(20.10.2018) Kafka und wie ich an einer Bank festfror

Wir wissen inzwischen alle, dass ich eine Lieblingsbank hab. Sie ist sehr schön. Und liegt dort: [Das hier ist ein Link zu einem Ort in Google Street View]

Ich habe keinen Schimmer ob das funktioniert, aber falls jemand auf diesen Link klickt und ein Bild sieht, was dem Titelfoto gleicht, dann ja, es hat geklappt.

Ich hab ehrlich nie gedacht, dass ich mal zum Mensch werde, der sich mit einem Buch irgendwo ans Wasser setzt und einfach liest, auch gerne dann mal zwei Stunden lang, obwohl man der Lilli Fee am Telefon schon gesagt hatte, dass einem jetzt kalt ist und man bald nach Hause müsse.

Irgendwie wars in Deutschland immer so, dass ich, wenn ich mal nichts zu tun hatte, auch wirklich nichts machen wollte. Nicht raus, keine Menschen sehen, kein Buch lesen, ja nicht mal wirklich aufraffen und mich vielleicht raus in eine Hängematte begeben, mit was zu trinken und ein bisschen Essen.

Alles, was irgendwas „machen“ beinhaltete, wurde von meinem Gehirn gestrichen. Frei nach dem Motto „Jenna, wir machen sonst genug, jetzt machen wir nichts“, und möchte ich mir eigentlich nicht vorstellen, wie viele Stunden ich mit praktisch nichts-tun verschwendet hab. Zeit, in der ich Dutzende Bücher hätte lesen können, ganze Serien schauen oder mit meinen Lieblingsidioten durch die Gegend dölmern.

Allerdings, „verschwendet“ ist vielleicht (nein, nicht nur vielleicht sondern absolut) das falsche Wort. Absolut gar nichts tun war, was mein Kopf brauchte und dann soll er das auch kriegen.

Aber plötzlich kann ich Dinge tun in meiner Freizeit und vor allem will ich Dinge tun und um ehrlich zu sein, hatte ein Teil von mir schon vergessen, wie sich das anfühlt. (Andererseits hatte ein Teil von mir auch schon vergessen, wie es sich anfühlt, mehr als 30 Seiten an Stück zu lesen, also vielleicht bin ich auch einfach vergesslich wie Sau.)

So oder so, furchtbar glücklich stellte dieser Teil von mir dann fest, dass es tatsächlich noch fähig ist, lange am Stück zu lesen, und so sollte es geschehen.

Ich saß da und las und las und las und irgendwann kroch mich dann mal ganz dezent die Kälte an. „Wo för fan i helvete kommt die denn her?“, fragte mein Kopf, intelligent wie immer. Als ich dann schweren Herzens die Augen vom Buch hob, stellte ich fest, dass sich mir ein definitiv zu verliebtes Touri-Pärchen in die Sonne gestellt hat. Die Schweinepriester.

Irgendwann waren sie weg und es dauerte nicht lange, bis die Kälte wieder halli-hallo-hallöchen rief. Diesmal stand mir niemand in der Sonne, es wurde bloß langsam etwa fünf und damit ging die Sonne unter. Ein kleines Bisschen traurig bin ich, dass ich keine richtige Kamera dabei hatte, aber gut, so ist das manchmal.

Warum hatte ich eigentlich in erster Linie das Haus verlassen?

Auf Empfehlung meines Gastpapas hab ich mich in einem Antiquariat auf die Suche nach Kafka gemacht. Siehe da, sie hatten Kafka, in Massen sogar. ABER AUF DEUTSCH!

Das hilft ja wirklich ungemein, wenn man das jemandem andrehen will, der kein Deutsch kann. Das einzige Buch, was sie in nicht-deutsch (bzw. dann auf Schwedisch in dem Fall) hatten, hab ich zur Sicherheit mal gekauft, es nicht per se was ich suche, aber wer weiß, was ich sonst noch finde.

Müde, müde, müde.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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