(11.09.2018) Oh hell yeah

Oh hell yeah trifft es wahrscheinlich äußerst gut. Heute ist Dienstag in Woche 37 und damit hat Parkour angefangen und you know what? Ich glaub ich hab mich in einen gottverdammten Sport verliebt.

Grade weiß ich nicht ganz, wie ich sitzen soll (oder liegen oder sonstwas tun), ich kann ausnahmslos jeden Muskel in meinem Körper sehr deutlich spüren und trotzdem bin ich sehr sehr sehr glücklich.

Aber gehen wir chronologisch vor.

Ich hatte Physik und Englisch heute. Es war okay. Schule eben. 2 Stunden lang Reibungskraft berechnen (oder Friktionskraften wie es so schön auf Schwedisch heißt) und hey, eigentlich wurde es irgendwann ziemlich lustig.

Kann ein Mensch eine Straßenbahn schieben? Ja, warum? Nein, woran scheiterts? Kann man das Problem beheben?

Wir hatten ganz tolle Lösungsansätze. Meiner heißt 70 Menschen, ein anderer wäre ein bis-jetzt-noch-nicht-existentes Material mit einem Reibungskoeffizienten von etwa 0,0007 und so weiter und so fort. Wobei, der Kiwihüter hat natürlich recht, man muss beachten, ich habe mit einem ganz bestimmten Straßenbahnmodell aus Gera gerechnet, andere haben vielleicht die Durchschnittsstraßenbahn gewählt und wieder andere eventuell eine Schmalspurige? Wer weiß, wer weiß?

Englisch war langwierig, aber okay. Knapp drei Stunden ausschließlich Sätze und Texten von informeller in formelle Sprache „übersetzten“ und andersrum genau so. Spannend.

Um 18:00 stand dann erstmal Willkommenstreffen bei Explorius an. Ergo, alle Austauschschüler die mit Explorius hier sind und im Raum Stockholm leben, haben sich im Explorius-Büro versammelt. Am Sonntag steht das nächste Treffen an und ab da sind die dann monatlich.

Sind wir ganz ehrlich, ich freue mich zwar, aber irgendwie fehlt mir komplett das Bedürfnis, was mit anderen Deutschen (und mehr als die Hälfte ist tatsächlich aus Deutschland) zu machen. Es fühlt sich komplett falsch und komisch an, plötzlich so viel Deutsch zu hören.

Aber ich glaube das ist ein guter Zeichen. Das bedeutet doch einfach, dass ich mich hier gut eingelebt habe, vernünftig klarkomme und die Heimat und Kultur nicht allzu schwer vermisse.

[Faktiskt, allt jag kan tänker på medan jag skriva inlägget är „Faktiskt, jag kan säga det på svenska“. Och jag vet inte varför jag inte skriva på svenska, för det är en bra sätt att dokumentera min framstegen. Jag tror om några månada jag kommer att titta på vad jag har skrivit idag och jag kommer att skratta, för jag tror att de finns so jättemånga fel. Men det spelar inget roll. Jag bodde i Sverige för lite mer än tre veckor och jag tror det gå ganska bra med att tala svenska.]

Das bringt mich zu einem ganz anderen Punkt. Ich glaube, bis auf ein anderes Mädchen sprechen die alle Englisch zuhause. Ich meinte dann, dass ich zuhause einfach überhaupt kein Englisch mehr sprechen darf (und es funktioniert tatsächlich) und irgendwer hat erzählt, dass ihre Gasteltern zu nett dazu wären, sie zu zwinge, Schwedisch zu sprechen.

Ehrlich gesagt glaube ich aber, dass ich verdammt Glück damit hab, dass meine Familie mich auf dem Schwedischen festnagelt. Auch wenn ich manchmal etwas an der Verzweiflung kaue, weil ich irgendwas dringend erzählen will, und mein Kopf plötzlich leergefegt ist, aber ganz ehrlich? das geht vorbei.

Ich meine, ich sitze ja schon ab und zu in der Schule und fühle mich etwas hilflos, weil ich dasitze und irgendeine Aufgabenstellung nicht übersetzen kann und deswegen warten muss, bis irgendwer Zeit hat mir zu helfen. Aber ich möchte mir nicht ausmalen, wie es ist, wenn man jetzt in der Schule spricht und noch fast überhaupt kein Schwedisch spricht.

Im Endeffekt bin ich also unendlich dankbar, dass meine Familie mich in den sauren Apfel beißen lässt (ein Glück mag ich sauer) und mich zum Schwedisch sprechen zwing. Ich würds definitiv nicht anders haben wollen.

Meine Gastmutter hat erzählt, dass die anderen Eltern im Raum etwas schief geguckt haben, so im Sinne von „Warte, warte, warte, ich sprecht tatsächlich Schwedisch miteinander?!?“

Aber auch hey, im Endeffekt dann jedem das Seine.

Und dann *Trommelwirbel*; Parkour!

Und heilige Scheiße, ich bin verliebt in diesen Sport.

Es war unglaublich schwer zu finden, meine Gastmutter und ich hatte trotz Google Maps echte Probleme, aber schlussendlich haben wir den Parkourplatz dann gefunden. Eingeklemmt zwischen Schwimmbad und Bowlinghalle.

Es war nicht sonderlich war und hat geregnet – und dafür bin ich unendlich dankbar, sonst wer ich wahrscheinlich eingegangen.

Der Rest der Truppe ist irgendwo zwischen meinem Alter und Mitte 20 und sie sind alle super nett! Die Trainer sehen übrigens exakt aus, wie man sich den stereotypischen „Skater“ vorstellt (so die Worte meiner Gastmutter).

Allein das Aufwärmen schlägt absolut alles, was wir beim Klettern jemals machen mussten und nach der letzten Runde, war ich mir nicht ganz sicher, wie ich vom Boden jemals wieder aufstehen soll – geschweige denn gleich über eine Mauer hüpfen.

Grade als ich dachte „Oh, das mit der Mauer klappt ja ganz okay“, trugen zwei Trainer einen gandalfverdammten Picknicktisch heran. „Drüberspringen“, sagte er. „So“, sagte er und flog drüber. Wie bitte, dachte mein Kopf. (Professionell veranschaulicht im Titelbild).

Es war ziemlich genau der selbe Tisch wie auf dem Bild. Das bedeutet als, man rennt wie von einer Hummel in den Hintern gebissen los, springt ab, schmeißt die Beine weitsprungmäßig nach vorn und versucht so zu landen, dass man theoretisch auf der hinteren Kante sitzen würde (und sich dabei wahrscheinlich das Steißbein bricht), und um genau das zu verhindern, fängt man sich mit den Armen auf und schiebt sich mit denen vom Tisch runter.

Darf ich kurz erwähnen, dass es beängstigend ist, mit voller Geschwindigkeit auf einen Picknicktisch zuzuremmen, in dem Wissen, dass das einzige, was einen vor einer Frontalkollision rettet, die eigene Fähigkeit, weit zu springen, ist.

Und wie das mit mentalen Blockaden so ist, verhindern sie jede Art von Erfolg. Ich glaube, die meisten von uns hatten das selbe Problem.

Dann allerdings kam die Erleuchtung. Ich hab doch ewig lange Leichtathletik gemacht. Unter anderem auch Hürdenlauf. Ich könnte doch einfach versuchen, über den kompletten Tisch drüberzuspringen und einfach mit den Händen die Tischkante abklatschen.

Und siehe da, es funktioniert. Wenn man sich vorstellt, dass da eine Hürde anstatt einer massiven Holztisches steht, und man sich einfach sagt „Ich werde jetzt über diese Hürde hüpfen, abklatschen und so weit wie möglich dahinter landen“, dann funktioniert das tatsächlich.

Ohne Scheiß, das geht wirklich. Und es macht unendlich Spaß.

Und unendlich müde, deswegen muss ich jetzt schlafen.

Bis dann und wann, Jenna

 

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Ein Gedanke zu „(11.09.2018) Oh hell yeah“

  1. Über Parkour musst du dich dann mal mit Andi unterhalten, meinem Schwiegersohn, (Ich muss es einfach noch ein paarmal sagen :-))der hat das früher auch gemacht.

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