(05.01.2018) Moving

Umziehen ist strange. Also so richtig.

Ich bin in meinem Leben ja schon verhältnismäßig oft umgezogen, das ist halt so, wenn die Eltern getrennt sind. Das Ding ist dann aber auch, dass man nie vollständig umzieht. Also auch, wenn man dann sein neues Zimmer in nem neuen Haus kriegt, bleibt beim anderen Familienteil alles gleich. Wenn man das nächste Mal dort wieder hinkommt, steht alles noch am alten Fleck. Oh, und auf der Seite, die umzieht, da kommt ja der ganze Haushalt trotzdem mit.

Hier ist das nicht so. Hier ziehe nur ich um. Meine Familie bleibt in ihrer Wohnung.

Ich will nicht hören „dass es nun mal so ist“ oder „dass ich doch irgendwie nen Einfluss auf sie hatte“ oder was auch immer, denn man kann mir sagen, was auch immer man will, es ist verdammt, verdammt schwer, das hartnäckige „Du bist in ihr Leben getreten, bist ein bisschen geblieben, und jetzt gehst du wieder“ aus meinem Kopf zu kriegen.

Für mich waren sie meine Familie, die Menschen, die mir mein Leben dort ermöglicht haben, quasi die Grundlage für mein Glück.

Sie selbst haben ihr Leben gelebt, dann kam ich, sie haben ihr Leben weiter gelebt, dann bin ich gegangen und sie leben ihr Leben ganz normal weiter.

Diese Menschen haben gigantische Spuren in meinem Leben hinterlassen und es fühlt sich komisch an, zu wissen, dass es für sie nicht der Fall war. Ich bin gekommen und jetzt gehe ich wieder.

Ich gehe als jemand anders, als ich gekommen bin.

Ich glaube nicht, dass ich meine Gedanken auch nur annähernd in Worte fassen kann, aber das konnte ich noch nie.


Heute Morgen hab ich dann also meinen ganzen Kram ins Wohnzimmer gerückt, hab noch mal durch mein Zimmer gestaubsaugt und hab zum letzten Mal auf der Bank in der Küche gesessen und Schokomüsli und O’boy gefrühstückt.

Dann hatte ich noch gut ne Stunde und die war strange.

Vom Gefühl her ein bisschen wie die letzte Stunde am Flughafen in Deutschland (natürlich nur weniger drastisch). Man sitzt da, neben seinen gepackten Taschen nd man weiß, dass sich gleich alles verändert.

Damals hab ich am Gate gesessen und auf die Uhr gestarrt, bis sie mit der Zeit auf meinem Flugticket übereinstimmte. Heute hab ich am Küchenfenster gesessen und gewartet, dass mein Handydisplay 13:00 anzeigt.

Schlussendlich wurde es dann eins und meine neue Familie erschien auf dem Hof, inklusive lustigem Lastfahrrad (oder wie auch immer man diese Fahrräder mit der großen Kiste dran nennt). Ich bin auf den Balkon geklettert und hab – so unschwedisch wie möglich – runtergebrüllt.

Innerhalb von 10 Minuten war mein Gepäck unten, meine Gastfamilie zum Abschied geknuddelt und wir waren auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause.

Es ist schon etwas strange, wenn man zu Fuß umzieht. Aber gut. Was ist hier schon normal. Außerdem bin ich wirklich unendlich dankbar dafür, dass ich zu Fuß umziehen kann. das bedeutet nämlich, dass ich echt nicht weit wegziehe.

Schlussendlich hab ich dann alle meine Sachen ins Zimmer gestapelt gekriegt und man erklärte mir lachend „Na die Wohnungstour können wir uns wohl schenken“. Recht haben sie.

Die nächsten zwei Stunden hab ich dann erstmal ausgepackt und erstaunlicher Weise hab ich Platz für alles gefunden. Jetzt ist es hier wirklich wohnlich und es fühlt sich tatsächlich wie mein Zimmer an.

Mein schlechtes Gewissen, weil ich den Kiwihüter aus seinem Zimmer vertrieben hab, hat sich auch gelegt. Dem haben sie ein unglaublich schickes neues Zimmer gebaut.

Zum Abendessen kamen dann die Eltern meiner neuen Gastmama und ihre beste Freundin und es gab Tacos.

Nach dem Essen bin ich aus Reflex mit dem Kiwihüter zusammen aufgestanden, so wie ich das halt gewohnt bin von all den Malen, wo ich als Gast hier zum Abendbrot war. Während ich dann also mit dem Kiwihüter in seinem Zimmer saß, ist mir dann aber aufgefallen, dass ich eigentlich viel lieber in der Küche sitzen würde. Ich weiß nicht warum, aber ich mal Ansammlungen an Erwachsenen und außerdem ists wirklich nett, das „soziale Umfeld“ meiner Gastfamilie kennen zu lernen.

So bin ich dann also einfach wieder in die Küche marschiert, hab mich auf meinen Platz gesetzt und nach ein paar Minuten, in denen sie mich etwas strange angeguckt haben (frei nach dem Motto „Warum sitzt ein Kind freiwillig am Tisch mit lauter Erwachsenen“), haben sie das dann einfach hingenommen und es wurde ein wirklich netter Abend.

Irgendwann wurde es wirklich spät und ich bin dann auch mal ins Bett geschlurft (natürlich nicht, ohne mich vorher irgendwie ne Stunde mit dem Kiwihüter festzuquatschen, wie sollte es anders sein?).

Nur schlafen klappt irgendwie nicht. Aber das hab ich auch wirklich nicht erwartet, vor allem in der ersten Nacht.

Bis dann und wann, Jenna

(04.012018) Nächtliche Gedanken

Ich könnte jetzt unglaublich viel schreiben, darüber, wie komisch sich das anfühlt, neben meinen gepackten Taschen zu liegen, wie viel Angst ich hab, was mich für Gedanken plagen.

Aber ich glaube, ich lasse mich an dieser Stelle selbst erzählen.

Es folgt ein Video von einem Jenna, was nicht so richtig weiß, was es mit seinen Gedanken anstellen soll und das sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat und das sich einfach bloß komisch fühlt.

Mir ist heute einfach nicht groß nach schreiben.

Der Ton ist unendlich leise, aber ich hoff, man versteht trotzdem irgendwas.

Bis dann und wann, Jenna

(23.12.2018) Gedichte Volume Zwei (+ Gedanken zur Weihnachtszeit)

Es ist der Tag vor Weihnachten und auch wenn man glaubt, man wäre fertig mit allem, fällt einem dann auf, was eigentlich noch alles fehlt.

Also hopp, hopp ab in die Stadt und noch mal ne Ladung Bastelkram kaufen, die Gedichte müssen ja auch hübsch am Geschenk angebracht werden. Ich danke Gandalf für die Erfindung der Akademiebokhandeln, denn auch wenns da wahrscheinlich sogar für schwedische Verhältnisse ziemlich teuer ist, kriegt man da immerhin alles. Also wirklich alles.

Ausgestattet mit allem, was ich irgendwie brauchen könnte, war ich dann ne Stunde später auch wieder zuhause und hab mich irgendwie in meinem Zimmer verbarrikadiert.

Am späten Nachmittag saß ich dann also vor einem Stapel schnieker Weihnachtsgeschenke.

Ansonsten kam der britische Besuch wieder und mit dem ists ja sowieso immer nett.

Ansonsten will ich einfach mal – so kurz vor Weihnachten – ein paar Sachen loswerden.

Ich hab ja oft zu viel Zeit zum Nachdenken und das ist ja oft nicht so per se optimal für mich. Also ehrlich gesagt denke ich auch zu viel, wenn ich keine Zeit hab. Dann nimmt mein Kopf sich nämlich einfach Zeit und selbst wenn er sie dadurch kriegt, dass er meinen ganzen Körper außer Gefecht setzt und mich ein paar Tage ins Bett steckt. Kenn ich alles schon.

Aber eins ist mir auch aufgefallen; nämlich dass das seit ich in Schweden bin immer seltener passiert.

Ich hab viel und lange drüber nachgedacht, woran das jetzt genau liegt und bin nicht wirklich zu irgendeinem eindeutigen Schluss gekommen.

Vielleicht ist es, dass ich mich in der Schule nicht mehr um Noten sorgen muss, das heißt, dass da viel weniger Stress ist. Andererseits gehe ich sowieso so viel lieber zur Schule, denn mich erwartet keine Klasse, die mir eh den letzten Nerv raubt.

Ich weiß, dass man sowas nicht machen soll. Schlecht über irgendwas reden, nur weil man jetzt weg ist. Ganz besonders vorsichtig sollte man damit sein, wenn man irgendwie wieder dahin zurück muss.

Aber am Ende ist das hier mein Blog und es sind meine Gedanken und ich will ehrlich mit mir selbst sein.

Ich weiß nicht, wann der letzte Tag in meinem Leben war, wo ich morgens aufgewacht bin und mir gedacht hab „Jippie, Schule!“

Ich hab aber ehrlich gesagt nicht geglaubt, dass irgendein Schüler das jemals sagt. Falsch gedacht, denn mir ist aufgefallen, dass ich morgens immer noch mit einem klssischen „Bäh“-Gefühl aufwache, aber das einzige Problem ist die Tatsache, dass es 7:15 ist und ich aufstehen muss und nicht die Tatsache, dass ich zur Schule muss.

Glaubt mir, ich wär in Deutschland auch um vier aufgestanden, hätt ich dafür nicht zur Schule gemusst.

Ich möchte an dieser Stelle nicht versuchen, meine Schule schlechtzureden! Ich hab dort meine besten Freunde kennengelernt (die Lilli Fee und den Kampfkarpfen) und ich hab unglaublich viel gelernt.

Ich bin hier in Schweden glücklicher als ich jemals zuvor und irgendwie bin ich ein bisschen zu dem Schluss gekommen, dass Deutschland mich krank gemacht hat. Ich hab aufgehört zu zählen, wie viele Tage ich gefehlt hab und wie viele Klassenarbeiten ich nachgeschrieben hab. Ich war im Kopf sowie körperlich völlig im Arsch.

Ich weiß nicht genau, was hier so anders ist. Vielleicht ist es das Klima in der Schule, denn die Leute hier scheinen wirklich lernen zu wollen und machen tatsächlich das, was die Lehrer sagen. Das Notensystem nimmt einen so ziemlich allen Druck von den Schultern und sie beweisen wirklich eindrucksvoll, dass mit Regeln und Verboten um sich zu schmeißen auch nicht die Lösung ist.

Ich war am Anfang wirklich verwirrt, ob das denn wirklich so gut ist, wenn Handys im Unterricht nicht verboten werden, wenn Hausaufgaben nicht strikt kontrolliert werden und wenn Prüfungstermine in der ganzen Klasse diskutiert werden, anstatt bloß festgelegt.

Ja, es funktioniert.

Hier herrscht ein Klima von „Jeder funktioniert in seinem eigenen Tempo und das ist okay“ anstatt von Deutschlands geliebten „Das hier sind unsere Erwartungen, hopphopp vollfüllt sie“ und die Schüler lernen trotzdem. Ich hab so viele Leute mit unterschiedlichsten Geschichten getroffen und das System gibt ihnen die Möglichkeit, den Weg zu gehen, der für sie selbst funktioniert, ohne dass man sich dabei verurteilt führt.

Ich hab schon so einigen Leuten in Deutschland versucht, das zu erklären, aber alles was ich gehört hab, war „aber das geht doch in Deutschland auch“. Entschuldigt meine Wortwahl, aber das ist bullshit!

Hier ist es okay zu sagen „I took a year off for my mental health“, sprich, ich hab einige Menschen getroffen, die in der Mitte ihrer Gymnasiumslaufbahn ein Jahr Pause gemacht haben, zuhause gewesen sind erstmal ihren Kopf geordnet haben und das ist hier nicht komisch, niemand guckt schief und am allerwenigsten wird man hier dafür verurteilt.

Schweden ist ein Land, in dem es gesellschaftlich okay ist, nicht okay zu sein. Hier lacht keiner beim Wort „Burn Out“, niemand unterstellt irgendwem, Depressionen als Ausrede für irgendwas zu benutzen und was auch immer du bist, was auch immer du machst und wie auch immer du aussiehst, es ist okay.

Ich hab oft an meine Klasse in Deutschland gedacht, speziell an ein besonderes Individuum, welches ein anderes Individuum gerne gepiesackt hat. Irgendwann wurde dieser Mensch dann gefragt „Sag mal, würdest du wollen, dass jemand das mit dir macht?“, er antwortete schulterzuckend mit „Nein“ und die darauffolgende Frage „Und warum machst du’s dann trotzdem?“ wurde bloß mit weiterem Schulterzucken und „Is‘ halt witzig“ kommentiert.

Das ist etwas, was hier niemals passieren würde, denn die gesamte Mentalität der Menschen ist komplett anders. Man fühlt sich einfach freier.

Ich weiß nicht mehr genau, wie dieses komische Sprichwort geht, irgendwas mit „Man merkt nicht, wie gut man es hatte, bis es dann weg ist“, aber ich würds gern umdrehen. „Man weiß nicht, wie grottig alles war, bis man merkt, wie schön es sein kann“.

Natürlich war nicht alles schlecht, das wär ne große Lüge.

Aber Kunst, Sport, WuN und Chemie waren so ziemlich die einzigen Fächer, die ich gern gehabt hab und auch nur, weil ich so viel Spaß dran hatte, dass das Gefühl vom Verurteiltwerden, dass in meinem Kopf festsaß, irgendwie übertrumpft wurde, vom Gefühl der puren Freude und des Spaßes am Thema.

Gefühlt stand ich am Ende des letzten Schuljahrs kurz vorm Nervenzusammenbruch, es hat dann auch super geholfen, mich noch monatelang mit einem Buch über Selbstmord beschäftigen zu müssen.

Es klingt alles etwas traurig, aber ich will nichts so wenig, wie zurück nach Deutschland.

Anyway.

Bis dann und wann, Jenna

 

(22.11.2018) Ein kleines Zwischenfazit

Ich hab am 13.08.2018 einen lustigen Blogpost geschrieben, in dem es um Angst ging. Dort gibt es eine lustige Liste mit Dingen, vor denen ich fünf Tage vor meiner Abreise panische Angst hatte.

Nach über drei Monaten und jedem Gefühl, das man irgendwie durchlebt haben kann, würde ich gern ein kleines Zwischenfazit ziehen.

Jeder Satz, der mit Angst beginnt und in kursiv geschrieben ist, ist ein direktes Zitat aus meinem eigenen Text von vor dreieinhalb Monaten.

Angst, dass mein Schwedisch nicht reicht.

Völlig unbegründet. Jeder Mensch hier spricht Englisch und auch wenn sich alle Leute freuen, wenn du versuchst Schwedisch zu sprechen, verurteilt dich niemand, wenn du doch mal für nen Satz ins Englische rutschst. Und tatsächlich hat mich noch nie jemand fürs Nachfragen von Vokabeln oder ähnlichem blöd angemacht. Außerdem lernt sich Schwedisch – wenn man denn will – wirklich unfassbar gut, auch wenn die Aussprache und der Mist mit den Artikeln manchmal doch etwas zum Haare raufen, es geht!

Angst, von Fettnäpfchen in Fettnäpfchen zu stolpern.

Passiert hin und wieder, aber auch dafür wurde ich noch nie blöd angemacht. Meine Freunde werfen mir dann im Gegenzug blöde Witze über Deutsche ins Gesicht und wir sind quitt und meine Gastfamilie lacht auch bloß und erklärt mir dann, dass das vielleicht nur so mäßig geschickt ist, wenn ich das so sage.

Angst, meiner Gastfamilie auf die Nerven zu gehen.

Sie geben mir das Gefühl, dass es überhaupt nicht so ist. Ich weiß nicht wie, aber sie vermitteln durchgängig das Gefühl, dass sie sich freuen, mich dazuhaben (was an ein Wunder grenzt, nicht mal ich freu mich immer mich dazuhaben). Ausgenommen vielleicht meine Gastschwester, aber wie das mit Menschen in unserem Alter so ist, wir wollen manchmal einfach bloß allein sein. In solchen Momenten weiß ich dann aber, dass sich ihre Laune nicht gegen mich als Mensch richtet, sondern gegen den Fakt, dass ich (genau wie ihre Eltern) ein lebendes Individuum bin.

Angst, keinen Anschluss zu finden.

Das ist ein schlechter Witz. Ich liebe meine Idiotentruppe von ganzem Herzen und bin ihnen so unendlich dankbar, dass sie mich quasi irgendwie einfach adoptiert haben. (Ohne Spaß, vor ein paar Tagen saßen wir alle (wie Schüler manchmal so sind) leicht demotiviert um einen Tisch, manche halb eingeschlafen und andere sind bloß am Prokrastinieren, da schaut sich die eine um und meint mit sehr erwachsener und besorgter Stimme „What happened to all of you, my dear children?“ und seitdem haben wir uns irgendwie damit abgefunden, adoptiert worden zu sein). Egal was in meinem Kopf rumspukt, sie sind da und es sind vor allem Menschen, die auf Anhieb verstehen. Wenn jemand sagt „Sorry I don’t feel like sitting in the luchhall today, it’s so full of people“, dann sucht man sich völlig kommentarlos eine ruhige Ecke zum Essen. Ich mag die Art, wie Leute behandelt werden, denen es nicht gut geht. Am Anfang schien das alles etwas strange, aber heute schätze ich das sehr. Es ist die Salve an einfachen ja/nein-Fragen, die am Anfang kommt. „Do you want to talk?“ „Do you want company?“ „Do you want to sit outside?“ „Inside?“ „Should we tell a teacher?“ „Are you in pain?“ „Any triggers nearby?“. Wie gesagt, am Anfang schien das unglaublich komisch, aber inzwischen ist das eins der Dinge – auch wenn das sicherlich nicht der Weg für jeden ist – die ich wirklich am allermeisten schätze an diesen Menschen. Kurz gesagt, die Angst, keinen Anschluss zu finden ist vollkommen unberechtigt gewesen, und ich hoffe in diesen Menschen wirklich Freunde fürs Leben gefunden zu haben.

Angst, den Erwartungen nicht zu entsprechen.

Der einzige Mensch, der wirklich große Erwartungen hat, bin ich selbst. Ich bin auch die einzige, die glaubt, dass andere riesige Erwartungen haben. Natürlich erwartet die Schule, dass man da ist, nicht stört und dem Unterricht to the best of your abilities folgt, aber das sollte selbstverständlich sein. Ebenso erwartet die Gastfamilie natürlich auch, dass man irgendeine Art von Fortschritt in Sachen Schwedisch macht, aber auch das ist – besonders mit einer Familie wie meiner – das kleinste der Probleme. Im Endeffekt bin ich also der einzige Mensch, der wirklich große Erwartungen hat und die geraten gerne mal in Vergessenheit, einfach weil ich wirklich schrecklich glücklich bin.

Angst, irgendwelche organisatorischen Dinge zu versauen.

Ist völlig Menschlich und ist mir in großem Maße noch nicht passiert. Mit kleinen Dingen wie irgendwelche Orte finden, mit der U-Bahn verloren gehen und ein paar Minuten zu spät sein oder auch 20 Minuten vor Schulbeginn aufwachen und zur Schule sprinten und deswegen vergessen, das Bett abzuziehen, die passieren jedem anderen Menschen in meiner Gastfamilie genau so und die haben sie aus eben diesem Grund nach etwa zweieinhalb Minuten schon wieder vergessen.

Angst, Dinge hier in Deutschland zu verpassen.

Die Angst ist noch immer da und vor allem mit der Jugendweihe, die jetzt wieder anfängt, fehlt mir doch irgendwie ein bisschen was. Andererseits bin ich ja nicht völlig abgeschnitten von der Welt und wenn mir langweilig ist, irgendwas passiert ist oder welcher Grund auch immer mir grade einfällt, dann drückt man kurz auf den Whatsapp-Videoanruf-Knopf und ist innerhalb von etwa drei Sekunden auch visuell mit der Heimat verbunden und kann sich bequem auf den neusten Stand bringen lassen.

Angst, dass Menschen hier für immer von mir gehen, denen ich nicht tschüss sagen konnte.

Auch diese Angst besteht und da ist absolut nichts, was ich dagegen machen kann. Da hilft auch kein „sterben ist ein natürlicher Prozess und teil des Lebens“, es ist einfach so.

Angst, dass mir in Schweden was passiert und niemand da ist.

Ich weiß, dass meine Familie so schnell wie menschlich irgend nur möglich herkommen würde, sollte mir irgendwas schwerwiegendes passieren und für die Zeit, bis sie da sind, hab ich meine Gastfamilie und meine geliebte Idiotentruppe, sodass ich mich unter keinen Umständen allein fühlen würde.

Angst, dass mich der Inhalt meines Kopfes auffrisst.

Das ist mir in den letzten paar Tagen zum ersten Mal seitdem ich Deutschland verlassen hab, auch nur ansatzweise passiert. Und es ist weniger der Inhalt meines Kopfes der mich auffrisst, sondern viel mehr bloß das selbe Gefühl, wie wenn das passiert. Im Moment ist es eigentlich mehr Chaos, aber schönes Chaos irgendwie, also ist selbst das alles nicht so schlimm (auch wenn ich 18 Stunden am Tag schlafe).

Angst, dass mich das Heimweh packt.

Dazu bin ich bei weitem zu glücklich. Ich glaube Heimweh bekommt man dann, wenn im Kopf mehr Trauer (weil Zuhause vermissen) ist, als Freude (weil neues Zuhause toll) vorhanden ist. Ist es ausgeglichen (blau in Diagramm), kann man so vor sich hinleben und wenn mehr Freude als Trauer da ist (gelb im Diagramm), dann hat Heimweh nicht wirklich eine Chance, zu existieren. Das heißt natürlich nicht, dass man sein Zuhause nicht vermisst, es heißt nur, das genug Freude da ist, um das Gefühl auszukontern.

heimwehfreude (4)

Angst, in der Schule hier nicht wieder reinzukommen.

Die Angst hab ich noch immer, sie wird sogar schlimmer, jetzt wo ich, wenn alles gut läuft bis im Sommer bleibe und die wird mir auch kein gutes Zureden nehmen können. Allerdings weiß ich, wie sehr ich mir später selbst in den Arsch beiße, wenn ich nicht so lange hierbleiben würde wie möglich und so ist das irgendwie alles etwas tumultig in meinem Kopf, aber irgendwie auch okay.

Angst, dass die Schule in Schweden zu schwer ist.

Ist sie definitiv nicht. Auch wenn die ersten Wochen etwas kompliziert waren, weil man ja doch erstmal die Sprache lernen muss, gings dann irgendwie doch. An dieser Stelle muss man irgendwie in den sauren Apfel beißen und seine gesamten Notizen in zwei Sprachen schreiben. Irgendwann konnte ich dann anfangen, in Schwedisch zu schreiben und nur noch einzelne deutsche Wörter in rot darüber zu schreiben und heute gehts tatsächlich auch komplett auf Schwedisch.

Angst, allein zu sein.

Keineswegs! Also ja, die Angst hatte durchaus ihre Daseinsberechtigung, die hat sie aber schon lange wieder verloren. Meine Gastfamilie und meine geliebte Idiotentruppe geben mir das Gefühl, dass ich wirklich vieles bin, aber nicht allein. Und außerdem wie schon gesagt, ein kleiner Knopfdruck und schon kann man mit den Menschen in Deutschland quasi von Angesicht zu Angesicht reden.

Angst von zu vielen Menschen umgeben zu sein, ohne wirklich von ihnen umgeben zu sein.

Natürlich ist das Gefühl manchmal da. Manchmal sitzt man im Speisesaal in der Schule, alle Stimmen und Musik verschwimmen zu einem Brei, der Blick driftet irgendwo hin ab und man fühlt sich ganz ganz klein. Ein bisschen wie Sophie in Mamma Mia (Szene anschauen hier, ich meine nicht den Teil, wo mir drei Leute erzählen, dass sie mein Vater wären, sondern dass sich alles um einen herum dreht und man schlussendlich auf den Boden klatscht). Aber in den Momenten braucht es normalerweise nicht länger als eine knappe Minute, bis einer meiner Freunde mich antippt und fragt, ob alles okay ist und das holt mich eigentlich immer zielsicher aus diesem Gefühl wieder raus.

Angst, dass Gefühl von Fremde nicht loszuwerden.

Stockholm fühlt sich inzwischen genau so sehr nach Heimat an, wie Braunschweig. Völlig egal, wo ich später mal wohne, ein Teil von mir wird immer in Stockholm bleiben und still und leise „Hem till Stockholm“ von Mauro Scocco singen.

Angst, zurück zu kommen und Schweden mehr zu vermissen als gesund ist.

Die Angst ist völlig berechtigt und ist noch viel stärker, als ich dachte, dass sie werden könnte. Aber komischerweise kann ich das doch die meiste Zeit ausblenden und irgendwie im hier und jetzt leben.

Angst davor, vor Angst blind zu werden.

Berechtigte Angst, aber nicht zutreffend. Ich bin glücklicher und freier, als ich wahrscheinlich jemals war. Das einzige, was mir in der Hinsicht Angst macht, ist zuzusehen, wie ich selbst mich verändere. Ich bin kein Mensch, der mit Veränderungen besonders gut klarkommt. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, ich geh hier nicht allein durch, und das hilft immens!

Bis dann und wann, Jenna

 

(02.11.2018) Let me talk about change

Exakt das. Und Angst. Und Chaos im Kopf. Und Leben und so.

Wenn die Menschen sagen, dass einen ein Auslandsjahr verändert, dann haben sie recht. Aber wie sehr es einen verändert, das kann niemand vorhersehen. Es ist verrückt, völlig verrückt.

Ich möchte mein Gesülze gerne mit einem kleinen Video einleiten (herzlichen Dank an Abba The Museum, das mir das vor Augen geführt hat). Achtung, ich mache mich gleich im Internet zum Affen.

Worauf ich damit eigentlich hinaus will ist nicht, dass ich immer noch nicht tanzen kann, sondern die Tatsache, dass ich, obwohl ich keinen blassen Schimmer hab, was ich da eigentlich mache, glücklich dabei aussehe. Mir steht nicht per dick und fett „Heilige Mutter Gandalfs ist das peinlich“ ins Gesicht geschrieben, und scheiße man, natürlich ist das sau peinlich, und das ganze auch noch auf meinen Blog packen, das ist noch viel schlimmer. Aber scheiße man (nochmal), ist mir das vielleicht komplett egal? Exakt das ist es. Und das kann man sehen.

Das erste Video ist von Ende August, das andere von Vorgestern, und wenn mich jetzt nicht alles täuscht, sieht man einen riesigen Unterschied (nicht im Rumgezappel sondern in mir).

Und es gibt wenig Dinge, die mich so glücklich machen, wie diese Enddeckung.

Eines Nachts, vor ein paar Tagen, als ich nicht schlafen konnte, als mein Kopf lauter geschrien hat, als meinen Ohren gut tut und als der lustige, stechende Schmerz, den ich bestens aus Deutschland kenne, beschlossen hat, mal wieder hallo zu sagen, da hab ich dem Kiwihüter geschrieben. Fünf kleine Worte. „Do you have a second?“. Und dann ist alles aus mir rausgebrochen. Alles, was ich in den letzten drei Jahren in meinem Kopf eingesperrt hab, von dem ich mir selbst versprochen hab, nie wieder drüber nachzudenken. Sprechen ging nicht und ich glaube am Ende waren es über 30 Minuten, die ich gebraucht hab, um das alles zu tippen.

Wer hätte gedacht, dass ich erst in ein anderes Land ziehen muss, um so jemanden zu finden? Einen Menschen, der mich besser versteht als ich selbst? Der besser weiß, was mit mir passiert, als ich selbst? Der so weit in die Zukunft gucken kann, dass er alle Dinge, die ich eventuell in meinem kleinen verqueren Kopf in Frage stellen könnte, schon mal provisorisch mit Edding auf meinen Arm schreibt? Scheiße man, dich lass ich nicht mehr gehen.

Der entscheidende Punkt ist aber ehrlich gesagt, dass ich jetzt in der Lage bin, sowas überhaupt zuzulassen. Und dafür musste ich aus Deutschland raus.

Es sind viele Dinge, die sich verändern. Viele kleine, in und an mir, viele große, vor alle in mir drin.

Ich kann meine Haare offen tragen, etwas, was ich nie, also wirklich nie gemacht hab in Deutschland. „Das bin nicht ich“, hab ich mir immer gesagt. „Aber was bin schon ich?“, frage ich mich jetzt.

Wer genau bin ich eigentlich? Ich bin der Mensch, der nie für die Schule gelernt hat und bloß am Abend vorher alles ins Kurzzeitgedächtnis geprügelt hat. Warum? Schule ist scheiße. Ich bin der Mensch, der die ESC Gewinner der letzten 62 Jahre auswendig kann. Warum? Weil ich niemand anders kenne, der das kann. Ich bin der Mensch, der Quenya lernte. Warum? Weil niemand den ich kenne, das spricht. Ich bin der Mensch, der Merch von all den komischen kleinen Bands trägt. Warum? Weil ich niemanden kenne, der sie mag. Ich bin der Mensch, der jetzt in Schweden ist. Warum? Weil ich niemand anders kenne, der hier Austauschschüler war. Ich bin der Mensch, der Motorrad fährt. Warum? Weil das bei Papa super spaßig aussieht. Ich bin der Mensch, der allen möglichen Scheiß ins Internet scheibt. Warum? Weil ich will. Ich bin der Mensch, der sich gesagt hat, dass Lügen die neue Wahrheit sind. Warum? Weil ich Angst hatte, verurteilt zu werden. Ich bin der Mensch, der aufgehört hat zu tun, was ihm Spaß macht. Warum? Weil ich so kaputt war, dass nicht mal dafür Energie da war. Ich bin der Mensch, der andere Menschen grundlos hasst. Warum? Einfach bloß, weil sie Menschen sind. Ich bin der Mensch, der sich selbst belogen hat. Warum? Weil ich nicht einsehen wollte, wer ich wirklich bin.

Und warum? Weil ich Angst hatte.

Viele der Dinge, die mich in den letzten Jahren ausgezeichnet haben, die sehe ich noch immer so. Und viele Dinge, die vor Jahren bloß aus Prinzip angefangen hab, die liebe ich noch heute mit ganzem Herzen. Aber viele Entscheidungen, die ich getroffen hab, die würde ich am heutigen Tage nicht noch mal treffen und doch, würde man mich zurück an den Tag schicken, an dem sie ursprünglich gefällt wurden, würde sicherlich nichts anders laufen.

Ich habe lange, sehr sehr lange mit dem Kiwihüter geredet. Darüber, wer man ist als Mensch.

Ich war schon immer ein Mensch, der beschlossen hat, zu sein, wer er ist. Auch wenn es so aussieht, nicht wirklich viel ist einfach passiert. Ich würde mir manchmal gern selbst in den Arsch beißen beim Gedanken, wie viele Dinge, auch die, die mich unglücklich machen, ich gemacht hab, einfach aus Prinzip, oder weil sie zum Menschen passen, der ich beschlossen hatte zu sein.

Ich hab mich selbst davon abgehalten, mich in Dinge zu vergraben, die Spaß machen, nur weil alle anderen sie auch toll fanden. Ich hab nie gelernt, für die Schule zu lernen, weil ich mir immer gesagt hat, „Du bist du Jenna, du lernst nicht“.

Es gibt endlos viele Dinge, die sich verändern.

Meine Prinzipien, der Mensch, der ich vorgebe zu sein, den kennt hier in Schweden niemand. Niemand hat Erwartungen, keine Seele sagt „Aber warst du nicht immer dagegen?“, „Mochtest du das früher nicht so gern?“, „Aber sowas hast du doch noch nie gemacht?!“.

Ich war immer der Mensch der nicht tanzt. Warum? Ich tanze nicht.

Bullshit. Großer Bullshit. Jeder Mensch tanzt und sich davon abzuhalten ist im Endeffekt völlig bescheuert.

Ich bin an einem Punkt, wo ich innerlich im Kreis renne und dabei schreie, während mir Dampf aus den Ohren kommt und ich dabei mit Rasseln rassel. Ich frage mich ernsthaft, was an mir wirklich ich bin und was genau bloß „aus Prinzip“.

Im Endeffekt bin natürlich auch alles, was ich bloß aus Prinzip mache ich, es sind ja schließlich meine Prinzipien, aber trotzdem.

Alles verändert sich in meinem Kopf und das schneller, als ich es greifen kann. Ich hab Angst. Eine Art von Angst, wie ich sie nicht in Wort fassen kann und wie ich sie noch nie gespürt hab. Ich hab schlichtweg Angst davor, mich selbst zu finden und am Ende nicht mehr in mein Leben zu passen.

Bis dann und wann, Jenna

(06.09.2018) Gedanken aus dem Schwedischunterricht

Okay das ist doch etwas strange. Mein Plan, Deutschstunden zu machen, hat nur so halbwegs gut geklappt. Irgendwo hat sich da irgendwas vertauscht, auf jeden Fall sitze ich jetzt irgendwo (aka in der hintersten Ecke der Schwedischklasse) und schreibe.

Weil schreiben meistens das einfachste ist, wenn man sich irgendwie beschäftigen muss.

An dieser Stelle sei anzumerken, dass tippen jetzt bedeutend leichter ist, ich habs geschafft die Tastatur auf Deutsch umzustellen. Also yay.

Und tatsächlich ist es gar nicht so unendlich schwer, die Tastaturen umzuswitchen.

Da ich jetzt etwa zwei Stunden Zeit hab, kann ich die Zeit auch nutzen, um mal mit ein bisschen Zeug aufzuräumen, das sich in meinem Kopf ansammelt.

Zum schwedischen Schulsystem:

An dieser Stelle sei anzumerken, dass ich an diesem Punkt von meiner Schule ausgehe. Meine Gastschwester beispielsweise hat keinen Blockunterricht so wie ich, und was weiß ich, was genau bei ihr noch anders ist.

Ich für meinen Teil habe auf jeden Fall Blockunterricht. Das heißt, dass ich Englisch, Physik, Geschichte, Deutsch, Theater und Mathematik zu Stunden von je 2:45h habe. Schwedisch allerdings nur 1:50h und Sport 1:15h.

Pause gibt es dann, wenn der Lehrer es für angemessen hält und die Klasse angemessen erschöpft aussieht.

Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, von was genau man da übermäßig erschöpft sein kann, aber dazu später mehr.

Ansonsten hängt es vom Lehrer ab, in welcher Sprache unterrichtet wird. Manche Lehrer sprechen kein Schwedisch, daher ist der Unterricht allenfalls auf Englisch. Andere sprechen auch Schwedisch, unterrichten aber trotzdem auf Englisch, wieder andere mischen beides kunterbunt und nochmal ganz andere sind schwedisch sprechende Schweden.

Das erklärt auch warum sie alle wirklich gut in Englisch sind, müssen sie auch, ansonsten wird die Schule ganz offenkundig zur Hölle.

Bis auf ein paar Ausfälle sind die Lehrer allerdings unglaublich liebe Menschen und ich fühle mich wirklich gut aufgehoben.

Aber stofflich hängen sie absolut hinterher und das, mit Ausnahme von Englisch, in absolut jedem Fach.

So haben wir jetzt in Geschichte vier Stunden Zeit bekommen, eine Zeitstrahl zu basteln, in Physik haben wir Papierhelikopter fallen gelassen und die Fallzeit berechnet und in Mathe machen wir binomische Formeln. Oh Freude.

Schwedisch lässt sich natürlich recht schwer zu beurteilen, so habe ich doch für den Moment aufgegeben, Dvärgen zu lesen. Aber gut, es ist halt einfach simple Romananalyse. Erinnert mich stark an Andorra in der neunten Klasse (und begeistert mich auch ähnlich stark).

Und sonst so?

Des weiteren wird es langsam kalt. Also es wird Stiefel- und Pulliwetter. Ich freu mich sehr!

Außerdem fängt Parkour nächste Woche an, und ich bin definitiv überzeugt, dass es gut wird.

Und ich werde Apfelstrudel backen, das steht schon fest.

Abgesehen davon, bin ich glaub ich wirklich im Leben angekommen. Ich spüre die typische , mittelmäßige Motivation morgens aufzustehen, kann immernoch kein Frühstück essen und schlürfe deswegen bloß ein Glas O’Boy (das im Moment wohl nicht mehr produziert wird (zum Glück haben wir noch genug zu Hause) und deswegen online für gut und gerne 5000kr (500€) verkauft wird). Nc der Schule würde ich Hausaufgaben machen, falls ich denn welche aufkriegen würde und dann schau ich Criminal Minds, lese Spindelmannen (Spider-Man) Comics, latsche durch die Gegend und treffe mich mit Freunden (oder Günthers Hausherr). Leben also.

Ich bin unendlich glücklich und unendlich dankbar, hier sein zu dürfen und dabei noch solch unverschämtes Glück zu haben.

Meine Gastschwester hat, bevor ich gekommen bin gesagt, dass es wichtig ist, nicht zu erwarten the time of my life zu haben, sonst werde ich höchst wahrscheinlich schrecklich schwer enttäuscht. Aber grade eben? Grade eben bin ich glücklicher und sorgenfreier, als ich wahrscheinlich jemals war.

@Familie und Freunde zu Hause: Das heißt nicht, dass ich unglücklich war zu Hause, keinesfalls! Aber ich weiß nicht genau was es ist, aber Schweden ist wirklich unendlich unfassbar schön und ich kann nicht mal genau in Worte fassen, wo genau das herkommt oder was genau anders ist, es ist einfach alles wie es ist.

[Ich hab immernoch über eine Stunde Unterrichtszeit über und ich krieg langsam einen Krampf in der Hand, ich hatte es auf so kleinen Laptoptastaturen zu tippen.

Ernsthaft, ich glaube es wär angenehmer, auf meinem Handy zu tippen. Abr auch wenn ich mein Handy rausholen dürfte, fühlt sich das so komisch an, dass nein. Einfach nein.]

Um meine Hände zu schonen:

Bis dann und wann, Jenna

(19.08.2018) Arrival

Da bin ich nun.

Angekommen, quasi. Körperlich auf jeden Fall. Über alles weitere sprechen wir noch.

Ein bisschen überwältigend ist das ja schon alles. Nicht bloß Stockholm oder die Sprache, sondern irgendwie alles.

Noch immer bin ich völlig überrascht von den unglaublichen Nettigkeit meiner Gastfamilie. Ich kann ja nur so halbwegs verstehen, warum man freiwillig eine Fremde aufnimmt, aber dankbar bin ich allemal.

Für mich gabs gestern 19000 Schritte durch Stockholm und jetzt bin ich noch viel überwältigter als vorher. Ich mag mein Braunschweig und wir haben sehr viele schöne Ecken, aber wenn man dann mitten in Stockholm auf einer Brücke steht und auf die Oper guckt, ist das doch nicht wirklich ein Vergleich.

Hab ich mal erwähnt, dass das Abba-Museum zu Fuß erreichbar ist? Trotzdem hat sich der Faulpelz in mir jetzt erstmal eine 5-Monats-Karte für die Stockholmer Öffis zugelegt (zu einem erstaunlich reasonablen Preis zu je 300kr (30€) pro Monat).

Außerdem hat man mir Köttbullar zum Abendbrot gemacht und ich bin mir sehr sehr sicher, dass ich die Ikea-Kötttbullar nie wieder mit solchem Enthusiasmus essen kann – es ist einfach kein Vergleich.

Ich hab erstaunlich gut geschlafen, dafür, dass ich quasi grade in eine neue Stadt gezogen bin. Aber es ist auch wirklich wirklich schön hier.

Mein Zimmer ist eingeräumt und ich hat tatsächlich einen Platz für alles gefunden (Auch wenn sich jetzt meine Hosen, Kabel, Bücher und Schulsachen ein Regal teilen.

Am Frühstückstisch hat meine Gastschwester mir dann mal grade nebenbei die schwedischen Präpositionen erklärt und ich habe gelernt, dass ich mich nicht auf zwei Dinge konzentrieren kann, wenn eine von zweien die Schwedische Sprache ist.

Ich hab dann lieber mitgeschrieben, als gegessen.

Ich glaub ich muss gleich los mit Agnes Schulsachen kaufen, bevor dann morgen ein Treffen mit der Schule ansteht.

Bis dann und wann, Jenna