(06.10.2016) Wir flüchten dann mal lieber (denn wie mans macht, macht mans falsch)

Hätten sie doch bloß Wikipedia befragt, dann hätte ich mich nicht zu Tode erschreckt, weil ich geglaubt habe, dass mir jemand Apfelessig andrehen will.

Wikipedia spricht nämlich: „Apple cider (also called sweet cider or soft cider or simply cider) is the name used in the United States and parts of Canada for an unfiltered, unsweetened, non-alcoholic beverage made from apples“. Ich schwöre, ich war dem Herzinfarkt wirklich nah!

Aber wer wollte mir da um ein Haar Essig andrehen und warum mussten wir flüchten?

Nun, wir erinnern uns, meine Gastschwester wurde letzten Montag 18 und wollte dementsprechend feiern. Da es – wie das so ist – höchst peinlich ist, die Eltern dabei in der Wohnung zu haben, mussten sie weg. Ich hätte bleiben dürfen, aber wir kennen mich, wenn ich drei Dinge (besondern in Kombination) nicht mag, dann sind das Partys, große Gruppen an Menschen in meinem Alter und überlaute Musik. Ich durfte also ebenfalls flüchten.

Wir sind dann zu Freunden meiner Gasteltern. Womit wir wieder bei meiner Theorie wären, dass die beiden wirklich nur nette Freunde hat.

Man hat mir erzählt, dass die beiden Kinder, die sie haben, am liebsten Videospiele spielen – und ich war furchtbar glücklich. In meiner Imagination saßen alle Erwachsenen am Tisch und wir bekriegen uns in irgendeinem Videospiel. Zur Überraschung Aller hat die beiden aber plötzlich die Manieren gepackt (oder sonstwas) und sie saßen volle sechs Stunden mit am Tisch. Ich ebenso. Und wir drei haben uns unfassbar leidend angeschaut. Und niemand hat sich getraut aufzustehen. Junge, junge. Menschen (wie ich) sind schon schwierige Lebewesen.

Trotzdem war es ein wirklich netter Abend, mit wirklich netten Menschen.

Meine Gastschwester meinte, dass wir frühstens um elf zurück sein dürfen. Als wir dann – von großer Müdigkeit geplagt – gegen Viertel nach elf nach Hause kamen, saßen da noch Menschen auf dem Balkon. Mein Blick, gekoppelt mit einem (zu deutsch) „Ganz mieses Timing“, ging zu meiner Gastmutter, deren Mienenspiel etwa dem Meinen glich.

Um spätestens zehn sollte sich das ganze Fest eigentlich in eine Bar verlagern, damit sich die Nachbarn nicht (wie sies sonst so gerne tun) über den Lärm beklagen können.

Als wir das Treppenhaus hochliefen, kamen uns die ersten Menschen entgegen, zusammen mit meiner Gastschwester, die so mäßig glücklich über unser Erscheinen war. „Mama ich hab doch elf gesagt“ – „Es ist Viertel nach Elf“, das war nicht per se die zufriedenstellendste Antwort für sie.

An dieser Stelle muss ich aber sagen, ich versteh meine Gastschwester irgendwo auch absolut. Mein achtzehnter Geburtstag wird zwar definitiv anders laufen, aber trotzdem.

Als wir dachten, dass alle verschwunden sind, haben wir uns dann in die Wohnung begeben – die zur großen Überraschung aller sogar noch aussah, wie eine Wohnung. Etwas klebrig hier und da, definitiv überdurchschnittlich krümelig und manches hatte sich dann doch vom Originalstandplatz wegbewegt, aber alles in allem war alles okay.

Nur war die Wohnung nicht leer.

Während ich also grade meine Schuhe wegstellte, torkelte da ein letztes kleines Grüppchen vom Balkon rein und begab sich auf seinen Weg.

Und grade als wir dachten das wars, ging die Badezimmertür auf und ein Mädchen kam raus und schaffte es dann doch noch irgendwie nicht mit Schwung in die Garderobe zu kippen. Aus dem Schlafzimmer meiner Gasteltern kamen auch noch die letzten zwei, die vor Schreck den Boden erstmal in Bier tränkten. Ganz klasse.

Ich war sehr froh, nicht anwesend zu sein.

Bis dann und wann, Jenna

 

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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