(03.10.2018) Chemie und was den Menschen sonst noch glücklich macht

Es ist Mittwoch und damit mein Lieblingstag der Woche, auch wenn ich am frühsten aufstehen muss und nicht nur vier Minuten zur Schule brauche.

Aber dafür fangen wir mit Theater an und auch, wenn meine Lehrerin überzeugt ist, dass ich Jemma heiße (obwohl die jeden Mittwoch Morgen Jenna in der Liste abhakt), es ist ein tolles Fach.

Es fing etwas dröge mit Theorie zur Theateranalyse an, aber das ist auch verständlich, schließlich gehen wir uns nächste Woche ein Theaterstück anschauen. Das ganze heißt HOPPET – för jag dog inte und ich bin sogar halbwegs gespannt! Der Youtube-Trailler (da im Link) sieht ein bisschen strange aus, aber wir lassen uns einfach mal ein bisschen überraschen.

Chemie so ziemlich das beste auf Erden – in Sachen Schule. Ansonsten rangiert es aber irgendwo direkt hinter Gulasch und Colin Firth.

Und hey, es wird inzwischen sogar wirklich spannend, den es verkompliziert sich alles und wir kommen zu dem Teil des chemischen Rechnens, bei dem man doch denken muss und als das damals in der Schule in Deutschland drankam, fand ich Chemie noch scheiße – mit vollem Herzen.

Ich versteh nicht mal was genau mir Chemie angetan hat, grade heute war ich zwischenzeitlich zu tiefst verzweifelt und sehr sicher, dass mein Kopf bald explodiert, wenn ich noch länger versuche, irgendwelchen Murks auszurechnen. Ich seh Maya noch förmlich vor mir, die das ganze Thema als leicht deklarierte und dann mal kurz volle Punktzahl in der Klassenarbeit schrieb. Ich glaub ich bin nur knapp an der Vier vorbeigeschüsselt.

Das ist allerdings ein wirklich großes Problem, wenn man (wie ich damals in den ersten neun Jahren meiner Schullaufbahn) fest überzeugt ist, dass man etwas (Chemie) nicht kann, ja dann wird das auch absolut nix.

Wenn man sich allerdings einredet, dass man irgendwas total toll kann und sich völlig dafür begeistert, ja da ist es eigentlich völlig egal, wenn man nichts versteht, weil man dann aufhört zu zweifeln und wenn man aufhört zu zweifeln, dann lernt man viel schneller und die Dinge bleiben hängen. Ergo kann man sich tatsächlich einreden, dass man in irgendwas gut ist.

Das hilft hier in Schweden übrigens nicht nur mit Chemie, sondern mit der ganzen Sprache an sich. Wenn man sich einfach bloß einredet ach, das ist ja alles super, alles so nah am Deutschen und so schlecht mit Sprachen bin ich auch gar nicht, dann ist die Chance, dass das wirklich so ist, ziemlich hoch und die Sprache lernt sich viel viel leichter.

Ein bisschen ärgere ich mich, dass die Begeisterung bei Spanisch irgendwie nie aufgetaucht ist, so hab ich doch in den letzten 1 1/2 Monaten gelernt, dass verschiedene Sprachen sprechen eins der besten Dinge auf der ganzen Welt sind.

Mit jeder neuen Sprache sind da Millionen Menschen, die man nun verstehen kann, hunderte neue Serien und Filme, tausende Bücher, Arbeitsplätze öffnen sich und unendlich viele Möglichkeiten entstehen.

Kommunikation ist die Grundlage für unser Dasein und verdammt noch eins, ich werde niemals zum größten Menschenfreund auf Erden, aber kommunizieren zu können, mit anderen Menschen in deren eigener Sprache, muss eins der grandiosesten Gefühle auf Erden sein.

Also irgendwie ists deswegen vom Gefühl her nur so mäßig schön zu wissen, dass man fünf Jahre lang die Chance hatte, eine Sprache zu lernen und praktisch nichts mitgenommen hat.

Der Gedanke „Aber wir haben doch Englisch, das ist die Weltsprache und daher alles was man braucht“, ist nicht falsch. Es ist tatsächlich wirklich sinnvoll, eine Sprache zu haben, die etwa 1,5 Milliarden Menschen zumindest in Grundzügen beherrschen, aber das ersetzt das Gefühl nicht, in ein Land zu fahren und in der Lage zu sein, tatsächlich in der Landessprache kommunizieren zu können, die Schilder zu verstehen, das Radio, Fernsehen oder auch einfach bloß das Gespräch der Frau an der Supermarktkasse direkt vor dir.

Und wenn sich jetzt irgendwer fragt „Aber warum dann Schwedisch und nicht irgendwas, was nicht nur knapp 10 Millionen, sondern mehr so 300 Millionen Menschen sprechen (wie Spanisch oder Französisch)?“. Ganz ehrlich? Es gibt keinen logisch sinnvolle Grund, außer den, dass mich dieses Land, die Menschen und die Sprache wirklich unendlich glücklich machen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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