(11.01.2019) Vorlesung – Den tredje gången

Heute fing der Tag um zehn an, was definitiv besser war, als gestern. Da hat man dann tatsächlich Zeit, um zu frühstücken.

An dieser Stelle würde ich gerne kurz anmerken, dass diese Familie ihr Brot im Gefrierschrank aufbewahrt. Dort bleibt es zwar 1A frisch, aber wenn mans dann morgens da raus nimmt, ist es so schwer, dass man Zahnstocker reinstecken könnte und die ganze Schose als Morgenstern benutzen.

Nach dem Frühstück gings dann in die Vorlseung Nummer drei.

Dieses Mal gings um den historischen Kontext des Buches und es war die erste Vorlesung, die wirklich spannend war.

Damit ich die Tafel (oder eher den Projektor) sehen konnte, saß ich also in der ersten Reihe. Den Lehrer, der die Vorlesung gehalten hat, kannte ich nicht, ergo kannte er mich auch nicht, ergo weiß er nicht, dass ich Austauschschülerin bin und deshalb überhaupt nicht besonders gern vor vielen Menschen Schwedisch spreche.

Er schrieb also folgende Phrase an das Whiteboard: „I framtiden ska jag…“ (In der Zukunft werde ich…) und dann schaute er erwartungsvoll in die Runde und traf dabei auf 60 Schüler, die seinem Blick alle mehr oder weniger geschickt auswichen.

Das hat mich schrecklich an Deutschland erinnert und irgendwie kam dann der Reflex durch, dass ich meinen Arm hochgehalten hab, um die unbehagliche Stille zu füllen.

Dann viel mir ein, dass ich meine Zukunftspläne jetzt gleich auf Schwedisch erklären muss und dass ich mich wirklich gerne nicht zum Affen machen würde.

Und so zeigte er auf mich und bemüht, mich nicht volles Brett zu verhaspeln erklärte ich dann also „I framtiden ska jag flytta tillbaka till tyskland för att avsluta skolan och sen ska jag förhoppningsvis komma tillbaka till sverige igen för att studera mechanical engineering på nåt universitet här“ und hab dann nach Vollendung meiner Erklärung in völliger Panik Tara angeguckt, die mir erklärte, dass das doch super lief und ich mir nicht immer so nen Kopf machen soll.

Beim Essen – es gab Tacos – kam dann einer meiner Mitschüler zu mir und erklärte „That must have been the first time that I heard you speaking swedish“ und ich – witzig wie ich bin – antwortete auf Schwedisch „Ja, jag vet. För nån anledning brukar jag aldrig prata svenska i skolan, även om jag faktiskt skulle kunna“. Ein bisschen lebe ich ja für diese Momente, in denen ich Leute wahlweise schocken oder verwirren kann.

Mein Gegenüber war übrigens der inkompetenteste Taco-Esser, den ich je gesehen hab. Aus dem ersten Taco ist so viel rausgefallen, dass es doch genug war, um einen zweiten Taco zu füllen. Gut, das könnte auch der Grund sein, warum der erste völlig zermatscht ist. Es war überfüllt.

Nach dem Essen haben wir uns noch kurz als Projektgruppe getroffen, aber nach ner Stunde waren wir auch damit durch uns so waren bloß Tara, Sara und ich über, die dann irgendwie ernsthaft fast drei Stunden in einem leeren Klassenraum zugebracht haben.

Nach der Schule bin ich mit Tara noch eine Tasse kaufen gegangen, schließlich steht ja morgen Linneas 18. Geburtstag an und wenn man unter anderem eine Tassenkuchenbackmischung verschenkt, ist es vielleicht eine nette Geste, eine schicke Tasse dazu zu tun.

Den Rest des Tages hab ich rumgesessen, versucht, mein neues Handy einzurichten und schließlich war ich verhältnismäßig früh im Bett. Es war ein Wunder.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s