(01.10.2018) Das Leben ist strange und wunderschön

Danke. Mehr kann ich gar nicht sagen. Ich glaube nicht, dass irgendwelche Worte dieser Welt beschreiben können, wie sich das hier anfühlt.

Ich hab wirklich das Gefühl, das Gast aus Gastfamilie streichen zu können. Ich fühl mich nicht mehr wie ein Gast und diese unendlich lieben Menschen, die mich vor ganzen sechs Wochen bei sich aufgenommen haben, die fühlen sich an wie Familie.

Heute hatte meine Gastschwester Geburtstag und davor hatte ich irgendwie Angst. Das klingt so unendlich dämlich, aber so war es nun mal. Es ist ihr achtzehnter Geburtstag und damit ein wirklich wichtiger Tag, großer Schritt, Meilenstein oder welchen Namen man diesem Event auch immer geben möchte. Und ich hatte einfach wirklich große Angst, wie son „Sonderling“ irgendwo in bestehende Traditionen reinzustolpern, irgendwas kaputt zu machen und ihr schließlich auf ewig die Erinnerungen an ihren Geburtstag zu versauen.

Schule hatte ich heute keinen, wie mir der Kiwihüter erklärte haben die Lehrer heute „A day to get their shit together“, was auch immer das genau heißen mag.

Um fünf bin ich dann mal aufgestanden, so war der ursprüngliche Plan doch um halb sieben Frühstücken zu gehen. Schlussendlich waren wir um die Zeit erst meine Gastschwester wecken und ihr Geschenke überreichen.

Und ich hab mich kein Stück fehl am Platz gefühlt. Auch, wenn ich alles andere als textsicher war und mehr wie son grinsendes Dekostück durch die Tür gestolpert bin, während meine Gasteltern singend, mit der riesigen Tüte voller Geschenke ins Zimmer gelaufen sind. Scheißegal, es war unglaublich schön.

So saß dann die ganze Familie um meine Gastschwester herum und hat beim Auspacken zugeguckt. Im Anschluss sind wir dann doch frühstücken gegangen. Das Cafe (ich betitel das jetzt einfach mal – unwissend wie ich bin – als Cafe) soll der Favorit aller Blogger und Instagram-Sternchen sein.

Dann traf mich die Panik. Ich habe einen Blog. Bin ich somit Blogger? Muss ich jetzt fancy Smoothie-Bowls und Matcha-Kaffee bestellen?

Erleichterung traf mich, mein Blog verschwand nicht magisch, als ich mich für Croissant und Orangensaft entschied.

Dann sind wir wieder nach hause gedackelt. Während meine Gastschwester zur Schule musste, mein Gastvater zur Arbeit und meine sich Gastmutter ebenso an ihre Arbeit gesetzt hatte, widmete ich mich einer der besten Erfindungen der Neuzeit: Amazon Prime!

Es! Gibt! Mord! Mit! Aussicht! Bei! Amazon! Prime!

Mein Tag war also absolut gerettet!

Dann viel mein Blick auf den Stapel Sims-Spiele, der noch immer neben meinem Regal liegt (weil drinnen kein Platz ist) (was in dieser Familie nicht ungewöhnlich ist. Relativ mittig auf dem Wohnzimmerboden türmen sich so etwa 15 Bücher, die glaube ich regelmäßig angegafft werden, aber seit Tagen nicht einen Millimeter vom Fleck bewegt haben) und mit dem ich nichts anfangen kann, weil mein Laptop kein CD-Laufwerk hat und ich mein Externes in Deutschland vergessen hab (oder eher mutwillig zurückgelassen, weil ich DACHTE, dass ichs nicht brauche.

Kurzerhand bin ich dann also losgezuckelt, das billigste CD-Ding zu kaufen, was ich finden konnte. Und tatsächlich, Technik hat hier gar nicht so überteuerte Preise. Jenna ist glücklich.

Wieder zuhause hab ich dann nen Film geschaut, den mein Gastvater geschrieben hat, so hatte man doch verlauten lassen, dass wir heute Abend in das Restaurant gehen, in dem eine Szene aus dem Film spielt. Ich wollte ganz sicher sein, dass ichs wiedererkenne!

Und so ists dann auch gekommen. Ich bin absolut völlig geflashed,  in echt ist das Restaurant wirklich umwerfend schön. Auch wenn das Klientel etwas spießig wirkt. So klingelt das Handy eines Mannes und die Ältere Dame vom Nachbartisch machte Theater. Willkommen im 21. Jahrhundert meine Damen und Herren. (Ja, ich kann nachvollziehen, dass das Gebimmel stören kann, aber es war nicht unendlich laut und dauerte etwa zweieinhalb Sekunden).

Das Essen war auch wirklich gut. Die Aufmachung ebenso extra wie das ganze Ambiente, so verstehe ich nur halb warum man die Soße aufschäumen muss, bevor man sie neben meine Köttbullar gießt und warum alle Beilagen aller Personen in einzelnen kleinen Schälchen auf eigenen Untertellern serviert werden, sodass der Tisch so voll ist, dass es an Doktor Bibber gleicht, sein Glas herauszumanövrieren.

Im Endeffekt aber völlig egal was mit meiner Soße geschieht, wie der Tisch aussieht und dass ältere Damen meinen, rummotzen zu müssen. Es war einer der schönsten Tage die ich hier hatte und ich bin unermesslich dankbar, dass alles erleben zu dürfen.

Meine Gastfamilie sind Menschen, die mir das Gefühl geben, quasi alles aussprechen zu können.

Aber am allermeisten geben sie mir das Gefühl, Teil der Familie zu sein und sie geben mir das Gefühl, dass sie sich ehrlich freuen, mich bei sich zu haben und genau das ist wohl das schönste Gefühl auf Erden.

In den letzten sechs Wochen hab ich so viel erlebt, so viel gesehen und so viel gelernt. Mein ganzes Weltbild hat sich verrückt und meine Prioritäten ebenso. Ich sehe viele Dinge anders und wie habe so manches schätzen gelernt habe, so habe ich genau so gelernt, dass manches gar nicht so wichtig ist, wie wir gerne glauben.

Das schönste Gefühl auf Erden ist Stille im Kopf.

Das erste Mal in meinem Leben ist es wirklich still da oben und ich kann klar denken. Ich werde alles, alles, alles dafür tun, dieses Gefühl zu bewahren. Diese Stille ist so ziemlich das Wertvollste, was es gerade für mich gibt.

„Ich bin nicht mein Kopf, er ist nur mein Werkzeug, wertvoll ist, von was mein Herz träumt“ (Greeen, Tohuwabohu). Ich hätt nie geglaubt, dass ich das mal sage, aber scheiße man, eins meiner Lieblingszitate stimmt einfach nicht mehr. Ich bin mein Kopf. Ich kann plötzlich klar denken.

Hätte mir das jemand vor zwei Monaten erzählt, dass ich mich mal so fühle wie jetzt, hätte ich nervös gelacht und wahrscheinlich schnell wieder vergessen, dass überhaupt jemand was zu mir gesagt hat. In meinem Kopf-Chaos war gar keine Zeit und Platz sowas einzuorden.

Das muss klingen, als ob meine Psyche jetzt völlig mit mir durchdreht, tut sie aber nicht. Ehrlich gesagt bin ich einfach nur endlos glücklich will dieses Gefühl einfach versuchen, bestmöglich mit Worten zu beschreiben – auch wenn das völlig unmöglich ist.

Danke. Von ganzem Herzen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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