(21.01.2019) It’s starting all over again – Geschichte, Halbjahr zwei

So ist es. Die erste richtige Unterrichtswoche des neuen Halbjahres fängt natürlich mit meinem absoluten Lieblingsfach an. Geschichte.

Andererseits stehen die Chancen gut, dass wir die nächsten zwei Monate in Einzelarbeit beibringen dürfen. Es geht ab jetzt nämlich um Mindmaps.

Ja, wir haben ZWEI MONATE um eine MINDMAP zu basteln.

ZWEI MONATE!!!!!!!!

Ich weiß nicht, aber irgendwie weckt das in mir ein bisschen ein Gefühl von „Lehrer hat keinen Bock auf unterrichten“, aber das könnte natürlich auch nur ein Gefühl sein. Ein ganz dumpfes.

So oder so, die nächsten zwei Monate werde ich dann also damit verbringen, eine Mindmap in Sachen Erleuchtung basteln. Wobei basteln eigentlich völlig unpassend ist. Wir machen das nämlich am Computer. Weil man ja gerade Mindmaps wirklich wirklich schlecht auf Papier machen kann. Ich dreh am Rad ey.

Wir sprechen über eine Mindmap. Es gibt wirklich nicht (nichts!), wo Papier praktischer ist, als bei ner Mindmap. Aber klar, eine Mindmap, die so ausführlich ist, dass man zwei Monate dafür braucht, ist sicherlich super am PC zu bauen. Anstatt son A2-Plakat zu nehmen, wo man alles gut auf einen Blick sehen kann, ist es natürlich besser, das auf so nem blöden kleinen Computerbildschirm zu machen, wo man, wenn man reinzoomed den Überblick verliert und wenn man rauszoomed, kann man die Schrift nicht mehr lesen, weil sie zu klein wird. Aber klar, das ist toll durchdacht.

Ansonsten hat der Spaßvogel heute einfach wieder drei Stunden durchpalabert. Ich hätte mir ja Notizen gemacht, aber da war einfach nichts mit Inhalt dabei.

So hab ich Kafkas Parabeln aus dem Gedächtnis aufgeschrieben, Viktoria hat an ihrem Roman weitergeschrieben, Tara war wirklich bemüht, nicht einfach aufzugeben und Mårten sah aus, als würde er einfach bloß sterben wollen.

Und der Kiwihüter? Der hatte völlig aufgegeben und saß im gepolsterten Fensterbrett und hat Musik gehört.

Es war ein Traum.

Zu Mittagessen gabs dann heute Pfannkuchen, was den Tag dann irgendwie ein bisschen gerettet hat. Also zumindest wenn man wenigstens fünf ist und so viel Marmelade dazu hat, dass man sie füllen kann und dann noch nen Berg oben draufschaufeln kann. Danach war mir ein bisschen schlecht.

Es folgte zwei Stunden pause und diesmal warten sie nicht nur wegen mir alle in der Schule, sondern weil sie selber Unterricht haben. Sie haben nämlich dieses Jahr alle Religion dazu bekommen und sind so mäßig begeistert.

Viktoria ist wie ich, sie hält von Religion nicht besonders viel, aber so lange ein Mensch mit seinem Glauben niemanden außer sich selbst schadet, möge er doch bitte glauben, was auch immer er will. Deswegen stehen wir in Taras ewiger Debatte mit dem Kiwihüter auch auf ihrer Seite.

Tara glaubt an Gott (oder zumindest irgendwas da oben) und vertritt die Meinung, dass die Bibel, auch wenn zugegebenermaßen ganz schön viel Mist drin ist, einige gute Passagen enthält, in denen es um den Umgang mit seinen Mitmenschen geht, und nach denen sie so gut es geht leben will, weil das in ihren Augen richtig ist. Absolut legitim in meinen Augen.

Auf der anderen Seite haben wir den Kiwihüter, der Religion für „absolut utter bullshit“ hält und immer wieder erklärt, das religiöse Menschen den Fortschritt behindern und die Welt und Gesellschaft zurückhalten. Kann ich in Ansätzen definitiv nachvollziehen, wo dieser Gedanke herkommt und sehe ich, speziell in Anbetracht gewisser religiöser Gruppierungen, auch absolut ein. Was er allerdings nicht versteht, ist, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann.

Und wenn der also Tara jetzt jedes Mal, wenn das Thema Religion, Gott oder Glaube aufkommt, den Vortrag hält, wie scheiße er Religion findet und dass gläubige Menschen der Grund allen Übels sind, dann ist das nicht nur gemein und unfair, sondern auch einfach falsch.

Glücklicherweise sind Viktoria und ich die einzigen, die das wirklich drastisch nicht okay finden, denn zu unserer großen Freude, findet Tara das alles eher belustigend und fühlt sich nicht angegriffen.

Trotzdem. Argh. Die beiden sollten definitiv nicht zusammen Religionsunterricht haben. Um des Weltfriedens willen.

Während all die anderen aber genau das hatten, hatte ich Deutsch und ich hab mich wirklich gefreut, meine Deuschlehrerin wiederzusehen. Sie ist echt eine der liebsten Lehrerinnen, die ich je getroffen hab, auch wenn ihr Deutsch vielleicht nicht das beste ist. Sie spricht wirklich das perfekte Lehrbuchdeutsch, aber in Alltagskonversationen, die eben keine Lehrbuchdialoge sind, kommt sie doch ganz schön oft nicht mit und ich muss mich zusammenreißen, meine Sätze wieder grammatikalisch perfekt zu basteln.

Ansonsten ist heute nicht mehr viel passiert. Ich bin nach Hause gegangen, der Kiwihüter hatte noch Chor, irgendwann haben wir dann alle Abendbrot gegessen und irgendwann danach bin ich dann ziemlich totmüde in mein Bett gefallen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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