(22.01.2018) Wenn ich Noten bekommen würde, wären sie sogar ganz okay

Das ist wohl das Fazit des heutigen Tages.

Der Tag fing an mit Physik und da haben wir heute eigentlich wirklich nicht viel gemacht. Also man könnte auch sagen gar nix.

Es gab nämlich die Klassenarbeit zurück, von der ich schon fast vergessen hatte, dass wir sie geschrieben hatten. Auf der anderen Seite war der Kiwihüter so am durchdrehen, dass es zumindest in den letzten zwei tagen recht schwer war, nicht dran zu denken. Aber glücklicherweise muss ich mir ja keine Sorgen um Noten machen.

Und so schlug ich meine Klassenarbeit auf und siehe da, ich hätte tatsächlich bestanden. Nicht mit Auszeichnung und Sternchen, aber bestanden.

Der Rest der Stunde ging dann fürs Besprechen der Klassenarbeit drauf, aber auch diese Stunde neigte sich dem Ende zu.

Irgendwie hab ich mich heute komisch gefühlt. Es war, als würde ich die ganze Zeit unter Starkstrom stehen und der kleinste Stups, die kleinste Verzögerung, oder das kleinste laute Geräusch hätte mich wirklich zum überkochen gebracht.

Ich glaube man hat diese Tage einfach manchmal. Vielleicht ist man mit dem falschen Bein aufgestanden, vielleicht ist die Laus, die morgens auf meiner Leber spazieren geht besonders schlecht drauf, vielleicht sind mir ein paar Latten vom Zaun gefallen oder vielleicht hab ich auch Krawallkekse gefrühstückt, wer weiß das schon?

Wenn ich eins hier in Schweden gelernt hab, dann das es okay ist zu sagen „Hey ihr, wir sehen uns nachher, aber ich muss mal kurz raus hier“.

Also für meine eigenen Anliegen und mein eigenes Wohlbefinden einzustehen und den Mund aufzumachen war ja noch nie so per se meine Stärke, aber ich glaub ich mach so langsam Schritte in die richtige Richtung.

So bin ich dann zu irgendeinem bäckerartigen Laden gelaufen, hab mir ein belegtes Brötchen und Orangensaft besorgt und hab mich dann allein in ne ruhige Ecke verkrümelt.

Dann war das Glück auf meiner Seite, denn in Englisch stand auch Einzelarbeit an.

Wir dürfen jetzt ein scientific research paper schreiben. In einem google document sollten dann alle das Thema ihres papers eintragen, damit Anna (meine Lehrerin) irgendwie nen Überblick hat, worüber jeder schreibt.

Es muss ein Thema aus der Biologie, Chemie, Physik oder Mathematik sein und soll was sein, was uns persönlich interessiert.

Da waren ein paar wirklich spannende Dinge drin. Unter anderem wie Sonnencreme Korallenriffe ausbleicht, die Physik des Internet-Phänomens „Bottle flip“, warum die Pole schneller schmelzen, als wir dachten… und dann kam ich. Ich schreibe über die Geschichte der Entdeckung der antithrombotischen Effekte von Acetylsalicylsäure. Also ist schön, wenn man das so mit den anderen vergleicht. Echt. Ich fühl mich ein bisschen wie der langweilige Streber.

Aber andererseits find ich ja die Geschichte der Chemie und Medizin unfassbar spannend und ihr freue mich schon sehr die lustige Anekdote einzubringen, dass ASS fast nicht auf den Markt gebracht wurde, weil Bayer so damit beschäftigt war, Heroin als Hustenmedizin auf den Markt zu bringen, dass sie keine Zeit (also eigentlich sind das viel ausführlichere Gründe aber ich bin ehrlich gesagt zu faul die hier jetzt aufzuzählen) hatten, um jetzt noch Aspirin zu vermarkten.

Nach Englisch hatte mich Tara dann gefragt, ob ich auch zur Vorlesung in Sachen mental health gehe. Natürlich gehe ich, die ist schließlich obligatorisch.

Außerdem hab ich festgestellt, dass ich den nationalen Englischtest, den wir letztes Jahr geschrieben haben, mit einem B bestanden hab, was mich dann doch echt (echt) glücklich gemacht hat.

Also erstmal 10/10 Punkten ans schwedische Schulsystem, dass sie sowas überhaupt zum Thema machen. Größen Punktabzug gibts dann ehrlich gesagt für die Ausführung, aber hey, daran kann man ja noch üben.

Tara und ich haben uns danach dann irgendwie festgequatscht und so standen wir fast eineinhalb Stunden an der U-Bahn-Haltestelle und haben über Gott und die Welt geredet.

Dann bin ich nach Hause und hab mich erstmal aufgetaut.

Ansonsten hab ich nicht mehr viel gemacht. Ich hab Tee geschlürft, ein bisschen hier und da mit meiner Familie gequatscht und schließlich bin ich dann eingeschlummert.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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