(26.01.2019) Ingenting och snö och en katt och grejer sådär

Nichts und Schnee und eine Katze und so Dinge.

Und wie jeden Samstag hats mich dann zu Ante verschlagen. Der Kiwihüter trifft sich mit nem Kumpel von den Pfadfindern, meine Gastfamilie hat Freunde zu Besuch und Gandalf weiß, wo sich meine Gastschwester rumtreibt.

Also bin ich am Morgen erwacht, hab mir Frühstück gemacht und dann festgestellt, dass ich noch ganz schön viel Zeit hab, denn irgendwie ist mein Zeitmanagement verkorkst und ich plane an Wochenenden immer etwa drei Mal so viel Zeit ein, wie ich eigentlich brauche.

So hatte ich dann viel Zeit um mir anzuschauen, wie meine Gastfamilie ihren Gefrierschrank abgetaut hat.

Ich weiß nicht, aber irgendwie hab ich die Theorie, dass es dem gemeinen Schweden überdurchschnittlich viel Freude bereitet, irgendwelche Haushaltsgeräte zu entfrosten.

Das ist auch einer der wenigen Momente, wo sie sich ernsthaft über den Winter freuen, denn „da hat es dann draußen die selbe Temperatur wie im Gefrierschrank“, was zugegebenermaßen wohl ganz praktisch ist bei dem Vorhaben.

Irgendwann hab ich mich dann auf den Weg gemacht.

Ich habs glaub ich schon oft gesagt, aber ich sags noch einmal: Wenn man aus der U-Bahn am S:t Eriksplan (Platz) kommt und auf der S:t Eriksgatan (Straße) auf die S:t Eriksbron (Brücke) zuläuft, während die Sonne tief an Himmel steht und man der goldenen Morgensonne entgegenläuft, dann ist das eins der schönsten Bilder, die ich je gesehen hab. Ernsthaft. Ich liebe diese Stadt.

Ante und ich haben – wie überraschend – nicht viel gemacht. Wir haben über Gandalf und die Welt geredet, haben ein bisschen Brooklyn Nine-Nine geguckt, ein bisschen mit Musse (der Katze) gespielt, ein bisschen Olle (seinen kleinen Bruder) geärgert und ein bisschen Star Wars Battlefront II gespielt.

Ich glaube man würdigt das manchmal echt nicht genug, wie viel so Menschen dein Leben bereichern können. Meine geliebte Idiotentruppe in der Schule, meine alte und neue Gastfamilie und jetzt auch noch Ante samt der ganzen Familie. Ich weiß nicht womit ich das verdient hab, echt nicht.

Das sind alles Menschen, die mich, den Menschen, der keinen Plan vom Leben hat, der eigentlich irgendwie Angst vor allem hat und der eigentlich 24/7 unter Hochspannung steht und deswegen echt nervtötend und anstrengend sein kann, einfach akzeptiert haben, genau wie ich bin.

Irgendwie hat sich mir vor Jahren mal der Satz in den Kopf geschlichen „Wenn du nicht du selbst bist, dann kann niemand dich verletzten, sondern nur den Menschen, der du vorgibst zu sein“ und das erschien mir immer so total toll und praktisch.

Einfaches Beispiel: Sagen wir ich hätte jetzt kurzerhand beschlossen, dass ich klassische Musik jetzt total toll finde (obwohls eigentlich nicht stimmt), dann hätte ich mich ein Wochenende in meinem Zimmer verbarrikadiert, mir so viel Wissen angelesen, dass es reicht, um meinen durchschnittlichen Mitbürger davon zu überzeugen, dass ich echter Klassikfan bin und hätte dann also immer schön erzählt, wie sehr ich doch klassische Musik liebe. Wenn jetzt jemand sagt, wie scheiße er klassische Musik findet und dass ich doch bloß meine Zeit verschwende, dann freut sich mein Kopf und denkt sich so „Witzig, eigentlich bin ich voll deiner Meinung und deswegen geht mir was du sagst auch nicht im Geringsten nahe“.  Und wenn ich dann auf jemanden getroffen hätte, der klassische Musik auch toll findet, dann tuts mir nicht weh und dem anderen Menschen auch nicht, denn er weiß ja gar nicht, das ich bloß so tue. Im Endeffekt kann so – zumindest meinem Kopf zufolge – niemand auf irgendeine Weise verletzt werden.

Witzigerweise hab ich dadurch im Laufe meines Lebens ein paar Dinge gefunden, die ich am Ende wirklich spannend gefunden hab.

Eiskunstlauf zum Beispiel. Oder alte Spielekonsolen. Und Quenya (also Elbisch, aus Herr der Ringe).

Anyway. Hier hab ich plötzlich so viele Leute in meinem Umfeld, die mir alle das Gefühl nehmen, ich müsste irgendwelche Teile von meinem Leben neu erfinden, um mich selbst auf irgendeine Weise zu schützen.

Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, dass ich mich frei fühle.

Freiheit ist eins der Dinge, die ich in den letzten Monaten wohl am meisten schätzen gelernt habe. Der Satz „To be honest, actually yes, yes I do care about that“ war eins der schwierigsten Dinge, die ich jemals über meine Lippen gebracht hab und inzwischen ist es so einfach.

Die Freiheit, die man plötzlich hat, wenn man sich traut, seine Meinung, Wünsche und Bedürfnisse laut auszusprechen, das ist wohl mit das Schönste, was es gibt.

Diese Menschen hier, dieses Cluster an unglaublichen Menschen, denen verdanke ich so viel und ich kann mit keinen Worten und mit keiner Sprache dieser Welt auch nur ansatzweise in Worte fassen, was eigentlich in mir vorgeht.

Zurück zu meinem Samstag.

Ich muss diese Familie übrigens mal loben. Lena (also deren Mama) ist wahrscheinlich die grandioseste Mutter, die ich je getroffen hab (also nach meiner eigenen!). Ich glaub sie hat nämlich irgendwann aufgegeben und beschlossen, dass wenn ihre Söhne ausschließlich auf Basis von Eis, Kaffee und Tiefkühlpizza leben wollen, ja dann soll es so sein. Und wollen sie keine Winterklamotten tragen, na dann bitteschön, dann frieren sie halt. Sie mailt dann nur im Herbst immer der Schule und berichtet kurz „Nein, wir leben nicht in Armut, ja, mein Sohn hat Winterklamotten, aber er hat selbstständig beschlossen, kurze Hosen und Sneakers zu tragen und er ist alt genug um diese mittelmäßig schlaue Entscheidung selbst zu treffen“.

Und jedes Mal wenn ich da zum Abendessen bin, gibts entweder Pizza, Pommes, Nudeln, irgendwelches Fleisch oder ähnliches was man definitiv in Ketchup ertränken kann.

Sie ist inzwischen dazu übergegangen, ihren Kindern nicht mehr ins Leben reinzureden, sondern einfach bloß Bilder davon zu machen und die auf Instagram zu stellen und Witze zu machen, was für eine grausige Mutter sie wäre.

Wie ich gemerkt habe, dass ich langsam Teil der Familie werde?

Als ich heute bäuchlings durchs Wohnzimmer geschliddert bin um das Kätzen zu knuddeln, stand sie einfach nurnoch im Türrahmen und hat etwas resigniert Fotos gemacht. Frei nach dem Motto „tolle Freunde hat mein Sohn da angeschleppt“.

Irgendwann musste ich dann allerdings nach Hause, was wahrscheinlich auch gut war, denn schon auf dem Weg nach Hause hab ich gemerkt, dass ich irgendwie doch krank werde. Also so richtig. So mit „äh meine Nebenhöhlen“ und „mein Kopf wird zu schwer für meine Schultern“ und „mein Hals, aua mein Hals“.

[Hier ist die Stockholmer U-Bahn. Nur ohne U-Bahn selbst. Also mehr so ne U-Bahn-Station. Und ein laufendes Jenna. Joa.]

Zuhause angekommen, hatten meine Gasteltern immernoch Freunde da und so hab ich nur ganz kurz hallo gesagt, bevor ich ins Bett gekippt bin und eingeschlafen bin, bevor ich überhaupt anfangen konnte, Schäfchen zu zählen.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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