(06.06.2019) Ein letztes Mal vor der Abreise

Jenna beantwortet alle die lustigen Fragen, ein letztes mal bevors dann in 2 1/2 Wochen nach Hause geht.

Angst, dass mein Schwedisch nicht reicht.

Wie schon gesagt, völlig unbegründet. Ich hab grade eben Simon Beckets „Dödens kemi“ (oder im Original „The Chemistry Of Death“) gelesen und das läuft einwandfrei. Oh und Rückmeldung zum letzten Post, in dem ich durch die Fragen hier gegangen bin: Ich hab den Aufsatz zurückbekommen und ich hab ein B. Bewertet nach ganz normalen schwedischen Kriterien. Scheiße macht mich das glücklich.

Angst, von Fettnäpfchen in Fettnäpfchen zu stolpern.

Nö. Noch immer nicht. Ich glaub wenn man lange genug mit den Schweden rumhängt, dann färbt das irgendwann ab. Die einzigen Fettnäpfchen in die ich jetzt noch trete, sind die, in die jeder treten könnte. So Sachen wie jemandem Witze über Mikrowellenunfälle erzählen, der darauf dann erweitert, dass er seine Eltern in einem Mikrowellenunfall verloren hat.

Angst, meiner Gastfamilie auf die Nerven zu gehen.

Ehrlich gesagt, ich glaub wir haben uns jetzt zusammengerauft. Ich weiß gar nicht genau was eigentlich passiert ist, aber irgendein Schalter hat sich umgelegt und jetzt gehts.

Angst, keinen Anschluss zu finden.

Scheiße man. Schaut euch Tara an, Viktoria, den Rest der Truppe. Ich liebe sie. Mit meinem ganzen Herzen. So Freunde findet man kein zweites Mal im Leben.

Angst, den Erwartungen nicht zu entsprechen.

Ehrlich gesagt… es ist doch ganz okay. Grade läuft in dem Punkt alles ganz okay. Ich spreche Schwedisch besser, als ichs mir erhofft hatte und das ist im Endeffekt alles, was zählt.

Angst, irgendwelche organisatorischen Dinge zu versauen.

Das ist in meinem Blut, da kann ich nix gegen machen. Also doch. Aber leider bin ich auch ein chronischer Faulpelz, außer ich will irgendwas ganz doll. Sprach sie, während sie übermorgen mit ihren drei besten Freunden nach Ljusterö fahren will und in dem Punkt noch nichts (gar nichts) abgesprochen ist.

Angst, Dinge hier in Deutschland zu verpassen.

Schweden ist zu schön als dass viel passieren könnte, was Schweden nicht in irgendeiner Form kompensieren würde. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel!

Angst, dass Menschen hier für immer von mir gehen, denen ich nicht tschüss sagen konnte.

Die Angst besteht weiter, aber ich hab ja bloß noch 18 Tage und so minimierte sich das Risiko mit jedem Tag, weil das Zeitfenster ja kleiner wird und das ist eins der wenigen positiven Dinge am Wiederkommen.

Angst, dass mir in Schweden was passiert und niemand da ist.

Unbegründet. Zu viele Menschen um mich rum, die sich um mich sorgen. Nicht mal, wenn ich wollte, könnte ich mir die alle vom Leib halten und schon gar nicht, wenn mir was passieren würde.

Angst, dass mich der Inhalt meines Kopfes auffrisst.

Berechtigt. Scheiße. Wir werden sehen. Grade ist da etwas Tohuwabohu angesagt.

Angst, dass mich das Heimweh packt.

Oder wohl eher zuhause das Fernweh. Das scheint mir bedeutend wahrscheinlicher. Auch wenn ich mich doch freue, dass ich meine Mama in acht Tagen sehe.

Angst, in der Schule hier nicht wieder reinzukommen.

Ich habe beschlossen, die Tatsache, dass ich wieder zur Schule muss in Deutschland, zu leugnen. Ansonsten dreh ich durch und das versuche ich zu vermeiden.

Angst, dass die Schule in Schweden zu schwer ist.

Ich habs geschafft. Ich hab durchgehalten und ich hab tatsächlich irgendwie mithalten können und nebenbei noch ne dritte Sprache gelernt. I managed.

Angst, allein zu sein.

Witzig. Ich könnte meine Freunde nicht mal abschütteln, wenn ich wollte. Egal was mein Kopf mir manchmal versucht zu erzählen, ich bin nicht allein.

Angst von zu vielen Menschen umgeben zu sein, ohne wirklich von ihnen umgeben zu sein.

Passiert manchmal. Der Gedanke an die Heimreise macht mich manchmal ziemlich apathisch, aber irgendwie fange ich mich dann doch wieder, oder Viktoria pustet mir ins Ohr oder Tara pikst mir ins Gesicht, und dann bin ich ganz schnell wieder in der Wirklichkeit.

Angst, dass Gefühl von Fremde nicht loszuwerden.

Das bin ich ein bisschen zu sehr losgeworden. Stockholm ist Heimat. Mein Zuhause. Dort wohnt meine zweite Familie und mein Herz.

Angst, zurückzukommen und Schweden mehr zu vermissen als gesund ist.

Ja.

Angst davor, vor Angst blind zu werden.

Wir werden sehen. Noch kann ich glaub ich gucken. Auch wenns manchmal etwas milchglasscheibenmäßig aussieht.

Bis dann und wann, Jenna

Autor: jenthehitchhiker

Hi, ich bin Jenna, 17 Jahre alt und habe nicht halb so viel Ahnung vom Leben, wie ichs gerne hätte. Außerdem ist hier ein schwedischer Zungenbrecher: "Sju skönsjungande sjuksköterskor skötte sjuttiosju sjösjuka sjömän på skeppet "Shanghai"."

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s