(25.10.2018) Ich habe jetzt eine ÄRMELDECKE und somit ist alles andere egal!

Die ganzen Leute haben heut Schwedisch Part zwei geschrieben. Den ich, wie Part eins auch schon, nicht mitgeschrieben hab. Mein Buch und ich haben uns dann im Flur über drei Hocker neben einer kuschlig-warmen Heizung ausgebreitet und so waren die zwei Stunden dann auch rum, bevor ichs überhaupt mitbekommen hab.

Es folgte Mittagessen. Darf ich kurz anmerken, dass Reis mit Bolognesesoße eine gewöhnungsbedürftige Kombination ist? Nicht per se schlecht, keinesfalls, aber gewöhnungsbedürftig!

Außerdem bemerkenswert: Auf jeden einzelnen Spiegel in unserer Schule steht irgendein komischer Spruch. Alles im Halloween-Style. Trotzdem. Hilfe. Das ist wirklich furchtbar.

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(Hier ein weiteres tolles Beispiel. Das ist übrigens mein natürlicher Gesichtsausdruck , jedes Mal wenn ich das Bad verlasse. Außerdem, können wir uns kurz anschauen, dass ich Armbänder an beiden Armen hab und sogar ne Kette um? Wer hätte das vor nem Jahr gedacht.)

Es folgte Physik, was nicht besonders spannend war, denn wir gucken uns jetzt Halbleiter an und das ist ja was ganz neues, was ich auf keinen Fall schon in Deutschland hatte. 

Abgesehen davon war der Tag etwas eigenartig. Keine Ahnung was in der Luft hing, aber ich glaube uns haben heut alle die großen Stimmungsschwankungen gepackt. In so Momenten ist man dann noch dankbarer für seine Freunde, die ähnlich bedröppelt aus der Wäsche schauen und am Ende kann man dann einfach zusammen im metaphorischen Wäschekorb sitzen.

Nach der Schule bin ich dann losgelaufen, mein Paket aus dem Supermarkt abholen, diesmal vorbildlich auf Schwedisch.

6Kilo. 6 Kilo wog das Ding. Darin waren, wie erwartet (an dieser Stelle ein utopisch großes Dankeschön an meine Family zuhause, die den ganzen Murks eingekauft und verschickt haben, ihr seit eh die absoluten Helden!) (Überhaupt danke für all die Pakete (okay es waren bis jetzt drei) die meine Familie hier herverschiffen lässt, ich freu mich jedes Mal wie als wär Weihnachten), Weihnachtsgeschenke für meine Gastfamilie (die ich hier jetzt nicht auflisten werde, mein Gastpapa hat nämlich heute bewiesen, dass sein Deutsch inzwischen schon wirklich gut ist und Fall sie hier mal zufällig draufstoßen, will ich nix verraten.

In dem Paket war auch ein wirklich lieber Brief an meine Gastfamilie, und zwar auf Deutsch! (Weil mein Gastavter letztes Mal gemeckert hat, dass der Brief auf Englisch war, das wär ja eine Beleidigung). Jetzt hatte er den Salat und musste übersetzten. An dieser Stelle, scheiße bin ich beeindruckt. Wir haben etwa 20 Minuten gebraucht, was aber auch ein kleines bisschen meine Schuld war, weil ich versucht hab alle Vokabeln, die ihm fehlten, auf Schwedisch zu erklären, anstatt sie bloß ins Englische zu übersetzten,

Er hat sich wirklich grandios geschlagen, mein kleines Herz ist ziemlich stolz. (Auch auf mich, vielleicht sollte ich Lehrerin werden, ich hab ja offensichtlich voll die Qualitäten dazu!!).

In dem Paket war außerdem EINE ÄRMELDECKE. Eine Decke. Mit Ärmeln. SIE HAT ÄRMEL. ÄRMEL. Und eine Tasche. Der Kiwihüter hatte gleich die Tolle Idee, dass man die Tasche prima mit Popcorn füllen könnte. Äh ja.

Ich muss jetzt furchtbar schnell schlafen.

Bis dann und wann, Jenna

 

(24.10.2018) Die akkurateste Beschreibung wär wohl „eine Horde albino-Minions“

Kurzer Nachtrag zu gestern, ich hab Abends dann, mit meinem völlig toten Gehirn, meine Theateranalyse geschrieben. Die Vorgabe waren drei Seiten. Und tatsächlich, irgendwie hab ich das auch noch zustande gebracht, fragt mich bitte nicht wie.

Wobei, wenn mir dieser Blog bis jetzt irgendwas beigebracht hat, dann ist das Schreiben wenn man eigentlich kurz vorm Umfallen ist. Und was genau ich im quasi-Delirium eigentlich schreibe, ist dann auch halbwegs Schnuppe.

Aber Mittwochs ist ja generell mein Lieblingstag, einfach weil wegen Theater und Chemie, und so sollte es auch heute wieder kommen.

In Theater haben wir heute den absolut grandiosen (haha) Themenbereich „Status“ abgeschlossen und oh my, auch wenns wirklich Spaß macht (ich durfte so ziemlich alles spielen, vom Mafiaboss (der sauer war, weil des Kiwihüters Figur einen LKW Gold im Meer versenkt hat), zum Elternteil des Kiwihüters, der seinen Lehrer mit einem Buch beworfen hat (wichtig zu wissen, es wurde vorher festgelegt, wer den höchsten Status im Raum hat und wer den niedrigsten, es war in allen Fällen zufällig ich, also der mit dem höchsten), mein Lieblingssatz ist wohl noch immer „Ich finde, wir sollten keinen Unterschied machen, ob Kalle nun mit einem Radiergummi wirft, oder mein Sohn mit einem Buch. IST ES BLOß WEIL ICH ALLEINERZIEHEND BIN, DASS MEIN SOHN HIER VERURTEILT WIRD, SIE INKOMPETENTES PACK?“, zum Partygänger, der von Leoparden auf dem roten Teppich schwärmt), ich bin froh, dass es vorbei ist.

[Wer diesen Absatz verstanden hat, der verdient meine Hochachtung, es ist ein schreckliches Jenna-Satzgefüge]

Aber das Thema ist rum und das ist gut so. Mal schauen, was als nächstes so ansteht.

In Chemie stand heute Labor an. Und da hier alle Kittel und Schutzbrillen tragen, erklärten uns meine Lab-Partner kurzerhand zu albino-Minions. Was ne Vorstellung.

Und so bereiteten wir viele lustige Proben vor, mit vielen lustigen unterschiedlichen Konzentrationen, schickten sie alle durch ein Spektralphotometer und rechneten. Sehr lange und sehr viel.

Kein Mensch kann sich vorstellen, wie stolz ich war, als er schlussendlich meine Idee war, die richtig war. Und um ein Haar hätte ich mich nicht getraut, sie laut auszusprechen, weil sie bestimmt total dumm ist und die beiden anderen in meiner Gruppe sind Erwachsen, sprechen Schwedisch und machen dieses Jahr ihren Abschluss. Wär das also die Lösung, hätten sie das längst selbst gesagt.

Stellt sich raus, dass ich, grade weil mein Schwedisch noch nicht fließend ist, einfach wirklich lange bloß auf den Zahlensalat vor mir geschaut hab, anstatt der absolut verwirrenden Konversation neben mir zu folgen, die inzwischen mit lauter komischen Buchstaben rumjongliert hat, die keine Sau braucht. Und so lag die Lösung eigentlich die ganze Zeit vor uns.

Ich hatte ein dezentes Déjà-vu, zurück zu dem Tag an dem mein Chemielehrer in Deutschland über eine Aufgabe in der Abi-Klausur geredet hat (auch wenn es möglicherweise Mathe war), und davon berichtet hat, dass eigentlich alles wichtige in der Fragestellung steckte und man quasi nur alle Zahlen zusammensuchen musste, sie in eine Formel stecken und den Taschenrechner rechnen lassen.

Lesen ist die halbe Miete. Und was lernen wir? Hört auf eure Chemielehrer liebe Kinder, auch wenn es euch widerstrebt.

Als ich dann um etwa 16:30 aus der Schule stolperte, fragte der Kiwihüter ob ich nicht zum Abendessen rüberkommen will, er würde kochen.

Da sagt man doch nicht nein, sogar wenn man zum Zwiebelschneiden abkommandiert wird. Der Kiwihüter ist son Mensch, den behalt ich. Menschen mit denen man in jeder Situation reden kann und wo auch Stille nicht unangenehm ist, die sind rar und man sollte sie, wenn einmal gefunden, lieber ganz schnell festhalten.

Bis dann und wann, Jenna

 

(23.10.2018) Go Hefeteig, go! Oder auch: Der schnellste Streuselkuchen der Welt

Klausurtag. Juhu.

Allerdings für mich weniger als für alle anderen. Alle anderen haben nämlich zwei Klassenarbeiten, Schwedisch und Physik, am selben Tag geschrieben. (@PeopleInGermany, was haben wir Schüler doch für ein Glück!)

Und so haben sie um 8:30 mit ihrer Essay über 1984 angefangen, was mir wiederum exakt 2:45h gegeben hat, um nach Hause zu rennen, einen kompletten Streuselkuchen zu backen und allerspätestens 11:15 wieder in der Schule zu sein.

2:45h sind 165 Minuten. Von diesen 165 Minuten brauchen wir 10 zum hin- und herlaufen, dann brauch die Hefemilch 10 Minuten, der Hefeteig selbst erfahrungsgemäß 75 Minuten zum Gehen, gefolgt von 30 Minuten im Ofen. Die verbleibenden 40 Minuten wirken sehr entspannt, aber wer jemals Streuselkuchen mit Liebe und ohne Küchenmaschine gemacht hat, der weiß, dass all das Teig kneten verdammt viel Zeit braucht und die Streusel sollen ja auch Streusel werden und keine dicken Klumpen. Und überhaupt, ich wollte dann doch gerne vor meinen Freunden mit dem Kuchen ankommen, also wär Arrival vor 11:15 auch wünschenswert.

So war das ganze doch ein leicht schweißtreibender Akt und schlussendlich war ich aber relativ pünktlich mit dem Ding in der Schule und hab meine Lieblingsidioten auf dem Weg zum Essen abgefangen. Aus Zeitgründen (und weil der Kuchen noch sehr sehr warm war), hab ich ihn einfach wie Gandalf in schuf auf seinem Blech in die Schule getragen.

Die Konversation lief etwa wie folgt ab: „Jenna what did you do?“ – „I baked something very german“ – „YOU BAKED A FUCKING CAKE?“ – „Jep thats a Streuselkuchen“ – *jemand versucht mir das Blech zu entreißen* – „I’ll take that, thank you very much“.

Ich liebe sie alle so schrecklich sehr und schlussendlich hat sich die gesamte Klasse sehr über den Kuchen gefreut.

Es folgte Physik. Also erstmal ne normale Physikstunde. 2:45h Physikunterricht. Direkt im Anschluss folgten gut zwei Stunden Physikklausur. Das sind fünf Stunden Physik am Stück. Ich glaube das Gefühl danach, so fühlt sich Hirntot an.

Ich bin dann einfach nur nach Hause gegangen und schlafen gegangen. Jeder Mensch, der heute nix von mir gehört hat, weiß jetzt warum.

Bis dann und wann, Jenna

(22.10.2018) Monday, hurray

Langsam komm ich mir wirklich leicht doof vor. Heute ist also der nächste Montag an dem ich mal wieder festhalte, dass Geschichte nicht besonders spannend war.

Dafür muss ich die nächsten zwei Geschichtsstunden nicht hin, jippie!

Und warum? Weil die liebe Klasse ein „Fall Seminar“ hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, was genau das darstellen soll, aber es zählt wohl ein wenig wie eine Klassenarbeit oder sonst was, ist aber mündlich. Und die Schüler dürfens auf Schwedisch machen, wobei ich mich frage, was sich unser werter Geschichtslehrer davon verspricht, so sind wir doch alle davon überzeugt, dass er kein Schwedisch spricht (sonst könnte er ja auch auf Schwedisch unterrichten anstatt auf Englisch).

Aber gut, während also in Woche 45 und 46 dann alle ihr Seminar haben, muss ich gar nicht erst kommen, sehr entspannt!

Meine Deutschlehrerin ist wirklich ein Engel auf Erden! Wir schreiben ja morgen Physik (oh Gandalf rette mich) und für die Deutschstunde heute stand mündliche Prüfung drin. Ich hab dann mal ganz kurz nachgedacht, mein furchtbar schlechtes Gewissen runtergewürgt und vorsichtig Anna gefragt, ob es sehr schlimm wäre, wenn ich heute nicht zu Deutsch komme, sondern wegen Physik morgen, mich mit meinen Freunden irgendwo hinhocke und Physik lerne.

Und wie gesagt, Anna being the angel she is, hatte alles Verständnis der Welt und hat mich davonziehen lassen.

Und so dölmerten wir zum Kiwihüter nach Hause, buken und ein bisschen Nervennahrung und am Ende des Tages hatte ich tatsächlich ein bisschen mehr Physik verstanden als vorher.

Wobei ehrlich gesagt, alles von Kapitel 4 aufwärts im Buch versteh ich ganz prima, also ernsthaft. Aber alles davor, auch wenn ich mir eingeredet hab, dass ich verstehen würde, was genau ich da machen sollte, war mein Kopf doch noch so viel mit übersetzten beschäftigt, dass relativ wenig von der Physik selbst hängen geblieben ist. Erst in den letzten 3 oder 4 Wochen ist mein Schwedisch so weit, dass ich Aufgaben wirklich komplett ohne Wörterbuch und co. lösen kann.

Aber gut, ich bekomm ja keine Noten und ich müsste das Ding morgen theoretisch nicht mal mitschreiben.

Ich bin müde, deswegen…

Bis dann und wann, Jenna

(21.10.2018) Jenna und das Museum

Hello World.

Wir haben ja jeden Monat diese vorzüglichen Austauschschülertreffen, wo alle Austauschschüler aus dem Raum Stockholm zusammen kommen und irgendwas zusammen machen. Meistens ist es Fika.

Heute allerdings war es das Museum für nordische Geschichte.

Es hätte eventuell sogar spannend werden können, allerdings hatten wir im Museum selbst eine ganze halbe Stunde. 30 Minuten. Zum rumlaufen. Wow.

Nanja (meine Rettung) und ich haben dann lieber mal die Lampenausstellung besichtigt, dessen Highlight wahrscheinlich die Ikea.Lampen waren, die dazwischen hingen. Warum auch immer, der Tag war wirklich komisch.

Ich bin mir nicht ganz sicher wer das hier liest (falls es irgendwer von den anderen Austauschschülern ist – I’m sorry), aber wir wollen mal ehrlich sein, als Gruppe passen wir nur so mäßig gut zusammen.

Sicherlich sind das alles freundliche Menschen, aber besonders funken tuts einfach nicht und so fühlen sich die Treffen immer ein bisschen awkward an. Manche laufen allein rum und sprechen gar nicht, andere haben ihr Grüppchen und wieder andere sprechen irgendwie weder Englisch noch Schwedisch so besonders flüssig, was vieles ziemlich schwierig macht.

So oder so, Nanja und ich haben dann – anders als alle anderen – den Bus nach Hause genommen und während wir eigentlich nur noch kurz ein stilles Örtchen aufsuchen wollten, bevor Nanja weiter an den Arsch der Welt fährt, waren plötzlich vier Stunden vergangen und wir saßen immer noch in meinem Zimmer.

Manchmal muss man tatsächlich erst in ein anderes Land ziehen um Menschen zu treffen, die den gleichen Knacks haben wie man selbst (wobei ich von der Sorte ja schon ein paar hier in Schweden getroffen hab, woher auch immer sie kommen).

Nanja kommt übrigens aus Hannover und als ich ihr meinen Gastvater vorgestellt hab, meinte ich dementsprechend „Det här är Nanja, hon kommer från Hannover“, woraufhin mein Gastvater (was mich mit viel Stolz erfüllt) schockiert guckte und erklärte: „Wir hassen Menschen aus Hannover“, gefolgt von Eintracht-Gesängen.

Der lustige britische Besuch war auch wieder da und es gab Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Sie waren nicht schlecht, aber Omas schlägt dann doch nix!

Bis dann und wann, Jenna

(20.10.2018) Kafka und wie ich an einer Bank festfror

Wir wissen inzwischen alle, dass ich eine Lieblingsbank hab. Sie ist sehr schön. Und liegt dort: [Das hier ist ein Link zu einem Ort in Google Street View]

Ich habe keinen Schimmer ob das funktioniert, aber falls jemand auf diesen Link klickt und ein Bild sieht, was dem Titelfoto gleicht, dann ja, es hat geklappt.

Ich hab ehrlich nie gedacht, dass ich mal zum Mensch werde, der sich mit einem Buch irgendwo ans Wasser setzt und einfach liest, auch gerne dann mal zwei Stunden lang, obwohl man der Lilli Fee am Telefon schon gesagt hatte, dass einem jetzt kalt ist und man bald nach Hause müsse.

Irgendwie wars in Deutschland immer so, dass ich, wenn ich mal nichts zu tun hatte, auch wirklich nichts machen wollte. Nicht raus, keine Menschen sehen, kein Buch lesen, ja nicht mal wirklich aufraffen und mich vielleicht raus in eine Hängematte begeben, mit was zu trinken und ein bisschen Essen.

Alles, was irgendwas „machen“ beinhaltete, wurde von meinem Gehirn gestrichen. Frei nach dem Motto „Jenna, wir machen sonst genug, jetzt machen wir nichts“, und möchte ich mir eigentlich nicht vorstellen, wie viele Stunden ich mit praktisch nichts-tun verschwendet hab. Zeit, in der ich Dutzende Bücher hätte lesen können, ganze Serien schauen oder mit meinen Lieblingsidioten durch die Gegend dölmern.

Allerdings, „verschwendet“ ist vielleicht (nein, nicht nur vielleicht sondern absolut) das falsche Wort. Absolut gar nichts tun war, was mein Kopf brauchte und dann soll er das auch kriegen.

Aber plötzlich kann ich Dinge tun in meiner Freizeit und vor allem will ich Dinge tun und um ehrlich zu sein, hatte ein Teil von mir schon vergessen, wie sich das anfühlt. (Andererseits hatte ein Teil von mir auch schon vergessen, wie es sich anfühlt, mehr als 30 Seiten an Stück zu lesen, also vielleicht bin ich auch einfach vergesslich wie Sau.)

So oder so, furchtbar glücklich stellte dieser Teil von mir dann fest, dass es tatsächlich noch fähig ist, lange am Stück zu lesen, und so sollte es geschehen.

Ich saß da und las und las und las und irgendwann kroch mich dann mal ganz dezent die Kälte an. „Wo för fan i helvete kommt die denn her?“, fragte mein Kopf, intelligent wie immer. Als ich dann schweren Herzens die Augen vom Buch hob, stellte ich fest, dass sich mir ein definitiv zu verliebtes Touri-Pärchen in die Sonne gestellt hat. Die Schweinepriester.

Irgendwann waren sie weg und es dauerte nicht lange, bis die Kälte wieder halli-hallo-hallöchen rief. Diesmal stand mir niemand in der Sonne, es wurde bloß langsam etwa fünf und damit ging die Sonne unter. Ein kleines Bisschen traurig bin ich, dass ich keine richtige Kamera dabei hatte, aber gut, so ist das manchmal.

Warum hatte ich eigentlich in erster Linie das Haus verlassen?

Auf Empfehlung meines Gastpapas hab ich mich in einem Antiquariat auf die Suche nach Kafka gemacht. Siehe da, sie hatten Kafka, in Massen sogar. ABER AUF DEUTSCH!

Das hilft ja wirklich ungemein, wenn man das jemandem andrehen will, der kein Deutsch kann. Das einzige Buch, was sie in nicht-deutsch (bzw. dann auf Schwedisch in dem Fall) hatten, hab ich zur Sicherheit mal gekauft, es nicht per se was ich suche, aber wer weiß, was ich sonst noch finde.

Müde, müde, müde.

Bis dann und wann, Jenna

(19.10.2018) Friday? More like no

Und wie jeden Freitag fangen wir mit Sport an. Das ist ja sonst schon nur so mäßig schön, weil wir entweder knapp 30 Minuten mit dem Bus nach Norden oder nach Süden müssen, je nachdem wo wir Sport haben. Natürlich sind 30 Minuten nicht die Welt und man sitzt in der Straßenbahn auch nicht per se schlecht, aber wenn man kurz an Deutschland denkt und wie jede Schule ihren eigenen Sportplatz hat, da merkt man erstmal was einem hier fehlt.

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Der Punkt da ganz links, das ist, wo sie uns jetzt zum Sportunterricht hingeschickt haben (die anderen beiden gelben Punkte sind die üblichen Sportplätze).

Man fragt sich dann doch schon mal, was genau man am personifizierten Arsch der Welt genau soll (der Arsch der Welt ist sehr hübsch, keine Frage). Und man hat sehr viel Zeit, sich zu fragen, denn man braucht (eingerechnet Laufwege und Wartezeiten an Bus und Bahn) mal gut und gerne eine Stunde.

Ein Glück wohnt der Kiwihüter bei mir um die Ecke und ich musste nicht allein durch die Gegend fahren.

Sport war dann ganz klasse, wir haben den Test, den wir ganz zu Anfang des Jahres gemacht haben, wiederholt und siehe da, ich bin tatsächlich besser geworden. Ich hab keinen Schimmer wieso, aber ich bin in den 12 Minuten tatsächlich knapp 300 Meter weiter gelaufen und in den Shuttle Runs hab ich den Kiwihüter geschlagen.

Mathe war dann ungefähr lika fruktansvärd som alltid (scheiße wie immer). Wir sprechen nicht über Mathe.

Ich dachte für ganze 3,7 Minuten, dass es gut liefe, dann wendete sich das Blatt und unsere liebenswerte Mathelehrerin schmiss wieder mit Begrifflichkeiten, die schrecklich unschwedisch klangen (aka sie waren Englisch) und wie ich schon oft erklärt hab, Mathe und Naturwissenschaften sind unendlich viel schwerer in Englisch.

Ansonsten war der Tag okay. Meine Gastfamilie sind fortfarande (still? Still ist englisch… hilf mir einer, ich kann kein Deutsch mehr) die liebsten Menschen auf Erde und Jenna ist müde.

Bis dann und wann, Jenna