(22.01.2018) Wenn ich Noten bekommen würde, wären sie sogar ganz okay

Das ist wohl das Fazit des heutigen Tages.

Der Tag fing an mit Physik und da haben wir heute eigentlich wirklich nicht viel gemacht. Also man könnte auch sagen gar nix.

Es gab nämlich die Klassenarbeit zurück, von der ich schon fast vergessen hatte, dass wir sie geschrieben hatten. Auf der anderen Seite war der Kiwihüter so am durchdrehen, dass es zumindest in den letzten zwei tagen recht schwer war, nicht dran zu denken. Aber glücklicherweise muss ich mir ja keine Sorgen um Noten machen.

Und so schlug ich meine Klassenarbeit auf und siehe da, ich hätte tatsächlich bestanden. Nicht mit Auszeichnung und Sternchen, aber bestanden.

Der Rest der Stunde ging dann fürs Besprechen der Klassenarbeit drauf, aber auch diese Stunde neigte sich dem Ende zu.

Irgendwie hab ich mich heute komisch gefühlt. Es war, als würde ich die ganze Zeit unter Starkstrom stehen und der kleinste Stups, die kleinste Verzögerung, oder das kleinste laute Geräusch hätte mich wirklich zum überkochen gebracht.

Ich glaube man hat diese Tage einfach manchmal. Vielleicht ist man mit dem falschen Bein aufgestanden, vielleicht ist die Laus, die morgens auf meiner Leber spazieren geht besonders schlecht drauf, vielleicht sind mir ein paar Latten vom Zaun gefallen oder vielleicht hab ich auch Krawallkekse gefrühstückt, wer weiß das schon?

Wenn ich eins hier in Schweden gelernt hab, dann das es okay ist zu sagen „Hey ihr, wir sehen uns nachher, aber ich muss mal kurz raus hier“.

Also für meine eigenen Anliegen und mein eigenes Wohlbefinden einzustehen und den Mund aufzumachen war ja noch nie so per se meine Stärke, aber ich glaub ich mach so langsam Schritte in die richtige Richtung.

So bin ich dann zu irgendeinem bäckerartigen Laden gelaufen, hab mir ein belegtes Brötchen und Orangensaft besorgt und hab mich dann allein in ne ruhige Ecke verkrümelt.

Dann war das Glück auf meiner Seite, denn in Englisch stand auch Einzelarbeit an.

Wir dürfen jetzt ein scientific research paper schreiben. In einem google document sollten dann alle das Thema ihres papers eintragen, damit Anna (meine Lehrerin) irgendwie nen Überblick hat, worüber jeder schreibt.

Es muss ein Thema aus der Biologie, Chemie, Physik oder Mathematik sein und soll was sein, was uns persönlich interessiert.

Da waren ein paar wirklich spannende Dinge drin. Unter anderem wie Sonnencreme Korallenriffe ausbleicht, die Physik des Internet-Phänomens „Bottle flip“, warum die Pole schneller schmelzen, als wir dachten… und dann kam ich. Ich schreibe über die Geschichte der Entdeckung der antithrombotischen Effekte von Acetylsalicylsäure. Also ist schön, wenn man das so mit den anderen vergleicht. Echt. Ich fühl mich ein bisschen wie der langweilige Streber.

Aber andererseits find ich ja die Geschichte der Chemie und Medizin unfassbar spannend und ihr freue mich schon sehr die lustige Anekdote einzubringen, dass ASS fast nicht auf den Markt gebracht wurde, weil Bayer so damit beschäftigt war, Heroin als Hustenmedizin auf den Markt zu bringen, dass sie keine Zeit (also eigentlich sind das viel ausführlichere Gründe aber ich bin ehrlich gesagt zu faul die hier jetzt aufzuzählen) hatten, um jetzt noch Aspirin zu vermarkten.

Nach Englisch hatte mich Tara dann gefragt, ob ich auch zur Vorlesung in Sachen mental health gehe. Natürlich gehe ich, die ist schließlich obligatorisch.

Außerdem hab ich festgestellt, dass ich den nationalen Englischtest, den wir letztes Jahr geschrieben haben, mit einem B bestanden hab, was mich dann doch echt (echt) glücklich gemacht hat.

Also erstmal 10/10 Punkten ans schwedische Schulsystem, dass sie sowas überhaupt zum Thema machen. Größen Punktabzug gibts dann ehrlich gesagt für die Ausführung, aber hey, daran kann man ja noch üben.

Tara und ich haben uns danach dann irgendwie festgequatscht und so standen wir fast eineinhalb Stunden an der U-Bahn-Haltestelle und haben über Gott und die Welt geredet.

Dann bin ich nach Hause und hab mich erstmal aufgetaut.

Ansonsten hab ich nicht mehr viel gemacht. Ich hab Tee geschlürft, ein bisschen hier und da mit meiner Familie gequatscht und schließlich bin ich dann eingeschlummert.

Bis dann und wann, Jenna

(21.01.2019) It’s starting all over again – Geschichte, Halbjahr zwei

So ist es. Die erste richtige Unterrichtswoche des neuen Halbjahres fängt natürlich mit meinem absoluten Lieblingsfach an. Geschichte.

Andererseits stehen die Chancen gut, dass wir die nächsten zwei Monate in Einzelarbeit beibringen dürfen. Es geht ab jetzt nämlich um Mindmaps.

Ja, wir haben ZWEI MONATE um eine MINDMAP zu basteln.

ZWEI MONATE!!!!!!!!

Ich weiß nicht, aber irgendwie weckt das in mir ein bisschen ein Gefühl von „Lehrer hat keinen Bock auf unterrichten“, aber das könnte natürlich auch nur ein Gefühl sein. Ein ganz dumpfes.

So oder so, die nächsten zwei Monate werde ich dann also damit verbringen, eine Mindmap in Sachen Erleuchtung basteln. Wobei basteln eigentlich völlig unpassend ist. Wir machen das nämlich am Computer. Weil man ja gerade Mindmaps wirklich wirklich schlecht auf Papier machen kann. Ich dreh am Rad ey.

Wir sprechen über eine Mindmap. Es gibt wirklich nicht (nichts!), wo Papier praktischer ist, als bei ner Mindmap. Aber klar, eine Mindmap, die so ausführlich ist, dass man zwei Monate dafür braucht, ist sicherlich super am PC zu bauen. Anstatt son A2-Plakat zu nehmen, wo man alles gut auf einen Blick sehen kann, ist es natürlich besser, das auf so nem blöden kleinen Computerbildschirm zu machen, wo man, wenn man reinzoomed den Überblick verliert und wenn man rauszoomed, kann man die Schrift nicht mehr lesen, weil sie zu klein wird. Aber klar, das ist toll durchdacht.

Ansonsten hat der Spaßvogel heute einfach wieder drei Stunden durchpalabert. Ich hätte mir ja Notizen gemacht, aber da war einfach nichts mit Inhalt dabei.

So hab ich Kafkas Parabeln aus dem Gedächtnis aufgeschrieben, Viktoria hat an ihrem Roman weitergeschrieben, Tara war wirklich bemüht, nicht einfach aufzugeben und Mårten sah aus, als würde er einfach bloß sterben wollen.

Und der Kiwihüter? Der hatte völlig aufgegeben und saß im gepolsterten Fensterbrett und hat Musik gehört.

Es war ein Traum.

Zu Mittagessen gabs dann heute Pfannkuchen, was den Tag dann irgendwie ein bisschen gerettet hat. Also zumindest wenn man wenigstens fünf ist und so viel Marmelade dazu hat, dass man sie füllen kann und dann noch nen Berg oben draufschaufeln kann. Danach war mir ein bisschen schlecht.

Es folgte zwei Stunden pause und diesmal warten sie nicht nur wegen mir alle in der Schule, sondern weil sie selber Unterricht haben. Sie haben nämlich dieses Jahr alle Religion dazu bekommen und sind so mäßig begeistert.

Viktoria ist wie ich, sie hält von Religion nicht besonders viel, aber so lange ein Mensch mit seinem Glauben niemanden außer sich selbst schadet, möge er doch bitte glauben, was auch immer er will. Deswegen stehen wir in Taras ewiger Debatte mit dem Kiwihüter auch auf ihrer Seite.

Tara glaubt an Gott (oder zumindest irgendwas da oben) und vertritt die Meinung, dass die Bibel, auch wenn zugegebenermaßen ganz schön viel Mist drin ist, einige gute Passagen enthält, in denen es um den Umgang mit seinen Mitmenschen geht, und nach denen sie so gut es geht leben will, weil das in ihren Augen richtig ist. Absolut legitim in meinen Augen.

Auf der anderen Seite haben wir den Kiwihüter, der Religion für „absolut utter bullshit“ hält und immer wieder erklärt, das religiöse Menschen den Fortschritt behindern und die Welt und Gesellschaft zurückhalten. Kann ich in Ansätzen definitiv nachvollziehen, wo dieser Gedanke herkommt und sehe ich, speziell in Anbetracht gewisser religiöser Gruppierungen, auch absolut ein. Was er allerdings nicht versteht, ist, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann.

Und wenn der also Tara jetzt jedes Mal, wenn das Thema Religion, Gott oder Glaube aufkommt, den Vortrag hält, wie scheiße er Religion findet und dass gläubige Menschen der Grund allen Übels sind, dann ist das nicht nur gemein und unfair, sondern auch einfach falsch.

Glücklicherweise sind Viktoria und ich die einzigen, die das wirklich drastisch nicht okay finden, denn zu unserer großen Freude, findet Tara das alles eher belustigend und fühlt sich nicht angegriffen.

Trotzdem. Argh. Die beiden sollten definitiv nicht zusammen Religionsunterricht haben. Um des Weltfriedens willen.

Während all die anderen aber genau das hatten, hatte ich Deutsch und ich hab mich wirklich gefreut, meine Deuschlehrerin wiederzusehen. Sie ist echt eine der liebsten Lehrerinnen, die ich je getroffen hab, auch wenn ihr Deutsch vielleicht nicht das beste ist. Sie spricht wirklich das perfekte Lehrbuchdeutsch, aber in Alltagskonversationen, die eben keine Lehrbuchdialoge sind, kommt sie doch ganz schön oft nicht mit und ich muss mich zusammenreißen, meine Sätze wieder grammatikalisch perfekt zu basteln.

Ansonsten ist heute nicht mehr viel passiert. Ich bin nach Hause gegangen, der Kiwihüter hatte noch Chor, irgendwann haben wir dann alle Abendbrot gegessen und irgendwann danach bin ich dann ziemlich totmüde in mein Bett gefallen.

Bis dann und wann, Jenna

(20.01.2019) Die perfekte Mischung

Und aus was? Na aus Ruhe und Aufregung.

Tara hatte mir heute Bettruhe verordnet und ich war ziemlich fest gewillt, mich daran zu halten.

Sie und der Kiwihüter hatten sich heute zum Muffins backen verabredet und ich hab am Tag vorher die wahrscheinlich liebste Nachricht auf Erden gekriegt. Ich glaub ich hab noch nie so nen herzensguten Menschen getroffen.

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Meine sechs Stunden schlaf hab ich definitiv gekriegt, ich hab dann nämlich locker-flockig bis um zwölf geschlafen. Als ich in die Küche getapert kam, standen da schon Muffins und ich hatte zwei Leute da sitzen, die mich förmlich genötigt haben, mir Frühstück zu machen, bevor ich mich überhaupt bequem hinsetzten durfte.

Hab ich mal erwähnt, dass die Leute ihr Brot im Gefrierschrank aufbewahren? Und hab ich uch erwähnt, dass der ganze Haushalt in Aufruhr gerät, wenn ich mein Brot dann in die Mikrowelle lege, um es aufzutauen? Also nicht mit der entfrost-Funktion, sondern einfach ganz normal rein da. Es schmeckt praktisch gleich, nur ein bisschen feucht, aber der völlig terrorisierte Gesichtsausdruck meiner Mitmenschen macht das allemal wett.

Es wird dann noch lustiger, wenn ich meinen Orangensaft in meinen Tee gieße (dann weinen hier zwei Briten) und dann – wie jedes Mal, wenn sie mir Vorwürfe machen – sage „Well at least I’m not pouring cow-juice in there“. Ich nenne Milch, wenn wir über Tee sprechen, aus Prinzip immer Kuh-Saft. Das hat sich inzwischen so eingebürgert bei mir.

Auf jeden Fall saßen wir alle dann da ein bisschen in der Küche rum, bis der Kiwihüter irgendwann angefangen hat, komische Akzente zu imitieren und mir eingefallen ist, dass ich heute endlich mal meine Abikurse wählen sollte.

(Allerdings bin ich natürlich nicht verschwunden, ohne vorher noch einen Muffin zu verspeisen!)

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Gewählt hab ich dann als P1 bis P5 in folgender Reihenfolge: Chemie, Mathematik, Englisch, Werte und Normen, Politik-Wirtschaft.

Ich glaub das wird witzig. Ich hätts mir wahrscheinlich viel viel leichter machen können, aber ganz ehrlich? Mathe brauch ich sowieso im Studium, Chemie liebe ich mit meinem ganzen Herzen, Englisch kann ich von all den Sprachen am besten, und ne schriftliche Prüfung mach ich lieber in Werte und Normen als in Politik-Wirtschaft (und PoWi hab ich nur gewählt, weil meine anderen Optionen Geschichte oder Erdkunde gewesen wären, und danke, aber nein danke).

So hab ich die Mail dann abgeschickt, noch mal kurz (oder lang) mit Mama geredet und schlussendlich dann die Videokonferenz mit meinem herzallerliebsten Maya gestartet, schließlich haben wir ne Woche Berlin im Sommer geplant und wir mussten ja mal Hotel, Züge und Aktivitäten diskutieren.

Ganz erwachsen haben wir dann alle Pläne (inklusive Kosten) in einem schicken Google document festgehalten und haben uns dann kurz mal sehr (sehr) alt gefühlt. ich mein hey, erster Urlaub allein!

Danach ist nicht mehr besonders viel passiert. Es gab Abendbrot und irgendwann bin ich dann ins Bett gefallen.

Bis dann und wann, Jenna

(19.01.2019) Herrschaft des Deppen über die Volldeppen

Das waren die Worte, die ich irgendwo im Internet mal gefunden hab, als ich was über Idiocracy gelesen hab.

Wir erinnern uns an letztes Wochenende, als ich mich so gefreut hab, dass ich jemanden (aka. Ante) gefunden hab, der diesen scheußlichen Film mag? Well, wir haben das ganze heute mal angeschmissen und ich glaube wir hatten beide ein wenig unterschätzt, wie abgrundtief grottenschlecht dieser Film war. Holla die Waldfee.

Schlussendlich haben wir knappe viereinhalb Stunden gebraucht, um den Film zu schauen, einfach weil uns ständig was dazwischengekommen ist. Zugegeben, meistens war es der Satz „Vänta en stund, det påminner mig om nånting“ (Warte mal nen Moment, das erinnert mich an etwas) und dann folgt eine lange Erzählung, die noch weiter in die Länge gezogen wird, weil wir ständig vom Thema abkommen.

Und dann, wenn wir endlich weitergucken wollen, kratzt es an der Tür, was wiederum bedeutet, dass Musse, die Katzte, reingelassen werden will.

Musse mag ja Kabel und Taschen und davon gibts bei Ante im Zimmer verdammt viel.

Musse ist wahrscheinlich die liebreizendste Katze auf Erden und ich hab sie sogar freiwillig auf dem Arm (und sie bleibt sogar freiwillig auf meinem Schoß sitzen, ohne mir die Krallen ins Bein zu rammen).

Irgendwann haben wir dann angefangen Avengers zu gucken (was ähnlich gut lief), bis dann seine Mutter (einer der grandiosesten Menschen auf dieser Welt (ehrlich, allein ihr Instagram Account ist eine Goldgrube)) reinkam und uns erklärt hat, dass wir nicht von Tiefkühlpizza leben können, aber sie auch nicht per se will, dass wir in ihrer Küche rumgeistern, sie würde uns also Geld für Essen swishen (Swish ist hier die meist verbreitetste Art, Geld digital von Person zu Person zu schicken).

So sind wir dann also irgendwann aufgebrochen um Burger und Pommes zu besorgen und dann schließlich unseren lustigen Avengers Film zu beenden.

Um neun hab ich dann – wie meine Gastfamilie mir aufgetragen hat – also brav bei ihnen angerufen um zu demonstrieren, dass ich sehr wohl noch am Leben bin.

Ante und ich sind dann irgendwie auf Youtube hängen geblieben und haben wirklich versucht, uns gegenseitig mit der grausamsten Musik zu foltern… nur um dann festzustellen, dass wir beide bei all dem Murks ziemlich textsicher sind. Wir waren dann kurz schockiert, aber dann gings auch wieder.

Ich glaube, als sein kleiner Bruder wiederkam, haben wir grade wahlweise Blame it on the disco (Alcazar) oder sowas schönes wie Dacing Lasha Tumbai (Verka Serduchka) gehört… er hat uns kurz wirklich schockiert angeguckt und hat sich dann aber ergeben und sich nahtlos in unsere Eurovisions- und Melodifestivals-Gesinge eingegliedert. Wir waren überrascht, aber begeistert.

Irgendwann musste ich dann allerdings auch nach Hause, schließlich wohn ich nicht mehr in meiner alten Gastfamilie und kann bis sonstwann abends wegbleiben.

Übrigens ist es echt jedes Mal eine wirkliche Anstrengung mich nach hause zu bequemen. Ich häng hier mal n Video rein, was glaub ich ganz gut erklärt, warum das so utmattande ist.

Ansonsten bin ich zuhause dann – natürlich – dem Kiwihüter begegnet, mit dem ich dann noch fast ne Stunde in der Küche gesessen hab. Dann hat er allerdings angefangen, Akzente zu imitieren und ich habe die Situation wie folgt gehandhabt:

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[Dies ist ein Snap, den der Kiwihüter mir geschickt hat… ich hatte ganz kurz beschlossen, ab jetzt einfach unter meiner Jacke zu wohnen]

Irgendwann bin ich dann aber doch schlafen gegangen… ich war wirklich wirklich totmüde!

Bis dann und wann, Jenna

(18.01.2019) A notable day in history: Jag har officiellt skrivit min första uppsats på svenska!

Nämlich überhaupt so.

Mein allererster Aufsatz auf Schwedisch! Was eine Errungenschaft.

Wobei ich gestehen muss, ich habe nicht exakt das selbe gemacht, wie alle anderen, aber erstmal alles auf Anfang.

Der Morgen war nicht speziell der beste meines Lebens, denn ich bin kein Morgenmensch und wenn ich dann noch einen Kiwihüter im Haus hab, dessen Nerven völlig am Ende sind (weil wegen Aufsatz), dann bin ich ihm wirklich zu nichts zu nutze. Ich würde ihm gerne zuhören und ihm ein Ohr leihen, aber mir morgens um halb acht inhaltliche Fragen zu stellen oder mir irgendwelche Theorien vorzusetzten ist definitiv keine gute Idee, da werde ich nicht speziell besser gelaunt und auch wenns mir leid tut, da kann ich nix gegen machen.

Gegen acht mussten dann so ziemlich alles fertig sein, denn da kamen Leute, die hier die fenster reparieren. Also nicht das per se was kaputt wär, wenn ich das richtig verstanden hab, dann haben die hier vor zwei Monaten (als sie alle Fenster im ganzen Haus neu gemacht haben) irgendwo falsche Teile eingebaut, die sie jetzt austauschen mussten.

So stiefelten wir dann auch recht bald zur Schule und ich hab mich dabei auch maximal zweieinhalb Mal fast auf die Schnauze gelegt.

[Hier ein Video von gestern, wo man sehr schön sehen kann, wie vollgeschneit alles ist. Nun leben wir aber in der Stadt, mit all den Menschen und Autos und so und da schmilzt das tagsübe alles ein bischen… nur um nachts dann völlig überzufrieren und Stockholm in eine gigantische Eisfläche zu verwandeln. Ist spaßig.]

[Ich entschuldige mich, dass das halbe Video quasi gedreht ist, aber da kann man nix machen. Ich empfehle eine elegante Drehung des Kopfes.]

In der Schule herrschte dann allgemeine Anspannung, denn der gesamte zweite Jahrgang hat heute Klassenarbeit (oder Prüfung, Aufsatz, Essay, oder wie auch immer man den Murks bitte nennen will).

Im Raum muss man dann seinen Rucksack, seine Jacke und alles andere an der Tür ins Regal stellen (oder auf einen formschönen Haufen schmeißen) und nur das nötigste (aka. Stifte, Computer und eventuell ne Wasserflasche) mit zum Tisch nehmen.

Als Anna (aka. unsere Schwedischlehrerin) reinkam, hab ich dann sicherheitshalber nochmal nachgefragt, ob ich wirklich das Wörterbuch auf meinem Handy benutzen darf und sie bejahte das, schließlich bekäme ich ja eh keine Noten und auch überhaupt, sie war glaub ich einfach relativ begeistert, dass ich das Ding auf Schwedisch schreiben wollte (was meine eigene, dämliche Idee war… sie hatte mir angeboten, auf Englisch zu schreiben).

Schlussendlich hab ich nicht genau das Gleiche gemacht wie alle anderen. Die haben nämlich wahlweise eine Umweltsanalyse, eine Charakteranalyse oder noch son drittes Ding (das ich nicht mehr genau zusammenbekomme) geschrieben. Mir hat sie noch ne vierte Möglichkeit gegeben (weil ich ja beschlossen hatte, auf Schwedisch zu schreiben (was mich in Anbetracht der Tatsache, dass es heute exakt fünf Monate sind, die ich hier bin, ziemlich stolz macht)) und zwar die, darüber zu schreiben, was das Buch heutzutage bedeutet. Das ist natürlich viel viel freier und ich kann mehr Energie dafür verwenden, einen ordentlichen Text in schwedischer Sprache zu verfassen, als eine spezifische Frage zu beantworten.

Schlussendlich hab ich dann darüber geschrieben, wie Menschen immer wieder neue Probleme finden, jetzt wo die alten gelöst sind, nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Leute vor 150 Jahren zum großen Teil noch im Kindesalter gestorben sind, Leute sind fast verhungert oder verdurstet, sogar die Kinder mussten arbeiten und Bildung war definitiv Mangelware.

Jetzt, wo wir das gelöst haben, kriegen die Meisten dann bereits nen Nervenzusammenbruch, wenn Mama sagt „Nein, du darfst heut Abend nicht noch feiern gehen“.  (Natürlich ist das jetzt etwas überkandidelt, aber ich hoffe wirklich sehr, dass man doch versteht, was ich sagen will, ohne dass ich jetzt meinen gesamten Aufsatz nochmal wiedergeben muss).

Weil ich doch früher fertig war als alle anderen, bin ich dann einfach schonmal nach Hause und hab ein Mittagsschläfchen abgehalten.

Im Endeffekt hab ich heute auch nicht mehr viel gemacht. Ich war noch in der Stadt um die Basisc (aka. Leggings und langärmlige Oberteile) für den Skiurlaub zu besorgen und bin dann freiwillig zu Fuß nach Hause gelatscht und hab dabei mit meiner Family geskypt.

Zum Abendbrot gabs Kartoffelspalten und Hühnchen und ich war glücklich (auch wenn ich den Kiwihüter glaube ich bald mit nem nassen Lappen beworfen hätte, hätte er sich noch ein Mal mehr dafür entschuldigt, dass das Essen so „langweilig“ wär).

Müde, müde, müde!

Bis dann und wann, Jenna

(17.01.2019) How to: Wasser trinken – die Präsentation

Das war essentiell genau das, was heute passiert ist.

Alles, was für heute in Sachen Schule auf dem Programm stand, war nämlich, dass von neun bis zwölf die Präsentation aller Kreativaufgaben anstand.

Übrigens sieht man hier dann doch ein bisschen den Unterschied zu Deutschland. Ich hab oft versucht mir vorzustellen, was meine werte alte Klasse in Deutschland so zustande gebracht hätte und ich bin mir relativ sicher, wir hätten eine Menge verwackelte Handyvideos bekommen und ein paar gekritzelte Bleistiftzeichnungen.

Hier war ich dann ein Mal mehr völlig baff.

Wir hatten also: Ein Theaterstück, eine Reihe unglaublicher Zeichnungen mit Szenen aus der damaligen Zeit und von heute, unsere Reihe an kurzen Filmen, eine Sammlung an Sonetts, ein Stop-Motion-Film, ein Quiz und noch so einiges mehr. Zu meiner absoluten Verwunderung hat sich nichts wiederholt und es war einfach grandios.

Nur brauchte man keine drei Stunden mehr und so war noch genug Zeit um den Aufsatz morgen zu besprechen. Yay, welche Freude.

Wir schreiben morgen dann ganze sechs Stunden einen Aufsatz über das Buch. Schöne Projektwochen sind das, wenn sie in nem Aufsatz enden!

Der Rest meiner lieben Freundesgruppe konnte sich dann wirklich null entscheiden, was sie mit ihrem Tag machen wollten, was für mich irgendwie unpraktisch war, weil ich in so etwas ner Stunde n Mädchen aus Deutschland in ihrem Dorf abholen musste, die grade für ne Woche in Stockholm ist und mich auf Instagram gefragt hatte, ob ich ihr die Stadt zeigen könnte (und in völlig untypischer, nicht-Jenna Manier hab ich ja gesagt).

Tara hatte dann erklärt, dass sie mit mir mitkommt, schließlich wohnt sie in die Richtung und außerdem hatte sie auch Hunger.

Die Zeit rannte und irgendwie hab ich nur den Teil des Inhalts meiner Tasche, den ich nicht brauche, in nen Jutebeutel geworfen, zuhause in meiner Zimmer geschmissen und schwupp waren Tara und ich dann auch schon im Laufschritt unterwegs zur U-Bahn.

Sophie hab ich dann ziemlich leicht am Bahnsteig gefunden und wir haben quasi ne Kertwende gemacht und sind exakt den Weg mit der U-Bahn zurückgefahren, den ich auch hergekommen bin.

Nach ein bisschen hin und her haben wir dann beschlossen, dass Gamla Stan vielleicht ein guter Startpunkt ist. Nachdem wir das dann abgeklappert hatten, ich die die Science Fiction Bokhandeln gezeigt hatte und wir gefühlte zwei Stunden in einem Cafe versackt waren, haben wir uns dann auf den Weg ins übelste Hipster-Viertel gemacht (aka. Södermalm).

Und weil sie Second-Hand-Shops mochte (oder wie es so schön auf Schwedisch heißt: Andrahandsbutiken), haben wir dann den Rest des Tages damit verbracht, uns die anzugucken. Und siehe da, ich hab ein grandioses Paar Schuhe und eine Polaroid gefunden. Nur die entsprechenden Packfilme zu finden wird ein spannendes Unterfangen.

Alles in allem wars ein schöner Tag, auch wenn ich am Ende etwas dolle müde war.

Bis dann und wann, Jenna

(16.01.2019) How to: Wasser trinken

Der heutige Tag war komplett der Verwirklichung des kreativen Teils der Projektwoche gewidmet.

Und so kam es, dass mich morgens um kurz vor zehn Tara anrief, um mir mitzuteilen, dass sie jetzt „at the gate“ wäre. Sie wird wohl am Tor stehen, dachte ich mir und schnappte meinen Schlüssel und rannte bloß im T-Shirt aus der Tür. Ich musste ja bloß eine Treppe hoch und dann ein Tor aufschieben, wer brauch da eine Jacke? Außerdem hatte ich ja – anders als Bridget Jones – wenigstens ne Hose an.

Am Tor war aber keine Tara und so entschloss ich mich zum hinteren Tor zu laufen. Das war dann auch der Moment, wo ich dachte, dass ich sterbe, denn wir hatten kuschelige -7°C und es wurde doch langsam echt frisch.

An dem Tor war übrigens auch keine Tara.

Schlussendlich war sie dann an der stinknormalen Haustür, warum sie die „Gate“ nannte, wusste ich auch nicht.

Kurz danach hab ich mich dann auf den Weg gemacht, die restlichen Gruppenmitglieder abzuholen. Es war nicht per se wärmer!

Schlussendlich hatten wir uns dann aber alle an unserem Küchentisch versammelt und konnten mit der Planung anfangen. Es sollte ein Video werden. Oder eher viele kleine. Jedes Video sollte eine der Szenen aus dem Buch wiederspiegeln und dann zeigen, wie leicht das heute zu bewältigen ist.

Nach ner knappen Stunde Diskussion konnten wir dann auch mal anfangen zu filmen und ich muss gestehen, wir haben das nicht allzu ernst genommen, auch wenns irgendwie indirekt benotet wird.

Ich packe hier mal nen Link zum allerersten Video hin, da geht es darum, dass Henning (die Hauptfigur aus dem Buch) hustet. Unser lieber Markus deutet das heutzutage mit Hilfe von Google ganz fachmännisch als Krebs und ist dann ziemlich fertig.

Die anderen „Kunstwerke“ die im Laufe des Tages noch entstanden, waren:

Henning holt Wasser. Hier klicken um zu sehen, wie Markus ein Glas Leitungswasser trinkt.

Rudolf wird bestraft. Hier gehts zum Video, das zeigt, wie Lisa jegliche Art von Bestrafung umgeht, indem sie einfach die Schul-App deinstaliert und dann weiter einen Artikel über das Erschöpfungssyndrom liest.

Dann hatten wir Hunger und der Kiwihüter hatte so viel Angst um die Küche, dass er beschlossen hat, Essen für alle zu kochen. Wir waren sehr dankbar und haben sein Essen in einem Video gewürdigt. Das Video heißt „Henning ist hungrig“ und wenn man hier klickt, sieht man, wie Markus das Essen überhaupt nicht würdigt, den vollen Kühlschrank als nicht zufriedenstellend ansieht und schlussendlich im Internet bestellt. Übrigens hatte Markus dann wirklich Schuldgefühle, dass er das Essen weggeschoben hat. Markus isst nämlich sehr (sehr) gern.

Schlussendlich hätten wir noch „Licht“, „Lotten macht sauber“ und „Wäsche-Malin wäscht“ in einem. Wenn man hier klickt, kann man begutachten, wie ich einen Lichtschalter betätige, wie Markus zu One Direction staubsaugt und wie ich daran scheitere, eine Waschmaschine zu bedienen.

Schlussendlich hatten wir dann beschlossen, die Videos einfach im Loop laufen zu lassen und in Sachen Präsentation dann morgen fünf Laptops mit je einem der Videos drauf im Klassenzimmer aufzubauen und dann können alle Schüler einfach von Laptop zu Laptop laufen und sich das anschauen.

Meine Gruppe waren übrigens echt die grandioseste Gruppe, die ich jemals für irgendein Projekt hatte. Hätten wir uns weniger gut verstanden, wär vieles wahrscheinlich viel viel schneller gegangen, aber dann hätte wahrscheinlich auch niemand den Nerv gehabt, so Videos zu basteln, sondern dann würden wir da morgen vielleicht mit nem Gedicht stehen oder so. Üärgh.

Irgendwann am frühen Abend löste sich unsere Gruppe dann auf und ich entschloss mich, ein Stück mit Tara mitzufahren, denn kurz vor ihrer Station, wo sie umsteigen muss, ist ein ziemlich cooler Plattenladen, den ich mir schon ganz lange mal angucken wollte.

Abends waren nur mein Gastpapa und ich da und wir hatten die unpraktischsten Nudeln auf Erden. Ehrlich, es lag am Ende bei uns beiden mehr Essen neben dem Teller als drauf.

Der Tag war schön, aber irgendwie auch anstrengend uns so verkrümel ich mich jetzt ins Bett.

Bis dann und wann, Jenna