(02.11.2018) Let me talk about change

Exakt das. Und Angst. Und Chaos im Kopf. Und Leben und so.

Wenn die Menschen sagen, dass einen ein Auslandsjahr verändert, dann haben sie recht. Aber wie sehr es einen verändert, das kann niemand vorhersehen. Es ist verrückt, völlig verrückt.

Ich möchte mein Gesülze gerne mit einem kleinen Video einleiten (herzlichen Dank an Abba The Museum, das mir das vor Augen geführt hat). Achtung, ich mache mich gleich im Internet zum Affen.

Worauf ich damit eigentlich hinaus will ist nicht, dass ich immer noch nicht tanzen kann, sondern die Tatsache, dass ich, obwohl ich keinen blassen Schimmer hab, was ich da eigentlich mache, glücklich dabei aussehe. Mir steht nicht per dick und fett „Heilige Mutter Gandalfs ist das peinlich“ ins Gesicht geschrieben, und scheiße man, natürlich ist das sau peinlich, und das ganze auch noch auf meinen Blog packen, das ist noch viel schlimmer. Aber scheiße man (nochmal), ist mir das vielleicht komplett egal? Exakt das ist es. Und das kann man sehen.

Das erste Video ist von Ende August, das andere von Vorgestern, und wenn mich jetzt nicht alles täuscht, sieht man einen riesigen Unterschied (nicht im Rumgezappel sondern in mir).

Und es gibt wenig Dinge, die mich so glücklich machen, wie diese Enddeckung.

Eines Nachts, vor ein paar Tagen, als ich nicht schlafen konnte, als mein Kopf lauter geschrien hat, als meinen Ohren gut tut und als der lustige, stechende Schmerz, den ich bestens aus Deutschland kenne, beschlossen hat, mal wieder hallo zu sagen, da hab ich dem Kiwihüter geschrieben. Fünf kleine Worte. „Do you have a second?“. Und dann ist alles aus mir rausgebrochen. Alles, was ich in den letzten drei Jahren in meinem Kopf eingesperrt hab, von dem ich mir selbst versprochen hab, nie wieder drüber nachzudenken. Sprechen ging nicht und ich glaube am Ende waren es über 30 Minuten, die ich gebraucht hab, um das alles zu tippen.

Wer hätte gedacht, dass ich erst in ein anderes Land ziehen muss, um so jemanden zu finden? Einen Menschen, der mich besser versteht als ich selbst? Der besser weiß, was mit mir passiert, als ich selbst? Der so weit in die Zukunft gucken kann, dass er alle Dinge, die ich eventuell in meinem kleinen verqueren Kopf in Frage stellen könnte, schon mal provisorisch mit Edding auf meinen Arm schreibt? Scheiße man, dich lass ich nicht mehr gehen.

Der entscheidende Punkt ist aber ehrlich gesagt, dass ich jetzt in der Lage bin, sowas überhaupt zuzulassen. Und dafür musste ich aus Deutschland raus.

Es sind viele Dinge, die sich verändern. Viele kleine, in und an mir, viele große, vor alle in mir drin.

Ich kann meine Haare offen tragen, etwas, was ich nie, also wirklich nie gemacht hab in Deutschland. „Das bin nicht ich“, hab ich mir immer gesagt. „Aber was bin schon ich?“, frage ich mich jetzt.

Wer genau bin ich eigentlich? Ich bin der Mensch, der nie für die Schule gelernt hat und bloß am Abend vorher alles ins Kurzzeitgedächtnis geprügelt hat. Warum? Schule ist scheiße. Ich bin der Mensch, der die ESC Gewinner der letzten 62 Jahre auswendig kann. Warum? Weil ich niemand anders kenne, der das kann. Ich bin der Mensch, der Quenya lernte. Warum? Weil niemand den ich kenne, das spricht. Ich bin der Mensch, der Merch von all den komischen kleinen Bands trägt. Warum? Weil ich niemanden kenne, der sie mag. Ich bin der Mensch, der jetzt in Schweden ist. Warum? Weil ich niemand anders kenne, der hier Austauschschüler war. Ich bin der Mensch, der Motorrad fährt. Warum? Weil das bei Papa super spaßig aussieht. Ich bin der Mensch, der allen möglichen Scheiß ins Internet scheibt. Warum? Weil ich will. Ich bin der Mensch, der sich gesagt hat, dass Lügen die neue Wahrheit sind. Warum? Weil ich Angst hatte, verurteilt zu werden. Ich bin der Mensch, der aufgehört hat zu tun, was ihm Spaß macht. Warum? Weil ich so kaputt war, dass nicht mal dafür Energie da war. Ich bin der Mensch, der andere Menschen grundlos hasst. Warum? Einfach bloß, weil sie Menschen sind. Ich bin der Mensch, der sich selbst belogen hat. Warum? Weil ich nicht einsehen wollte, wer ich wirklich bin.

Und warum? Weil ich Angst hatte.

Viele der Dinge, die mich in den letzten Jahren ausgezeichnet haben, die sehe ich noch immer so. Und viele Dinge, die vor Jahren bloß aus Prinzip angefangen hab, die liebe ich noch heute mit ganzem Herzen. Aber viele Entscheidungen, die ich getroffen hab, die würde ich am heutigen Tage nicht noch mal treffen und doch, würde man mich zurück an den Tag schicken, an dem sie ursprünglich gefällt wurden, würde sicherlich nichts anders laufen.

Ich habe lange, sehr sehr lange mit dem Kiwihüter geredet. Darüber, wer man ist als Mensch.

Ich war schon immer ein Mensch, der beschlossen hat, zu sein, wer er ist. Auch wenn es so aussieht, nicht wirklich viel ist einfach passiert. Ich würde mir manchmal gern selbst in den Arsch beißen beim Gedanken, wie viele Dinge, auch die, die mich unglücklich machen, ich gemacht hab, einfach aus Prinzip, oder weil sie zum Menschen passen, der ich beschlossen hatte zu sein.

Ich hab mich selbst davon abgehalten, mich in Dinge zu vergraben, die Spaß machen, nur weil alle anderen sie auch toll fanden. Ich hab nie gelernt, für die Schule zu lernen, weil ich mir immer gesagt hat, „Du bist du Jenna, du lernst nicht“.

Es gibt endlos viele Dinge, die sich verändern.

Meine Prinzipien, der Mensch, der ich vorgebe zu sein, den kennt hier in Schweden niemand. Niemand hat Erwartungen, keine Seele sagt „Aber warst du nicht immer dagegen?“, „Mochtest du das früher nicht so gern?“, „Aber sowas hast du doch noch nie gemacht?!“.

Ich war immer der Mensch der nicht tanzt. Warum? Ich tanze nicht.

Bullshit. Großer Bullshit. Jeder Mensch tanzt und sich davon abzuhalten ist im Endeffekt völlig bescheuert.

Ich bin an einem Punkt, wo ich innerlich im Kreis renne und dabei schreie, während mir Dampf aus den Ohren kommt und ich dabei mit Rasseln rassel. Ich frage mich ernsthaft, was an mir wirklich ich bin und was genau bloß „aus Prinzip“.

Im Endeffekt bin natürlich auch alles, was ich bloß aus Prinzip mache ich, es sind ja schließlich meine Prinzipien, aber trotzdem.

Alles verändert sich in meinem Kopf und das schneller, als ich es greifen kann. Ich hab Angst. Eine Art von Angst, wie ich sie nicht in Wort fassen kann und wie ich sie noch nie gespürt hab. Ich hab schlichtweg Angst davor, mich selbst zu finden und am Ende nicht mehr in mein Leben zu passen.

Bis dann und wann, Jenna

(31.10.2018) Und wir stellen immer wieder fest: A𐐒BA ist das beste auf der Welt

Der Oktober neigt sich dem Ende zu, die Panik steigt, ich war den ganzen Monat noch nicht im Abba Museum. Schockschwere Not.

Aber wir sind ja von großem geografischen Glück gesegnet und nehmen ganz entspannt den Bus, denn 45 Minuten laufen… nene, wir wollen nicht sterben.

Das sind dann echt die Momente, wo ich mich mal wieder frage wie ich das alles verdient hab. Wie hätte sich irgendwer jemals irgendwie ausmalen können, dass ich nicht nur tatsächlich heute in Schweden sitze, sondern auch noch die beste Gastfamilie hab, die man sich irgendwie hätte wünschen können, obendrauf noch in der Stadt meiner Träume lebe und dann auch noch genau mitten drin. Dazu hab ich die besten Freunde gefunden, die ich hätte treffen können und Hilfe, mir fehlen ein bisschen die Worte.

Äh ja, back to topic. Abba the Museum, mal wieder!

Es gibt wirklich wenige Orte, die mich so glücklich machen. Außerdem wird der englische Audioguide tatsächlich von den vier Orginalen gesprochen. Das ist eh das Schönste. Was allerdings nicht weniger schön ist, ist, dass mir irgendwann aufgefallen ist, dass ich völlig unterbewusst die Schwedischen Schilder gelesen hab und bei Videos auf Schwedisch mit Untertiteln in Englisch komplett vergessen hab, die Untertitel zu lesen.

Ansonsten folgen hier jetzt einfach mal ein paar Bilder (denn ich hab rausgefunden, wie man hier Diashows einfügen kann).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wenn man jedes Schild liest, jeden Audioguide-beitrag hört jedes interaktive Dingsbums macht und sich jedes Video anschaut, dann braucht man etwa 4 1/2 Stunden.

Das schlimmste kommt eigentlich dann erst. Sie haben einen Museumsshop.

Ich schwöre, ich hab auch nützliche Dinge gekauft. Einen Regenschirm zum Beispiel. Denn selbst wenn es regnet muss die Welt sehen können, wem mein Herz gehört. Höhö.

Ansonsten hab ich unter anderem ein Shirt erstanden, was von meiner Familie liebevoll mit „Sieht aus wie ein Eidotter“ und „Auf dem Weg zur bad taste Party?“ kommentiert wurde. Anosnsten waren da noch ein The Winner Takes It All Shirt, eins mit Regenbogen und ein Mamma Mia Shirt. Mein erster Mamma Mia Merch, was ist das Leben doch schön!

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Und so neigte sich der Tag auch tatsächlich schon seinem Ende zu. Nachdem ich mit Oma und Opa geskypt und Abendbrot in mich reingefüllt hatte, rief mein Bettchen auch schon nach mir.

Eine Sache noch. Dagmar und Ingo, falls ihr das zufällig lest. Erinnert ihr euch an den Beutel, den ihr mir zur Jugendweihe geschenkt habt? Den musste ich erstmal flicken. Den Trag ich nämlich so viel mit mir rum, dass die Nähte zum Teil aufgeben.

Bis dann und wann, Jenna

(30.10.2018) Zuhause ist immer am schönsten

Ich warte noch auf den Moment, wo mir meine Gastfamilie vollends glaubt, dass ich hier glücklich bin und mich zuhause fühle.

So meinte ich dann morgens beim Tasche packen auf dem Schiff, dass ich mich jetzt doch langsam auf die Heimat freue, auch wenn Finnland sehr schön war. Es sehe zwar aus wie Stockholm, aber es ist halt doch nicht ganz Stockholm. Und sie guckten mich erstaunt an und meinten „Ach, du redest von Stockholm und nicht Deutschland?“.

Aber lassen wir das.

Ja, Heimat. Und nix schaukelt mehr, das ist auch sehr sehr schön!

Ich hab den Tag lang dann einfach gar nichts mehr gemacht. Also wirklich nichts. Mit viel Schwung hab ich mich ins Bett geschmissen, die Taschen in die Ecke gestapelt und dann erstmal ein Nickerchen gehalten.

Es ist wirklich nicht mehr passiert. Ich könnte jetzt irgendwas von Unwettern, Aliens oder Kaninchen aus den Fingern saugen, um auf meine angestrebten 300 Wörter zu kommen, aber ganz ehrlich? Wozu?

Bis dann und wann, Jenna

(29.10.2018) ES SCHNEIT, ES SCHNEIT, KOMMT ALLE AUS DEM HAUS

Du weißt, dass es ein guter Tag wird, wenn du fünf Stücke Kuchen zum Frühstück hast.

Ich hab meine Gastmama noch gefragt „Tycker du att man kan äta kaka till frukost?“ und sie meinte noch so „Ja“, völlig unwissend, dass sie nicht einem, nicht zwei, sondern fünf Stücken Kuchen den Weg ebnete.

So oder so, ein guter Tag.

Und es wurde besser, denn noch während wir beim Frühstück saßen, passierte das hier:

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Und alle (oder meine Gastmama und Gastschwester) erklärten mir noch, neee, das bleibt nicht liegen. Das schmilzt alles weg.

Und sie hatten recht…

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Etwa 12 Minuten lang!

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Denn innerhalb nicht einmal einer Stunde, sah Helsinki so aus:

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Und im Schneegestöber liefen wir dann also weiter. Ein zweites Mal ins Mumin-Cafe (das ich vergessen hab zu verlinken, deswegen jetzt hier und hier (zweiteres ist eine Folge Mumin auf Youtube))  und dann shopping. Meine Family wollte shopping betreiben. Wenn man mit mir im Schlepptau shopping betreibt, sehe ich dabei so aus (Bild ganz links).

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In der Mitte ist dann der Beginn unserer Rundfahrt, denn meine Familie ist ehrlich gesagt genau so faul wie ich. Oder zumindest meine Schwester und meine Gastmama mag bloß keinen Schnee (was sehr unpraktisch ist in Schweden). Ganz Rechts ist dann der Beweis, dass mein Egoland-Pulli dabei war, denn ich hab ja das Versprechen abgelegt, ihn durch die Welt zu tragen.

Das Schneevergnügen ging weiter, und während ich immer fröhlicher wurde, konnte man meier Gastfamilie das Leiden langsam ansehen. Ihnen geht Schnee auf den Puffer.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Danach gings auch schon bald wieder aufs Schiff.

Während wir also zurück nach Schweden schipperten, hab ich versucht mit Weiki zu skypen. Wenn irgendwas überhaupt nicht ging, dann das. Nicht nur, weil das Internet ständig weg war, sondern auch, weil der einzige Ort, wo man genug Ruhe hatte, draußen an Deck war. Da war aber so viel Wind, dass man eigentlich auch wieder nix verstanden hat. Es war also ein absoluter Traum.

Abendbrot gabs dann auf dem Schiff in einem sehr niedlichen, kleinen italienischen Restaurant.

Aber geschlafen hab ich dieses Mal tatsächlich. Aber wen wundert das, wenn man die Nächte davor irgendwie vergisst zu schlafen.

 

(28.10.2018) Heyho Helsingfors (oder Helsinki, für alle die nicht aus Schweden kommen))

Als dieser Tag anfing, war ich immer noch wach. Ehrlich gesagt war ich die ersten fünfeinhalb Stunden dieses Tages noch wach. So hatte ich alles in allem so etwa zweieinhalb Stunden Schlaf. Schöne Sache das!

Der Kulturschock blieb aus, als wir von Board sind, es sieht doch alles ziemlich schwedisch aus (oder sieht Schweden Finnisch aus? Wer weiß das schon). Und so schleppten wir wir erstmal alles Gepäck ins Hotel. Oder ließen uns von der Straßenbahn hinfahren, wie mans nimmt.

Das Zimmer war noch nicht fertig uns so ließen wir erstmal allen Murks im Gepäckraum stehen und stiefelten durch Helsinki (oder Helsingfors, wie der Schwede sagt).

Wirklich lange gestiefelt sind wir allerdings nicht, denn wir hatten Brunch gebucht. Mit Blick auf den Dom (weißes großes Ding, Bild folgt) gabs Kuchen, Croissants, Obst und was-weiß-ich-ich-war-im-Fresskoma.

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Das andere Gebäude ist glaub ich die Uspenski-Kathedrale, zu meinem Erstaunen bin ich nicht direkt in Flammen aufgegangen (aber ein paar Verbrennungen hab ich dann doch davon getragen¹). Drinnen war sie ja auch ganz schick, muss ich zugeben.

[¹ = Anmerkung der Autoren (mir): Mein liebster Running Gag aka. der Behauptung, ich würde in Flammen aufgehen, wenn ich irgendein religiöses Gebäude betrete.]

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[Ich entschuldige mich übrigens für die Zusammensetzung der Collagen, die hab ich gebastelt, bevor ich was geschrieben hab, deswegen sind sie etwas ungeordnet. Oben links ist nämlich der Blick runter vom Dom und nicht von der Kathedrale]

Nachdem wir dann also Brunch hatten, folgte etwa zwei Stunden später auch schon Fika, wir sind ja Schweden after all!

Ich weiß nicht, ob Mumin irgendwem was sagt, ich schau mal, was ich finde, was ich dazu verlinken kann, aber das Ding ist einfach unendlich putzig und es gibt sogar ein Mumin-Cafe (in dem wir natürlich einkehren mussten).

Gegen drei konnten wir dann ins Zimmer (Video folgt) und holla die Waldfee, meine Gastfamilie ist ein kleines Bisschen durchgedreht. Ich bins ja gewöhnt, auf die Besuchercouch abgeschoben zu werden und plötzlich hatte ich das hier (Video folgt) für mich allein. Mitten in Helsinkis Innenstadt. Oh my!

 

[Also wen das da echt funktioniert, dann bin ich ein Genie. Jenna und Technik ey. WordPress meint, ich könne keine Videos hochladen, deswegen hab ich das als ungelistetes Video auf Youtube hochgeladen und dann den Einbettungscode hier irgendwie reingesetzt. Keinen blassen Schimmer, ob das klappt.]

Abends waren wir dann in irgendeinem kleinen netten Studentendings essen (also es war schon ein Restaurant, aber im Hipster-Studenten-Viertel und dementsprechend mit muffliger Bedienung, die eigentlich gar nicht hätte mufflig sein müssen, denn um Bestellungen aufzugeben, mussten man zu ihr an die Theke kommen, und sie nicht zu einem). Es war wirklich wirklich gut!

Nur geschlafen hab ich wieder nicht, auch wenn mein Bett absolut gigantomanisch war, und ich kein Wasser unter mir hatte.

Ganz vergessen, außerdem sind wir noch Riesenrad gefahren, nur die Fotos haben alle nen Blaustich, ich hatte nicht genug Zeit um dem Weißabgleich manuell zu erklären, dass er das blau wegmachen soll und der Automatikmodus hats nicht gepackt.

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(27.10.2018) Moi! (Nein, kein Ostfriese mit Sprachfehler, sondern hallo auf Finnisch)

Es folgt eine riesige Menge an Bildern, es tut mir fast leid.

Das Einzige, was mir grade leid tut, bin eh ich selbst, denn wer sein Laptop nicht mitnimmt, muss jetzt alles auf einmal schreiben, wenn er wieder zuhause angekommen ist.

Wir müssen dringlichst im Hinterkopf behalten, dass es (neben Nadeln und Hunden) relativ wenig gibt, vor dem ich so viel Angst hab, wie vor Booten. Nach Finnland fährt man aber Boot. Wir erkennen das Problem? Gut.

Wir sind ja Großstadtbewohner, so fährt man ganz entspannt mit der U-Bahn zum Hafen. U-Bahn. Zum Hafen. Das klingt irgendwie falsch. Wie irgendwas, was man vielleicht in New York machen kann, aber doch nicht in Schweden. Wie auch immer.

So wurden dann noch schnell die Tickets am Port ausgedruckt (die ausgedruckten Tickets waren auch gleichzeitig der Zimmerschlüssel und alles, denn der Automat druckt Karten mit Magnetstreifen. Wie auch immer er das macht).

Und so enterten wir am Nachmittag dann das Boot. Was ich hier immer so schön als Boot betitele, ist eigentlich ein ausgewachsenes Kreuzfahrtschiff, mit Einkaufsstraße, Restaurants, Casino, Showbühne, Klamottenläden, und Pool. Alle sehr schick und etwas überwältigend, aber nicht bling-bling genug, um mich vergessen zu lassen, dass ich auf einem Boot bin.

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Rechts das Schiff von innen, links die erste Stadt, in der das Boot einem Zwischenstopp eingelegt hat.

Wie ich schon vor zwei Jahren auf dem Weg nach Norwegen gelernt habe, ist es für meine Nerven besser an Deck zu sitzen. Und ich bereu es absolut keine Sekunde, auch wenn ich fast irgendwo angefroren wär. Das einzige, was ich eventuell doch bereue, ist, dass ich meine Fingerlosen Handschuhe und meine Kamera im Zimmer hab liegen lassen, denn so ne Handykamera tut sich doch etwas schwer mit Fotos (bzw. zumindest meine).

Trotzdem, den Sonnenuntergang würd ich für nichts eintauschen und in Kombination mit den Schären und allem drum und dran, wars jedes Zittern und Bibbern wert!

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Ich sag ja, ganz große Scheiße, dass meine Kamera im Zimmer lag.

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Oben rechts sehen sie übrigens Jenna auf der windgeschützten Seite des Bootes, dort war es sehr glücklich. Unten links sehen sie Jenna auf der windigen Seite des Bootes, es war etwas weniger glücklich und hatte außerdem schreckliche Angst, dass wahlweise die Mütze, das Handy oder das ganze Jenna weggepustet werden. (Obwohl ich mir die Mütze schon mit meinem Schal festgeknotet hatte, dann meine Pullikapuze drüber hatte, gefolgt von der zweiten Kapuze und alles war bis oben hin zugeklettet. Ihr habt alle keinen blassen Schimmer wie windig da da war).

Falls sich jemand fragt, was mich beim Schreiben bei Laune hält: Kent, Kent und nochmals Kent. (Und kalter Kaffee. Aber kalter Kaffee ist eventuell auch einfach bloß der Titel des Liedes. Wer weiß das schon…)

Als ich irgendwann wirklich das Gefühl hatte, ein einziger Eisblock zu sein, bin ich dann doch mal unter Deck gegangen. Oder rein, oder was auch immer man sagt.

Essen gabs am riesigen Buffet und ich möchte nicht wissen, wie viele Leute ich versehentlich im Gedränge erstochen hab, weil sie versucht haben sich an mir vorbeizuquetschen, während ich Besteck in der Hand hatte.

Das einzige was gar nicht ging, was schlafen. Und so war ich, als dieser Tag endete, noch immer hell wach und hab mich im _ nicht sonderlich breiten – Bett gewälzt.

(26.10.2018) Zwischen Sport in der Bibliothek und Mamma Mia

Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man morgens auf den Stundenplan schaut und sieht „Sport in Raum 307“. Keine komisch außerhalb gelegene Sportplätze, kein ätzendes Rumgerenne, kein Verlorengehen auf dem Uni-Gelände, nein, ein Klassenraum.

Wir haben jetzt also die Aufgabe bekommen, unsere Testergebnisse zu evaluieren. Ich weiß echt nicht, wie sich bei mir da irgendwas verbessert hat, aber das hat es, und jetzt muss ich mir irgend ne tolle Begründung einfallen lassen, warum meine Kondition und co besser geworden sind. Wirklich laufen gegangen bin ich ja zwischendurch echt definitiv nicht.

Aber wir dürfen auch ein Video machen, wo wir das erklären, wenn wir nicht schreiben wollen und ich werde einfach ein Video zusammenbasteln, dass so schön ist, dass niemand merkt, was für Bullshit ich da schwafele.

Abgesehen davon folgte dann Mathe. In der Mitte der Mathestunde ist dann der Kiwihüter verschwunden und hat mich damit für den Rest der Ferien allein gelassen, er fährt jetzt nach Russland. Per Zug.

Mathe hab ich dann mit ganz viel Glück auch noch überstanden und danach folgten viele positive Überraschungen.

Tara ist, wie der Kiwihüter immer so schön sagt „the most precious soul on earth“ und damit hat er definitiv recht. Das ist die Sorte Mensch, die lieber Lebkuchenherzen und Sterne backt, damit sie dem Lebkuchenmenschen nicht den Kopf abbeißen muss.

Wir wollten ins Kino, Tara wollte Mamma Mia sehen und wie könnte ich da bitte nein sagen? Halloho?

So hatten wir allerdings dann noch etwa gute drei Stunden totzuschlagen. Aber wenn man etwa stündlich beim Espresso House (dem schwedischen Starbucks-Äquivalent) einkehrt um Kakao mit Marshmallows zu kaufen, dann übersteht sich sogar Kälte ganz vorzüglich. SO wanderten wir durch Gamla Stan, drei bis 33 Runden durch die Innenstadt und auch wenn wir wirklich nichts, also gar nichts gemeinsam haben, können wir ewig reden. Ich frag mich bis heute worüber, aber so wars.

Morgen gehts dann nach Finnland. Ich weiß nicht ganz, ob ich mein Laptop einpacken soll… wenn ich hier für die nächsten Tage tote Hose herrscht, dann hab ich mich dagegen entschieden. Eventuell schreib ich dann was vom Handy aus oder schmeiß hier ein paar Bilder rein oder so. Wir werden sehen.

Bis dann und wann, Jenna