(09.05.2019) SURPRISE!!!!

Värsta. Överraskning. Någonsin.

Ich bin ja morgens generell immer zu früh, genau wie der Rest der Truppe, auch wenn die meistens noch viel mehr zu früh sind und dann schon im Klassenraum saßen. Nur saßen im Klassenraum keine Schüler, bloß meine Lehrerin, die mich im schnurstracks wieder aus dem Raum beförderte.

Meine Freunde saßen im Nebenraum und als ich mich dann niedergeschlagen hatte, guckte mich Viktoria mit nem schmerzverzerrten Grinsen an: „Überraschungsklassenarbeit“.

Unsere Lehrerin steckte dann den Kopf in durch die Tür und hat mich rangewinkt und hat dann gesagt, dass ich die Klassenarbeit ja eigentlich nicht schreiben muss, aber ich natürlich herzlich willkommen bin, es trotzdem zu tun. Dumm wie ich bin, hab ich abgewunken und irgendwas gesagt wie „Ach was, ich schreib mit, kein Ding“ und bin wieder zurück in de Raum… wo ich dann auch bloß Viktoria angeguckt hab und mich mit den Worten „Wie dumm bin ich eigentlich?“ zurück auf meinen Stuhl geworfen hab. Ich hätte mir – hätte ich meine allerletzte Gehirnzelle benutzt – einen freien Vormittag bescheren können. Aber nein, warum auch?

Dass ich meine letzte Gehirnzelle nicht angestrengt hab, hab ich noch mehr bereut, als dann alle am Platz saßen und uns erklärt wurde, was wir jetzt eigentlich machen.

Unsere Lehrerin meinte, dass die Ergebnisse der letzten Klassenarbeit auseinandergehen wie Tag und Nacht und weil sie ja doch niemanden per so durchfallen lassen will, ist das hier jetzt unsere Chance, nochmal zu zeigen, was wir können. Sie lässt alle schreiben, damit sich die, die wirklich schreiben müssen nicht so unter Druck gesetzt fühlen und angekündigt hat sies nicht, damit wir uns nicht noch mehr stressen. Alles super lieb gedacht, aber trotzdem… keine schöne Überraschung.

Im Endeffekt haben wir dann einen Artikel zu lesen gekriegt und sollten dann entweder – basierend auf dem Titel – ne Argumentation zur These schreiben, die sie uns vorgeschlagen hat, oder aber ne eigene These aufstellen.

Schön ists übrigens, wenn man grade erst die Hälfte der ersten Seite gelesen hat und um einen rum schon Menschen anfangen zu tippen. Danke auch. Mein Selbstvertrauen (was meine Lehrerin wirklich wirklich gut hochgepäppelt hatte, Bild folgt) war dann mehr so am Bröckeln. Aber hey. Wird schon.

screenshot_20190512-163108.jpg

(Das war nämlich da Feedback zum letzten Aufsatz. „Sehr gut geschrieben Jenna, mit ein Schwedisch, das schwer beeindruckt! Du wirst die Kommentare im Aufsatz sehen, wenn ich den in einer Unterrichtsstunde austeile. Der Aufsatz ist sprachlich gesehen so gut, dass ich die gleiche Matris (das ist die Vorgaben, nach denen dann eben Inhalt, Struktur usw. bewertet werden) verwenden kann, wie für deine Muttersprache-sprechenden Mitschüler – beeindruckend“. Alter Schwede, das hat mich sehr sehr sehr gefreut, das zu lesen. Also so richtig.)

In dem Artikel gings darum, dass uns ja das Internet den freien Willen wegnimmt und dementsprechend war die vorgeschlagene These dann auch „Das Internet nimmt uns den freien Willen weg“… nur bin ich ein Kind, dass in der Zeit des Internets geboren ist und das dementsprechend die Schnauze voll davon hat, dass Wissenschaftler das Internet immer so schön verteufeln.

[Achtung, Exkurs in Sachen „Ihr habt sie doch nicht mehr alle“

Ich schmeiße hier jetzt mal nen Screenshot aus dem Wikipedia-Artikel über die Generation Z rein:

wiki-genz.JPG

Ich liebe es besonders, dass sie das Zurückgehen der Zahlen in Sachen Alkohol, Partys und co als „Entwicklungsrückschritt“ bezeichnen. Als wär das eine Entwicklung, die in irgendeiner Form erstrebenswert ist. Weil Minderjährige, Kinder, die sich betrinken, feiern gehen und am Ende schwanger werden definitiv erstrebenswert sind und man in dem Feld auch definitiv frühzeitig erfahrungen sammeln muss. Total.

Ich kann die älteren Generationen schon sagen hören „Ich habs doch damals auch gemacht und mir hats auch nicht geschadet“. Gutes Argument. Nur weil etwas keinen Schaden anrichtet, ist es aber noch lange nicht der beste Weg.

Mein liebster Part ist aber „Twenge führt die Entwicklungsverzögerungen vor allem darauf zurück, dass junge Menschen, die viel Zeit mit dem Smartphone verbrächten, zu wenige Erfahrungen im analogen Leben sammelten“. Liebe Menschen, das Internet hat mir so viel mehr beigebracht, als die alten Generationen sich eingestehen. Das greift nämlich da, wo das normale „Bildungssystem“ versagt.

Meine Noten wären nicht annähernd so gut, wenn ich mich auf das verlassen müsste, was mir ein Lehrer in der Schule erzählt. Das meine ich nicht im Sinne von „Ich hab die Antworten zu den Aufgaben in meinem Chemiebuch im Netz gefunden und schreibe sie jetzt eins zu eins ab“, sondern eher „Oh, das hier im Buch verwirrt mich, ich glaube ich schlage lieber nochmal nach, was Chiralität war, vielleicht hatte ja schon jemand anders die gleiche Frage“.

Onlineforen haben mir wahrscheinlich schon mehr Antworten gegeben als irgendwer sonst. Das Internet gibt uns die Möglichkeit, aus anderer Menschen Fehler zu lernen, ohne, dass wir sie erst selbst machen müssen. Ich muss mich nicht erst betrinken um zu merken, was das mit dem Kopf macht oder wie die Welt wird, wenn man Drogen nimmt. Da draußen haben genug Menschen ihre Erfahrungen gesammelt und haben sie mit der Welt geteilt. Wir sehen die Fehler von Millionen Menschen und trotzdem können wir am Ende noch immer selbst entscheiden, ob wir diese Fehler trotzdem noch selbst machen wollen, oder ob uns die Erfahrung der anderen genug sind.

Das Internet schränkt uns nicht ein, es hält unsere Entwicklung nicht auf, es gibt uns eine breitere Palette an Informationen.

Wenn dann also irgendein toller Wissenschaftler, Psychologe oder meinetwege Graf Dracula schreibt, dass wir „zu wenig Erfahrungen im analogen Leben sammeln“, dann kotzt mich das an. Es tut mir dann auch aufrichtig leid, dass ich mich dazu entscheide, aus anderer Menschen Fehlern zu lernen und nur das selbst ausprobieren, was ich wirklich tun will.]

Wo waren wir? Ach ja, Aufsatz.

Ich, als der Gen-Z-ler, der ich bin und der die Schnauze voll davon hat, dass irgendwer das Internet schlechtredet, hab meine These (oder wohl eher Leitfrage) dann „Aber nimmt uns das Internet denn wirklich den freien Willen weg?“ und bin zu dem Schluss gekommen, dass nein, nein das tut es nicht. Nicht, so lange man zwischen „der Wegnahme des freien Willens“ und „Einfluss“ unterscheiden kann. Aber damit haben ja einige n Problem.

Ich mag darüber jetzt aber auch eigentlich nicht weiter nachdenken.

Der Rest des Tages war recht unspannend. Physik war eben Physik und zuhause hab ich auch nicht mehr viel gemacht… außer mich mental auf Englisch vorzubereiten.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

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