(03.01.2019) Die alte Gastfamilie und die große Verwirrung

Ich hatte dann heute tatsächlich Dinge zu tun.

Also diese Dinge heißen Geschichte und sie treibt mich in den absoluten Wahnsinn.

Natürlich ist es für den Lehrer leichter, wenn man den Schülern ein Wortlimit von 700 Wörtern gibt und sie dann auch noch in Gruppen von sechs Personen zusammensteckt. Dann hat man nämlich echt nicht viel zu korrigieren.

Nur für die Schüler ists scheiße. Denn sich bei Aufsätzen, bei denen definitiv Interpretationsfreiraum vorhanden ist, mit fünf anderen zu einigen, ist nicht nur ne Herausforderung, sondern auch echt dämlich und überhaupt einfach schlichtweg beschissen.

So oder so, ich hab dann den ersten Teil des Tages damit verbracht, meinen Teil dazu beizutragen und danach durch den Kram der letzten Woche zu gehen, den ich verpasst hab, weil ich krank war.

Als ich dann irgendwann in die Küche zum Frühstücken geschlurft bin, wären mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Schnee! SCHNEEEEEEE!!!!!

Ich spare mir an dieser Stelle mal alle großen Worte und füge ein Video ein.

Ich hab dann also nicht besonders lange nachgedacht, sondern hab schnell meine Snowboardhose und Jacke angezogen, die Skibrille übergestülpt und bin dann Hals über Kopf raus in den Schnee gestürmt.

Der Kiwihüter hat dann fast ne Stunde damit verbracht, mich mit Schneebällen abzuwerfen, nur konnte ich nicht zurückwerfen, weil er in der Küchentür stand und ich sonst wahrscheinlich volles Brett in die Küche gepfeffert hätte.

Irgendwann, nachdem ich über ne Stunde im Schnee rumgekugelt bin, hab ich mich dann auch wieder reingequemt (okay, ich hatte Schnee überall und es wurde langsam nass und kalt) und dann meine Nudeln gefrühstückt, bevor ich mich wieder zurück zu meinem Laptop und Geschichte begeben hab.

Für heute Abend hat mich meine alte Gastfamilie zum Abendbrot eingeladen und Ante und seine Mama wollten auch kommen.

So konnte ich ihnen dann auch endlich ihre Reisetasche wieder zurückgeben, die ich ja noch immer bei mir rumstehen hatte.

Ein bisschen wehmütig war ich ja doch, ich hatte ganz vergessen, wie liebenswert diese Menschen eigentlich sind und wie sehr ich mich dort als Teil einer Familie gefühlt hab.

Alle haben mich so fest geknuddelt und als ich dann in der Küche auf meinem Stammplatz saß, guckt mein alter Gastpapa mich nu mit nem breiten Grinsen an und meint „Ah, så ska det se ut!“ (Ah, so soll das aussehen) und auch wenn ich in dem Moment es scheiße glücklich war, wären mir fast die Tränen hochgekommen.

Und als meine Gastmama dann sagte „Men Wille, ska du inte fixa lite bubbelvatten?“, da ist mir dann noch mehr aufgefallen, was ich eigentlich so vermisse. Dieses richtige Familienleben, wo nicht alle gestresst sind und irgendwie son bisschen komische Stimmung in der Luft hängt.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ja trotzdem glücklich in meiner neuen Family und vor allem sehr dankbar, aber es ist doch nicht direkt ein Vergleich.

Es sind so viele kleine Dinge. Mein alter Gastpapa hat ständig Bilder gemacht, weil er immer gesagt hat, dass er doch Erinnerungen an die Zeit behalten will, weil sie sich doch alle so gefreut haben, dass sie mich dahatten. Und es waren Menschen, die man gut einschätzen konnte und die wussten, dass ich doch nun mal Austauschschülerin bin und dass sicherlich mal was schiefläuft und dass ich meine Eigenarten hab und und und. Ich weiß nicht, aber verglichen damit hab ich in der neuen Familie oft das Gefühl, dass wir mehr so umeinander rumschleichen und das sie vor allem nicht verstehen, dass ganz schön viele Dinge nicht selbsterklärend sind.

Wo sind die Bettlaken? Wär wäscht wann wie Wäsche? Was macht man mit dem Geschirr? (Ja natürlich, abwaschen, aber wenn der Geschirrspüler läuft, wo stellt man das währenddessen hin?)

Ich erwarte auch überhaupt null, dass irgendwer so viel Interesse an mir und meinem Leben zeigt, wie meine alte Gastfamilie, aber in der neuen Familie ist es oft so, dass ich was erzähle und danach gucken mich dann mindestens zwei Leute mit dem „Ja, und?“-Blick an. Ja nix „Ja, und?“, das war meine Geschichte, ein Teil von meinem Leben, von dem ich dachte, dass ich ihn mit euch teilen könnte.

Andererseits, wenn man still ist, dann gucken auch alle von wegen „Alles okay? Du bist so still. Erzähl doch mal ein bisschen mehr“.

Es ist alles wirklich nicht so dramatisch, wie das jetzt vielleicht klingt. So dramatisch ists nur, wenn man das mit meiner alten Familie vergleicht, denn die waren ja echt absolute Spitzenklasse.

Irgendwann kamen dann auch Ante und seine Mama und es gab Korv Stroganoff.

Das sind alles so liebe Menschen.

Und so saßen wir dann alle zusammen da rum, haben geredet und gelacht und die drei Alten haben mal wieder ihre Witze gemacht, dass Ante und ich echt die selbe Person sind. Nur weil wir festgestellt haben, dass wir beide gerne die Midi-Versionen von Liedern hören.

Also da sind bestimmt so zwei Dinge auf der Welt, bei denen wir uns nicht einig sind. Animes und alte Spielekonsolen. Aber wär ja auch langweilig, wenn wir uns immer einig wären.

Irgendwann sind wir dann alle nach Hause getrottet.

Ich bin mit Ante und seiner Mama noch bis zur U-Bahn gelaufen, schließlich hatten wir eine Schneeballschlacht auszutragen. Seine Mama fand das so mäßig cool.

Ansonsten bin ich heute dann relativ früh ins Bett gegangen und auch direkt eingeschlafen. Also um Viertel ach neun. Das ist ätzend früh!

[Additionally: Hier noch ein paar Bilder, die ich heute gemacht hab:]

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Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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