(17.10.2018) Chemie, kleinere Notfälle und britischer Besuch

Ja was muss man da noch alles berichten, steht doch schon in der Überschrift.

Der Chemietest war definitiv kein Test, sondern ging zwei Stunden. Also zwei Zeitstunden. Das sind 120 Minuten. Das ist mehr als ne Klassenarbeit in Deutschland. Help.

Als positiv wäre zu erachten, dass ich tatsächlich kein Wörterbuch oder Google Translate oder sonstwas gebraucht habe, was mich unfassbar freut, weil hey, das heißt, dass es mit dem Schwedischen vorangeht.

Apropos. Ich glaube ein Punkt, durch den fast jeder Mensch, der eine neue Sprache lernt, durch muss (zumindest wenn es eine Sprache ist, die dem Deutschen entfernt ähnlich sieht oder wenigstens die gleichen Buchstaben benutzt), ist der, an dem man sich selbst fragt „Werd ich überhaupt noch besser? Lerne ich überhaupt dazu? Ich hab doch noch genau so viele Vokabelfragen wie früher. Klingt das vielleicht einfach nur dem Deutschen ähnlich und deswegen versteh ichs?“ und das ist recht unpraktisch.

Ja, an jeden Menschen, der sich die Frage mal stellt, ja, da ist Fortschritt, auch wenn man ihn selber nicht merkt.

Der Kopf wird immer Vokabelfragen haben, weil er mit seinen Aufgaben wächst.

Lass mich irgendein Beispiel nehmen:

„Das Glas ist grün.“, auf Schwedisch dann „Glaset är grönt.“

Nur fragt sich dein Kopf „Was zur Hölle heißt denn grün auf Schwedisch?“, und jemand antwortet dir mit „grönt“ (bzw. grön, aber weil Glas ein ett-Wort ist muss das Adjektiv auch auf t enden, aber das tut nix zur Sache) und wahrscheinlich musst du noch drei Mal nachfragen, was denn jetzt „grün“ heißt, bevor es in deinem Kopf hängen bleibt, aber irgendwann ists dann drin.

Während man sich also in seinen einfachen Hauptsätzen unterhält, tauchen in ihnen regelmäßig Vokabelfragen auf, aber man lernt dazu und das Vokabular erweitert sich und plötzlich will der Kopf, weil er sich an die einfachen Hauptsatzkonstruktionen gewöhnt hat, was komplizierteres versuchen.

„Das Glas ist grün, weil es voller Spinat ist“, auf Schwedisch „Glaset är grönt eftersom det är fullt av spenat.“

Und wieder fragt sich der Kopf „Was zur Hölle soll denn „voller“ heißen? Jemand wird antworten „fullt av“ und irgendwann wird auch dieses Wort Teil des Vokabulars.

Das Gefühl, was im Kopf hängen bleibt, ist aber nicht „Oh, schon wieder ein neues Wort gelernt“, sondern „Urgh, schon wieder nach ner Vokabel fragen müssen“.

Und genau deswegen redet man sich selbst ein, dass man keine Fortschritte macht, denn der Kopf vergisst, dass er sich vor Wochen mal gefragt hat, was genau „grün“ bitte auf Schwedisch bedeuten soll.

Der Kopf sagt dann nämlich gerne „grön“, also das klingt ja wie das deutsche Wort, das wird wohl jeder hinkriegen. Das Ding ist, nein, wirds nicht. Auch wenn das Wort dem Deutschen sehr ähnlich klingt, muss man erstmal wissen, dass „grön“ „grün“ heißt, bevor man diese Feststellung treffen kann. Wenn du jemand Fremdes einfach bloß das Wort „grön“ zeigst, wird er höchst wahrscheinlich komisch gucken und mit den Schultern zucken. Mit der Information „das deutsche Wort klingt so ähnlich“, ist er allerdings ziemlich wahrscheinlich in der Lage, auf das deutsche Wort zu schließen, denn nun hat er gelernt, dass das deutsche Wort und die schwedische Übersetzung ziemlich ähnlich klingen und kann mit dieser Information arbeiten.

Kurz gesagt, wir machen viel mehr Fortschritte, als wir uns selbst zuschreiben, und das ist wirklich schade.

Zurück zu Chemie.

Ich hab den gesamten Test ohne jegliche Übersetzungshilfen verstanden, was mich sehr freut.

Das hieß nicht, dass es zwingend besonders viel leichter war, ich hab fast die kompletten zwei Stunden gebraucht, bevor ich an der letzten Aufgabe tatsächlich einfach aufgegeben hab, es war doch zwecklos.

Als ich dann aus der Schule geschlurft bin, hat mein Herz einen traurigen Freudenhüpfer gemacht.

Wenn es irgendwas gibt, was ich, als Experte im nicht-mit-Menschen-sprechen-wenn-mein-Kopf-durchdreht, allen Menschen, die mir wirklich wichtig sind, sage, dann ist das, dass sie sich bitte kein Beispiel an mir nehmen sollen und mich zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit kontaktieren können, falls sie das Gefühl haben, dass reden helfen könnte.

Und so ist es zwar wirklich unschön, wenn ein Mensch einen Grund hat, mit jemandem zu sprechen, aber scheiße man bin ich froh, wenn sich der Mensch dann auch tatsächlich entschließt, mit jemandem zu reden.

Und so hab ich mich dann mal kurz alle Pläne über Bord gekippt und bin nach der Schule zum Kiwihüter gesprintet.

Ich glaube einer der traurigsten Sätze, die man als Freund zu hören bekommen kann, ist „Ich hab nicht wirklich gedacht, dass du tatsächlich vorbei kommst“. Dann scheiße man, natürlich komm ich, dazu sind Freunde da, was denkst du denn? Dass ich dich alleine weinend in deiner Küche sitzen lassen? Absolut nicht.

Im Endeffekt geht alles weitere das Internet nichts an und abschließend kann man sagen, dass ich keinen Schimmer hab, womit ich solch liebenswerte Idioten als meine Freunde verdient hab.

Abends kam dann noch der frisch nach London gezogene, beste freund meines Gastvaters vorbei. Ein wirklich netter Mensch, aber ich war nervlich so durch, dass ich um ein Haar einfach in der Küche eingepennt bin. Es tut mir leid.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Ein Gedanke zu „(17.10.2018) Chemie, kleinere Notfälle und britischer Besuch“

  1. Hallo Jenna, wir sitzen auf einer Bank im Niendorfer Hafen, über uns kreischen die Möwen und ich les deinen Eintrag. Wer dich dein Lebenlang kennt, weiss wie dir die Gedanken so durch den Kopf zischen und dir ein bewegtes Leben bereiten. Aber so wird es eben auch nie langweilig und es ist schön zu wissen, dass du so liebe Freunde hast. Wir fahren am Samstg wieder nach Haus und hatten einen supersonnigen Urlaub. Sei geknuddlt und grüß alle die es dir Wert sind von den 2 Os

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