(01.12.2018)20 Mal schlafen bis zu meinem Geburtstag

…und nur noch 35 Tage, bis ich die Gastfamilie wechseln muss. Wie die Zeit doch vergeht.

Irgendwie wird sich das komisch anfühlen, plötzlich woanders zu wohnen. Diese Menschen hier, das ist doch jetzt meine Familie. Die Menschen, die sich an meine Morgenmuffligkeit gewöhnt haben, die mich nehmen wie ich bin und die auch meine Essgewohnheiten nehmen wie sie sind.

Es sind die Menschen, die mir ne komplette verdammte Sprache beigebracht haben, eben weil sie so erpicht darauf sind, dass ich kein Wort Englisch mehr sprechen darf. Ich hab ein wenig Angst, dass das den Bach runter gehen wird, schließlich ist ein Teil der Familie nun mal britisch und spricht viel Englisch.

Ich brauch das „Komm, das kannst du auf Schwedisch“, wenn ich mal wieder die selbe Frage zum dritten mal in 20 Minuten gestellt habe.

Ich hab Angst, dass sich unsere Lebensstile vielleicht doch nicht vertragen und ich hab Angst, dass zwischen dem Kiwihüter und mir irgendwas schief läuft, wenn wir nun plötzlich auf einem Haufen leben.

Ich hab Angst, mich nicht zuhause zu fühlen, sondern nur wie „Übernachten bei einem Kumpel“, und grade dieses „Zuhause-Gefühl“ ist doch das, was ich mehr schätze, als alles andere.

Grade jetzt kommt die Angst, die ich direkt vor Schweden hatte ein bisschen zurück. Ich weiß, dass es okay sein wird und ich weiß, dass ich diesen Artikel irgendwann lesen werde und sagen werden „Unnötige Sorgen hast du dir da damals gemacht, klein Jennalein“.

Aber grade kommt die Angst wieder und da kann ich einfach nicht viel tun, außer das bloß aussitzen.

Ansonsten gings heut Morgen nach Katrineholm zu der Mama meines Gastvaters. Es war wirklich überaus nett.

Sie wohnt wahrscheinlich an der einzig schönen Stelle im ganzen Dorf (oder Stadt, actually), mit Blick auf die Gröne Kulle, eine kleine Erhebung mit einem Haus drauf und einem Park daneben.

So kamen wir auf jeden Fall an und die Köttbullar standen schon fast auf dem Tisch, welch ein schöner Start!

Es ist unglaublich, wie zuhause ich mich auf Anhieb gefühlt hab. Ich wurde genauso geknuddelt wie jedes andere Familienmitglied und schwupp wurde ich auch schon mit Fragen gelöchert.

Die Wohnung sieht aus wie das königliche Möbellager. Die ganze Wohnung war im viktorianischen Stil eingerichtet (mit dem kleinen Unterschied, dass es noch originale Möbel aus der Zeit waren). Da sitzt man also grade auf einem Sessel und plötzlich erklärt dir jemand, dass der Sessel und das dazugehörige Sofa zusammen mal umgerechnet schlappe 15.000€ kosten. Erschieß mich doch einer. Aber nicht auf dem Sofa bitte, das war teuer.

Von diesen Sofas, Sesseln und Stühlen gab es sehr viele, es war ja auch eine gigantomanisch große Wohnung. Mit einer Uhr aus dem 16. Jahrhundert, von der mir drei Leute unabhängig voneinander erzählt haben, dass die Uhr auch nach knappen 500 Jahren noch funktioniert, weil sie ja mechanisch wär. Man müsse sie nur jeden Sonntag aufziehen.

Ich hab keinen Schimmer, ob die Uhr wirklich so alt ist, wer möchte, der kann ich gerne den Wikipediartikel über Uhren durchlesen (hier klicken), aber der ist so langweilig, da würd ich noch eher den über Rolltreppen empfehlen (hier klicken).

Nachdem die Betten hergerichtet waren, holte uns der Freund meiner Gastoma ab, er ist 86 und jagt noch immer. Er wollte uns passender Weise sein Jagdhaus zeigen.

Zugegeben, ein wirklich schönes, auch wenn mich die vielen Elchgeweihe an der Wand etwas wehmütig stimmen. Ich mag Elche lebend irgendwie mehr.

Irgendwann erzählte mir jemand, dass das Haus etwa 500.000 wert sei. In meinem Kopf schien das sehr logisch, eine halbe Millionen klang nach angemessenem Preis für ein Haus in der Lage.

Dann fiel mir ein, dass 500.000 Kronen aber nur 50.000 Eure sind und holla die Waldfee, das ist wirklich nichts für ein Haus dieser Art. Allein im Wohnzimmer könnte man einen Ball mit 150 Leuten abhalten und es wär nicht mal für schwedische Verhältnisse besonders bedrängt.

Zum Abendbrot sind wir dann zu ihm nach Hause und es gab Fleisch und Kartoffeln. Ich glaube die Schweden mögen generell Fleisch und Kartoffeln sehr gern.

Ich wurde immer müder und müder und müder und nun sitze ich hier auf einem Sofa, das mehr kostet als ein Kleinwagen und tippe noch die letzten Zeilen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 16 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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