(05.05.2019) En glimt av en förfluten tid

Meine alte Gastfamilie. Ich wollte ihnen heute mal wieder hallo sagen und ich hab mich tierisch gefreut. Und war nervös.

Man könnte sich jetzt fragen: „Warum?“

Mein Kopf ist ja manchmal etwas wunderlich und ich neige dazu sehr viel zu denken. Ich glaub ich hab schon so oft von Veränderung gesprochen und auch von den Gefühl, dass man sich, wenn man seinen gewohnten Rahmen verlässt, unabhängig von diesem Rahmen verändert. Vielleicht sollte ich ein anderes Bild malen. Vielleicht ist es mehr ein Puzzlestück, vielleicht eine Knetfigur, vielleicht bin ich auch einfach kein begabter Maler und sollte bei Tatsachen bleiben, ich weiß es nicht.

Worauf ich hinaus will, ist, dass ich nicht mehr der Mensch bin, den meine Gastfamilie bei sich wohnen hatte. Als ich ausgezogen bin war ich auch nicht mehr der Mensch, der ich war, als ich eingezogen bin, aber den Prozess der Veränderung, den haben sie mitgekriegt, den haben sie beeinflusst. Jetzt haben sie das Bild von mir, das ich bei ihnen zurückgelassen hab und der Mensch, der heut Nachmittag durch ihre Tür schreiten wird, der passt nicht mehr zu dem Bild.

Ich merke, dass ich schleiche. Ich merke, dass alles was ich tue in meinem Kopf in Zeitlupe geschieht, dass jeder Handgriff doppelt durchdacht ist und ich die Reaktionen all der Menschen um mich herum beobachte, bloß um im Zweifelsfall die Notbremse ziehen zu können. Ich merke, dass ich Geschichten anpasse, mein Lächeln ein bisschen breiter ziehe, mein Lachen ein bisschen länger halte und meine Gesten ein bisschen exzentrischer werden.

Das sind alles bloß kleine Notlügen, white lies (die ersten drei Urban Dictionary Einträge hier erklären das ganz gut), Dinge, die man sagt, die nicht per se falsch sind, die nur eventuell nicht das ganze Spektrum der Wahrheit beinhalten, einfach bloß um die Menschen drumherum nicht zu beunruhigen.

Tara sagt immer „Well you can trick yourself into enjoying almost everything“ und sie hat verdammt recht damit.

Ich will doch meine Gastfamilie wiedersehen, will ne schöne Zeit mit ihnen haben und nicht, dass die Konversation in den selben Sumpf abdriftet, in dem ich die letzten Wochen gesessen hab. Und so hab ich ganz doll an Tara gedacht und ehrlich, es funktioniert. Man kann sich selbst davon überzeugen, dass alles relativ glatt läuft und alle haben nen schönen Abend. Das ist nämlich das, was ich gerne in meinem Kopf speichen wollte. Die Erinnerung an einen schönen Abend.

Und so haben wir zusammen Fußball geguckt, deren beste Freunde kamen vorbei, wir haben alle zusammen Raclette gegessen und irgendwann hat sich die Gesellschaft dann aufgelöst und wir haben abgemacht, dass wir uns bald wiedersehen.

Wie Wille schon sagte, als ich auf meinem alten Stammplatz in der Küche saß: „Ja, så ska det se ut“

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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