(02.11.2018) Let me talk about change

Exakt das. Und Angst. Und Chaos im Kopf. Und Leben und so.

Wenn die Menschen sagen, dass einen ein Auslandsjahr verĂ€ndert, dann haben sie recht. Aber wie sehr es einen verĂ€ndert, das kann niemand vorhersehen. Es ist verrĂŒckt, völlig verrĂŒckt.

Ich möchte mein GesĂŒlze gerne mit einem kleinen Video einleiten (herzlichen Dank an Abba The Museum, das mir das vor Augen gefĂŒhrt hat). Achtung, ich mache mich gleich im Internet zum Affen.

Worauf ich damit eigentlich hinaus will ist nicht, dass ich immer noch nicht tanzen kann, sondern die Tatsache, dass ich, obwohl ich keinen blassen Schimmer hab, was ich da eigentlich mache, glĂŒcklich dabei aussehe. Mir steht nicht per dick und fett „Heilige Mutter Gandalfs ist das peinlich“ ins Gesicht geschrieben, und scheiße man, natĂŒrlich ist das sau peinlich, und das ganze auch noch auf meinen Blog packen, das ist noch viel schlimmer. Aber scheiße man (nochmal), ist mir das vielleicht komplett egal? Exakt das ist es. Und das kann man sehen.

Das erste Video ist von Ende August, das andere von Vorgestern, und wenn mich jetzt nicht alles tÀuscht, sieht man einen riesigen Unterschied (nicht im Rumgezappel sondern in mir).

Und es gibt wenig Dinge, die mich so glĂŒcklich machen, wie diese Enddeckung.

Eines Nachts, vor ein paar Tagen, als ich nicht schlafen konnte, als mein Kopf lauter geschrien hat, als meinen Ohren gut tut und als der lustige, stechende Schmerz, den ich bestens aus Deutschland kenne, beschlossen hat, mal wieder hallo zu sagen, da hab ich dem KiwihĂŒter geschrieben. FĂŒnf kleine Worte. „Do you have a second?“. Und dann ist alles aus mir rausgebrochen. Alles, was ich in den letzten drei Jahren in meinem Kopf eingesperrt hab, von dem ich mir selbst versprochen hab, nie wieder drĂŒber nachzudenken. Sprechen ging nicht und ich glaube am Ende waren es ĂŒber 30 Minuten, die ich gebraucht hab, um das alles zu tippen.

Wer hĂ€tte gedacht, dass ich erst in ein anderes Land ziehen muss, um so jemanden zu finden? Einen Menschen, der mich besser versteht als ich selbst? Der besser weiß, was mit mir passiert, als ich selbst? Der so weit in die Zukunft gucken kann, dass er alle Dinge, die ich eventuell in meinem kleinen verqueren Kopf in Frage stellen könnte, schon mal provisorisch mit Edding auf meinen Arm schreibt? Scheiße man, dich lass ich nicht mehr gehen.

Der entscheidende Punkt ist aber ehrlich gesagt, dass ich jetzt in der Lage bin, sowas ĂŒberhaupt zuzulassen. Und dafĂŒr musste ich aus Deutschland raus.

Es sind viele Dinge, die sich verĂ€ndern. Viele kleine, in und an mir, viele große, vor alle in mir drin.

Ich kann meine Haare offen tragen, etwas, was ich nie, also wirklich nie gemacht hab in Deutschland. „Das bin nicht ich“, hab ich mir immer gesagt. „Aber was bin schon ich?“, frage ich mich jetzt.

Wer genau bin ich eigentlich? Ich bin der Mensch, der nie fĂŒr die Schule gelernt hat und bloß am Abend vorher alles ins KurzzeitgedĂ€chtnis geprĂŒgelt hat. Warum? Schule ist scheiße. Ich bin der Mensch, der die ESC Gewinner der letzten 62 Jahre auswendig kann. Warum? Weil ich niemand anders kenne, der das kann. Ich bin der Mensch, der Quenya lernte. Warum? Weil niemand den ich kenne, das spricht. Ich bin der Mensch, der Merch von all den komischen kleinen Bands trĂ€gt. Warum? Weil ich niemanden kenne, der sie mag. Ich bin der Mensch, der jetzt in Schweden ist. Warum? Weil ich niemand anders kenne, der hier AustauschschĂŒler war. Ich bin der Mensch, der Motorrad fĂ€hrt. Warum? Weil das bei Papa super spaßig aussieht. Ich bin der Mensch, der allen möglichen Scheiß ins Internet scheibt. Warum? Weil ich will. Ich bin der Mensch, der sich gesagt hat, dass LĂŒgen die neue Wahrheit sind. Warum? Weil ich Angst hatte, verurteilt zu werden. Ich bin der Mensch, der aufgehört hat zu tun, was ihm Spaß macht. Warum? Weil ich so kaputt war, dass nicht mal dafĂŒr Energie da war. Ich bin der Mensch, der andere Menschen grundlos hasst. Warum? Einfach bloß, weil sie Menschen sind. Ich bin der Mensch, der sich selbst belogen hat. Warum? Weil ich nicht einsehen wollte, wer ich wirklich bin.

Und warum? Weil ich Angst hatte.

Viele der Dinge, die mich in den letzten Jahren ausgezeichnet haben, die sehe ich noch immer so. Und viele Dinge, die vor Jahren bloß aus Prinzip angefangen hab, die liebe ich noch heute mit ganzem Herzen. Aber viele Entscheidungen, die ich getroffen hab, die wĂŒrde ich am heutigen Tage nicht noch mal treffen und doch, wĂŒrde man mich zurĂŒck an den Tag schicken, an dem sie ursprĂŒnglich gefĂ€llt wurden, wĂŒrde sicherlich nichts anders laufen.

Ich habe lange, sehr sehr lange mit dem KiwihĂŒter geredet. DarĂŒber, wer man ist als Mensch.

Ich war schon immer ein Mensch, der beschlossen hat, zu sein, wer er ist. Auch wenn es so aussieht, nicht wirklich viel ist einfach passiert. Ich wĂŒrde mir manchmal gern selbst in den Arsch beißen beim Gedanken, wie viele Dinge, auch die, die mich unglĂŒcklich machen, ich gemacht hab, einfach aus Prinzip, oder weil sie zum Menschen passen, der ich beschlossen hatte zu sein.

Ich hab mich selbst davon abgehalten, mich in Dinge zu vergraben, die Spaß machen, nur weil alle anderen sie auch toll fanden. Ich hab nie gelernt, fĂŒr die Schule zu lernen, weil ich mir immer gesagt hat, „Du bist du Jenna, du lernst nicht“.

Es gibt endlos viele Dinge, die sich verÀndern.

Meine Prinzipien, der Mensch, der ich vorgebe zu sein, den kennt hier in Schweden niemand. Niemand hat Erwartungen, keine Seele sagt „Aber warst du nicht immer dagegen?“, „Mochtest du das frĂŒher nicht so gern?“, „Aber sowas hast du doch noch nie gemacht?!“.

Ich war immer der Mensch der nicht tanzt. Warum? Ich tanze nicht.

Bullshit. Großer Bullshit. Jeder Mensch tanzt und sich davon abzuhalten ist im Endeffekt völlig bescheuert.

Ich bin an einem Punkt, wo ich innerlich im Kreis renne und dabei schreie, wĂ€hrend mir Dampf aus den Ohren kommt und ich dabei mit Rasseln rassel. Ich frage mich ernsthaft, was an mir wirklich ich bin und was genau bloß „aus Prinzip“.

Im Endeffekt bin natĂŒrlich auch alles, was ich bloß aus Prinzip mache ich, es sind ja schließlich meine Prinzipien, aber trotzdem.

Alles verĂ€ndert sich in meinem Kopf und das schneller, als ich es greifen kann. Ich hab Angst. Eine Art von Angst, wie ich sie nicht in Wort fassen kann und wie ich sie noch nie gespĂŒrt hab. Ich hab schlichtweg Angst davor, mich selbst zu finden und am Ende nicht mehr in mein Leben zu passen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hĂ€tte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömĂ€n pĂ„ skeppet "Shanghai"."

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