(20.02.2019) Großes Theater und meine geliebte Chemie

Fangen wir doch mal mit Theater an.

Also erstmal zuhause.

Ich hab mich den ganzen Morgen schon gewundert, warum es verhältnismäßig still war, aber ehrlich gesagt war ich zu müde, um da mehr als nen halben Gedanken dran zu verschwenden. Und als ich dann grade in die Küche gelaufen bin um zumindest noch was zu trinken, bevor ich los musste, hatte ich dann den Geistesblitz, dass ich meine Gastmama ja zumindest mal fragen könnte, ob der Kiwihüter schon losgegangen wäre, es war ja so still.

Und sie nur so: „Fangt ihr heute nicht später an?“ und ich nur so „Äh ne, wir fangen in 35 Minuten an, aber Jarlaplan nicht Odenplan“ und sie nur so „Oh“ und ist dann los, den Kiwihüter aufwecken.

Sie hatte ihre beiden Kinder verwechselt, denn meine Gastschwester fängt heute später an, nicht wir.

Ich hab mich dann trotzdem schon auf den Weg gemacht, denn wenn man den Bus nehmen will, braucht das länger als wenn man zu Fuß geht (außer der Bus kommt genau dann, wenn man an der Haltestelle ankommt, aber das passiert ja nie),

Und tatsächlich, am Ende waren sowohl der Kiwihüter als auch ich pünktlich da.

Ich hatte heute echt nicht viel zu tun, denn die, mit der ich zusammen für die Szenografie zuständig bin, war krank und so war das mit dem Dinge absprechen doch -minimal schwierig.

Und so viele Szenen, in denen ich dabei war, haben wir heute gar nicht geprobt und so hatte ich ziemlich viel Zeit um lustige Chemie-Videos zu schauen.

Also nur so halb freiwillig… mein Lehrer verlinkt vor fast jeder Stunde ungefähr drei bis acht Videos, die wir zu Vorbereitungszwecken schauen sollen… das können dann auch mal gut und gerne eineinhalb Stunden Videos sein.

Wir erinnern uns an letzte Woche, als mein lieber Charakter mit dem tollen Namen D.Ä. sich so sehr danach gesehnt hat, geliebt zu werden? Und seinen Kumpel (namens T, der eventuell low-key verliebt in D.Ä. war) gefragt hat, ob er nicht jemanden finden kann?

Nun, T hat dann diesen tollen Gedanken entwickelt:

z2.JPG

„Ich werde jemanden finden. Ich werde jemanden finden, der dich mag. Ich liebe dich so sehr, dass ich jemanden finden werde, der dich lieben kann. Es ist so wichtig, dass du dich geliebt fühlst und weil du nicht begreifst, dass ich dich liebe, muss ich dadurch, dass ich jemanden finde, der dich lieben kann, zeigen, wie sehr ich dich liebe und wenn ich jemanden gefunden habe, der dich lieben kann, dann wirst du begreifen, dass ich das getan hab, weil ich dich liebe und dann wirst du nicht anfangen, die Person zu lieben, die ich gefunden habe, die dich lieben kann, sondern du wirst anfangen, mich zu lieben, denn mein Streben und meine „Kämpferglut“ haben gezeigt, wie sehr ich dich liebe. Hier. Der Mensch hier ist perfekt. (an Ä gerichtet). Wie läufts mit der Liebe?“

(Anmerkung Jenna: Ja, der Satz auf Schwedisch ist ähnlich verwirrend).

T hat also jemanden namens Ä gefunden. Ä hat einen Schallplattenladen.

Zwischendurch taucht jemand namens K auf, K’s Kumpel hat gesagt, dass er eventuell ein bisschen empathisch gestört ist, woraus K geschlussfolgert hat, dass er vielleicht ein Psychopath ist und ist dann zum Plattenladen gelaufen, um Musik aufzutreiben, die in ihm Gefühle hervorrufen.

An dieser Stelle ist nämlich wichtig anzumerken, dass K’s Partner (namens D.S.K.) mit ihm Schluss gemacht hat, weil K ein Lied, was D.S.K. ihm gezeigt hat „ganz gut“ fand. Daraufhin ist D.S.K. dann ein bisschen durchgedreht, hat gesagt, dass K ja alles immer „ganz gut“ findet. Alles ist immer nur „ganz gut“ und daraus hat D.S.K. dann geschlussfolgert, dass K ihn wahrscheinlich auch nur „ganz gut“ findet, hat dann beschlossen, dass ihm das nicht reicht und hat dann Schluss gemacht.

K hat das nicht sonderlich doll wehgetan, woraufhin K’s Kumpel dann das mit dem „empathisch gestört“ gesagt hat.

K hört Ä dann singen und tadaaa, da sind plötzlich Gefühle da.

Allerdings durchkreuzt das dann T’s Pläne und er macht ganz schnell klar:

z1.JPG

„Du darfst dich nicht in ihn [K] verlieben. Du sollst dich in den verlieben, in den ich verliebt bin. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.“

Also alles in allem eine ganz simple Handlung. Hust.

Das Ganze geht dann übrigens wie folgt weiter:

Man könnte sagen, dass es nicht besonders prickelnd für T lief.

Irgendwie tut er mir ein bisschen Leid.

Irgendwann sind wir dann zurück zur Schule, wo das Mittagessen in Sachen Grausamkeit das von gestern ganz locker übertrumpft hat. Heiliger Gandalf, das war übel.

Den Rest der Mittagspause hab ich dann mit Chemie verbracht, schließlich hatte ich noch ein paar lustige Videos übrig.

Chemie selbst war dann äußerst amüsant und ich hab wirklich unendliches Glück, dass meine Muttersprache Deutsch ist, denn die ganze Nomenklatur ist ja komplett gleich und bis auf ein paar kleine Unterschiede in Sachen Rechtschreibung, ist das doch alles ganz schön gleich.

Nur mal so als Beispiel

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Der einzige Unterschied wäre, dass man „Hydroxi“ auf Deutsch mit „y“ am Ende schreibt und dass in „Metyl“ noch ein „h“ hinters „t“ kommt.

Organische Chemie ist übrigens wirklich das Spaßigste überhaupt. Ich glaub ich könnte stundenlang irgendwelche Moleküle aufzeichnen und dann versuchen, sie zu benennen.

Der Prozess lässt sich aber auch ganz ganz leicht abkürzen, schließlich gibts da so ganz tolle Seiten, wo man dann Moleküle zeichnen kann und dann spuckt dass Ding dir den Namen und ein 3D-Modell aus, aber das ist irgendwie ja geschummelt.

Als ich dann nach Hause gekommen bin, hatte der Kiwihüter nen Kumpel von den Pfadfindern da und wir haben noch ein bisschen rumgeblödelt bis die beiden irgendwann losmussten.

Oder der Kiwihüter musste los und sein Kumpel erst ne Stunde später und so haben wir einfach noch weiter dagesessen, über Gandalf und die Welt geredet und mit Schlümpfen Bowling gespielt.

Später am Abend wurdes dann irgendwie komisch.

Ich mags nicht, wenn die Familie Streitigkeiten direkt am Tisch austrägt und ich dann physisch mitten drin sitze, das ist irgendwie echt ungemütlich. Aber ich hab gestern gelernt, dass es auch nicht besser wird, wenn ich in meinem Zimmer sitze und den Mist aus der Entfernung höre. Noch schlimmer wirds, wenn man dann seinen Namen hört (allerdings aus dem Mund des Kiwihüters, nicht meiner Gasteltern) und man sitzt dann da und weiß nicht, was man machen soll.

Soll man sich drauf gefasst machen, dass gleich jemand in sein Zimmer kommt und dich ebenso anmault, oder sollte man lieber rausgehen und nachfragen, was passiert ist? Oder lieber solange im Zimmer bleiben, bis alle im Bett verschwunden sind, sodass man keinem begegnet?

Ich habe eine Mischung aus eins und drei gewählt.

Aber hey, ich glaub das ist in den meisten Familien so. Ich bins nur aus meiner ersten Gastfamilie einfach nicht gewöhnt, dass so Situationen entstehen.

Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass beide Familien ihre Kinder gleich doll lieben, aber meine alte Gastfamilie hatte definitiv ein anderes Level von Verständnis und Einfühlungsvermögen.

Das sind oft nur so ganz kleine Dinge.

In meiner alten Family wars, wenn meine Gastmama irgend nen Frage an meine Gastschwester hatte, dann ist sie zu ihr hingegangen und hat gefragt und wenn meine Gastschwester grad beschäftigt war, dann war sie beschäftigt und dann hat meine Gastmama sie natürlich ihren Gedanken irgendwie noch beenden lassen.

Meine neue Gastmama, wenn die irgendwas von ihren Kindern will und zum Beispiel grade im Bett liegt und Fernsehen guckt, dann brüllt sie quer durch die Wohnung, dass meine Gastschwester doch mal bitte herkommen soll und zwar sofort.

Ich glaub das ist einfach so, wenn man irgendwo ganz ganz oben in nem Unternehmen arbeitet, dann ist mans gewöhnt, dass alle nach seiner Nase tanzen.

Das ist mir schon so oft aufgefallen irgendwie, dass hier der Kiwihüter und meine Gastschwester einfach nicht so eigenständig sind. Nicht, weil sie nicht das Potential dazu hätten, sondern weil man sie nicht wirklich lässt.

Wir hatten heute am Abendbrotstisch ne Diskussion über die Sommerferien, wer was wann wie wo machen will. Irgendwann ist die dann weiter in Sachen Jahresplanung abgedriftet.

Kurz zur Hintergrundgeschichte: Der Kiwihüter würde alles tun, um mit ins nächste Schulmusical zu kommen. In Vorbereitung dafür gibts wohl so „Trainingseinheiten“, aka nen Kurs wos eben einfach ums Singen und Tanzen und so geht und irgendwann danach sind dann die Auditions für eigentliche Musical.

Es ist dem Kiwihüter halt scheiße wichtig, dass es da reinkommt und deswegen will er – verständlicherweise – keins von diesen „Trainings“ verpassen. Er hatte sich auch schon die ganzen Termine rausgesucht und eins davon lag wohl direkt am ersten Schultag nach den Ferien oder sogar noch in den Ferien, ich bin mir grad nicht sicher.

Er hat dann also vorsichtig gefragt, ob sie nicht aufpassen könnten, dass sie rechtzeitig aus dem Urlaub (wo auch immer es dann hingeht) zurück sind, sodass er das nicht verpasst. Er würde notfalls auch einfach allein früher zurückkommen.

Und prompt hat meine Gastmama dann einen fünfminütigen Vortrag gehalten, dass  man ja wohl mal ein einzelnes Training ausfallen lassen kann, das wär ja nichts dramatisches, das ist ja wie ein Mal krank sein oder so.

Der Kiwihüter hat dann am Anfang noch versucht, irgendwie dagegen zu argumentieren, aber mit jedem neuen Redeschwall seiner Mutter wurde er einfach nur kleiner und hat dann schlussendlich aufgegeben.

Mit ganz viel Kraft und Selbstbeherrschung konnte ich meinen Kiefer vorm Runterklappen bewahren.

Also ganz ehrlich? Vielleicht hab ich einfach nur arsch viel Glück mit meiner Familie, dass sie mir so viel Freiraum geben und alles, aber seinem Kind n schlechtes Gewissen einzureden, nur weil es gefragt hatte, ob es möglich wäre, seine eigenen Wünsche in die Urlaubsplanung miteinzubeziehen, geht einfach mal null?!

Ich hab einfach noch meine alte Gastfamilie vor Augen und ich weiß, wie anders das dort abgelaufen wär.

Ich glaube daher rührt das Gefühl, dass ich mich da irgendwie noch n Stück freier gefühlt hab. EInfach weil ich wusste, dass da keine Moralpredigt auf mich zukommt, nur weil ich meine Meinung sage. (Weil ja, auch ich hab die schon abbekommen. Völlig egal obs um mein Essverhalten oder meinen Standpunkt in Sachen Gleichberechtigung, Feminismus, etc. ging).

Anyway, ich bin müde.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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