(31.12.2018) May we all have our hopes, our will to try, if we don’t we might aswell lay down and die

Silvester. Neujahr. New Year’s Eve. Nyårsafton. Oder wie auch immer man es nennen will. Auf jeden Fall war das heute.

Wir haben Silvester bei den besten Freunden meiner Gastfamilie gefeiert, wobei dayu dann noch drei andere Familien kamen, sodass wir im Endeffekt 18 Leute waren.

Den Tag über machte irgendwie jeder so sein Ding und alle existierten so vor sich hin. Meine Gastschwester und meine Gastmama verschwanden dann irgendwann, um sich Haare und Make-Up richten zu lassen und als sie dann wieder da waren und sich in ihre Silvesterklamotten geworfen hatten, hab ich dann doch mal kurz verwundert den Kopf in den Flur gesteckt und platt raus gefragt „Hur fancy blir det?“ (Aka „WIe fancy wird das?“), den ich hatte eigentlich nicht geplant, da irgendwie besonders aufgebrezelt aufzuschlagen.

Mir wurde dann allerdings versichert, dass wir da ein sehr sehr breites Spektrum an Klamotten kriegen und ich doch einfach anziehen soll, was ich will.

Gesagt getan.

Nach einem Vormittag des Rumliegens, schlüpfte ich in schwarze Jeans, ein wundervolles The name’s bond, peptide bond Shirt, habs dann sogar geschafft, meine Haare ordentlich wegzuflechten und hab mich sogar in nen Blazer gequält (auch wenn ich meine Abba-Jacke in meiner Umhängetasche hatte).

PicsArt_01-03-02.06.44

Meine Gastschwester ist dann mit Freunden losgezogen und ich hab die letzten Minuten bevor wir dann auch los sind dazu genutzt, zumindest nochmal kurz mama zuhause anzurufen.

Schlussendlich haben auch wir uns auf den Weg gemacht, wobei ich mit meinem Gastpapa und Bruder gelaufen bin und meine Gastmama hat die U-Bahn genommen. Sie hatte Angst um ihre Frisur.

Irgendwann waren wir dann aber alle in der Wohnung angekommen und nach und nach trudelten immer mehr Gäste ein. Ich stand ein bisschen awkward in der Küche rum, habe dann beschlossen, dass mir das alles ein bisschen zu schwedisch ist und bin dann losmaschiert und hab mich mit zum-schütteln-ausgestreckter-Hand vorgestellt. Hat super funktioniert.

Besonders witzig war eine von denen, die ich noch nicht kannte. Ich hab mich dann also mit einem Lächeln und „Jenna“ vorgestellt und als Antwort kam nur „You’re not swedish, right?“ und – ich bin bis heute stolz, dass ich auf Anhieb meine Reflexe, in der Sprache zu antworten, in der jemand anders mit mir spricht, unterdrückt hab  – ich hab dann also brav geantwortet „Nej, det är jag faktiskt inte. Jag är en utbytesstudent från tyskland“.

Ich hab dann festgestellt, dass die Frau neben mir sitzt am Tisch (es gab ganz offizielle Platzkarten) und sie ist – wie wohl jeder in diesem Freundeskreis – unfassbar nett.

Der Abend ging schneller um, als ich mir das ganze irgendwie hätte erträumen können, auch wenn das Essen nicht wirklich meins war, aber glücklicherweise hatte der liebe Ante das exakt selbe Problem. So konnten wir uns wenigstens über einander lustig machen, während wir etwas unglücklich unseren Hummersalat anguckten.

Die ganze Futterei (und der Konsum von beachtlichen Mengen Wein (Ausgenommen natürlich all die Kinder unter uns)) wurde unterbrochen von einem wirklich lustigen Spiel. Bevor die Feierlichkeiten anfingen, musste jeder sein Lied des Jahres einschicken. Jetzt ging es darum, dass nach und nach alle Lieder angespielt wurden und man sowohl das Lied erraten musste, als auch sagen, wessen Lied des Jahres das war.

Mein Zettel sah etwa so aus… es lief nicht so besonders gut für mich (zu meiner Verteidigung, ich kannte einige der Menschen am Tisch nicht und hab sie deswegen ab und zu etwas hilflos angestarrt, während ich dann überlegt hab „Schreit dein Gesicht mehr so Jazz? Oder Punk? Vielleicht französischer Rap?“.

IMG_2055

Wie man dieser Liste entnehmen kann, hab ich ganze sechs Punkte bekommen. Oh wow.

Witziger Weise war es ziemlich leicht zu erraten welches Lied meins war… Johnny Blue war nämlich das einzige deutsche Lied und ich der einzige deutsche Mensch… da könnte ein Zusammenhang sein.

Ich finds übrigens etwas erstaunlich, dass Johnny Blue mein meistgehörtes Lied 2018 war.

Ich durfte dann an diesem Abend vielen Leuten erklären, worum es in dem Lied geht und ich hab jedes mal den gleichen Blick gekriegt, eine Mischung aus Zweifel, Verwirrung und Verwunderung. Es war sehr nett.

Irgendwann schritt das Essen weiter voran, es gab Steak umhüllt mit Pilzmus, gekleidet in Blätterteig, dazu fancy Kroketten. Ich habe sehr viele Kroketten mit Bratensoße gegessen.

Irgendwann hat mein Kopf dann aufgegeben und gerettet hat mich Ante, der mich ans andere Ende der Wohnung geschleift hat und mir erklärt hat, dass alles okay ist und sein Kopf laute Geräusche auch nicht verträgt und dass ich mir keinen Kopf machen brauch und vor allem nicht das Gefühl kriegen soll, ich würde mir oder irgendwem sonst irgendwas verderben.

Irgendwann hatte sich mein Kopf wieder beruhigt und pünktlich zum Eis waren wir wieder da. Es war selbstgemachtes Eis. Allerdings Kokos. Welch ein Traum.

IMG_1887.JPG

Nein, wir haben nichts in Brand gesteckt, das sind Wunderkerzen, die im Eis stecken.

Irgendwem fiel dann in Panik auf „Scheiße man, in 13 Minuten ist es Mitternacht“ und so haben wir alle (ausgenommen mir) hastig ein paar Löffel Eis in uns reingeschaufelt. Dann ist uns aufgefallen, dass die Fenster, die eh schon relativ verbarrikadiert waren, weil alle Sofas davor geschoben wurden, um Platz für den Tisch zu machen, sowieso nicht aufgehen, weil die Fensterbänke voller Kakteen (oder Kaktusse – neee, ich mein schon dich) stehen.

Die Uhr tickte und wir mussten in Windeseile knapp ein Dutzend Kakteen wegschaffen. Plötzlich standen sie überall. Es war also sowieso alles voll und eng und obendrauf standen jetzt auch noch pieksige Gewächse dazwischen. Ganz klasse.

Irgendwann versammelten sich dann alle an den Fenstern (die ja jetzt aufgingen) und starrten raus.

Wir hatten den besten Blick auf die Brücke, ohne Gefahr zu laufen, selbst irgendwelche Feuerwerkskörper abzukriegen. Es war wirklich schön

Es folgt ein von mir zusammengebasteltes kurzes Video.

So steißen wir dann alle an und dann fing das ewige geknuddel an, denn schließlich musste man ja jeden umarmen und ihm ein frohes neues Jahr wünschen. Wir waren 18 Leute. Jeder musste jeden umarmen. Das sind viele viele Umarmungen . Ich würde hier jetzt gerne ne Zahl hinschreiben, aber es ist zu spät für Mathe.

Danach schmiss sich der junge Teil der Veranstaltung aufs Sofa und irgendwann, während die anderen Smash auf der Switch spielten, wurde ich langsam ein bisschen schläfrig.

Gegen drei lösten sich auch die letzten Reste der Versammlung auf. Mein Gastbruder samt Freundin und Mama war schon vor zwei Stunden nach Hause gegangen, nur mein Gastpapa war noch da.

Schlussendlich gab es ein riesiges Gedränge im Flur und ich hab mich dann doch dazu entschlossen, mal lieber in der Küche zu warten, bis sich das Gedränge gelegt hat. Als der Flur dann frei war, war er wirklich frei. Also auch mein Gastpapa war weg. Öh ja.

Schlussendlich hat er aber doch noch auf mich gewartet und wir sind nach hause gelatscht.

Müde. Aber jetzt ist 2019. Es war wahrscheinlich – zusammen mit dem Jahresübergang 2017/2018 – das schönste Silvester meines Lebens. Aber aus anderen Gründen. Aber dazu ein andermal mehr.

Hier ist noch ein Bild vom Feuerwerk:

IMG_2015.JPG

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s