(07.10.2018) Ich liebe diese Menschen mit meinem ganzen Herzen, heilige Scheiße!

Heute hatte mein Gastvater Geburtstag.

Das heißt um 7:00 (und damit zwei Stunden vor allen anderen) aus dem Bett fallen, denn die Torte setzt sich nicht von allein zusammen (und dass sie sich magisch dekoriert hab ich auch noch nie erlebt).

So bin ich dann also in den frühen Morgenstunden in die Küche geschlumpft, hab geschlagene zehn Minuten gebraucht, um den Mixer zu finden (er lag in einer Auflaufform im obersten Regalbrett und die entsprechen Quirle irgendwo zwischen Salzstreuer und O’boy).

In mühevoller Kleinarbeit (und natürlich komplett ohne Druck (den mach ich mir ja nie) (es war aber besser als sonst)) hab ich es tatsächlich geschafft, das Ding irgendwie sauber zu verkleiden. Meine Oma hats abgesegnet, mehr Bestätigung brauch man für seine Torten nicht!

Und so sind wir dann morgens um 9:00, nachdem das letzte Familienmitglied mühevoll wachgerüttelt wurde (es wurde wohl etwas später gestern), singend ins Schlafzimmer marschiert. Ich muss meine Torten normaler Weise nie tragen. Jetzt merke ich erstmal, wie schwer die sind. Mein herzlichstes Beileid an alle, denen ich in den letzten Jahren mal so ne 4-Kilo-Torte in die Hand gedrückt habe.

Er hat den Kuchen angeguckt und sich sehr gefreut und gefragt, was das für einer ist. Als ich dann meinte, dass es Schwarzwälder Kirschtorte ist, hat er förmlich gestrahlt. Ach was sind das für liebe Menschen.

So wurden dann Geschenke ausgepackt, bevor wir zum frühstücklichen Tortenessen übergingen. Sie haben mich alle sehr für meine Torte gelobt… wenn sie doch bloß verstehen würden, dass es nicht wirklich echt Schwarzwälder Kirschtorte ist, weil der Schwede das Backen mit Kirschen quasi schier unmöglich macht. Aber gut.

Nach dem Frühstück haben wir uns dann ins Kino bewegt. Ein wirklich schrecklich fancy Kino. In den Saal passen nur so etwa 60 Menschen, die Reihen haben so viel Höhenunterschied, dass der Kopf des Vordermann bei einem auf Kniehöhe ist und jeder einzelne Platz hat sein eigenes Tischchen mit eigener Lampe. Okay. Hilfe.

Außerdem läuft keine Werbung und vor beginn des Films kommt ein Ansager in den Raum, der Spielzeit und Genre erklärt.

Es war ein französischer Film. Mit schwedischen Untertiteln. Someone kill me please.

Das Problem ist nämlich, dass ich entweder den Film schauen kann, oder die Untertitel lesen, aber keinesfalls beides. Wenn es ein Film mit deutschen oder englischen Untertiteln ist, dann braucht man zum Lesen etwa gefühlt 0,3 Sekunden und kann sich danach der Szene widmen und zuschauen, denn anstatt Wort für Wort aktiv zu lesen, guckt man bloß das Wort an und der Kopf nimmt es auf.

Aber wenn der Text plötzlich auf Schwedisch ist, dann muss man Wort für Wort aktiv lesen, dann übersetzten und schließlich eventuell aufgetretene Vokabelfragen im Kopf klären. Hat man das abgeschlossen und ist bereit, die Szene zu betrachten, springt es schon wieder auf die nächste Zeile Text um.

Ich glaube, ich kann mich an kein einziges Gesicht von irgendeinem Schauspieler erinnern.

Wieder zuhause hab ich dann mit einem Teil der Family und dem Kampfkarpfen geskypt, es war sehr nett.

Beim Abendessen haben wir uns über Geburtstagsgeschenke unterhalten und meine Gastfamilie hat mir eröffnet, dass sie als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk nach Finnland fahren – weil das jeder Schwede mal gemacht haben muss.

SIND SIE NICHT DIE LIEBSTEN MENSCHEN AUF DER WELT?

Ohne Witz, ich weiß nicht wie ich so viel Glück im Leben haben kann, an so liebe Menschen geraten zu sein, die mich so unfassbar glücklich machen und mir so viel geben.

Ich muss der glücklichste Mensch auf Erden sein.

Danke. Von ganzem Herzen.

Bis dann und wann, Jenna

(06.10.2016) Wir flüchten dann mal lieber (denn wie mans macht, macht mans falsch)

Hätten sie doch bloß Wikipedia befragt, dann hätte ich mich nicht zu Tode erschreckt, weil ich geglaubt habe, dass mir jemand Apfelessig andrehen will.

Wikipedia spricht nämlich: „Apple cider (also called sweet cider or soft cider or simply cider) is the name used in the United States and parts of Canada for an unfiltered, unsweetened, non-alcoholic beverage made from apples“. Ich schwöre, ich war dem Herzinfarkt wirklich nah!

Aber wer wollte mir da um ein Haar Essig andrehen und warum mussten wir flüchten?

Nun, wir erinnern uns, meine Gastschwester wurde letzten Montag 18 und wollte dementsprechend feiern. Da es – wie das so ist – höchst peinlich ist, die Eltern dabei in der Wohnung zu haben, mussten sie weg. Ich hätte bleiben dürfen, aber wir kennen mich, wenn ich drei Dinge (besondern in Kombination) nicht mag, dann sind das Partys, große Gruppen an Menschen in meinem Alter und überlaute Musik. Ich durfte also ebenfalls flüchten.

Wir sind dann zu Freunden meiner Gasteltern. Womit wir wieder bei meiner Theorie wären, dass die beiden wirklich nur nette Freunde hat.

Man hat mir erzählt, dass die beiden Kinder, die sie haben, am liebsten Videospiele spielen – und ich war furchtbar glücklich. In meiner Imagination saßen alle Erwachsenen am Tisch und wir bekriegen uns in irgendeinem Videospiel. Zur Überraschung Aller hat die beiden aber plötzlich die Manieren gepackt (oder sonstwas) und sie saßen volle sechs Stunden mit am Tisch. Ich ebenso. Und wir drei haben uns unfassbar leidend angeschaut. Und niemand hat sich getraut aufzustehen. Junge, junge. Menschen (wie ich) sind schon schwierige Lebewesen.

Trotzdem war es ein wirklich netter Abend, mit wirklich netten Menschen.

Meine Gastschwester meinte, dass wir frühstens um elf zurück sein dürfen. Als wir dann – von großer Müdigkeit geplagt – gegen Viertel nach elf nach Hause kamen, saßen da noch Menschen auf dem Balkon. Mein Blick, gekoppelt mit einem (zu deutsch) „Ganz mieses Timing“, ging zu meiner Gastmutter, deren Mienenspiel etwa dem Meinen glich.

Um spätestens zehn sollte sich das ganze Fest eigentlich in eine Bar verlagern, damit sich die Nachbarn nicht (wie sies sonst so gerne tun) über den Lärm beklagen können.

Als wir das Treppenhaus hochliefen, kamen uns die ersten Menschen entgegen, zusammen mit meiner Gastschwester, die so mäßig glücklich über unser Erscheinen war. „Mama ich hab doch elf gesagt“ – „Es ist Viertel nach Elf“, das war nicht per se die zufriedenstellendste Antwort für sie.

An dieser Stelle muss ich aber sagen, ich versteh meine Gastschwester irgendwo auch absolut. Mein achtzehnter Geburtstag wird zwar definitiv anders laufen, aber trotzdem.

Als wir dachten, dass alle verschwunden sind, haben wir uns dann in die Wohnung begeben – die zur großen Überraschung aller sogar noch aussah, wie eine Wohnung. Etwas klebrig hier und da, definitiv überdurchschnittlich krümelig und manches hatte sich dann doch vom Originalstandplatz wegbewegt, aber alles in allem war alles okay.

Nur war die Wohnung nicht leer.

Während ich also grade meine Schuhe wegstellte, torkelte da ein letztes kleines Grüppchen vom Balkon rein und begab sich auf seinen Weg.

Und grade als wir dachten das wars, ging die Badezimmertür auf und ein Mädchen kam raus und schaffte es dann doch noch irgendwie nicht mit Schwung in die Garderobe zu kippen. Aus dem Schlafzimmer meiner Gasteltern kamen auch noch die letzten zwei, die vor Schreck den Boden erstmal in Bier tränkten. Ganz klasse.

Ich war sehr froh, nicht anwesend zu sein.

Bis dann und wann, Jenna

 

(05.10.2018) Warum sieben Stunden zum Backen einer Schwarzwälder Kirschtorte nicht ausreichen

Ganz einfach, wenn man knapp zwei Stunden braucht, bis man erstmal Kirschen gefunden hat, dann ist das schonmal ein ganz schlechter Start und wenn man dann noch jemanden trifft, der Mamma Mia etwa 40 Mal geschaut hat und dementsprechend textsicher ist, deine Liebe für den ESC teilt, die finnische Version von Aqua – Barbie Girl   genau so klasse findet und außerdem ebenfalls Quenya (die best-entwickelte (und daher am besten lernbare) Sprache der Elben aus Herr der Ringe) spricht, die gleichen Filme und Serien schaut und außerdem ja deinen Lieblingskiwi Günther beherbergt, ja dann kann man sich ausmalen, wie schnell man backt.

Während seine Schwester in die Küche kam, haben wir grade Party For Everybody geträllert, ich kann also verstehen, warum sie dann doch ganz schnell wieder geflüchtet ist.

[Einschub: Heute hatten wir den ersten Schnee.

Der Tag fing ja mit Sport an (wie jeden Freitag, welch Wunder) (und ich hatte ernsthaft Angst auf dem Weg dahin zu sterben, die U-Bahn war ja mehr als prähistorisch und hat gewackelt wie sonstwas) und da meine Bauchmuskeln noch nicht per se Weitsprung, Weitsprung schrien, hab ich das dann mal gelassen und zusammen mit den anderen Invaliden Messwerte eingetragen.

Beim Rumlatschen auf den Gelände haben wir dann den ersten Schnee gefunden! Oh mein Gott! Schnee! Anfang Oktober!

Möglicher Weise hatte ich die erste kleine Schneeballschlacht.]

Zurück zum Kuchen.

Irgendwo zwischen Greased Lightning  und Bra Vibrationer haben wir es dann zumindest geschafft, die Böden zu backen, die Kirschfüllung zusammen zu rühren und Sahne steif zu schlagen. Übrigens ist das der nächste Schwede, der nicht weiß, was Sahnesteif ist. Hilfe, dieses Land.

Übrigens gab es schon wieder Keine Kirschen im Glas.

Die Füllung besteht jetzt aus Tiefkühlkirschen (aus Ermangelung an Kirschen im Glas), Stärke (weil kein Vanillepuddingpulver), Waldbeersoße (weil kein Kirschsaft oder Kirschsoße) und Zitronensaft (weil die Waldbeersoße klitschesüß ist).

Oma, es tut mir unendlich leid. Dir blutet wahrscheinlich das Herz, wenn du liest, was ich hier zusammengerührt hab. Aber es ist fest geworden, wirklich. Der Kuchen steht!

Als es dann irgendwann 23:00 wurde, waren wir noch immer nicht fertig (Was dieses Mal aber Absicht war, so haben wir beschlossen, dass es schlauer ist, den Kuchen erst Sonntag Morgen mit Sahne zu verkleiden, mit dem Hintergedanken, dass es dann vielleicht nicht ganz so matschig wird. Wer weiß?

Irgendwann weit nach elf, nachdem die Küche wieder aussah, wie eine Küche, bin ich dann auch mal nachhause gelatscht.

Stockholm bei Nacht ist wirklich schön. Wenn man nicht gerade eine verdammte Torte in der Hand hat, die einen langsam aber sicher den Arm ausleiert. Zum Glück ist der Weg nicht besonders weit, und bevor ich zum Primaten mutiert bin, hab ichs nach Hause geschafft. Welch Glück!

Bis dann und wann, jenna

(04.10.2018) Live aus dem Unterricht

Ich erkenne da ein Muster, irgendwie hab ich in meinen Schwedischstunden ja nur so bedingt viel zu tun, da meine Lehrerin kurzer Hand beschlossen hatte, dass 1984 noch zu schwer für mich ist. Meinetwegen.

Dementsprechend viel Freizeit hab ich dann allerdings, und da ist Schreiben nunmal, und da ist schreiben das Beste, was man irgendwie tun kann.

An dieser Stelle würde ich gern kurz anmerken, dass ich durchaus überrascht von mir selbst bin, bis jetzt jeden Tag zumindest irgendwie 300 Wörter geschrieben zu haben, obwohl es auch oft mal doppelt so viele sind. Sagen wir also, ich schreibe im Durschnitt 400 Wörter am Tag und bin hier in Schweden für etwa 150 Tage. Das ergibt 60000 Wörter, was wiederum ziemlich genau 3/4 des ersten Harry Potter Bands entspricht. Mag sich das einer vorstellen? Es tut mir leid für all die Leute, die mein Gesülze tatsächlich lesen.

Ansonsten werde ich wohl abwarten, was der Tag so bringt. Grade eben sitze ich in der Fensterbank im dritten Stock und überlege, ob die Fenster hier eventuell bloß einfach verglast sind und ob es deswegen vielleicht keine besonders gute Idee ist, sich anzulehnen. Andererseits, die Schule ist in nem Gebäude von einer alten Nervenheilanstalt/Klinik/Whatever, vielleicht spuken hier also noch irgendwelche Geister mit ausgeprägtem medizinischem Wissen durch die Gegend. Nur für den Fall, dass das alles nicht so stabil ist.

Es ist 10:38 und es schmerzt, zu verkünden, dass es in genau 12 Minuten Mittagessen gibt. ES IST NOCH NICHT MAL ELF UHR.

Ich fürchte, aus genau diesem Grund beende ich das hier später.

Der Rest des Tages war dann nicht mehr allzu spannend. Es folgte Physik.

Da unser Lehrer die Klasse für zu groß befunden hatte und meint, sich so nicht jedem Schüler widmen zu können, unterrichtet er gerne 1:30h die eine Hälfte der Klasse, die darf dann nach hause gehen und dann folgt die zweite Hälfte für 1:30h. Wer auch immer in der zweiten Hälfte gelandet ist, hat vor allem donnerstags richtig Glück, denn dann hat man zwischen Englisch und Physik ganze drei Stunden Zeit. Oh wow.

Meinerseits hab ich aber Glück, dass des Kiwihüters Name auch mit j anfängt und wir deshalb in der selben Hälfte landen und yay, nicht alleine warten.

Physik war also ganz okay.

Außerdem hat er eingewilligt, mir beim Backen der Geburtstagstorte für meinen Gastvater zu helfen. Dazu dann wohl morgen mehr.

Bis dann und wann, Jenna

 

 

(03.10.2018) Chemie und was den Menschen sonst noch glücklich macht

Es ist Mittwoch und damit mein Lieblingstag der Woche, auch wenn ich am frühsten aufstehen muss und nicht nur vier Minuten zur Schule brauche.

Aber dafür fangen wir mit Theater an und auch, wenn meine Lehrerin überzeugt ist, dass ich Jemma heiße (obwohl die jeden Mittwoch Morgen Jenna in der Liste abhakt), es ist ein tolles Fach.

Es fing etwas dröge mit Theorie zur Theateranalyse an, aber das ist auch verständlich, schließlich gehen wir uns nächste Woche ein Theaterstück anschauen. Das ganze heißt HOPPET – för jag dog inte und ich bin sogar halbwegs gespannt! Der Youtube-Trailler (da im Link) sieht ein bisschen strange aus, aber wir lassen uns einfach mal ein bisschen überraschen.

Chemie so ziemlich das beste auf Erden – in Sachen Schule. Ansonsten rangiert es aber irgendwo direkt hinter Gulasch und Colin Firth.

Und hey, es wird inzwischen sogar wirklich spannend, den es verkompliziert sich alles und wir kommen zu dem Teil des chemischen Rechnens, bei dem man doch denken muss und als das damals in der Schule in Deutschland drankam, fand ich Chemie noch scheiße – mit vollem Herzen.

Ich versteh nicht mal was genau mir Chemie angetan hat, grade heute war ich zwischenzeitlich zu tiefst verzweifelt und sehr sicher, dass mein Kopf bald explodiert, wenn ich noch länger versuche, irgendwelchen Murks auszurechnen. Ich seh Maya noch förmlich vor mir, die das ganze Thema als leicht deklarierte und dann mal kurz volle Punktzahl in der Klassenarbeit schrieb. Ich glaub ich bin nur knapp an der Vier vorbeigeschüsselt.

Das ist allerdings ein wirklich großes Problem, wenn man (wie ich damals in den ersten neun Jahren meiner Schullaufbahn) fest überzeugt ist, dass man etwas (Chemie) nicht kann, ja dann wird das auch absolut nix.

Wenn man sich allerdings einredet, dass man irgendwas total toll kann und sich völlig dafür begeistert, ja da ist es eigentlich völlig egal, wenn man nichts versteht, weil man dann aufhört zu zweifeln und wenn man aufhört zu zweifeln, dann lernt man viel schneller und die Dinge bleiben hängen. Ergo kann man sich tatsächlich einreden, dass man in irgendwas gut ist.

Das hilft hier in Schweden übrigens nicht nur mit Chemie, sondern mit der ganzen Sprache an sich. Wenn man sich einfach bloß einredet ach, das ist ja alles super, alles so nah am Deutschen und so schlecht mit Sprachen bin ich auch gar nicht, dann ist die Chance, dass das wirklich so ist, ziemlich hoch und die Sprache lernt sich viel viel leichter.

Ein bisschen ärgere ich mich, dass die Begeisterung bei Spanisch irgendwie nie aufgetaucht ist, so hab ich doch in den letzten 1 1/2 Monaten gelernt, dass verschiedene Sprachen sprechen eins der besten Dinge auf der ganzen Welt sind.

Mit jeder neuen Sprache sind da Millionen Menschen, die man nun verstehen kann, hunderte neue Serien und Filme, tausende Bücher, Arbeitsplätze öffnen sich und unendlich viele Möglichkeiten entstehen.

Kommunikation ist die Grundlage für unser Dasein und verdammt noch eins, ich werde niemals zum größten Menschenfreund auf Erden, aber kommunizieren zu können, mit anderen Menschen in deren eigener Sprache, muss eins der grandiosesten Gefühle auf Erden sein.

Also irgendwie ists deswegen vom Gefühl her nur so mäßig schön zu wissen, dass man fünf Jahre lang die Chance hatte, eine Sprache zu lernen und praktisch nichts mitgenommen hat.

Der Gedanke „Aber wir haben doch Englisch, das ist die Weltsprache und daher alles was man braucht“, ist nicht falsch. Es ist tatsächlich wirklich sinnvoll, eine Sprache zu haben, die etwa 1,5 Milliarden Menschen zumindest in Grundzügen beherrschen, aber das ersetzt das Gefühl nicht, in ein Land zu fahren und in der Lage zu sein, tatsächlich in der Landessprache kommunizieren zu können, die Schilder zu verstehen, das Radio, Fernsehen oder auch einfach bloß das Gespräch der Frau an der Supermarktkasse direkt vor dir.

Und wenn sich jetzt irgendwer fragt „Aber warum dann Schwedisch und nicht irgendwas, was nicht nur knapp 10 Millionen, sondern mehr so 300 Millionen Menschen sprechen (wie Spanisch oder Französisch)?“. Ganz ehrlich? Es gibt keinen logisch sinnvolle Grund, außer den, dass mich dieses Land, die Menschen und die Sprache wirklich unendlich glücklich machen.

Bis dann und wann, Jenna

(02.10.2018) Pyjama-Tag (oder auch Excuses-to-go-to-school-in-my-BADEMANTEL)

Das fasst meinen Tag eigentlich sehr schön zusammen.

Ich finde, wir sollte öfter alle in unserem Lieblingsbademantel zur Schule kommen, es macht den Tag etwa 17,3 Millionen Mal besser!

Tatsächlich haben auch Menschen ihr gesamtes Bettzeug (aka Decke und Kissen samt Plüschtier) angeschleppt. Ein kann ich allerdings sagen, in meiner ultralangen, flauschig-weichen Slytherin-Robe (mit den zugegebener Maßen leicht 70s-angehauchten Trompetenärmeln), ist der Tag nur so mäßig leicht.

Aber schlussendlich grinsen einen doch viele Leute an und das ist ein wirklich schönes Gefühl, wenn man merkt, dass jemand dein fandom of choice anerkennt!

Nur auf dem Weg nach hause war es dann doch etwas strange, im Bademantel durch die Straßen zu stolpern. Aber dafür liebe ich Schweden, niemand gibt nen Scheiß auf irgendwen!

Ansonsten war der Tag unabhängig davon ziemlich normal. Meine Bauchmuskeln sind noch immer nicht der Meinung mich zum Parkour zu lassen, so habe ich das dann mal lieber sein gelassen.

Physik und Englisch waren halbwegs okay. In Physik haben wir die Fahrgeschwindigkeit von Autos berechnet (bedeutet, wir sind alle rausgestapft, haben ein Stück Straße vermessen und dann die Zeit von random Autos gemessen. In Englisch machen wir jetzt Shakespear. Sehr spannend. Nicht.

Ich glaube sowas wie Shakespear muss man einfach mögen, sonst wird das alles doch ziemlich dröge. Aber wenigstens hat Benedict Cumberbatch Teile aus irgendwas vorgetragen – das war ganz nett.

„Newsflash! In den letzten Monaten ist die Zahl der vermissten Personen dramatisch angestiegen. Die jüngste Veröffentlichung der lokalen Polizeibehörde berichtet von einem weiteren tragischen Fall. Es handelt sich um ein neunzehnjähriges Mädchen das zuletzt vor vierzehn Tagen gesehen wurde. Die Polizei schließt die Möglichkeit nicht aus, dass es sich hier um ein Verbrechen handelt“… äh ne warte, das war Falco mit Jeanny.

Also, Newsflash! Einer meiner Lieblingsfilme, My Own Private Idaho, beruht wohl in Grundzügen auf einem Stück von Shakespear. What?

Ansonsten ist es ja sehr schön, dass wir diesem Mann und seinem Hang und Talent zum neue-Worte-basteln einen großen Brocken der englischen Sprache verdanken, aber es ist einfach nicht ganz meine Welt. Aber hey, wenigstens keine formal letters mehr!

[An dieser Stelle möchte ich ein Bild von Gestern nachreichen, ich hab die Stelle aus dem Film meines Gastvater mal direkt neben mich gelegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Karriere als deprimierter Politiker mir auch liegen würde]

Morgen ist dann mein absoluter Lieblingstag in der Woche, Chemie und Theater und dazwischen endlos viel Pause!

Bis dann und wann, Jenna

(01.10.2018) Das Leben ist strange und wunderschön

Danke. Mehr kann ich gar nicht sagen. Ich glaube nicht, dass irgendwelche Worte dieser Welt beschreiben können, wie sich das hier anfühlt.

Ich hab wirklich das Gefühl, das Gast aus Gastfamilie streichen zu können. Ich fühl mich nicht mehr wie ein Gast und diese unendlich lieben Menschen, die mich vor ganzen sechs Wochen bei sich aufgenommen haben, die fühlen sich an wie Familie.

Heute hatte meine Gastschwester Geburtstag und davor hatte ich irgendwie Angst. Das klingt so unendlich dämlich, aber so war es nun mal. Es ist ihr achtzehnter Geburtstag und damit ein wirklich wichtiger Tag, großer Schritt, Meilenstein oder welchen Namen man diesem Event auch immer geben möchte. Und ich hatte einfach wirklich große Angst, wie son „Sonderling“ irgendwo in bestehende Traditionen reinzustolpern, irgendwas kaputt zu machen und ihr schließlich auf ewig die Erinnerungen an ihren Geburtstag zu versauen.

Schule hatte ich heute keinen, wie mir der Kiwihüter erklärte haben die Lehrer heute „A day to get their shit together“, was auch immer das genau heißen mag.

Um fünf bin ich dann mal aufgestanden, so war der ursprüngliche Plan doch um halb sieben Frühstücken zu gehen. Schlussendlich waren wir um die Zeit erst meine Gastschwester wecken und ihr Geschenke überreichen.

Und ich hab mich kein Stück fehl am Platz gefühlt. Auch, wenn ich alles andere als textsicher war und mehr wie son grinsendes Dekostück durch die Tür gestolpert bin, während meine Gasteltern singend, mit der riesigen Tüte voller Geschenke ins Zimmer gelaufen sind. Scheißegal, es war unglaublich schön.

So saß dann die ganze Familie um meine Gastschwester herum und hat beim Auspacken zugeguckt. Im Anschluss sind wir dann doch frühstücken gegangen. Das Cafe (ich betitel das jetzt einfach mal – unwissend wie ich bin – als Cafe) soll der Favorit aller Blogger und Instagram-Sternchen sein.

Dann traf mich die Panik. Ich habe einen Blog. Bin ich somit Blogger? Muss ich jetzt fancy Smoothie-Bowls und Matcha-Kaffee bestellen?

Erleichterung traf mich, mein Blog verschwand nicht magisch, als ich mich für Croissant und Orangensaft entschied.

Dann sind wir wieder nach hause gedackelt. Während meine Gastschwester zur Schule musste, mein Gastvater zur Arbeit und meine sich Gastmutter ebenso an ihre Arbeit gesetzt hatte, widmete ich mich einer der besten Erfindungen der Neuzeit: Amazon Prime!

Es! Gibt! Mord! Mit! Aussicht! Bei! Amazon! Prime!

Mein Tag war also absolut gerettet!

Dann viel mein Blick auf den Stapel Sims-Spiele, der noch immer neben meinem Regal liegt (weil drinnen kein Platz ist) (was in dieser Familie nicht ungewöhnlich ist. Relativ mittig auf dem Wohnzimmerboden türmen sich so etwa 15 Bücher, die glaube ich regelmäßig angegafft werden, aber seit Tagen nicht einen Millimeter vom Fleck bewegt haben) und mit dem ich nichts anfangen kann, weil mein Laptop kein CD-Laufwerk hat und ich mein Externes in Deutschland vergessen hab (oder eher mutwillig zurückgelassen, weil ich DACHTE, dass ichs nicht brauche.

Kurzerhand bin ich dann also losgezuckelt, das billigste CD-Ding zu kaufen, was ich finden konnte. Und tatsächlich, Technik hat hier gar nicht so überteuerte Preise. Jenna ist glücklich.

Wieder zuhause hab ich dann nen Film geschaut, den mein Gastvater geschrieben hat, so hatte man doch verlauten lassen, dass wir heute Abend in das Restaurant gehen, in dem eine Szene aus dem Film spielt. Ich wollte ganz sicher sein, dass ichs wiedererkenne!

Und so ists dann auch gekommen. Ich bin absolut völlig geflashed,  in echt ist das Restaurant wirklich umwerfend schön. Auch wenn das Klientel etwas spießig wirkt. So klingelt das Handy eines Mannes und die Ältere Dame vom Nachbartisch machte Theater. Willkommen im 21. Jahrhundert meine Damen und Herren. (Ja, ich kann nachvollziehen, dass das Gebimmel stören kann, aber es war nicht unendlich laut und dauerte etwa zweieinhalb Sekunden).

Das Essen war auch wirklich gut. Die Aufmachung ebenso extra wie das ganze Ambiente, so verstehe ich nur halb warum man die Soße aufschäumen muss, bevor man sie neben meine Köttbullar gießt und warum alle Beilagen aller Personen in einzelnen kleinen Schälchen auf eigenen Untertellern serviert werden, sodass der Tisch so voll ist, dass es an Doktor Bibber gleicht, sein Glas herauszumanövrieren.

Im Endeffekt aber völlig egal was mit meiner Soße geschieht, wie der Tisch aussieht und dass ältere Damen meinen, rummotzen zu müssen. Es war einer der schönsten Tage die ich hier hatte und ich bin unermesslich dankbar, dass alles erleben zu dürfen.

Meine Gastfamilie sind Menschen, die mir das Gefühl geben, quasi alles aussprechen zu können.

Aber am allermeisten geben sie mir das Gefühl, Teil der Familie zu sein und sie geben mir das Gefühl, dass sie sich ehrlich freuen, mich bei sich zu haben und genau das ist wohl das schönste Gefühl auf Erden.

In den letzten sechs Wochen hab ich so viel erlebt, so viel gesehen und so viel gelernt. Mein ganzes Weltbild hat sich verrückt und meine Prioritäten ebenso. Ich sehe viele Dinge anders und wie habe so manches schätzen gelernt habe, so habe ich genau so gelernt, dass manches gar nicht so wichtig ist, wie wir gerne glauben.

Das schönste Gefühl auf Erden ist Stille im Kopf.

Das erste Mal in meinem Leben ist es wirklich still da oben und ich kann klar denken. Ich werde alles, alles, alles dafür tun, dieses Gefühl zu bewahren. Diese Stille ist so ziemlich das Wertvollste, was es gerade für mich gibt.

„Ich bin nicht mein Kopf, er ist nur mein Werkzeug, wertvoll ist, von was mein Herz träumt“ (Greeen, Tohuwabohu). Ich hätt nie geglaubt, dass ich das mal sage, aber scheiße man, eins meiner Lieblingszitate stimmt einfach nicht mehr. Ich bin mein Kopf. Ich kann plötzlich klar denken.

Hätte mir das jemand vor zwei Monaten erzählt, dass ich mich mal so fühle wie jetzt, hätte ich nervös gelacht und wahrscheinlich schnell wieder vergessen, dass überhaupt jemand was zu mir gesagt hat. In meinem Kopf-Chaos war gar keine Zeit und Platz sowas einzuorden.

Das muss klingen, als ob meine Psyche jetzt völlig mit mir durchdreht, tut sie aber nicht. Ehrlich gesagt bin ich einfach nur endlos glücklich will dieses Gefühl einfach versuchen, bestmöglich mit Worten zu beschreiben – auch wenn das völlig unmöglich ist.

Danke. Von ganzem Herzen.

Bis dann und wann, Jenna