(12.05.2019) Frühling in Schweden… sagen sie

Heute war ein… Tag. Also was auch sonst, aber spektakulär war er nicht besonders.

Ich hab auch ehrlich gesagt gar nicht so viel gemacht, oder eher, ich hab mich nicht so viel bewegt.

Ich bin irgendwann mal aus dem bett gerollt, hab mir meine Geschichtsmappe und mein Chemiebuch geangelt, hab ein bisschen vor mich hingelernt und hab dabei ganz viel geflucht, mein Geschichtslehrer hat besondere Vorstellungen davon, wie unsere letzte Prüfung ablaufen soll und nach seinen instructions in Kombination mit dem, was die anderen, die ihr Seminar letzte Woche hatten, erzählt haben, wird das nur so mäßig witzig.

Irgendwann bin ich dann doch mal in die Küche geschlumpft um mir was zum Frühstücken zu suchen, immerhin wars schon 16:30 und als ich so rausgucke, verwandelte sich unser Innenhof gerade in einen Swimmingpool.

Abgesehen davon ist heute wirklich nicht mehr passiert. Ich dann Abends irgendwann völlig aufgegeben mitm Lernen und hab mich dem Schreiben zugewand… und hab mir den schlimmsten Ohrwurm der Welt eingefangen. Ernsthaft. Ein Lied mit dem schmissigen Titel „Blah Blah Blah“ muss schon gut sein.

Irgendwie konnte ich nicht wirklich schlafen und so hab ich dann einfach vor mich hingeschrieben… und als ich auf den „Wörter zählen“-Button geklickt hab, waren da fast 3000 Wörter. Allerdings behalte ich die Suppe dann doch für mich, denn die musste nur aus meinem Kopf raus und nicht gerade ins Internet rein.

Ansonsten möchte ich hier noch ein paar Dinge verlinken, also nur so für mich selbst, aber ich hoffe, dass ich in ein paar Jahren mal über sie drüberstolper und mir so denke „Hach, das waren Zeiten“.

I can walk on water, I can fly – Flipnote

Kosmicd12’s SMB1 Speedrun Analyse

LGR’s Video über 90s Drucker

Tom Rants About Phone Numbers For Roughly Sixteen Minutes

Das grandioseste Kochvideo der Welt

Bis dann und wann, Jenna

(11.05.2019) Out and about

Als ich aufgewacht bin, war ich vollends verwirrt. Es war stockfinster draußen, aber ich war hellwach. Ein Blick aufs Handy hat Abhilfe verschafft.

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Schlafrhythmus? Läuft.

Allerdings war ich dann um nicht mal fünf Uhr morgens auch völlig ausgeschlafen… und war dann schrecklich unproduktiv und hab Youtube geschaut. Was soll man denn auch sonst machen?

Schlussendlich hab ich nen Blick auf die Sonne im Innenhof erhascht und hbáb mich dann doch dazu entschlossen, dass ich ja doch mal an die frische Luft könnte. Gesagt, getan.

Ich hab Google Maps geöffnet, ein bisschen in der Satellitenansicht rumgescrollt und schließlich irgendwo in Ektorp eine Markierung gesetzt.

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[Das ist der rosa Marker da rechts, der mit dem Herz drin]

Eigentlich kommt man da super einfach hin. Man nimmt die grüne Linie bis Slussen, denn da ist das Busterminal für alle Busse in Richtung Nacka und Värmdö, und die Busse gehen alle halbe Stunde raus, also Verkehrsanbindung läuft. Also wenn man seinen Bus nicht wegfahren sieht. Dann darf man nämlich erstmal ne halbe Stunde rumsitzen. Und so hübsch ist Slussen dann doch auch nicht.

Schlussendlich saß ich dann doch irgendwann im Bus und hab mich ein bisschen gefragt, was ich mir dabei gedacht hab. Ich musste nämlich vorbei am „Nacka Brukshundklubb“. Das ist im Endeffekt ne Hundeschule oder son Murks. Auf jeden Fall voll mit Hunden. Toll.

Zu meinem Glück waren da aber morgens noch fast keine Hunde und ich konnte mich irgendwie seitlich am Gebüsch dran vorbeischlängeln.

Und dann hats mir völlig den Atem verschlagen.

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In echt wars da noch viel schöner und da war nicht eine Menschenseele weit und breit. Ich bin dann ein bisschen an den Felsen langgekaxelt und hab mich dann mit meiner Decke irgendwo in einer kleinen Steinmulde niedergeschlagen.

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Eigentlich hab ich gar nicht so viel zu schreiben, ich will bloß noch ein paar Bilder hochladen, denn ich hab heute wirklich nicht viel spannendes gemacht.

Ich hab mit Mama und Papa telefoniert, hab Kekse gegessen und hab angefangen Simon Becketts „Die Chemie des Todes“ zu lesen, allerdings auf Schwedisch, also dementsprechend „Dödens Kemi“.

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Und dann bin ich meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen und hab auf irgendwelchen Steinen rumgeturnt. Was sollte ich auch sonst machen?

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Ich bin ja immer noch ein wenig verwundert, dass ich mir noch nicht die Haxen gebrochen hab, aber bis auf meine Knie beim Bergablaufen gehts meinen Beinen prima.

Aber auch der schönste Samstag geht mal zu Ende (ja, ich muss immer noch googlen ob man das getrennt oder zusammen schreibt, ja, das hab ich schon etwa fünfzehn Mal gegooglet, ja, ich werde es auch noch fünfzehn weitere Male googlen) und irgendwann hab ich das Moß von meiner Decke geklopft und hab mich auf den Weg nach Hause gemacht.

Inzwischen war aber alles voll mit Hunden und ich dachte mir so „Ach, ich lauf einfach durch den Wald da“.

25 Minuten. 25 Minuten hat es gebraucht, bis ich an der richtigen Stelle wieder aus dem Gestrüpp aufgetaucht bin. Der Wald ist gar nicht groß genug, als dass man 25 Minuten in eine Richtung laufen kann. ich sag doch, dass ich keinen Orientierungssinn hab.

Aber hey, schlussendlich findet auch das blinde Huhn mal ein Korn… oder eine Bushaltestelle und irgendwann kam ich dann auch heile wieder zuhause an.

Mit einem letzten Bild endet dann auch dieser Blogpost.

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Bis dann und wann, Jenna

(10.05.2019) Sie und ihr Dialekt… sie können mich mal

Ich glaub das war so in etwa der der Gedanke, den heute um zwölf ein ganzer Jahrgang hatte. Inklusive denen, die zu stolz sind, es zuzugeben.

Heute um neun stand dann für mich also der vorletzte Englischtest hier in Schweden an und ganz ehrlich, das Niveau dessen, hier in Englisch abgefragt wird, ist höher als das, was im deutschen Abitur drankommt. Dementsprechend sind meine Nerven langfristig gesehen beruhigt, aber jetzt, in diesem Moment, wollte ich doch gerne aufgeben.

Es ist immer schön, wenn man den Leseteil aufschlägt, die erste Frage anschaut und einem auffällt, dass man sich bei vier der fünf Wörter irgendwie nicht mal sicher ist, was sie heißen.

An dieser Stelle dann ein gigantomanisches Danke an meine Englischlehrerin, die mir beigebracht hat, was man in SItuationen macht und schlussendlich ging der Leseteil dann auch tatsächlich ganz gut und ich war so früh fertig, dass ich tatsächlich ne halbe Stunde vor Ablauf der Zeit raus durfte. Also das waren auch genau die zwei Möglichkeiten. Entweder man ist um 10:30 raus, oder wer schnell fertig war, durfte halt um 10:00 schon raus, was dann halt bedeutet, dass man mehr Pause hat zwischen Lese- und Hörverstehen.

Äh ja… Hörverstehen.

Ich weiß, ich weiß, so als Deutscher darf man eigentlich nicht gegen Akzente Wettern, denn wenn wir für irgendwas bekannt sind, dann dafür, dass unser dschörmän äcksent na nicht gerade der Hübscheste ist.

Îch weiß nicht, aber der Typ der da im Hörverstehen in der einen Aufgabe geredet hat, klang wie als hätten ein Texaner und ein Schotte versucht, einem Kind Englisch beizubringen. Anyway, es ging ja trotzdem und wir sind gegen zwölf dann alle auch relativ lebendig zum Mittagessen gestolpert.

In Sachen Essen funktioniert meine letzte Gehirnzelle übrigens noch, denn der ist eingefallen, dass wir besser die Hände in die hand nehmen und rennen, denn jetzt will sicherlich ein ganzer Jahrgang gleichzeitig zum Essen. Im Endeffekt hatten Tara und ich dann aber irgendwie kurzzeitig die anderen verbusselt, aber auch die haben wir wiedergefunden und ich hab mich dann zumindest noch mal ne halbe Stunde auf meinen Hintern gesetzt und die Nase ins Mathebuch gehalten, es erschien mir sinnvoll.

Im Endeffekt war Mathe dann okay. Wir hatten ganz viel Zeit um einfach vor uns hinzurechnen und unsere Lehrerin hat weiterhin Einzelgespräche mit allen geführt.

Und dann kam der Moment, wo ich gemerkt hab, dass sich in meinem Kopf doch ganz schön was verändert hat. Ich hab angefangen zu weinen. Vor meiner Mathelehrerin. Herzlichen Glückwunsch Jenna.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das jemals sage, aber ausnahmsweise ist das mal kein völlig sarkastisches „Herzlichen Glückwunsch“. Das wärs am Anfang des Gesprächs gewesen, aber meine Mathelehrerin ist wahrscheinlich einer der unglaublichsten Menschen, denen ich hier in Schweden begegnen durfte.

Ich will das nicht weiter hier im Internet diskutieren, manche Dinge muss man einfach für sich behalten. Es ist einfach so. Auch das hab ich gelernt. (I tip my hat to you, Beckie Jane Brown).

Im Endeffekt bin ich danach nurnoch nach Hause und ins Bett gefallen. Wie ich morgen früh lernen sollte, bin ich wohl gegen 17:30 eingeschlafen.

Bis dann und wann, Jenna

 

(09.05.2019) SURPRISE!!!!

Värsta. Överraskning. Någonsin.

Ich bin ja morgens generell immer zu früh, genau wie der Rest der Truppe, auch wenn die meistens noch viel mehr zu früh sind und dann schon im Klassenraum saßen. Nur saßen im Klassenraum keine Schüler, bloß meine Lehrerin, die mich im schnurstracks wieder aus dem Raum beförderte.

Meine Freunde saßen im Nebenraum und als ich mich dann niedergeschlagen hatte, guckte mich Viktoria mit nem schmerzverzerrten Grinsen an: „Überraschungsklassenarbeit“.

Unsere Lehrerin steckte dann den Kopf in durch die Tür und hat mich rangewinkt und hat dann gesagt, dass ich die Klassenarbeit ja eigentlich nicht schreiben muss, aber ich natürlich herzlich willkommen bin, es trotzdem zu tun. Dumm wie ich bin, hab ich abgewunken und irgendwas gesagt wie „Ach was, ich schreib mit, kein Ding“ und bin wieder zurück in de Raum… wo ich dann auch bloß Viktoria angeguckt hab und mich mit den Worten „Wie dumm bin ich eigentlich?“ zurück auf meinen Stuhl geworfen hab. Ich hätte mir – hätte ich meine allerletzte Gehirnzelle benutzt – einen freien Vormittag bescheren können. Aber nein, warum auch?

Dass ich meine letzte Gehirnzelle nicht angestrengt hab, hab ich noch mehr bereut, als dann alle am Platz saßen und uns erklärt wurde, was wir jetzt eigentlich machen.

Unsere Lehrerin meinte, dass die Ergebnisse der letzten Klassenarbeit auseinandergehen wie Tag und Nacht und weil sie ja doch niemanden per so durchfallen lassen will, ist das hier jetzt unsere Chance, nochmal zu zeigen, was wir können. Sie lässt alle schreiben, damit sich die, die wirklich schreiben müssen nicht so unter Druck gesetzt fühlen und angekündigt hat sies nicht, damit wir uns nicht noch mehr stressen. Alles super lieb gedacht, aber trotzdem… keine schöne Überraschung.

Im Endeffekt haben wir dann einen Artikel zu lesen gekriegt und sollten dann entweder – basierend auf dem Titel – ne Argumentation zur These schreiben, die sie uns vorgeschlagen hat, oder aber ne eigene These aufstellen.

Schön ists übrigens, wenn man grade erst die Hälfte der ersten Seite gelesen hat und um einen rum schon Menschen anfangen zu tippen. Danke auch. Mein Selbstvertrauen (was meine Lehrerin wirklich wirklich gut hochgepäppelt hatte, Bild folgt) war dann mehr so am Bröckeln. Aber hey. Wird schon.

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(Das war nämlich da Feedback zum letzten Aufsatz. „Sehr gut geschrieben Jenna, mit ein Schwedisch, das schwer beeindruckt! Du wirst die Kommentare im Aufsatz sehen, wenn ich den in einer Unterrichtsstunde austeile. Der Aufsatz ist sprachlich gesehen so gut, dass ich die gleiche Matris (das ist die Vorgaben, nach denen dann eben Inhalt, Struktur usw. bewertet werden) verwenden kann, wie für deine Muttersprache-sprechenden Mitschüler – beeindruckend“. Alter Schwede, das hat mich sehr sehr sehr gefreut, das zu lesen. Also so richtig.)

In dem Artikel gings darum, dass uns ja das Internet den freien Willen wegnimmt und dementsprechend war die vorgeschlagene These dann auch „Das Internet nimmt uns den freien Willen weg“… nur bin ich ein Kind, dass in der Zeit des Internets geboren ist und das dementsprechend die Schnauze voll davon hat, dass Wissenschaftler das Internet immer so schön verteufeln.

[Achtung, Exkurs in Sachen „Ihr habt sie doch nicht mehr alle“

Ich schmeiße hier jetzt mal nen Screenshot aus dem Wikipedia-Artikel über die Generation Z rein:

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Ich liebe es besonders, dass sie das Zurückgehen der Zahlen in Sachen Alkohol, Partys und co als „Entwicklungsrückschritt“ bezeichnen. Als wär das eine Entwicklung, die in irgendeiner Form erstrebenswert ist. Weil Minderjährige, Kinder, die sich betrinken, feiern gehen und am Ende schwanger werden definitiv erstrebenswert sind und man in dem Feld auch definitiv frühzeitig erfahrungen sammeln muss. Total.

Ich kann die älteren Generationen schon sagen hören „Ich habs doch damals auch gemacht und mir hats auch nicht geschadet“. Gutes Argument. Nur weil etwas keinen Schaden anrichtet, ist es aber noch lange nicht der beste Weg.

Mein liebster Part ist aber „Twenge führt die Entwicklungsverzögerungen vor allem darauf zurück, dass junge Menschen, die viel Zeit mit dem Smartphone verbrächten, zu wenige Erfahrungen im analogen Leben sammelten“. Liebe Menschen, das Internet hat mir so viel mehr beigebracht, als die alten Generationen sich eingestehen. Das greift nämlich da, wo das normale „Bildungssystem“ versagt.

Meine Noten wären nicht annähernd so gut, wenn ich mich auf das verlassen müsste, was mir ein Lehrer in der Schule erzählt. Das meine ich nicht im Sinne von „Ich hab die Antworten zu den Aufgaben in meinem Chemiebuch im Netz gefunden und schreibe sie jetzt eins zu eins ab“, sondern eher „Oh, das hier im Buch verwirrt mich, ich glaube ich schlage lieber nochmal nach, was Chiralität war, vielleicht hatte ja schon jemand anders die gleiche Frage“.

Onlineforen haben mir wahrscheinlich schon mehr Antworten gegeben als irgendwer sonst. Das Internet gibt uns die Möglichkeit, aus anderer Menschen Fehler zu lernen, ohne, dass wir sie erst selbst machen müssen. Ich muss mich nicht erst betrinken um zu merken, was das mit dem Kopf macht oder wie die Welt wird, wenn man Drogen nimmt. Da draußen haben genug Menschen ihre Erfahrungen gesammelt und haben sie mit der Welt geteilt. Wir sehen die Fehler von Millionen Menschen und trotzdem können wir am Ende noch immer selbst entscheiden, ob wir diese Fehler trotzdem noch selbst machen wollen, oder ob uns die Erfahrung der anderen genug sind.

Das Internet schränkt uns nicht ein, es hält unsere Entwicklung nicht auf, es gibt uns eine breitere Palette an Informationen.

Wenn dann also irgendein toller Wissenschaftler, Psychologe oder meinetwege Graf Dracula schreibt, dass wir „zu wenig Erfahrungen im analogen Leben sammeln“, dann kotzt mich das an. Es tut mir dann auch aufrichtig leid, dass ich mich dazu entscheide, aus anderer Menschen Fehlern zu lernen und nur das selbst ausprobieren, was ich wirklich tun will.]

Wo waren wir? Ach ja, Aufsatz.

Ich, als der Gen-Z-ler, der ich bin und der die Schnauze voll davon hat, dass irgendwer das Internet schlechtredet, hab meine These (oder wohl eher Leitfrage) dann „Aber nimmt uns das Internet denn wirklich den freien Willen weg?“ und bin zu dem Schluss gekommen, dass nein, nein das tut es nicht. Nicht, so lange man zwischen „der Wegnahme des freien Willens“ und „Einfluss“ unterscheiden kann. Aber damit haben ja einige n Problem.

Ich mag darüber jetzt aber auch eigentlich nicht weiter nachdenken.

Der Rest des Tages war recht unspannend. Physik war eben Physik und zuhause hab ich auch nicht mehr viel gemacht… außer mich mental auf Englisch vorzubereiten.

Bis dann und wann, Jenna

(08.05.2019) One week to go

Heute in einer Woche ist die Aufführung. Ja herzlichen Glühstrumpf.

Wahrscheinlich sah es aus wie der schrägste Umzug der Welt. Im Arm hatte ich ne Umzugskiste mit knapp 50 Schallplatten (von Ratata’s Paradis über Laura Braningan’s Self Control, bis hin zum gesamten Musical Chess auf Platte), einer Kaffeetasse, CD’s, einem Wörterbuch und als Füllmaterial noch ne grüne Regenjacke. Aber hey, jeden das seine.

Ich weiß nicht wer schon mal 50 Platten auf einmal getragen hat, aber nach ner gewissen zeit wird sogar das schwer. Ich weiß, ich klinge jetzt wahrscheinlich wie das größte Weichei, aber ernsthaft, spätestens nachdem ich den Scheiß vier Stockwerke hochgehievt hatte, waren meine Hände tot.

Abgesehen davon lief die Probe tatsächlich doch besser als ich dachte. Bis unsere Lehrerin ankam und erklärt hat, dass wir doch eventuell mal aufpassen sollten, wo wir rumturnen, wenn wir das genau so nächste Woche spielen würden, würden wir den Zuschauern auf dem Schoß sitzen.

Aber ansonsten liefs tatsächlich ganz gut und auch wenns eventuell gemein klingt, ich war unendlich erleichtert, als der Mensch mir gegenüber ne Zeile vergessen hat, einfach weil das dann doch dafür gesorgt hat, dass ich mich nicht mehr so mies dafür gefühlt hab, dass der eine blöde Part nur so halb sitzt. ABer hey, auch das kriegen wir hin.

Ich rede nämlich aus irgendwelche Gründen immer von den SItzplätzen am Fenster und nicht von der Chartsektion ganz links. Aber merkt ja niemand.

Nachmittags hatte ich dann Chemie (was auch sonst, es ist ja Mittwoch) und danach hätte ich mir gern die Hand amputiert. 13 Seiten Notizen sind dann doch ein neuer Rekord. Also wirklich nur Notizen, nicht irgendwelche Aufgaben oder irgendwas, bloß Notizen.

Ich glaub Biochemie und ich werden nicht die allerbesten Freunde… was blöd ist, weil ich doch jetzt mein Abi in Chemie schreiben will.

Ich bleib allerdings dabei, was auch immer man zeichnet, sieht immer aus wie ne Mischung aus Spaghetti und Petrischale.

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Ich sag ja, Spaghetti in der Petrischale. Oh und meine Handschrift… die ist irgendwann völlig abgekratzt. Ähem.

Abgesehen davon hab ich… gebacken? Also Tara und ich. Weil Tara nicht nach Hause wollte und ich wollte Brot haben und äh…

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Es sollten kleine Kartoffelbrote werden… irgendwie haben sie sich dann aber dazu entschieden seeeehr fluffig zu werden und sich wieder in ihre ursprüngliche Kartoffelform zu begeben. Was man halt so macht als Brot.

Irgendwann musste Tara dann aber doch nach Hause und ich bin in Richtung Bett geschlumpft… mit meinen Chemiesachen allerdings.

Bis dann und wann, Jenna

(07.05.2019) Digitalisierung… mal wieder

Welcher Mensch will schon aufstehen?

Ich hab wage Erinnerungen daran, dass ich vor Monaten mal geschrieben hab, dass aufstehen vielleicht noch immer nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, aber es wär doch definitiv okay. Liebe Jenna von damals, was war falsch bei dir?

Ach ja, du hast nicht mitten in den Prüfungen gesteckt.

Anyway, Physik war einfach bloß Physik, Mittagspause war auch nicht besonders spannend, aber dann… ja, aber dann…

Nationale mündliche Prüfung Englisch.

Wir haben die Prüfung in Dreiergruppen gehabt und so saß dann jede Gruppe um Punkt zwölf Uhr am ihnen zugeteilten Tisch, den Blick etwas verängstigt auf den Papierstapel, der sich vor uns auftürmte, gerichtet und nur so semi-bereit.

Unsere Lehrerin hat dann den Prüfungsablauf erklärt, der in etwa wie folgt aussah:

Wir bekommen jetzt zu Anfang 15 Minuten in denen wir Zeit haben, uns still mit dem Material zu befassen und die Aufgaben zu lesen und co. Es geht um unser aller Lieblingsthema: Digitalisierung. Oder „Life Online“ wie sies so schön genannt haben.

Jeder in der Gruppe hat eine gelbe Karte bekommen auf der ein text zu einem Thema stand, in meinem Fall war es anonymity online und laut Aufgabenstellung ist das Teil der ersten Aufgabe, wo man dann seine Karte zusammenfassen soll, seine Meinung dazu abgeben und eine kurze Diskussion anregen. So weit, so gut.

Für den zweiten Teil stand dann eine Diskussion an, wir sollten dann, sobald wir im Raum sind spontan aus einem Haufen Themenbereiche (die natürlich alle mit dem Netz zusammenhängen) und einer Liste aus Fragen ein paar auswählen und sie dann diskutieren.

Wir waren als zweite Gruppe dran und auch wenn das Vorbereitungsmaterial eingesammelt wurde sobald die erste Gruppe im Prüfungsraum verschwunden war, konnten wir natürlich schon mal nen Schlachtplan aufstellen. Damit hatten wir auch angefangen, aber wir haben dann kurz den Mädchen hinter uns zugehört, die klangen als würden sie ne auswendig gelernte Rede vortragen, und haben uns dann ganz schnell dazu entschieden, dass wir einfach improvisieren, das wirkt bestimmt natürlicher… sagten sie und lachten. Eigentlich hatten sie bloß keine Nerven für sowas.

Schlussendlich war es Zeit und zusätzlich zu uns dreien, hab ich mein Faultier mitgenommen. Es darf bei jeder Prüfung dabei sein. Es beruhigt mich sehr. SEHR.

Schlussendlich lief es bedeutend besser als erwartet. Der erste Part war bei uns allen stockend, aber schlussendlich kam uns die Erleuchtung, dass wir unsere Lehrerin einfach ignorieren können und einfach so diskutieren, wie wirs auch beim Mittagessen tun. Es ist nicht das erste Mal, das wir Meinungsmache im Netz auf Englisch diskutieren. Ehrlich nicht.

Und plötzlich schaltete sich unsere Lehrerin in die Diskussion ein und wir waren to say the leastmildly confused.

Das ist nälich genau das Ding, dass die Lehrer sich nicht in die DIskussion einmischen sollen.

Wir haben dann am Ende, also als alles vorbei war, mal nachgefragt, warum sie denn in unsere Diskussion gehüpft ist, und sie meinte nur, dass unsere Noten schon zehn Minuten vor Schluss feststanden, aber sie unsere Diskussion so spannend fand. Wir sehen das als ein gutes Zeichen. Ein sehr gutes.

Danach durften wir uns alle noch zu einer spannenden Infoveranstaltung in Sachen Gymnasiearbete (Ich nehme an das deutsche Äquivalent wär sowas wie die Facharbeit??) und weil mir dann aufgefallen ist, dass ich ja im Sommer nach Hause fahre und meinen Abschluss dementsprechend in Deutschland mache und nicht in Schweden, hab ich dann doch beschlossen, einfach nach Hause zu gehen.

Den Rest des Tages hab ich damit verbracht, mich um die Requisiten zu kümmern und zu schlafen. Was man eben so macht.

Bis dann und wann, Jenna

(06.05.2019) Karierte Blümchen

Also wirklich, denn ich konnte ausschlafen.

Die Hälfte der Klasse hat ihr Geschichtsseminar (aka die letzte „Klassenarbeit“) diese Woche, die andere Hälfte erst nächste Woche. Ich für meinen Teil bin nächste Woche dran und musste somit theoretisch nicht vor 13:25 in der Schule sein.

Theoretisch, denn trotzdem will man ja Mittag mit seinen Freunden essen und außerdem mussten Linn und ich uns endlich treffen um die restlichen Requisiten fürs Theaterstück zu besprechen.

Und dann kam der lustige Moment. Der Moment wo ich mitten im Deutschunterricht in meine Mails guckte und mir eine Mail mit dem Betreff „69 Lovesongs – Kostym“ ins Auge stach. Mit dem exakten gegenteil von anticipation hab ich also das Dokument im Anhang der Mail geöffnet und hab festgestellt, dass mein werter Charakter soll eine karierte Hose und ein geblümtes Oberteil tragen. Wer zur Hölle hat denn solche Klamotten im Schrank? Und selbst wenn man sowas hat, Blumen und kariert schreit jetzt nicht grade nach der perfekten Kombi.

Und so hab ich Tara nach dem Unterricht abgepasst und sie war Feuer und Flamme mitzukommen.

Ich hab meine verbleibenden zweieinhalb Gehirnzellen angestrengt und festgestellt, dass meine besten Chancen wahrscheinlich wirklich Secondhandshops sind. Zum Glück hat Stockholm ja Södermalm, das Hipsterviertel (wie ichs gern nenne) und das ist komplett voll davon.

Tatsächlich hab ich ne Hose schon im allerersten Laden gefunden, und auch wenn ich rückblickend betrachtet unglaublich froh bin, dass ich die Hose mitgenommen hab, wundert mich die Tatsache, dass ichs getan hab doch etwas. Ich fand sie da nämlich eigentlich nur mitgenommen weil mein pessimistisches Hirn nicht geglaubt hat, dass ich was besseres kariertes finde.

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Wir denken uns dieses furchtbare Hemd fürs erste einfach mal weg. Genauso wie die Tatsache, dass ich die Hose hinten mehr so zusammenhalte weil sie am Bund viel zu weit ist.

Dann wurde alles erst richtig lustig, weil irgendwas geblümtes zu finden was zu einer rötlich-braun-karierten Hose passt (und obendrein noch zum Stil meines Charakters) ist… schwierig!

Auf dem Weg haben wir noch ein paar schmerzhaft billige Schallplatten besorgt (schmerzhaft weils mir im Herzen wehtut, dass Platten zu solch Preisen rausgeschmissen werden), wir brauchten noch viel mehr fürs Theaterstück als ich zuhause rumliegen hatte.

Wir sind dann also ein bisschen mehr durch die Gegend gewandert und mir ist mal wieder aufgefallen, wie unglaublich wunderschön so ungefähr jeder einzelne Teil von Stockholm ist.

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Schlussendlich sind wir in nem Laden gelandet, der sich ein bisschen angefühlt hat, als wären wir ne Treppe in ne andere Dimension runtergelaufen.

An Blümchen hats nicht gemangelt, aber genauso gut hätte ich da auch ballonseidene Trainingsanzüge aus den 70ern kriegen können, Kimonos oder auch irgendwas, was wie ein tragbarer Orientteppich aussah.

Schlussendlich hab ich dann tatsächlich was gefunden, was zwar so null nach Jenna aussieht und mich majorly uncomfortable macht, aber hey, bin ja nicht ich sondern D.Ä.

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Und oh, welch Wunder, die Hose sieht nicht mehr aus wie ein Sack.

Einfache Erklärung:

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Nachdem ich die Hose nen Nachmittag mit mir rumgeschleppt hatte, ist sie mir tatsächlich ans Herz gewachsen und ich war plötzlich fest entschlossen sie passend zu machen.

Mein Gastvater hat mir die über 40 Jahre alte Nähmaschine vom Dachboden gekramt und ich hab hab dann erstmal den Küchentisch blockiert.

Ich hatte kurz vergessen, dass ich von Nähen eigentlich keine Ahnung hab. In meinem Kopf hing noch ein „Och joa, Oma hat mir doch mal beigebracht, wie man so ne Nähmaschine benutzt“, was mir entfallen war, war, dass das etwa 10 Jahre her ist und ich nie besonders gut im Nähen war.

Aber die Tatsache, dass ich das vergessen hatte, gekoppelt mit dem Fakt, dass ich in letzter Zeit viele historische Nähtutorials geguckt hab, hat dafür gesorgt, dass ich nicht mal in Frage gestellt hab, dass ich ne Hose passend nähen kann.

Ich hab dann also brutal den Reißverschluss rausgerissen (ernsthaft, ich hab kleine Schnitte in die Naht gemacht und dann ganz am Ende einfach gewaltsam am Reißverschluss rumgezerrt bis er draußen war) und dann hab ich die Nähte am Bein den halben Oberschenkel runter aufgetrennt, hab die Hose auf links angezogen, hab sie irgendwie in Form festgesteckt (und versehentlich auch an meinem Oberschenkel, aber hey) und hab sie dann, einfach weil ich der Nähmaschine nur so halb getraut hab, alles erstmal per Hand mit backstitches (was auch immer das auf Deutsch ist) zusammengenäht, bevor ich dann doch noch mal mit der Maschine drübergegangen bin, schließlich will ich die Hose ja mehr als einmal tragen und sie muss dementsprechend halten.

Die ganze Naht am Hosenbund hab ich auch aufgetrennt und enger gemacht und siehe da, am Ende hatte ich eine definitiv tragbare Hose, die etwa vier Millionen mal bequemer ist als jede Jeans die ich besitze.

Am Ende dieses Tages bin ich mehr so komaartig eingeschlafen.

Bis dann und wann, Jenna