(27.05. 2018) Vorbereitungswochenende Hamburg – oder auch – Stecken sie 50 fremde Jugendliche 24 Stunden in eine Jugendherberge, bevor sie sich in alle Welt verstreuen und sich nie wieder sehen

Vorbereitungswochenende also. Hui. Mir dreht sich beim Gedanken an den Abflug in nicht mal 3 Monaten der Magen um.

Kommen wir zum eigentlich Relevanten: Wie war das, und was war das eigentlich?

Angekommen in Hamburg sind wir morgens um 10, leicht müde und zu früh, an der Jugendherberge an der Horner Rennbahn. Ein paar von denen, dich ich schon von den Stipendienauswahltagen kannte, waren auch schon da.

Jippie, nicht allein rumstehen!

Der erste Blick rein in den Raum fiel direkt auf einen Tisch mit Essen. Ein Anblick, der so entzückend war, dass ich mich beim anstecken schön selbst mit meinem Namensschild erstochen hab.

Es folgte eine kurze Vorstellung des Ablaufs für das Wochenende bevor wir in Gruppen aufgeteilt wurden (ja, schön grundschulmäßig mit Abzählen von 1 bis 6). In den Gruppen ging es um Erwartungen und Vorurteile, die Frage was eigentlich „typisch deutsch“ ist und schlussendlich haben wir einen Brief an uns selbst geschrieben. Klingt nur halb so bescheuert wie es scheint, darin gings um Hoffnungen und Ängste, die wir jetzt gerade haben. Wenn wir wieder in Deutschland sind, bekommen wir die Briefe zurück und können dann schauen, ob und was sich da bestätigt hat.

Es folgte die Zimmereinteilung.

Stöhnen ging durch den Raum als als der Satz fiel: „Die Aufteilung haben wir übernommen“. Sortiert wurde nach Gastland.

Ich bezeichne unser Zimmer gerne als Resterampe, wir waren nämlich das Sammelsorium an Menschen, die mit ihrem Gastland kein eigenes Zimmer vollgekriegt haben. Spontan vereint wurden so also Spanien, Norwegen und Schweden.

Nach dem Mittagessen gings weiter mit mehr Workshops und Rollenspielen, nebenbei sind noch ein paar Returnees dazugestoßen.

In den Rollenspielen wurden alle möglichen potentiellen Probleme thematisiert und manchmal etwas überambitioniert und hysterisch dargestellt, lustig war es allemal.

Als da wären beispielsweise: „Was mache ich, wenn ich meinen Flug verpasse? (Und meine Gastfamilie vergisst mich abzuholen, jippie!)“, „Was mache ich auf Parties oder Feierlichkeiten, wenn ich mich unwohl fühle?“, „Wie komme ich von A nach B wenn meine Gastfamilie keine Zeit hat mich zu fahren? (nein, trampen ist keine gute Idee)“ und „Was mache ich eigentlich, wenn ich irgendein Problem mit meiner Gastfamilie hab? (porträtiert durch: Alter, der Hund isst von meinem Teller)“.

Zwischen lustigen Spielen und klassenfahrtsmäßigen Gruppenfotos (in matching T-Shirts für alle) haben wir noch Zeit bekommen, uns mit einem Ayusa-Mitarbeiter mit Ahnung und Erfahrung von und mit dem jeweiligen Gastland zu unterhalten und alle möglichen Fragen zu stellen.

Nachdem wir Abendbrot gegessen hatten und über die Rennbahn gestiefelt sind (und Filip einen heliumgefüllten Zebraballon gefunden hat), gabs wahlweise Pich Perfect 3, Champions League oder in unserem Fall, einen Ausflug zum Snack-Automaten.

Die Bettruhe wurde auf jeden Fall absolut total dolle eingehalten.

Und Hanna, falls du das liest, ich hab lange nicht mehr so viel gelacht nachts!

Morgens um 8 gabs Frühstück. Höchst wach und topfit trudelten nach und nach alle ein und machten sich mehr oder weniger motiviert übers Frühstück her, bevor dann die Zimmer abreisefertig gemacht werden mussten und wir uns wieder unten getroffen haben.

Es folgten schlussendlich 3 Stunden PowerPoint Präsentation, diesmal zusammen mit den Eltern und unterteilt in USA und nicht-USA.

Besprochen wurde ausnahmslos alles.

Wann bekomme ich An- und Abreisedaten? Wie sucht mich meine Familie aus? Was muss ich in der Schule erreichen (Surprise, nen Notenschnitt von 3,0) (Surprise 2: Schweden hat kein Notensystem mit Zahlen)? Was darf ich? Was darf ich nicht? Brauche ich ein Visa? Wie kriege ich das? Was darf ich alles nicht? Was passiert wenn ich Regeln breche? Gibt es Extrakosten? Wer bucht die Flüge? Wie funktioniert das mit der Versicherung? Handyvertrag?!? Wie schauts mit Besuchen aus? Wie ist das mit telefonieren in die Heimat? Und noch etwa 17.000 Fragen mehr, denn 3 Stunden sind lang!

Im Endeffekt waren es furchtbar informative und verdammt schöne 24 Stunden, in denen ich unglaublich viele neues Gesichter kennengelernt hab, und einige wirklich ins Herz geschlossen.

So war ich dann doch etwas traurig, all sich unser aller Wege trennten.

Schmeißen sie 50 Fremde zusammen und verstreuen sie sich nach 24 Stunden in die ganze Welt.

So oder so, meine Nerven hat es kein Stück beruhigt.

Bis dann und wann, Jenna

 

 

(29.12.2017) Organisationssuche und Anmeldungsphase

Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich nur ein halbes Jahr weg wollte, hab ich dann angefangen mich durchs Internet zu wühlen.

Bei den meisten Organisationen kann man ganz einfach und kostenlos Infomaterial und Broschüren anfordern, was ich dann auch getan hab.

Tatsächlich hatte ich Glück und gleich die erste Broschüre die ins Haus flatterte, gehörte zu einer Organisation die mich – nach etwas Herzklopfen beim blättern – tatsächlich für ein halbes Jahr nach Schweden gehen lies.

In meinem Fall Ayusa-Intrax.

 

Anmeldung:

Die Anmeldung lief fast komplett online ab, lediglich einige Seiten musste man ausdrucken, ausfüllen (lassen) und wieder einscannen.

Was war gefragt?

Vorab ist anzumerken, dass man – logischer Weise, sonst versteht das im Gastland wohl niemand – alles auf Englisch ausfüllen musste.

Auf der ersten Seite waren es vor allem persönliche Infos bzw. Daten (Name, Anschrift, Schule etc.), auf den Seiten danach folgten noch ähnliche Angaben zu den Eltern, die allgemeine Familiensituation und ein Haufen Fragen direkt an meine Hobbys, Wünsche, Ziele, Pläne und Präferenzen.

Also eben was ich für Sportarten mache oder sonst für Hobbys hab/ was ich allgemein in meiner Freizeit mache. Aber auch meine Lieblingsschulfächer und ähnliches.

Und natürlich die ominösen Fragen wie „Wie würdest du dich an das Leben in der Kleinstadt anpassen?“, wo sich mein Kopf automatisch einschaltete und schrie „Und hallo beim einsamen Rentierzüchter am Polarkreis“, aber ich schätz mal ganz so dramatisch wird es dann auch nicht.

Anschließend folgt eine Seite auf der man Bilder hochladen muss (minimal 5, maximal 8), die unter anderem einen selbst, die Familie, das Haus und die Freunde zeigen sollen (müssen).

Dann kommt der langwierige Teil, nämlich alles was man ausdrucken und ausfüllen muss.

Da wären: Ein Zettel den der/die Englischlehrer/in bezüglich der Englischkenntnisse ausfüllen muss, ein Formular das, sofern vorhanden, von beiden Erziehungsberechtigten unterschrieben werden muss und der aller spaßigste Teil: 3 Seiten für den Arzt.

Natürlich waren alle Krankheiten/Beschwerden/Impfungen/schießmichtot auf Englisch, was ich dann im Vorfeld doch lieber noch mal übersetzt hab, bevor ich damit zu meiner Ärztin gelaufen bin.

Abgefragt wurden alle möglichen Krankheiten, sowie Allergien, psychische Krankheiten, die Vollständigkeit der Impfungen (ja, um in Schweden die Schule besuchen zu dürfen muss das Kind geimpft sein) und schlussendlich, als jemand mit panischer Angst vor Nadeln, ein Tuberkulose Hauttest (oder Tuberkulintest? Jedenfalls wird einem da was gespritzt und drei Tage später muss man wieder hin und die gucken ob alles okay ist).

Außerdem müssen noch zwei Briefe (je 1-2 Seiten) an die zukünftige Gastfamilie geschrieben werden. Einer von mir selbst über mich, meinen Alltag, Hobbys, Eigenschaften und einen von einem Elternteil ebenfalls über mich und meinen Alltag, aber da bekommt man ganz gute Richtlinien.

Aber auch das alles logischer Weise auf Englisch (was aber auch gut ist und ich würde auch jedem empfehlen das alles selbst auszufüllen und nicht von Mama oder Papa ausfüllen zu lassen, wenn man nämlich merkt, dass man da noch Probleme hat, ist das ein ziemlich guter Anhaltspunkt, dass man in Englisch noch mal ranklotzen sollte wenn man auch die Sprache seines Gastlandes noch nicht grandios spricht, sonst könnte das mit der Verständigung etwas schwer werden).

Frist das alles abzuschicken war bei mir der 26. oder 29. September, ich bin mir grade nicht allzu sicher.

Irgendwann bekommt man dann eine Mail in der eventuelle Nachfragen stehen, sollte irgendwas in der Anmeldung unklar sein oder fehlen, in meinem Fall waren das zum Beispiel die Nachfrage, warum ich angegeben habe nur mit „outdoor pets“ leben zu können, wenn ich doch keine Allergien hab. Die Frage war ganz einfach, ich hab panische Angst vor Hunden. (Was als Antwort auch akzeptiert wurde und mich sehr gefreut hat).

Das war eigentlich die komplette Anmeldungsphase.

Das alles online auszufüllen hat einige (viele) Stunden gebraucht, was aber auch daran liegen könnte, dass ich dazu neige viel zu schreiben.

Mit der Lehrereinschätzung und dem Arzt dauert das alles natürlich irgendwie länger, also lieber früh genug anfangen.

In dem Sinne und bis dann und wann, Jenna.

(28.12.2017) Here we go – Was bisher geschah

Seit dem letzten Eintrag sind es gefühlt 7 Monate und in der Realität wahrscheinlich auch. Ganz super.

In dem Sinne, ein kurzes Update was seitdem passiert ist.

Die Gespräche mit der Schule sind geführt, eine Organisation die mich für ein halbes Jahr nach Schweden gehen lässt ist gefunden, sogar ein Teilstipendium hab ich in der Tasche und auch sämtlicher Anmeldungs- und Oragnisationskram ist abgeschlossen.

Damit ist es fix, ich gehe nach Schweden.

In dem Sinne und bis dann und wann, Jenna