(13.04.18) Angst, Panik, Schiss, Grausen, Sorge, Bange, Zwiespalt und was das Gefühl sonst noch beschreibt

Was ein fröhlicher Titel.

Aber so ist das nun mal, wenn ich plötzlich ein Abflugdatum hab.

Mit Vorbereitungswochenende bleiben mir am heutigen Tag noch 4 Monate und 2 Tage, ohne auch nur 3 Tage mehr. 127 Tage. 127 Tage mit meiner Familie, meinen Freunden, meiner Schule, allem Gewohnten. 127 Nächte in meinem eigenen Bett. 127 Tage in denen noch so viel passieren muss und wird.

127 Tage in denen ich Angst hab, dass die Angst nicht mehr weggeht.

Das bringt einem ja niemand bei. Ehrlich gesagt bringt einem all das wirklich nützliche niemand bei und ich spreche jetzt weniger von Steuererklärungen und mehr davon, wie man sich weniger allein und verloren fühlt.

Allein zwischen unglaublich vielen Menschen. Menschen die dir entweder sagen, wie toll du bist und, dass sie selbst sich sowas nie getraut hätten, und auf der anderen Seite die, die dich und was du tust schwachsinnig finden. Schlussendlich ist das alles einfach nur verrückt.

Und dann würde man sie gerne anschreien, allesamt miteinander. Und schreien, dass man fast durchdreht. Dass man nichts von all dem ist. Kein Stück sicher, kein Stück mutig, kein Stück irgendwie gefestigt in seinem Denken.

Aber von Zweifeln spricht man nicht, denn Menschen fragen nach.

Und ganz ehrlich, kaum jemand, der grade so seine Nerven noch zusammenhalten kann, möchte sich noch erklären.

 

Jetzt, wo ich die Tage bis zum Abflug zählen kann, ist alles noch schlimmer. Zahlen drücken Dinge so furchtbar präzise aus und machen sie furchtbar real.

Und ich möchte am liebsten jeden Menschen anschreien der irgendwas sagt wie „Ja aber du verlierst doch hier in Deutschland nichts, du kommst wieder und alles ist noch da“.

Ja Pustekuchen. Ich bin ein elendes Gewohnheitstier und Veränderungen schlagen mir schlimmer auf den Magen als schlechter Fisch und das „aber manchmal sind Veränderungen notwendig“ macht da genau… äh… nichts besser.

Ich werde nie Gewissheit haben, dass hier alles weitestgehend bleibt wie es ist. Und so wenig ich drastische Veränderungen auch vertrage wenn ich praktisch vor Ort bin, das ist absolut nicht vergleichbar mit Veränderungen in unerreichbarer Distanz.

Meine Güte muss ich wie ein weinerliches Weichei (Ha! Alliteration! Hab doch was in Deutsch gelernt, welch Wunder!) klingen wenn ich das so sage, aber dazu zählen die banalsten Dinge.

Völlig egal ob es sich um das Streichen des Wohnzimmers handelt, wenn sich Paare im Freundeskreis trennen oder doch eher Umzüge oder gleich der Tod. Dinge zu verpassen, verkrafte ich auch überhaupt nicht.

 

Nimmt man all das zusammen, kann man sich ungefähr ausrechnen, warum ich so unglaublich Angst davor hab wegzugehen. Da hilft kein Zureden, keine Versprechen und kein Spott, die Angst wird immer bleiben.

Und jetzt die Tage runterzuzählen, dass macht alles nur noch echter und ich hab doch bloß noch Angst. Einfach bloß Angst.

 

Bis dann und wann, Jenna

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(29.12.2017) Organisationssuche und Anmeldungsphase

Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich nur ein halbes Jahr weg wollte, hab ich dann angefangen mich durchs Internet zu wühlen.

Bei den meisten Organisationen kann man ganz einfach und kostenlos Infomaterial und Broschüren anfordern, was ich dann auch getan hab.

Tatsächlich hatte ich Glück und gleich die erste Broschüre die ins Haus flatterte, gehörte zu einer Organisation die mich – nach etwas Herzklopfen beim blättern – tatsächlich für ein halbes Jahr nach Schweden gehen lies.

In meinem Fall Ayusa-Intrax.

 

Anmeldung:

Die Anmeldung lief fast komplett online ab, lediglich einige Seiten musste man ausdrucken, ausfüllen (lassen) und wieder einscannen.

Was war gefragt?

Vorab ist anzumerken, dass man – logischer Weise, sonst versteht das im Gastland wohl niemand – alles auf Englisch ausfüllen musste.

Auf der ersten Seite waren es vor allem persönliche Infos bzw. Daten (Name, Anschrift, Schule etc.), auf den Seiten danach folgten noch ähnliche Angaben zu den Eltern, die allgemeine Familiensituation und ein Haufen Fragen direkt an meine Hobbys, Wünsche, Ziele, Pläne und Präferenzen.

Also eben was ich für Sportarten mache oder sonst für Hobbys hab/ was ich allgemein in meiner Freizeit mache. Aber auch meine Lieblingsschulfächer und ähnliches.

Und natürlich die ominösen Fragen wie „Wie würdest du dich an das Leben in der Kleinstadt anpassen?“, wo sich mein Kopf automatisch einschaltete und schrie „Und hallo beim einsamen Rentierzüchter am Polarkreis“, aber ich schätz mal ganz so dramatisch wird es dann auch nicht.

Anschließend folgt eine Seite auf der man Bilder hochladen muss (minimal 5, maximal 8), die unter anderem einen selbst, die Familie, das Haus und die Freunde zeigen sollen (müssen).

Dann kommt der langwierige Teil, nämlich alles was man ausdrucken und ausfüllen muss.

Da wären: Ein Zettel den der/die Englischlehrer/in bezüglich der Englischkenntnisse ausfüllen muss, ein Formular das, sofern vorhanden, von beiden Erziehungsberechtigten unterschrieben werden muss und der aller spaßigste Teil: 3 Seiten für den Arzt.

Natürlich waren alle Krankheiten/Beschwerden/Impfungen/schießmichtot auf Englisch, was ich dann im Vorfeld doch lieber noch mal übersetzt hab, bevor ich damit zu meiner Ärztin gelaufen bin.

Abgefragt wurden alle möglichen Krankheiten, sowie Allergien, psychische Krankheiten, die Vollständigkeit der Impfungen (ja, um in Schweden die Schule besuchen zu dürfen muss das Kind geimpft sein) und schlussendlich, als jemand mit panischer Angst vor Nadeln, ein Tuberkulose Hauttest (oder Tuberkulintest? Jedenfalls wird einem da was gespritzt und drei Tage später muss man wieder hin und die gucken ob alles okay ist).

Außerdem müssen noch zwei Briefe (je 1-2 Seiten) an die zukünftige Gastfamilie geschrieben werden. Einer von mir selbst über mich, meinen Alltag, Hobbys, Eigenschaften und einen von einem Elternteil ebenfalls über mich und meinen Alltag, aber da bekommt man ganz gute Richtlinien.

Aber auch das alles logischer Weise auf Englisch (was aber auch gut ist und ich würde auch jedem empfehlen das alles selbst auszufüllen und nicht von Mama oder Papa ausfüllen zu lassen, wenn man nämlich merkt, dass man da noch Probleme hat, ist das ein ziemlich guter Anhaltspunkt, dass man in Englisch noch mal ranklotzen sollte wenn man auch die Sprache seines Gastlandes noch nicht grandios spricht, sonst könnte das mit der Verständigung etwas schwer werden).

Frist das alles abzuschicken war bei mir der 26. oder 29. September, ich bin mir grade nicht allzu sicher.

Irgendwann bekommt man dann eine Mail in der eventuelle Nachfragen stehen, sollte irgendwas in der Anmeldung unklar sein oder fehlen, in meinem Fall waren das zum Beispiel die Nachfrage, warum ich angegeben habe nur mit „outdoor pets“ leben zu können, wenn ich doch keine Allergien hab. Die Frage war ganz einfach, ich hab panische Angst vor Hunden. (Was als Antwort auch akzeptiert wurde und mich sehr gefreut hat).

Das war eigentlich die komplette Anmeldungsphase.

Das alles online auszufüllen hat einige (viele) Stunden gebraucht, was aber auch daran liegen könnte, dass ich dazu neige viel zu schreiben.

Mit der Lehrereinschätzung und dem Arzt dauert das alles natürlich irgendwie länger, also lieber früh genug anfangen.

In dem Sinne und bis dann und wann, Jenna.

(28.12.2017) Here we go – Was bisher geschah

Seit dem letzten Eintrag sind es gefühlt 7 Monate und in der Realität wahrscheinlich auch. Ganz super.

In dem Sinne, ein kurzes Update was seitdem passiert ist.

Die Gespräche mit der Schule sind geführt, eine Organisation die mich für ein halbes Jahr nach Schweden gehen lässt ist gefunden, sogar ein Teilstipendium hab ich in der Tasche und auch sämtlicher Anmeldungs- und Oragnisationskram ist abgeschlossen.

Damit ist es fix, ich gehe nach Schweden.

In dem Sinne und bis dann und wann, Jenna

(24.06.2017) Guten Morgen und was alles nicht klappt, wie es soll.

Wieso hat dieser Blogeintrag einen so schrecklich pessimistischen Titel? Vielleicht damit es zum Start meiner ganzen Reise hier passt, aber lest selbst…

Fangen wir einfach mal ganz vorne an, wie ich hierzu überhaupt gekommen bin und so Zeugs.

In meinem Umfeld, vor allem auch in meinem direkten familiären Umfeld, haben viele einen Austausch in die USA gemacht (viele ist wohl relativ, mein Bruder und zwei meiner Cousinen, damit steht der Counter bei 3, aber darüber sehen wir kurz hinweg), wobei das nicht der einzige ausschlaggebende Aspekt war, lediglich ein Faktor, der mir das alles noch näher gebracht hat und vor allem, der es in mein direktes Blickfeld gerückt hat.

Der Grundgedanke kam vor einiger Zeit daher, dass klein Jenna die USA einfach ziemlich cool fand, wahrscheinlich weil sie noch nicht wirklich nen Plan hatte, was da so abgeht. Ich fürchte, mein Bild von den USA bestand aus Pan Pizza, Speedboot fahren um die Freiheitsstatue, großen Häusern mit schön geschwungenen Driveways, übergroßen, bunten Plüschfiguren auf dem Times Square und Brunnen voller lachender Kinder in Philadelphia. Das klingt so nämlich wirklich nett, dass da nicht alles ganz so rosig ist, versteht man mit 10 nicht so wirklich.

Trotzdem hat sich der Wunsch dort hinzugehen gehalten, bis besagtes Ländchen ein neues Staatsoberhaupt bekommen hat und ich mir plötzlich sehr sehr sicher war, dass ich da doch nicht mehr hin will. Eine Alternative muss her, denn der Wunsch ins Ausland zu gehen bleibt irgendwie.

Es folgt der Januar diesen Jahres und eine Freundin, die gerade nach einem halben Jahr in Norwegen wiedergekommen ist. Die metaphorische Glühbirne über meinem Kopf blinkt um ihr Leben und damit hatte sich Skandinavien als vortreffliche Idee in meinem Kopf festgesetzt.

Stellt sich nur die Frage, ob Norwegen, Schweden oder Finnland, wobei sich Finnland verdammt schnell aus dem Rennen geschossen hat, nachdem ich die finnische Sprache auch nur mal kurz gegoogelt hatte. Meine Bereitschaft, eine Sprache mit 14 Kasus (Kasusse, Kasen, Kasu, Kasi, Katzen, hä was?) zu lernen, hielt sich wirklich stark in Grenzen und so blieben mir noch Norwegen und Schweden.

Die Frage war schon bedeutend schwieriger, denn die Sprachen sind sich auf den ersten Blick nicht allzu verschieden und landschaftlich ist beides wirklich wunderschön.

Zwei Faktoren waren in dem Fall ausschlaggebend, Punkt eins, Norwegen ist nochmal teurer (hey, ich bezahle gern 8 Euro für meinen verdammten Orangensaft, kein Ding) und Punkt zwei ist eben doch die Sprache.

Man nehme sich das gleiche Lied (zu Vergleichszwecken: Wencke Myhre: Säg ja till kärlek / Si ja til kjærlighet), nur ein mal auf Schwedisch und ein mal auf Norwegisch, lässt es ein wenig laufen, nimmt sich dann den Text zur Hand und versucht die Stelle zu finden, die grade gesungen wird. Vielleicht liegts an mir, aber im Schwedischen empfinde ich es als wesentlich einfacher, die entsprechende Stelle zu finden. Allgemein erscheint mir die Aussprache im Schwedischen wesentlich einfach und ich hab das dumpfe Gefühl, das vereinfacht mir das Lernen ungemein.

Damit stand der Entschluss, das Zeil ist Schweden.

Kommen wir mal zu dem pessimistischen Titel:

Besagte Freundin, die in Norwegen war, war eben für etwa 5 Monate dort, also das erste Schulhalbjahr, sodass sie pünktlich zum zweiten Halbjahr eben wieder in Deutschland war. Ich, in meiner naiven Denkweise dachte mir, das muss ja für Schweden auch so funktionieren, mit dem halben Jahr. Denkste.

In dem Fall hab ich das Glück, dass meine Schwester nebenbei mal bei solch einer Austauschorganisation gearbeitet hat und dementsprechend wusste, was es da so gibt. Und Pustekuchen, für Schweden ist eigentlich wohl generell immer ein ganzes Jahr angesetzt, weswegen auch immer, ich habs nur so halb verstanden, da ist wohl irgendwas mit der Schule oder so.

Jetzt heißt es halt erstmal fleißig suchen, ob es nicht irgendwie möglich ist, doch bloß ein halbes Jahr dort hinzugehen und wenn nicht muss ich in den sauren Apfel beißen und ein ganzes Jahr gehen.

Was macht den Apfel sauer? Ich hab hier mein Motorrad stehen, was in der Zeit verstaubt und irgendwie hab ich ein wenig Angst, dass ich die frischen Fahrkenntnisse einfach wieder vergesse und zweitens werde ich in der Elften gehen, eben weil ich wieder G9 habe, also 13 Jahre Schule, statt 12. Das heißt, dass die Elfte ein wenig Lehrlauf ist, quasi Eingewöhnung in die Oberstufe etc, aber eben noch nicht wirklich Oberstufe.

Bedeutet aber, ich müsste ja in der Elften dann die Kurse für 12 und 13 wählen, was super ist, wenn ich nicht da bin und vor allem in der Elften ganz neues Fächer bekomme, die ich dann eventuell wählen kann/muss, ohne sie je gehabt zu haben (da wären so Zeug wie Darstellendes Spiel, Informatik, Wirtschaftslehre etc), die ich halt vorher nicht hatte, sondern zum ersten Mal in dem Jahr, dass ich aber nicht da bin. Wenn ich die Fächer also auch in Schweden dann nicht hab, kann ich sie für die Oberstufe wohl kaum wählen, weil ich sie eben vorher nie hatte und mir somit jegliche Grundkenntnisse fehlen. Sicher, die könnte ich mir mit Büchern und dem Internet selbst beibringen, na herzlichen Dank auch.

Was sich in dem Punkt also noch ergibt wird sich zeigen, in dem Punkt werden sowieso noch Gespräche mit der Schule folgen und viel Infos einholen bei den Organisationen, aber erstmal wollte ich meine Bedenken doch ganz gern hier festhalten.

Abschließend für diesen ersten Beitrag ist wohl noch zu sagen, dass es eh ein kleines Wunder ist, dass ich das hier jetzt schreibe, weil zwischenzeitlich das hier doch ziemlich auf der Kippe stand und ich mir eigentlich doch sicher war, ich würde nicht gehen.

Unter anderem eben wegen des Kletterns, des Motorradfahrens, einzelnen Menschen hier (wobei andere auch einer der Gründe sind, warum ich gehe… von einigen braucht man einfach mal ne Auszeit) und eben dem Problem mit der Schule.

Schlussendlich ist es aber doch so, dass man eben auch nicht jünger wird und man die Möglichkeiten nutzen sollte, wenn sie sich einem bieten. Der Mensch realisiert oft nicht, welche Möglichkeiten er hat, bis sie nicht mehr da sind und dann steht man da und denkt sich so „Hättestes mal bloß getan.“

Also von daher, ich bin gespannt, was das alles noch so mit sich bringt und ich freu mich drauf, das alles hier festzuhalten.

In dem Sinne und bis dann und wann, Jenna.