(24.12.2018) Warum Weihnachten gar nicht so komisch war wie gedacht

Ich hab ja irgendwie erwartet, dass sich Weihnachten strange anfühlen wird. Ich weiß noch, dass ich Anfang Oktober beim Geburtstag meiner Gastschwester ähnliche Sorgen hatte, nur in kleiner.

Angst, irgendwie nicht reinzupassen und sich dann einsam zu fühlen, oder sowas. Ich weiß nicht, ich glaub das hab ich damals besser erklärt. Ich glaub, dass ist ne ziemlich berechtigte Angst, denn an Geburtstagen wie auch an Weihnachten, haben Familien ja oft bestehende Traditionen und wer weiß, wie gut man da als främling (Fremder) reinpasst.

Aber wie eigentlich jedes Mal, wenn ich Panik geschoben hab, war es völlig umsonst. Also wirklich. Komplett und hundertprozentig.

Weihnachten fing um 12, und wie in wahrscheinlich jeder schwedischen Familie gab es traditionell Julbord (wortwörtlich „Weihnachtstisch“), das ist im Endeffekt Buffet. Aber bevor ich mir die Finger wund tippe, gehts hier zu einem wirklich guten Artikel.

So saßen also Meine Gastfamilie (inklusive Bruder) und der beste Freund meines Gastvaters, der aus Großbritannien angeflogen kam, um den Esstisch. Und da saßen wir dann auch erstmal. Weil die Fresserei ja gar kein Ende nahm. Aber wir haben ja auch die letzten fünf Tage mit kochen, kochen und ach ja, kochen verbracht. Es gab sehr viel Essen.

Um drei versammelten wir uns dann (wie etwa 3,7 Millionen andere Schweden auch (Artikel hier)) vor dem Fernseher, denn man schaut hier zu Weihnachten Donald Duck. Oder Kalle Anka, wie er hier heißt. Anka heißt Ente. Also Kalle Ente.

Danach folgte zumindest in meiner Familie eine Versammlung ums Klavier und wir haben ein paar schiefe Weihnachtslieder gesungen.

Kurz danach ist der britische Besuch dann verschwunden, um seine Frau anzurufen und ich hab die Zeit genutzt, um mal kurz bei meiner Familie durchzuklingeln.

Um viertel nach vier begann dann das Geschenke auspacken.

Es ist zu bedenken, dass an jedem Geschenk ein Gedicht dranklebt, was das Geschenk beschreibt. Mein Gastbruder und mein Gastpapa haben tatsächlich versucht auf Deutsch zu schreiben und ich hätt mich fast weggeschmissen vor lachen, als das Gedicht meines Bruders mit den Worten „Ich bin ein bisschen radikal“ anfing. Er hat dann radikal auf Musical gereimt… also Musical sehr deutsch ausgesprochen.

Und so wurde Geschenk nach Geschenk nach Geschenk erst von meinem Gastvater ausgesucht, dann hat er das Gedicht studiert, dann hat er es vorgelesen und dann wurde es an die Person übergeben, die dann erst in Ruhe auspacken durfte, bevor es weiter ging.

Irgendwann war die zwei-Stunden-Marke geknackt und irgendwer rief erleichtert „Nur noch 22 Geschenke!“

Ja, das war Erleichterung. Vor allem beim Niveau der Gedichte meiner Gastmama. Oh man ey.

Ich hab tatsächlich den Rekord für das längste Gedicht geschlagen und bin darauf unendlich stolz. Ich mein, ich lern Schwedisch jetzt seit vier Monaten und hab eine ganze Salve Weihnachtsgedichte fabriziert, von denen eins 28 Zeilen lang ist.

Nach fast dreieinhalb Stunden war es dann geschafft. Der gesamte Boden war bedeckt mit Geschenkpapier und meine Gastmama sah aus, als würde sie fast verzweifeln.

Mein Gastpapa hat sich wirklich richtig richtig doll über mein Geschenk gefreut (aka. ein Trikot von Eintracht Braunschweig) und hatte das dann auch gleich für den Rest des Tages an.

Apropos Rest des Tages: Der verlief ruhig.

Wir saßen ein bisschen zusammen in der Küche und haben Bezzerwizzer gespielt, meine Family liebt dieses Spiel über alles.

Ich hab dann Müsli zum Abendbrot gegessen, weil mir vom ganzen Fischgeruch, der vom Julbord ausging, langsam wirklich schrecklich schlecht geworden war.

Irgendwann verlagerten sich dann alle nach und nach ins Bett und ein unglaublich schönes Weihnachtsfest mit Leuten, die sich wirklich wie eine richtige Familie anfühlen, ging zuende.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s