(15.12.2018) Tacos und das Bahnhofabenteuer

Heute war wieder so ein Tag, an dem ich nicht so ganz wusste, wie ich mein Glück fassen sollte.

Seit ich hier bin, schauen mich eigentlich alle paar Tage mal wieder Leute völlig entgeistert an, wenn ich erzähle, dass ich noch ne wirklich Tacos gegessen hab (also zumindest die typisch schwedisch (die eigentlich aus Mexiko kommen)).

Und so hatten dann meine Lieblingsidioten die grandiose Idee, jetzt, wo ich doch in Schweden bleibe, könnte man doch das verbinden und zur Feier dieser Tatsache einen Taco-Abend veranstalten.

Und irgendwie hatte dann tatsächlich die halbe Klasse zugesagt und wir waren verdammt viele Menschen, zumindest für meine Verhältnisse. Ich weiß, ich weiß, ich bin doch eh im Wasser gebaut, aber mir wären um ein Haar die Freudentränen gekommen, als wir dann also alle da zusammen saßen und anstießen mit einem „Skål! Cheers! Prost! To that we are keeping you here with us for another half a year!“

Anyway, für mich fing die ganze Schose ja schon früher an, denn der Kiwihüter und ich hatten unsere Hilfe bei den Vorbereitungen angekündigt. Ich kann verstehen, warum der Kiwihüter das macht, aber ich bin ja mehr son Hindernis in der Küche. Aber gut. Jetzt saß ich mit meinen Blumen (über deren Preis wir nicht sprechen) und dem Kiwihüter im Zug (den Kiwihüter, den ich vorher noch von den Pfadfindern weggefischt hatte) (die Pfadfinder, die mich etwas strange angeguckt haben, als ich mit meinem gigantischen Blumenstrauß da aufgetaucht bin um den Kiwihüter abzuholen).

Aus dem Bahnhof da rauszufinden, war übrigens quasi unmöglich. So standen wir an einer unterirdischen Abzweigung und der Kiwihüter, hilfreich wie immer, erklärte nur „Also da links ist falsch, da ist ne rote Brücke und das hat letztes Mal schon nicht geklappt“. Das ließ uns immer noch drei Optionen offen.

Wir haben dann aufgegeben und Linnea angerufen.

Im Endeffekt stand dann zwei stunden Schnippeln an… oder Unmengen Guacamole machen. Was mir übrigens niemand gesagt hat, ist, wie unendlich schmierig Avocados sind und bäh? Anyway, offensichtlich muss man den Mist nicht pürieren, bis es flüssig ist, das hat mir aber auch überhaupt niemand gesagt. Und überhaupt so.

Gegen fünf trudelten dann so langsam alle Menschen ein, bis auf die, die mit dem Zug kommen. Daraufhin meine Linnea dann „Can someone volunteer to go and pick them up at the trainstation?“ und ich, schlau wie ich bin, meinte natürlich „Of course, I’ll go get him“ und war dann auch schon auf und davon. Im Auto ist mir dann aufgefallen, dass ich leider absolut keine Ahnung hatte, wen wir alles einsammeln sollten.

Es folgte der erste Anruf: „How many people are we actually supposed to pick up?“ – „It’s just Lucy“ – „Okay“.

Also Lucy eingesammelt und dann auf, auf, nach Hause. Wir sind dann im Auto mal durchgegangen, wer mit wem zusammen fährt und irgendwie ist die ganze Rechnung überhaupt nicht aufgegangen. Also überhaupt gar nicht.

Es folgte der zweite Anruf: „Sure it’s just Lucy? According to our calculations there are some peeps missing“ – „No just Lucy, I think“ *Anruf endet*

Also weiterfahren. Sinn machte da immer noch nichts, zumindest nach unseren Berechnungen.

Es folgte der dritte Anruf: „Are you all really really sure it’s just Lucy? Like…“ – „Oh yea, Sara, you have to go and get Sara“.

Toll, ganz toll. Anyway, es folgte also die freudige Nachricht für Linneas Papa „Äh jag tror vi har glömt någon, så det skulle vara jättesnäll om vi skulle kunna åka tillbaka till tågstationen“. Gesagt getan, zurück zum Bahnhof!

Irgendwann waren dann auch mal alle versammelt und es konnte losgehen.

Nachdem ich mich beim Versuch, meinen Taco zu basteln, zum Gespött der Nation gemacht hab, wurde alles eigentlich nur noch lustiger.

Ich werd gar nicht erst versuchen, das alles in Worte zu verpacken. Nur so viel, ein Teil unserer Gesellschaft hat versucht, durch ein Fenster im Treppenhaus in den Wäschekeller zu bringen, ein anderer Teil hätte vor um ein Haar auf den Tisch gebrochen, weil er zu viel gegessen hatte und wieder ein anderer Teil hatte inzwischen seine Zeichenutensilien ausgebreitet und ja… bunte Mischung das ganze.

Irgendwann wurde das ganze Geschirr dann auch mal in der Küche angekommen und irgendwie ist dann ein Teil von uns auf dem Teppich im Flur verendet.

Weitere unerklärbare Umstände führten dazu, dass unser eh schon schiefes Gesinge dann von einem Cello begleitet wurde, was das alles nur so mäßig viel besser gemacht hat. Ein Cello, dass wie eine Gitarre gehalten und gespielt wurde. Anyway.

Die andere Hälfte von uns, die es tatsächlich bis auf die Couch geschafft hatte, versuchte unser Gesinge mit tatsächlicher Musik kleinzukriegen, aber im Endeffekt haben sie ABBA gewählt und (entgegen der allgemeinen, internationalen Auffassung, lieben die Schweden ABBA fast so sehr, wie sie stolz drauf sind, seit 200 Jahren offiziell in keinem Krieg mehr gewesen zu sein) so haben wir dann einfach wirklich wirklich laut ABBA gegrölt.

Hab ich jemals erwartet, dass ich meinen Abend mal mit einem Haufen Freunde, gestapelt zu einem tatsächlichen Haufen, verbringe, während wir aus vollen Halse ABBA schmettern und komisch rumtanzen (so gut das als Haufen halt geht).

Irgendwann gab es dann noch Eis. Blöder Weise hatten wir vergessen, dass im Gefrierschrank zu lagern und die Sahne hatte auch schon aufgegeben, so wurde es im Endeffekt Eissuppe mit Sahne und Schokoladensoße. Serviert in einer Obstschale, weil sie als einzige groß genug war.

Irgendwann löste sich die ganze Gesellschaft dann auf und bis auf Tara, den Kiwihüter und mich fuhr alles nach Hause.

Der Kiwihüter hatte das zweite Wohnzimmer, Tara und ich das Gästezimmer und Linnea hatte ja eh ihr eigenes Bett.

Also so gegen halb eins verabschiedeten sich dann alle ins Bett. Tara und ich waren unendlich müde. Also so richtig. Also müde beyond the point wo man tatsächlich schlafen kann. Also eigentlich waren wir wach.

Es wurde zwei, es wurde drei, es wurde vier, es wurde fünf und es wurde noch später.

Aber hier sind wir eigentlich schon längst bei morgen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s