(05.01.2018) Moving

Umziehen ist strange. Also so richtig.

Ich bin in meinem Leben ja schon verhältnismäßig oft umgezogen, das ist halt so, wenn die Eltern getrennt sind. Das Ding ist dann aber auch, dass man nie vollständig umzieht. Also auch, wenn man dann sein neues Zimmer in nem neuen Haus kriegt, bleibt beim anderen Familienteil alles gleich. Wenn man das nächste Mal dort wieder hinkommt, steht alles noch am alten Fleck. Oh, und auf der Seite, die umzieht, da kommt ja der ganze Haushalt trotzdem mit.

Hier ist das nicht so. Hier ziehe nur ich um. Meine Familie bleibt in ihrer Wohnung.

Ich will nicht hören „dass es nun mal so ist“ oder „dass ich doch irgendwie nen Einfluss auf sie hatte“ oder was auch immer, denn man kann mir sagen, was auch immer man will, es ist verdammt, verdammt schwer, das hartnäckige „Du bist in ihr Leben getreten, bist ein bisschen geblieben, und jetzt gehst du wieder“ aus meinem Kopf zu kriegen.

Für mich waren sie meine Familie, die Menschen, die mir mein Leben dort ermöglicht haben, quasi die Grundlage für mein Glück.

Sie selbst haben ihr Leben gelebt, dann kam ich, sie haben ihr Leben weiter gelebt, dann bin ich gegangen und sie leben ihr Leben ganz normal weiter.

Diese Menschen haben gigantische Spuren in meinem Leben hinterlassen und es fühlt sich komisch an, zu wissen, dass es für sie nicht der Fall war. Ich bin gekommen und jetzt gehe ich wieder.

Ich gehe als jemand anders, als ich gekommen bin.

Ich glaube nicht, dass ich meine Gedanken auch nur annähernd in Worte fassen kann, aber das konnte ich noch nie.


Heute Morgen hab ich dann also meinen ganzen Kram ins Wohnzimmer gerückt, hab noch mal durch mein Zimmer gestaubsaugt und hab zum letzten Mal auf der Bank in der Küche gesessen und Schokomüsli und O’boy gefrühstückt.

Dann hatte ich noch gut ne Stunde und die war strange.

Vom Gefühl her ein bisschen wie die letzte Stunde am Flughafen in Deutschland (natürlich nur weniger drastisch). Man sitzt da, neben seinen gepackten Taschen nd man weiß, dass sich gleich alles verändert.

Damals hab ich am Gate gesessen und auf die Uhr gestarrt, bis sie mit der Zeit auf meinem Flugticket übereinstimmte. Heute hab ich am Küchenfenster gesessen und gewartet, dass mein Handydisplay 13:00 anzeigt.

Schlussendlich wurde es dann eins und meine neue Familie erschien auf dem Hof, inklusive lustigem Lastfahrrad (oder wie auch immer man diese Fahrräder mit der großen Kiste dran nennt). Ich bin auf den Balkon geklettert und hab – so unschwedisch wie möglich – runtergebrüllt.

Innerhalb von 10 Minuten war mein Gepäck unten, meine Gastfamilie zum Abschied geknuddelt und wir waren auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause.

Es ist schon etwas strange, wenn man zu Fuß umzieht. Aber gut. Was ist hier schon normal. Außerdem bin ich wirklich unendlich dankbar dafür, dass ich zu Fuß umziehen kann. das bedeutet nämlich, dass ich echt nicht weit wegziehe.

Schlussendlich hab ich dann alle meine Sachen ins Zimmer gestapelt gekriegt und man erklärte mir lachend „Na die Wohnungstour können wir uns wohl schenken“. Recht haben sie.

Die nächsten zwei Stunden hab ich dann erstmal ausgepackt und erstaunlicher Weise hab ich Platz für alles gefunden. Jetzt ist es hier wirklich wohnlich und es fühlt sich tatsächlich wie mein Zimmer an.

Mein schlechtes Gewissen, weil ich den Kiwihüter aus seinem Zimmer vertrieben hab, hat sich auch gelegt. Dem haben sie ein unglaublich schickes neues Zimmer gebaut.

Zum Abendessen kamen dann die Eltern meiner neuen Gastmama und ihre beste Freundin und es gab Tacos.

Nach dem Essen bin ich aus Reflex mit dem Kiwihüter zusammen aufgestanden, so wie ich das halt gewohnt bin von all den Malen, wo ich als Gast hier zum Abendbrot war. Während ich dann also mit dem Kiwihüter in seinem Zimmer saß, ist mir dann aber aufgefallen, dass ich eigentlich viel lieber in der Küche sitzen würde. Ich weiß nicht warum, aber ich mal Ansammlungen an Erwachsenen und außerdem ists wirklich nett, das „soziale Umfeld“ meiner Gastfamilie kennen zu lernen.

So bin ich dann also einfach wieder in die Küche marschiert, hab mich auf meinen Platz gesetzt und nach ein paar Minuten, in denen sie mich etwas strange angeguckt haben (frei nach dem Motto „Warum sitzt ein Kind freiwillig am Tisch mit lauter Erwachsenen“), haben sie das dann einfach hingenommen und es wurde ein wirklich netter Abend.

Irgendwann wurde es wirklich spät und ich bin dann auch mal ins Bett geschlurft (natürlich nicht, ohne mich vorher irgendwie ne Stunde mit dem Kiwihüter festzuquatschen, wie sollte es anders sein?).

Nur schlafen klappt irgendwie nicht. Aber das hab ich auch wirklich nicht erwartet, vor allem in der ersten Nacht.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s