(24.12.2018) Warum Weihnachten gar nicht so komisch war wie gedacht

Ich hab ja irgendwie erwartet, dass sich Weihnachten strange anfühlen wird. Ich weiß noch, dass ich Anfang Oktober beim Geburtstag meiner Gastschwester ähnliche Sorgen hatte, nur in kleiner.

Angst, irgendwie nicht reinzupassen und sich dann einsam zu fühlen, oder sowas. Ich weiß nicht, ich glaub das hab ich damals besser erklärt. Ich glaub, dass ist ne ziemlich berechtigte Angst, denn an Geburtstagen wie auch an Weihnachten, haben Familien ja oft bestehende Traditionen und wer weiß, wie gut man da als främling (Fremder) reinpasst.

Aber wie eigentlich jedes Mal, wenn ich Panik geschoben hab, war es völlig umsonst. Also wirklich. Komplett und hundertprozentig.

Weihnachten fing um 12, und wie in wahrscheinlich jeder schwedischen Familie gab es traditionell Julbord (wortwörtlich „Weihnachtstisch“), das ist im Endeffekt Buffet. Aber bevor ich mir die Finger wund tippe, gehts hier zu einem wirklich guten Artikel.

So saßen also Meine Gastfamilie (inklusive Bruder) und der beste Freund meines Gastvaters, der aus Großbritannien angeflogen kam, um den Esstisch. Und da saßen wir dann auch erstmal. Weil die Fresserei ja gar kein Ende nahm. Aber wir haben ja auch die letzten fünf Tage mit kochen, kochen und ach ja, kochen verbracht. Es gab sehr viel Essen.

Um drei versammelten wir uns dann (wie etwa 3,7 Millionen andere Schweden auch (Artikel hier)) vor dem Fernseher, denn man schaut hier zu Weihnachten Donald Duck. Oder Kalle Anka, wie er hier heißt. Anka heißt Ente. Also Kalle Ente.

Danach folgte zumindest in meiner Familie eine Versammlung ums Klavier und wir haben ein paar schiefe Weihnachtslieder gesungen.

Kurz danach ist der britische Besuch dann verschwunden, um seine Frau anzurufen und ich hab die Zeit genutzt, um mal kurz bei meiner Familie durchzuklingeln.

Um viertel nach vier begann dann das Geschenke auspacken.

Es ist zu bedenken, dass an jedem Geschenk ein Gedicht dranklebt, was das Geschenk beschreibt. Mein Gastbruder und mein Gastpapa haben tatsächlich versucht auf Deutsch zu schreiben und ich hätt mich fast weggeschmissen vor lachen, als das Gedicht meines Bruders mit den Worten „Ich bin ein bisschen radikal“ anfing. Er hat dann radikal auf Musical gereimt… also Musical sehr deutsch ausgesprochen.

Und so wurde Geschenk nach Geschenk nach Geschenk erst von meinem Gastvater ausgesucht, dann hat er das Gedicht studiert, dann hat er es vorgelesen und dann wurde es an die Person übergeben, die dann erst in Ruhe auspacken durfte, bevor es weiter ging.

Irgendwann war die zwei-Stunden-Marke geknackt und irgendwer rief erleichtert „Nur noch 22 Geschenke!“

Ja, das war Erleichterung. Vor allem beim Niveau der Gedichte meiner Gastmama. Oh man ey.

Ich hab tatsächlich den Rekord für das längste Gedicht geschlagen und bin darauf unendlich stolz. Ich mein, ich lern Schwedisch jetzt seit vier Monaten und hab eine ganze Salve Weihnachtsgedichte fabriziert, von denen eins 28 Zeilen lang ist.

Nach fast dreieinhalb Stunden war es dann geschafft. Der gesamte Boden war bedeckt mit Geschenkpapier und meine Gastmama sah aus, als würde sie fast verzweifeln.

Mein Gastpapa hat sich wirklich richtig richtig doll über mein Geschenk gefreut (aka. ein Trikot von Eintracht Braunschweig) und hatte das dann auch gleich für den Rest des Tages an.

Apropos Rest des Tages: Der verlief ruhig.

Wir saßen ein bisschen zusammen in der Küche und haben Bezzerwizzer gespielt, meine Family liebt dieses Spiel über alles.

Ich hab dann Müsli zum Abendbrot gegessen, weil mir vom ganzen Fischgeruch, der vom Julbord ausging, langsam wirklich schrecklich schlecht geworden war.

Irgendwann verlagerten sich dann alle nach und nach ins Bett und ein unglaublich schönes Weihnachtsfest mit Leuten, die sich wirklich wie eine richtige Familie anfühlen, ging zuende.

Bis dann und wann, Jenna

(23.12.2018) Gedichte Volume Zwei (+ Gedanken zur Weihnachtszeit)

Es ist der Tag vor Weihnachten und auch wenn man glaubt, man wäre fertig mit allem, fällt einem dann auf, was eigentlich noch alles fehlt.

Also hopp, hopp ab in die Stadt und noch mal ne Ladung Bastelkram kaufen, die Gedichte müssen ja auch hübsch am Geschenk angebracht werden. Ich danke Gandalf für die Erfindung der Akademiebokhandeln, denn auch wenns da wahrscheinlich sogar für schwedische Verhältnisse ziemlich teuer ist, kriegt man da immerhin alles. Also wirklich alles.

Ausgestattet mit allem, was ich irgendwie brauchen könnte, war ich dann ne Stunde später auch wieder zuhause und hab mich irgendwie in meinem Zimmer verbarrikadiert.

Am späten Nachmittag saß ich dann also vor einem Stapel schnieker Weihnachtsgeschenke.

Ansonsten kam der britische Besuch wieder und mit dem ists ja sowieso immer nett.

Ansonsten will ich einfach mal – so kurz vor Weihnachten – ein paar Sachen loswerden.

Ich hab ja oft zu viel Zeit zum Nachdenken und das ist ja oft nicht so per se optimal für mich. Also ehrlich gesagt denke ich auch zu viel, wenn ich keine Zeit hab. Dann nimmt mein Kopf sich nämlich einfach Zeit und selbst wenn er sie dadurch kriegt, dass er meinen ganzen Körper außer Gefecht setzt und mich ein paar Tage ins Bett steckt. Kenn ich alles schon.

Aber eins ist mir auch aufgefallen; nämlich dass das seit ich in Schweden bin immer seltener passiert.

Ich hab viel und lange drüber nachgedacht, woran das jetzt genau liegt und bin nicht wirklich zu irgendeinem eindeutigen Schluss gekommen.

Vielleicht ist es, dass ich mich in der Schule nicht mehr um Noten sorgen muss, das heißt, dass da viel weniger Stress ist. Andererseits gehe ich sowieso so viel lieber zur Schule, denn mich erwartet keine Klasse, die mir eh den letzten Nerv raubt.

Ich weiß, dass man sowas nicht machen soll. Schlecht über irgendwas reden, nur weil man jetzt weg ist. Ganz besonders vorsichtig sollte man damit sein, wenn man irgendwie wieder dahin zurück muss.

Aber am Ende ist das hier mein Blog und es sind meine Gedanken und ich will ehrlich mit mir selbst sein.

Ich weiß nicht, wann der letzte Tag in meinem Leben war, wo ich morgens aufgewacht bin und mir gedacht hab „Jippie, Schule!“

Ich hab aber ehrlich gesagt nicht geglaubt, dass irgendein Schüler das jemals sagt. Falsch gedacht, denn mir ist aufgefallen, dass ich morgens immer noch mit einem klssischen „Bäh“-Gefühl aufwache, aber das einzige Problem ist die Tatsache, dass es 7:15 ist und ich aufstehen muss und nicht die Tatsache, dass ich zur Schule muss.

Glaubt mir, ich wär in Deutschland auch um vier aufgestanden, hätt ich dafür nicht zur Schule gemusst.

Ich möchte an dieser Stelle nicht versuchen, meine Schule schlechtzureden! Ich hab dort meine besten Freunde kennengelernt (die Lilli Fee und den Kampfkarpfen) und ich hab unglaublich viel gelernt.

Ich bin hier in Schweden glücklicher als ich jemals zuvor und irgendwie bin ich ein bisschen zu dem Schluss gekommen, dass Deutschland mich krank gemacht hat. Ich hab aufgehört zu zählen, wie viele Tage ich gefehlt hab und wie viele Klassenarbeiten ich nachgeschrieben hab. Ich war im Kopf sowie körperlich völlig im Arsch.

Ich weiß nicht genau, was hier so anders ist. Vielleicht ist es das Klima in der Schule, denn die Leute hier scheinen wirklich lernen zu wollen und machen tatsächlich das, was die Lehrer sagen. Das Notensystem nimmt einen so ziemlich allen Druck von den Schultern und sie beweisen wirklich eindrucksvoll, dass mit Regeln und Verboten um sich zu schmeißen auch nicht die Lösung ist.

Ich war am Anfang wirklich verwirrt, ob das denn wirklich so gut ist, wenn Handys im Unterricht nicht verboten werden, wenn Hausaufgaben nicht strikt kontrolliert werden und wenn Prüfungstermine in der ganzen Klasse diskutiert werden, anstatt bloß festgelegt.

Ja, es funktioniert.

Hier herrscht ein Klima von „Jeder funktioniert in seinem eigenen Tempo und das ist okay“ anstatt von Deutschlands geliebten „Das hier sind unsere Erwartungen, hopphopp vollfüllt sie“ und die Schüler lernen trotzdem. Ich hab so viele Leute mit unterschiedlichsten Geschichten getroffen und das System gibt ihnen die Möglichkeit, den Weg zu gehen, der für sie selbst funktioniert, ohne dass man sich dabei verurteilt führt.

Ich hab schon so einigen Leuten in Deutschland versucht, das zu erklären, aber alles was ich gehört hab, war „aber das geht doch in Deutschland auch“. Entschuldigt meine Wortwahl, aber das ist bullshit!

Hier ist es okay zu sagen „I took a year off for my mental health“, sprich, ich hab einige Menschen getroffen, die in der Mitte ihrer Gymnasiumslaufbahn ein Jahr Pause gemacht haben, zuhause gewesen sind erstmal ihren Kopf geordnet haben und das ist hier nicht komisch, niemand guckt schief und am allerwenigsten wird man hier dafür verurteilt.

Schweden ist ein Land, in dem es gesellschaftlich okay ist, nicht okay zu sein. Hier lacht keiner beim Wort „Burn Out“, niemand unterstellt irgendwem, Depressionen als Ausrede für irgendwas zu benutzen und was auch immer du bist, was auch immer du machst und wie auch immer du aussiehst, es ist okay.

Ich hab oft an meine Klasse in Deutschland gedacht, speziell an ein besonderes Individuum, welches ein anderes Individuum gerne gepiesackt hat. Irgendwann wurde dieser Mensch dann gefragt „Sag mal, würdest du wollen, dass jemand das mit dir macht?“, er antwortete schulterzuckend mit „Nein“ und die darauffolgende Frage „Und warum machst du’s dann trotzdem?“ wurde bloß mit weiterem Schulterzucken und „Is‘ halt witzig“ kommentiert.

Das ist etwas, was hier niemals passieren würde, denn die gesamte Mentalität der Menschen ist komplett anders. Man fühlt sich einfach freier.

Ich weiß nicht mehr genau, wie dieses komische Sprichwort geht, irgendwas mit „Man merkt nicht, wie gut man es hatte, bis es dann weg ist“, aber ich würds gern umdrehen. „Man weiß nicht, wie grottig alles war, bis man merkt, wie schön es sein kann“.

Natürlich war nicht alles schlecht, das wär ne große Lüge.

Aber Kunst, Sport, WuN und Chemie waren so ziemlich die einzigen Fächer, die ich gern gehabt hab und auch nur, weil ich so viel Spaß dran hatte, dass das Gefühl vom Verurteiltwerden, dass in meinem Kopf festsaß, irgendwie übertrumpft wurde, vom Gefühl der puren Freude und des Spaßes am Thema.

Gefühlt stand ich am Ende des letzten Schuljahrs kurz vorm Nervenzusammenbruch, es hat dann auch super geholfen, mich noch monatelang mit einem Buch über Selbstmord beschäftigen zu müssen.

Es klingt alles etwas traurig, aber ich will nichts so wenig, wie zurück nach Deutschland.

Anyway.

Bis dann und wann, Jenna

 

(22.12.2018) Ein Hallo aus der Heimat

Samstag. Heute in genau zwei Wochen ziehe ich um. Stranges Gefühl.

Abgesehen vom strangen Gefühl im Bauch, war heute ein wirklich wirklich schöner Tag.

Die erste Hälfte des Tages hab ich mich essentiell nicht bewegt. Also wirklich nicht. Nicht einen Millimeter.

Gegen zwölf hab ich mich dann auch mal zusammengerafft und mich angezogen, schließlich stand heute ja großes an. Und so bin ich dann um kurz nach halb eins in meinem Batman-Shirt (@Viktoria: Vielen Dank an dieser Stelle) aus dem Haus gestolpert.

Wie immer viel zu früh, bin ich (mal wieder) in die wohl übelste Falle auf Erden getappt: Das Espressohouse direkt neben der U-Bahnstation.

Anyway, wenigstens hatte ich jetzt Kakao mit Marshmallows, während ich da stand und auf Ela und ihren Freund gewartet hab. Das ist ganz essentiell Mamas ehemalige Praktikantin (oder sowas) und ein unendlich lieber Mensch.

Früher oder später haben wir drei uns dann auch mal gefunden und nach ein bisschen hin und her, sind wir ab die Post nach Gamla Stan. Es gibt doch nichts schöneres als Gamla Stan!

So konnte ich den beiden meinen Lieblingsplatz (auf der ganzen Welt und überhaupt) zeigen und schließlich sind wir ein kleines bisschen hin und her geirrt und haben mein Lieblingscafe gefunden, in das man mich dann eingeladen hat (danke an dieser Stelle nochmal!)

Danach konnte ich ihnen sogar noch meinen Lieblingsladen zeigen – Science Fiktion Bokhandeln.

Danach gings weiter auf den Weihnachtsmarkt, auch wenn wir uns glaub ich relativ einig waren, dass der nicht so unendlich schön ist. Also schon ganz nett, aber völlig unspektakulär und es gibt fast nichts.

Auf dem Rückweg ist uns dann der Ben & Jerry’s Eisladen begegnet und den mussten die beiden ja irgendwie auch noch testen. Er ist sehr gut. Ihr solltet ihn wählen.

Schlussendlich machten wir uns alle auf den Rückweg, und während die beiden dann dort ausstiegen, wo sie herkamen, bin ich einfach weiter in der U-Bahn sitzen geblieben und schnurstracks weiter zu den besten Freunden meiner Gastfamilie. Oder eher deren Sohn. Da war noch ein bisschen Brooklyn Nine-Nine, was geschaut werden wollte.

So sollte es sein.

Irgendwann wurde es mal wieder verdammt spät und so rappelten wir uns auf und eigentlich wollte ich mich dann ja auf den Weg nach Hause machen, aber dann saßen dann noch die Eltern in der Küche und meine Abreisepläne verzögerten sich ziemlich dramatisch.

Irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass ich unsere Hobbit-und-Herr-der-Ringe-Marathon-Pläne ja mal mit seiner Mama besprechen könnte, weil der Herr selbst ja noch weniger das Organisationstalent ist, als ich selbst.

Nachdem auch das geklärt war (und mir eine Zitrone ins Gesicht gehalten wurde, mit den Worten „Es riecht nach Zitrone“), machte ich mich dann doch auch mal auf den Weg.

Glücklicherweise ists wirklich nur eine Station mit der U-Bahn und von deren Wohnung zur U-Bahn ists auch keine Strecke und von der U-Bahn zu unserer Wohnung auch nicht und so kann mal das nachts alles ganz unproblematisch machen.

Zuhause bin ich dann auch irgendwann eingeschlafen. Irgendwann.

Bis dann und wann, Jenna.

(21.12.2018) Happy Birthday to me, myself and I

Auf Anweisung eines anonymen Hinweisgebers (okay, eventuell mein Gastpapa), hab ich mir nen Wecker auf halb neun gestellt, denn schließlich wollte ich wach sein bevor meine Gastfamilie mich aufweckt.

So bin ich dann ein bisschen im Bett rumgekullert und hab mein Dasein gefristet, bis draußen vor meiner Tür Geflüster verlautbar wurde, kurz bevor die Tür aufschwang und meine gesammelte Gastfamilie singend in mein Zimmer gelaufen kam.

Ich hab eigentlich nicht erwartet, noch irgendwelche Geschenke zu kriegen, immerhin haben sie mir schon den Trip nach Helsinki geschenkt, aber zu meinem Erstaunen (und überdimensionalen Freude, legten die plötzlich doch ganz schön viele Dinge vor mir ab.

Es folgten ein Trikot der schwedischen Nationalmannschaft, eine Hammarby-Tasse, ein Buch auf Schwedisch über die Geschichte der Chemie, Eine Hammarby-Mütze, Hausschuhe, die zu meinem Bademantel passen und schlussendlich ein T-Shirt, mit Jöns Jakob Berzelius drauf. Das ist mein absoluter Lieblingschemiker und außerdem der Mensch, nachdem ich mein geliebtes Motorrad benannt habe (welches ich sehr vermisse!)

Danach hab ich all die Pakete aufgemacht, die mit der Post aus Deutschland gekommen sind und scheiße, was hab ich mich gefreut.

Komischer Weise ist das Ding, über das ich mich am allerallerallermeisten gefreut hab, Jean-Jacques Rousseaus Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen. 

Praktischerweise im Taschenbuchformat (großes Dankeschön an die Menschen mit den Reclam-Büchern).

Gegen halb zwölf hab ich dann Tara eingesammelt und wir sind nach Gamla stan gefahren, um uns Essen zu suchen. Nach langem (sehr langem) Herumirren, haben wir dann mein Lieblingscafe/Restaurant gefunden und ich hatte eine Portion Nudeln in der Größe der Zugspitze. Es war ganz vorzüglich!

Es folgte eine kleine Smoothieverkostung, bis uns dann aufgefallen ist, dass wir hier schon seit zwei Stunden sitzen und uns mal auf den Weg machen sollten, schließlich hatten wir ja Karten für Grinchen (Der Grinch).

Nach dem Grinch sind wir aus mysteriösen Gründen spazieren gegangen. Ich hasse laufen. Aber mit den richtigen Menschen kann sogar das ganz erträglich sein!

Irgendwann trennten sich unsere Wege und ich machte mich auf den Weg nach Hause, schließlich stand ja noch Schnitzelessen an! (In einem österreichischen Restaurant, auf Empfehlung einer meiner Freundinnen)

Da es mein Geburtstag war und ich für den Tag definitiv schon genug gelaufen war, haben der Sohn der besten Freunde meiner Gasteltern (deren Kinder haben wir nämlich mitgeschleppt, ich mag sie sehr) und ich uns dann mal lieber an der U-Bahn getroffen.

Wir waren minimal zu früh und meine Klamottenwahl war (vorsichtig ausgedrückt) speziell. Wir hätten dann Sneakers, schwarze Jeans mit Stulpen drüber, gefolgt von Per Anhalter durch die Galaxis Merch mit einem Blazer drüber und schlussendlich eine Weihnachtsmütze, die mir bis in die Kniekehlen hängt und die so schwer ist, das sie beim Laufen fast runterrutscht.

Glücklicherweise kann man das Ende der Mütze einfach dem Menschen, der neben einem sitzt um die Schultern legen, was dann essentiell das Gewichtsproblem löst.

Weil wir so unendlich viel zu früh waren, dachten wir uns, wir könnten ja mal ein bisschen aufs Wasser gucken. Wir haben dann ein bisschen aufs Wasser geguckt. Es war wässrig.

Pünktlich um acht standen wir dann im Restaurant und ich habe das wahrscheinlich größte Schnitzel meines Lebens geordert. Also die hatten nur eine Größe an Schnitzel. Aber das war so groß, dass sie das nicht auf nem Teller serviert haben, sondern auf so großen Platten.

Stolzester Moment des Tages: Ich war die einzige, die es geschafft hat, das ganze Schnitzel aufzuessen. Inklusive der Zitrone, zum Horror meiner Mitmenschen.

Danach gabs noch Apfelstrudel für alle (oder Sachertorte, aber wer will die schon?).

Auf dem Weg nach Hause ist meine Mütze leider an meinem Kumpel hängen geblieben und ich war gezwungen, noch mit zu ihm nachhause zu latschen. Welch Drama.

So ist mein Geburtstag dann also ganz entspannt mit ein paar Folgen Brooklyn Nine-Nine zu Ende gegangen. Oder eher mit einem kurzen Moment von Panik, weil mir dann ja wieder eingefallen war, dass ich um eins zuhause sein muss. Pünktlich um 0:59 war ich dann auch tatsächlich zuhause.

Jetzt bin ich 17 und offiziell die Dancing Queen!

Bis dann und wann, Jenna

(20.12.2018) Tack för idag, tack för en underbar, vanlig dag

Also ganz so gewöhnlich, wie die liebe Frau Fältskog das hier besingt, war der Tag doch nicht, aber dankbar bin ich allemal!

Heute ist der letzte Schultag. Wir haben also damit angefangen, einen Film zu schauen. Unsere liebenswerte Lehrerin meinte es sei ein Feel Good Movie und überhaupt so. Das einzige, was ich gefühlt hab, waren Tränen, die mein Gesicht runtergekullert sind. Was ein Murks, das war scheiß traurig!

Danach gab es dann Mittagessen, heute in der Weihnachtsedition.

Es gab Köttbullar, Würsten, Schinken, Lachs, Ei und Pellkartoffeln, die man aber nicht pellt sondern mit Schale isst.

Danach ging es in die Kirche zur Abschiedsfeier für dieses Halbjahr.

Unser Chor ist ja wirklich unendlich großartig, das muss man schon sagen. Aber andererseits fühlt es sich an, als ob einfach jeder Schwede ne vernünftige Singstimme hat. Wenn meine Schule in Deutschland singt, klingt das wie ein Unfall.

So sang also der Chor, der Schülerrat verlieh den Preis vom Schreibwettbewerb und die Schullleiterin hielt eine Rede.

Dann folgte der gute Teil!

Es gibt da ein nettes Weihnachtslied, das heißt „Mer Jul“ und es ist ganz wundervoll! Ein paar Schüler haben das umgedichtet und so wurde daraus „Mer Plugg“ (aka „Mehr Lernen“… also Lernen wie in „für ne Klausur pauken“) und es war ein grandios-sarkastisches Lied darüber, dass wir Schüler unbedingt und zwingend noch mehr Stress haben wollen.

Danach hab ich mir meine verbleibenden Freunde geschnappt und wir haben uns in den Keller des Espressohouse verzogen und haben quasi meinen Geburtstag vorgefeiert.

Mein Geburtstag ist ja morgen und das ist dann auch der erste Ferientag und da haben die meisten einfach keine Zeit, deswegen wurden die Geschenke etc. mal kurz auf heute vorverlegt.

Ich hab den mit Abstand hässlichsten Weihnachtspulli gekriegt, den man sich vorstellen kann und ich liebe ihn! Er ist grässlich und damit absolut perfekt!

Außerdem dabei waren ein Batman-Shirt, ein Schweden-Shirt und ein Atlas von Mittelerde.

Im Endeffekt haben wir ganze vier Stunden im Espressohouse zugebracht. Das wär dann ein neuer Rekord!

Auf dem Weg nach Hause hab ich dann noch Karten für „The Grinch“ morgen besorgt, Tara und ich dachten uns, dass das doch eine angemessene Geburtstagsbeschäftigung wär.

Ansonsten kam heute mein Gastbruder an, der über Weihnachten bleibt und der britische Besuch ist auch wieder da.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für diese Menschen bin… ganz ehrlich, ich hätt mir nicht träumen klassen, hier so viele so unendlich liebe Menschen zu treffen!

Bis dann und wann, Jenna

(19.12.2018) Wir sind quasi ein katalonischer Menschenturm in flach und auf Stühlen

Bitte was? Fragen sie sich… nun, lassen sie mich da etwas erläutern.

Theater ist heute ausgefallen, weil unsere Lehrerin irgendwas mit irgendeiner Musical-Gruppe erledigen musste. Fragt mich bitte nicht, was das war.

Auf jeden Fall standen dann heute nur Mentorstid (Klassenlehrerzeit) an, gefolgt von Chemie.

Man kann sich ziemlich sicher sein, dass es langweilig wird, wenn der Schoolity-Eintrag so aussieht:

schoolity

„Lustige Aktivitäten in Gruppen“. Das bedeutete wir nehmen 22 Schüler, stellen sie auf zehn Stühle und nehmen dann nach und nach immer mehr Stühle weg und schauen, wann sie nicht mehr draufpassen und dementsprechend alle auf den Boden fallen.

Ich liebe ja das Gefühl von anderen Menschen erdrückt zu werden, besonders Menschen, die ich nicht kenne (was der Fall war, denn wir wurden mit einer Gruppe Erstklässler (Zehntklässler im deutschen System) zusammengemischt).

Anyway, bei drei Stühlen war Schluss. Was im Umkehrschluss aber bedeutet, dass wir statistisch gesehen 7 1/3 Menschen auf einen einzelnen Stuhl gestellt haben, was doch mittelmäßig beeindruckend war!

Ein bisschen hat sich das nach diesen komischen spanischen Menschentürmen angefühlt, über die mal irgendwer was im Spanischunterricht in Deutschland erzählt hat.

Danach sollten wir uns in gemischten Gruppen (drei aus der Zweiten und drei aus der Ersten) hinsetzten und uns unterhalten. Welch spaßiges Ding, vor allem weil die lieben Erstklässler in meiner Gruppe sich für die Könige der Welt gehalten haben und oh man, wie ich solch Verhalten doch liebe!

Chemie war dann wirklich unspannend, es war bloß eine Zusammenfassung des bisherigen Kurses und ein bisschen Infos, was wir nächstes Jahr machen. Dann sollten wir noch eine Selbstreflexion schreiben und angeben, welche Note wir uns selbst geben würden. Ich hab dann meinen Lehrer noch mal dran erinnert, dass ich keine Noten bekomme und von jetzt an werde ich das jede Woche mit einbringen, da er das irgendwie zu vergessen scheint. Oh man.

Abgesehen davon hab ich dann ganz viel geschrieben, denn mein Blog hat die letzten zwei Wochen etwas gelitten.

Bis dann und wann, Jenna.

(18.12.2018) AHHHHH PHYSIK

Das war in etwa mein Gedankengang.

Ich saß zuhause auf meiner Bettkante, packt entspannt meine Tasche, ich hatte ja noch 39 Minuten Zeit, bis der Unterricht anfing. Oder die Prüfung.

Dann viel mir ein… PUSTEKUCHEN! Weil wir ne Prüfung haben, fangen wir ne halbe Stunde früher an. Da kommt Freude auf!

Also bin ich mehr oder weniger zur Schule gesprintet und hatte dann verdammt viel Glück, auf zwei Mädchen aus meiner Klasse zu treffen, die mir dann mal eben erklärt haben, dass wir die Prüfung im Speisesaal schreiben, anstatt im Klassenraum. Welch ein Spaß.

Warum wir dort schreiben, wurde uns dann freundlicherweise erklärt. Unser Physiklehrer war krank und so musste die Physiklehrerin der anderen Klasse plötzlich zwei Klassen beaufsichtigen und der einzige Raum, der groß genug dafür war, war nun mal der Speisesaal.

Ich für meine Teil hatte Glück, dass ich eine von den normalen Tisch-mit-Stuhl-Kombinationen abgekriegt hab, einige saßen auf Bänken oder gar auf Hockern an hohen Tischen.

Anyway, die Prüfung hab ich irgendwie hingekriegt und wies lief… na wir werden sehen.

Englisch danach war wahrscheinlich eins der witzigsten Dinge, die ich in meinem ganzen Leben je gemacht hab.

Wir haben quasi eine Art Rollenspiel gespielt.

Wir wurden in sieben Gruppen eingeteilt. Sechs davon waren je ein Gefängnisinsasse (also die vier oder fünf Leute, die zusammen in einer Gruppe waren, haben die selbe Person gespielt) und die siebte Gruppe war „The Parole Board“.

Ich war teil des lustigen Parole Boards und hatte somit The Power. Eigentlich noch mehr, denn ich war sogar The Head Of The Parole Board.

Nach einem kurzen Briefing sind Sachen warum die Leute eigentlich im Gefängnis sind und was sie machen wollen, wenn sie wieder draußen sind (Bild meiner Mitschrift folgt), bekam jede Gruppe eine Stunde Zeit.

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Die Gefangenen sollten ihre Reden schreiben, die sie dann vor Gericht halten sollen und die erklären, warum man sie eigentlich freilassen sollte. The Parole Board hat in der Zeit dann einen Gerichtssaal hergerichtet und sich ganz viele lustige Fragen für die Gefangenen ausgedacht.

Und einen wirklich improvisierten und fachlich wahrscheinlich völlig falschen Ablaufplan geschrieben, wir wollen ja Ordnung im Gerichtssaal!

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Ja, ganz offensichtlich waren unsere einzigen drei Ausgangsmöglichkeiten Freiheit, Gefangenschaft und Irrenanstalt. Äh pardon, psychiatrische Klinik.

Als die Stunde um war, lief die Gerichtsverhandlung dann tatsächlich völlig Einwandfrei ab.

Es waren viele schöne Verteidigungsreden. Der angebliche Vater von Lilly’s Kind outete sich dann erstmal (vorbildlich mit der Hand auf der Bibel) und drehte sich dann um, um Colin einen Heiratsantrag zu machen, der nur trocken meinte „I have to think about that“. Die kleptomanische Diebin, die uns einen ärztlichen Attest vorlegte, hätte uns um ein Haar reingelegt, mit ihrem „attestieren Bedürfnis nach einem Wechsel der Umgebung“, bis uns auffiel, dass sie das Attest selbst unterschrieben hatte und die hochschwangere Lilli war sowieso nur am weinen und Leute beschuldigen und Dick Da Nova war sowieso der größte Arsch auf Erden und holla die Waldfee, ich hab glaub ich noch nie so gelacht.

Nach der Schule hab ich mir dann erstmal noch ein Elchgeweih zugelegt, auch wenn es nur so mäßig hübsch ist, aber es klingelt.

Als ich nach Hause kam, schlief meine Gastmama tief und fest auf dem Sofa und sonst war niemand zuhause, deswegen entschied ich mich dann dazu, mich auch einfach mal hinzulegen.

Als ich erwachte, hatte ich eine SMS von meiner Gastmama, die mich fragte, wo ich denn sei und ob ich gedenke, denn auch mal aus der Stadt wiederzukommen.

Das Mysterium war dann gelöst, als ich verschlafen in die Küche getapst kam und bloß fragte „Vad menar du med „Var är du?“… jag har sovit“.

Es gab dann Essen und dann hab ich mich wieder in mein Bett verkrümelt.

Bis dann und wann, Jenna