(13.11.2018) Vom Glücklichsein

Heute war der wohl schönste Tag überhaupt.

Wir erinnern uns an Freitag, wo ich meinte, dass was unglaublich episches passiert ist und dass ich das noch nicht ins Internet setzten kann, weil ich Angst hab, irgendwelche bösen Geister heraufzubeschwören?

Well, heute kann ichs wohl erzählen.

Wem ich das noch nicht persönlich erzählt hab und der es jetzt also durch meinen Blog erfährt, es tut mir leid.

Ich war in meinem Leben wirklich noch nie so glücklich wie jetzt und ich hoffe, dass es mir niemand verübelt, dass ich an diesem Gefühl festhalten will und deswegen gerne im Land bleiben will und das Schuljahr hier fertigmachen.

Das Problem ist, dass meine Gastfamilie mich nicht behalten kann.

Wir erkennen das Schlamassel?

Nun, vor knapp zwei Wochen hat mich dann der plötzliche Schock gepackt, dass ich bald nach Hause muss und in meinem emotionalen Chaos, hab ich dann dem Kiwihüter geschrieben.

Der selbe Kiwihüter (und der beste Freund den ich hier irgendwie finden konnte) hat mir heute im Physikunterricht dann in die Seite getippt und meinte dann völlig beiläufig zu mir „Oh by the way I have good news. You’ll be able to stay at my place“.

Ich glaube ich hab in meinem Leben noch nie so plötzlich angefangen zu weinen.

Ich verstehe selbst noch nicht ganz, was genau das jetzt bedeutet. Mein Kopf sagt immer noch „Im Januar gehts nach Hause“.

Ich verstehe nicht, warum jemand mich einfach so fünf Monate bei sich aufnehmen will. Vor allem nicht jemand wie die, die eigentlich wirklich keinen Platz für einen fünften Menschen haben. Aber sie wollen es trotzdem machen. Sie hätten das besprochen und es sei die Entscheidung gefallen, dass sie das irgendwie hinkriegen. Ich kapiers nicht. Echt nicht. Aber dankbar bin ich, mehr als alle Worte dieser Welt jemals ausdrücken könnten.

Sie fragten außerdem, ob ich abends um neun, wenn die ganze Familie dann zuhause ist, Zeit hätte vorbeizukommen. Sie würden sich gern noch mal mit mir persönlich drüber unterhalten.

Ich weiß wirklich nicht was genau ich da erwartet hab, dass ich so unglaublich nervös war.

An dieser Stelle vielen dank an meine Gastfamilie, ihr seid eh die besten. Als ich ihnen erzählt hab, dass ich vielleicht wirklich länger in Schweden bleiben kann, haben sie sich sehr sehr sehr gefreut und haben gleich gesagt, dass ich ja mal gut sonntags zum Essen kommen kann.

Aber so watschelte ich dann Abends also zum Kiwihüter.

Ich weiß wirklich nicht, was ich erwartet hab. Ob ich dachte, dass da jetzt ein Verhör stattfindet oder was auch immer.

Im Endeffekt saßen sie bloß in der Küche, der Papa guckte mich an und erklärte dann „Wir haben nachgedacht, also eigentlich denken wir schon länger nach, quasi seit dem Tag, an dem unser Kind uns das erzählt hat und wir haben gedacht *schaut zu seiner Frau* *Frau nickt lächelnd* dass du bei uns leben kannst“.

Das war dann der Punkt, wo mir wieder die Tränen gekommen sind.

Ich weiß nicht, wieso diese Menschen das machen. Bis heute kannten sie noch nicht mal meinen Nachnamen oder irgendwas. Aber sie wollen mich wirklich behalten.

Sie würden alles tun, um Gastfamilie zu werden und auch wenns wohl etwas eng wird, sie freuen sich schon sehr.

Ich verstehs echt nicht.

Und so hab ich dann noch meine Handynummer dagelassen (damit sie mich zur Familiengruppe auf Whatsapp (sie benutzen Whatsapp!!!) hinzufügen können, und schon das fühlt sich gleich nach zuhause an.

Meinem Local Coodinator hab ich schon ne Mail geschrieben, um alles weitere Organisatorische in die Wege zu leiten und jetzt heißts einfach bloß Daumen drücken.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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