtes Backblech zu befördern. Zum Glück hat mal jemand den Pfannenwender erfunden und mithilfe dieser grandiosen Erfindung und nach vier weiteren seiner Artgenossen, konnte der fragile, leicht matschige Zimtzopf auf sein Blech transportiert werden.

Während der quälend langen Backzeit, in der ich auch darin bestätigt wurde, dass ich Brettspiele hasse (ich habe haushoch verloren), habe ich Günther kennengelernt. Damals hieß Günther noch nicht Günther, doch mir wurde aufgetragen, ihm den unaussprechlichsten deutschen Namen zu geben, der mit einfällt.

Meine tollen Vorschläge alla Sturmhart, Winfried, Diethelm und Adalbert wurden mir ausgeschlagen, man könne sie noch aussprechen.

Dann schoss mir Günther in den Kopf. Günther hat ein ü. Schweden kennt kein ü. Es ist perfekt.

Und wirklich, der Struggle ist real. Sie kämpfen alle verzweifelt mit dem ü und Günther sitzt nur auf meinem Kopf und schaut verdutzt aus der Wäsche.

Oh, und gesungen haben wir.

Ich glaube als der Vater des Kiwiuntertanen nach Hause kam, lag ich grade auf dem krümeligen Küchenfußboden halb unterm Tisch und wir haben When I Kissed The Teacher im Duett gesungen – wie sagt man so schön? Der erste Eindruck zählt.

Übrigens bin ich sehr stolz. Er ist Brite und konnte an meinem Akzent nicht raushören, aus welchem Land ich komme. Ergo hab ich endlich diesen unfassbar ätzenden deutschen Akzent abgelegt. Tschacka!

Jetzt bin ich allerdings müde wie eh und je.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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