(27.01.2018) Once again, mich hats erwischt

Wär ja auch witzig, wenn ich durch nen Winter mal ohne Erkältung oder so nen Murks durchkomme.

Ich war heut morgen sehr sehr dankbar, dass mein bräsiges Hirn gestern noch dran gedacht hat, alle Wecker auszustellen, bevor ich ins Bett gefallen bin.

Nachdem ich dann nämlich um vier erstmal wach war und mir die Seele aus dem Leib geröchelt hab, hab ich danach nicht mehr viel gepennt. Irgendwann war ich dann so fertig, dass ich trotz Hals und Kopf und Nebenhöhlen irgendwie zurück in meinen komatösen Schlaf gefallen bin und so bin ich dann gegen drei wieder erwacht.

Meine Gastfamilie hatte schon ein bisschen Angst, dass ich da drinnen in meinem Zimmer gestorben bin, aber sie waren dann erleichtert, dass ich doch noch unter den Lebenden bin.

Der Kiwihüter hat sich dann aufopferungsvoll bereiterklärt, mir Frühstück zu kochen (ja Kochen, immerhin waren es Nudeln mit Hühnchen). Okay, eventuell war es doch ein bisschen weniger aufopferungsvoll und mehr „ich will nicht, dass du die ganze Küche kontaminierst“.

One way or another, ich hatte Frühstück und bin dann ziemlich bald wieder schlafen gegangen.

Ansonsten hab ich heute wirklich nichts mehr gemacht. Ich hab geschlafen, und wenn ich nicht geschlafen hab, hab ich mich im Bett rumgewälzt und meine Decke in regelmäßigen Abständen auf und zugeklappt, weil mir abwechseln heiß und kalt wurde.

Ich mein, ich freu mich ja, dass mein Körper brav gegen alle Bazillen und was-weiß-ich kämpft, aber das muss er mich doch nicht zu spüren lassen… er kann mir doch später ne Rechnung in den Briefkasten schieben oder mir nen schriftlichen Bericht zukommen lassen oder so. Aber mich das spüren zu lassen? Erscheint mir unfair.

Es sei bitte anzumerken, dass das alles nur ein Witz ist.

Ich bin matschig in der Birne und definitiv nicht fit, aber auch definitiv nicht schwer krank. Ich bin einfach nur nicht krank genug, das meine innere Drama-Queen gestorben wäre.

Ansonsten kann ich im Moment nicht schlafen, auch wenn ich an sich müde und fertig bin.

Bis dann und wann, Jenna

(26.01.2019) Ingenting och snö och en katt och grejer sådär

Nichts und Schnee und eine Katze und so Dinge.

Und wie jeden Samstag hats mich dann zu Ante verschlagen. Der Kiwihüter trifft sich mit nem Kumpel von den Pfadfindern, meine Gastfamilie hat Freunde zu Besuch und Gandalf weiß, wo sich meine Gastschwester rumtreibt.

Also bin ich am Morgen erwacht, hab mir Frühstück gemacht und dann festgestellt, dass ich noch ganz schön viel Zeit hab, denn irgendwie ist mein Zeitmanagement verkorkst und ich plane an Wochenenden immer etwa drei Mal so viel Zeit ein, wie ich eigentlich brauche.

So hatte ich dann viel Zeit um mir anzuschauen, wie meine Gastfamilie ihren Gefrierschrank abgetaut hat.

Ich weiß nicht, aber irgendwie hab ich die Theorie, dass es dem gemeinen Schweden überdurchschnittlich viel Freude bereitet, irgendwelche Haushaltsgeräte zu entfrosten.

Das ist auch einer der wenigen Momente, wo sie sich ernsthaft über den Winter freuen, denn „da hat es dann draußen die selbe Temperatur wie im Gefrierschrank“, was zugegebenermaßen wohl ganz praktisch ist bei dem Vorhaben.

Irgendwann hab ich mich dann auf den Weg gemacht.

Ich habs glaub ich schon oft gesagt, aber ich sags noch einmal: Wenn man aus der U-Bahn am S:t Eriksplan (Platz) kommt und auf der S:t Eriksgatan (Straße) auf die S:t Eriksbron (Brücke) zuläuft, während die Sonne tief an Himmel steht und man der goldenen Morgensonne entgegenläuft, dann ist das eins der schönsten Bilder, die ich je gesehen hab. Ernsthaft. Ich liebe diese Stadt.

Ante und ich haben – wie überraschend – nicht viel gemacht. Wir haben über Gandalf und die Welt geredet, haben ein bisschen Brooklyn Nine-Nine geguckt, ein bisschen mit Musse (der Katze) gespielt, ein bisschen Olle (seinen kleinen Bruder) geärgert und ein bisschen Star Wars Battlefront II gespielt.

Ich glaube man würdigt das manchmal echt nicht genug, wie viel so Menschen dein Leben bereichern können. Meine geliebte Idiotentruppe in der Schule, meine alte und neue Gastfamilie und jetzt auch noch Ante samt der ganzen Familie. Ich weiß nicht womit ich das verdient hab, echt nicht.

Das sind alles Menschen, die mich, den Menschen, der keinen Plan vom Leben hat, der eigentlich irgendwie Angst vor allem hat und der eigentlich 24/7 unter Hochspannung steht und deswegen echt nervtötend und anstrengend sein kann, einfach akzeptiert haben, genau wie ich bin.

Irgendwie hat sich mir vor Jahren mal der Satz in den Kopf geschlichen „Wenn du nicht du selbst bist, dann kann niemand dich verletzten, sondern nur den Menschen, der du vorgibst zu sein“ und das erschien mir immer so total toll und praktisch.

Einfaches Beispiel: Sagen wir ich hätte jetzt kurzerhand beschlossen, dass ich klassische Musik jetzt total toll finde (obwohls eigentlich nicht stimmt), dann hätte ich mich ein Wochenende in meinem Zimmer verbarrikadiert, mir so viel Wissen angelesen, dass es reicht, um meinen durchschnittlichen Mitbürger davon zu überzeugen, dass ich echter Klassikfan bin und hätte dann also immer schön erzählt, wie sehr ich doch klassische Musik liebe. Wenn jetzt jemand sagt, wie scheiße er klassische Musik findet und dass ich doch bloß meine Zeit verschwende, dann freut sich mein Kopf und denkt sich so „Witzig, eigentlich bin ich voll deiner Meinung und deswegen geht mir was du sagst auch nicht im Geringsten nahe“.  Und wenn ich dann auf jemanden getroffen hätte, der klassische Musik auch toll findet, dann tuts mir nicht weh und dem anderen Menschen auch nicht, denn er weiß ja gar nicht, das ich bloß so tue. Im Endeffekt kann so – zumindest meinem Kopf zufolge – niemand auf irgendeine Weise verletzt werden.

Witzigerweise hab ich dadurch im Laufe meines Lebens ein paar Dinge gefunden, die ich am Ende wirklich spannend gefunden hab.

Eiskunstlauf zum Beispiel. Oder alte Spielekonsolen. Und Quenya (also Elbisch, aus Herr der Ringe).

Anyway. Hier hab ich plötzlich so viele Leute in meinem Umfeld, die mir alle das Gefühl nehmen, ich müsste irgendwelche Teile von meinem Leben neu erfinden, um mich selbst auf irgendeine Weise zu schützen.

Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, dass ich mich frei fühle.

Freiheit ist eins der Dinge, die ich in den letzten Monaten wohl am meisten schätzen gelernt habe. Der Satz „To be honest, actually yes, yes I do care about that“ war eins der schwierigsten Dinge, die ich jemals über meine Lippen gebracht hab und inzwischen ist es so einfach.

Die Freiheit, die man plötzlich hat, wenn man sich traut, seine Meinung, Wünsche und Bedürfnisse laut auszusprechen, das ist wohl mit das Schönste, was es gibt.

Diese Menschen hier, dieses Cluster an unglaublichen Menschen, denen verdanke ich so viel und ich kann mit keinen Worten und mit keiner Sprache dieser Welt auch nur ansatzweise in Worte fassen, was eigentlich in mir vorgeht.

Zurück zu meinem Samstag.

Ich muss diese Familie übrigens mal loben. Lena (also deren Mama) ist wahrscheinlich die grandioseste Mutter, die ich je getroffen hab (also nach meiner eigenen!). Ich glaub sie hat nämlich irgendwann aufgegeben und beschlossen, dass wenn ihre Söhne ausschließlich auf Basis von Eis, Kaffee und Tiefkühlpizza leben wollen, ja dann soll es so sein. Und wollen sie keine Winterklamotten tragen, na dann bitteschön, dann frieren sie halt. Sie mailt dann nur im Herbst immer der Schule und berichtet kurz „Nein, wir leben nicht in Armut, ja, mein Sohn hat Winterklamotten, aber er hat selbstständig beschlossen, kurze Hosen und Sneakers zu tragen und er ist alt genug um diese mittelmäßig schlaue Entscheidung selbst zu treffen“.

Und jedes Mal wenn ich da zum Abendessen bin, gibts entweder Pizza, Pommes, Nudeln, irgendwelches Fleisch oder ähnliches was man definitiv in Ketchup ertränken kann.

Sie ist inzwischen dazu übergegangen, ihren Kindern nicht mehr ins Leben reinzureden, sondern einfach bloß Bilder davon zu machen und die auf Instagram zu stellen und Witze zu machen, was für eine grausige Mutter sie wäre.

Wie ich gemerkt habe, dass ich langsam Teil der Familie werde?

Als ich heute bäuchlings durchs Wohnzimmer geschliddert bin um das Kätzen zu knuddeln, stand sie einfach nurnoch im Türrahmen und hat etwas resigniert Fotos gemacht. Frei nach dem Motto „tolle Freunde hat mein Sohn da angeschleppt“.

Irgendwann musste ich dann allerdings nach Hause, was wahrscheinlich auch gut war, denn schon auf dem Weg nach Hause hab ich gemerkt, dass ich irgendwie doch krank werde. Also so richtig. So mit „äh meine Nebenhöhlen“ und „mein Kopf wird zu schwer für meine Schultern“ und „mein Hals, aua mein Hals“.

[Hier ist die Stockholmer U-Bahn. Nur ohne U-Bahn selbst. Also mehr so ne U-Bahn-Station. Und ein laufendes Jenna. Joa.]

Zuhause angekommen, hatten meine Gasteltern immernoch Freunde da und so hab ich nur ganz kurz hallo gesagt, bevor ich ins Bett gekippt bin und eingeschlafen bin, bevor ich überhaupt anfangen konnte, Schäfchen zu zählen.

Bis dann und wann, Jenna

(25.01.2019) Warum man im Sportunterricht das Licht in der Schule analysiert UND WIE ICH MEINE BESCHISSENE MATHEARBEIT BESTANDEN HAB!!!

Ersteres kann ich leider nicht beantworten und Zweiteres noch weniger.

Wie jeden Freitag Morgen fing der Tag mit Sport an, nur dass für heute ein Klassenraum im Stundenplan eingetragen war, ergo bedeutet das, dass der Sportunterricht theoretisch ist.

Das stört mich jetzt nicht per se, denn so kann ich fast ne Stunde länger schlafen, wenn ich nicht zur Sporthalle muss.

Wir haben jetzt das Thema „Ergonomie“.

Das wird allerdings dadurch bearbeite, dass wir uns durch Seitenweise Empfehlungen des Landes Schweden zum Thema „optimale Arbeitsumgebung“ durchforsten müssen und das dann mit den Gegebenheiten in unserer Schule abgleichen.

Meine Gruppe hat das Thema Licht bekommen. Okay. Cool.

Wir messen jetzt also in der ganzen Schule die Lichtstärke, prüfen, ob die Lampen nicht auf den Computerbildschirmen blenden, welche Farbe das Licht hat, ob man die Räume richtig abdunkeln kann und, und, und.

Ich würde mir gern nen Strick nehmen bei dem Gedanken. Aber hey. Das ist ja bloß das Thema für die nächsten 3 Wochen.

Zum Mittag gab es dann wahlweise Gyros oder Tortellini, oder aber beides (wenn man Jenna heißt).

Danach hab ich zwei Stunden lang einfach nichts gemacht. Also gar nichts. Also ich hab im Fenster gelegen, versteckt hinter dem Rollo (dessen Rechtschreibung mich völlig verwirrt. Wir sprechen doch beide o’s lang aus, müsste man da das Wort nicht eigentlich „Rolo“ schreiben? Oder aber, wenn wirs wirklich „Rollo“ schreiben würden, müssten wirs dann nicht wie „Rolle“ aussprechen? Anyway…) und über Gandalf und die Welt nachgedacht.

Wir stellen übrigens fest, dass ich einen rosa Schal umhab. Rosa. ROSA!

Folgendes Bild erklärt glaube ich gut, wo dieser Schal eigentlich herkommt… denn meiner ist es nicht!

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Er kommt von der liebenswerten Tara neben mir, deren halber Kleiderschrank rosa ist und deren Stiefels Reißverschluss übrigens den Geist aufgegeben hatte. Zum Glück haben wir Viktoria, die das repariert gekriegt hat.

Irgendwann stand dann Mathe an und ich hab ehrlich gesagt nicht besonders viel gemacht.

Wir haben die Klassenarbeiten wiedergekriegt und auch wenn wir keine Noten kriegen, stand drunter, dass ich bestanden hab, und das hat mich unendlich gefreut.

Also so richtig. Weil nämlich jippie und überhaupt so.

Nach der Schule haben wir uns dann noch kurz wegen unseres anstehenden Geschichtsprojekts bequatscht, bevor ich dann nach Hause gesprintet bin, meine Sachen abgeladen hab, mir nen Kakao besorgt hab und dann  geschwind weiter zu Ante bin, der nämlich gestern gefragt hatte, ob ich Zeit hätte.

Wir haben mal wieder nicht viel gemacht.

Also eigentlich das selbe wie immer. Wir haben Brooklyn Nine-Nine geschaut, mit Musse (die Katze, die temporär bei ihnen wohnt) gespielt und sehr sehr schief komische alte ESC- und Melodifestivalen-Lieder gesungen.

Ich hab dann irgendwann meinem Gastpapa geschrieben und gefragt, wann ich zuhause sein muss, schließlich hatte ich da mal mit meiner Gastmama drüber geredet, aber irgendwie sind wir nicht wirklich zu nem Schluss gekommen.

Und wie bestellt war ich dann also um Punkt elf zuhause. Oder sogar ne Minute vorher.

Ich saß dann noch ein bisschen mit dem Kiwihüter in der Küche, bevor wir dann beide schlafen gegangen sind, schließlich war es schon nach Mitternacht.

[Hier noch ein bisschen Bild- und Videomaterial, das ich vergessen habe, oben einzubauen.]

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Bis dann und wann, Jenna

(24.01.2018) „Det är veckans bästa torsdag!“

Zitat Lovisa, aber auch nur, weil die Woche nur einen Donnerstag hat.

Heute war wirklich nicht besonders spektakulär. Der Tag fing – wie jeder Donnerstag, ich glaube ich wiederhole mich – mit Schwedisch an. Heute ging es um schwedische Grammatik.

Offenbar hatten einige noch nie Grammatik in der Schule, denn etwa die Hälfte der Menschen um mich rum sahen etwa genau so verzweifelt aus wie ich. Und ich sah ganz schön verzweifelt aus. Also so richtig.

Also verglichen mit Deutsch ists immernoch ganz okay, aber schön und einfach würde ich das hier nicht nennen, und vor allem versuche ich mir ja selbst immer zu erklären, dass die schwedische Sprache nicht so schwer ist (damit ich nicht verzweifle). Das geht jetzt nurnoch so mäßig gut. Aber hey, der größte Trost ist wirklich, dass die Schweden um mich rum auch verwirrt sind und ähnlich lange rumrätseln.

Meine Notizen aus dieser Stunde sehen aus wie die Personifikation des Chaos (oder des Chaoses? Ich bin so verwirrt… aber das Internet sagte irgendwas wie „dass standardsprachlich die endungslose Variante ohne Apostroph vorzuziehen wäre“, also ist es wohl „des Chaos“).

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Ansonsten war heute dann noch Physik dran und äh ja… ja das war interessant.

Wir erinnern uns noch an das lustige und spannende Experiment von vor den Ferien (hier der Post), wo wir Wasser gekocht haben? Wir haben es heute noch mal wiederholt, diesmal aber mit verbesserte Methode und so… nur sind unsere Werte dieses Mal falscher geworden.

Das Internet sagt folgendes zur spezifischen Wärmekapazität von Wasser:

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Unsere erste Durchführung des Experiments ergab folgendes:

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Was an sich sehr schön ist, denn dafür, dass niemand besonders viel Ahnung und/oder Bock hatte, waren wir echt nah dran. Wir leben irgendwie nach dem Motto „Bullshit your way through“. Das funktioniert aber nur, wenn alle wenigstens so ne gewisse Grundkenntnis haben, sodass man seine halb rohen Ideen dann irgendwie alle zusammenklatschen kann und am Ende kommt ein Brötchen bei raus.

Dieses Mal hatte ich etwas weniger Glück und wurde mit jemandem zusammengesteckt, der mir gleich erklärte „Ich finde das Dokument mit unseren Rechnungen vom letzten Mal nicht mehr, aber ist nicht so schlimm, wir hatten eh nen Wert so um 9000J/kg, das ist sowieso ein bisschen daneben glaub ich“. Sure mate, aber auch nur ein bisschen daneben.

Anyway, es sah am Ende dann irgendwie so aus, und während das zwar definitiv noch akzeptabel ist, hat wohl weder das tolle digitale Thermometer, noch die Thermoskanne, noch das Umrühren noch sonstwas irgendwas gebracht.

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Im Endeffekt hatte sie nämlich gar keine Ahnung und ich auch nicht mehr als beim letzten Mal und so hab ich dann schlussendlich einfach alle Rechnungen aus dem alten Dokument übernommen und die neuen Werte eingesetzt.

Und ich will Maschinenbau studieren. Wie lustig.

Nachdem ich durch war (wir haben das alles wieder in zwei Gruppen gemacht, also erst eineinhalb Stunde die erste Hälfte der Klasse, dann eineinhalb Stunden die zweite Hälfte), durfte ich dann also noch eineinhalb STunden auf Tara warten, die in der zweiten Gruppe war. Linnea und ich haben uns die Zeit dann mit einem zweiten Mittagessen bei Burger King vertrieben.

Irgendwann kam Tara dann da raus und wir konnten uns auf den Weg zu ihr machen, schließlich wollten wir Frozen gucken.

Oder Tara wollte, dass ich Frozen gucke.

Gesagt, getan.

Dann wurde es besonders lustig. Wir kamen aus der U-Bahn raus und mussten dann in den Bus umsteigen. An dieser Stelle sei gesagt, dass die Schweden an der U-Bahn ja schon wirklich ordentlich an den Seiten warten, sodass alle, die raus wollen, auch erste aussteigen können und so, aber am Bus haben sie echt noch ne Schippe draufgelegt.

Der Bus brauchte laut Anzeigetafel noch elf Minuten und was machten die Schweden? Sie standen in einer langen Reihe. Also alle. Mindestens 50 Menschen. Niemand saß auf der Wartebank, niemand stand auch nur 20cm aus der Reihe. Nein, sie standen da wortwörtlich in Reih und Glied.

Und es wurden immer mehr Menschen und irgendwann ging die Schlange bis in den Ausgang der U-Bahnstation, aber die Menschen stellten sich trotzdem ordentlich an.

Das wird für immer eins der witzigsten Dinge sein, die ich je gesehen hab.

Blöderweise ist das einzige Bild, was ich am Busbahnhof da gemacht hab vom Himmel und nicht von den Menschen.

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Wenigstens war der sehr schön.

Das Bild trägt den Titel „That white smoke in the pink sky is so pretty“ – „Smoke usually means our environment is suffering though“ – „I guess it’s pretty suffering then?“

Ansonsten haben Tara und ich dann erstmal ganz schön viel Zeit darauf verwendet, ihrer Mama zu erklären, dass Blätterteigschnecken mit Käse und Obstsalat ein absolut angemessenes Abendessen ist, wobei wir sie dann schlussendlich damit überzeugen konnten, dass sie mitgucken darf und was vom Essen abgkriegt.

Tara und ich haben mal festgestellt, dass wir zwei zusammen nicht gerade die schlausten Menschen sind, denn anstatt uns von unseren mittelmäßig schlauen Ideen abzubringen, neigen wir dazu, uns zu ermutigen oder einfach mitzumachen. (Wie heute vor Physik, als wir auf dem Boden im Flur saßen und Tara am Tischbein gedreht hat (mit dem äußerst schlauen Kommentar „Look, you can kinda unscrew the table’s leg“) und mein Kopf sich denn den Urinstinkt-Modus zurückversetzte und sich nur so dachte „Höhö, Jenna auch Tischbein schrauben wollen“. Eventuell haben wir versehentlich zwei Tischbeine abmontiert… Zum Glück hatten wir Viktoria, die das alles wieder repariert hat).

Wir wollte Obstsalat machen… und haben schlussendlich Logos in Äpfel geschnitzt… Hier (oben Links) also der Beweis, dass ich der Sternenflottenakademi beigetreten bin.

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Das fluffige auf dem Bild ist übrigens Legolas. Legolas ist aus der Distanz sehr niedlich und nicht besonders schlau. Aber Legolas mag mich. Ich habe jetzt also einen neuen Freund. (Wer hätte gedacht, dass ich das mal über einen Hund sage…)

Ansonsten ist über Frozen wohl bloß zu sagen, dass er mich fast zum Weinen gebracht hätte.

Übrigens mögen mich Taras Eltern wohl (was so ziemlich das beste Ding überhaupt ist, denn die sind ganz schön kritisch mit den Freunden ihrer Tochter), also stehen die Chancen, dass Tara und ich auch in näherer Zukunft noch zusammen Dinge tun dürfen (wie Tischbeine losschrauben) gut.

Wie sollte es anders sein, bin ich dann abends irgendwann wieder nach Hause, hab noch ein bisschen mit dem Kiwihüter und meiner Gastfamilie gequatscht und bin dann schlafen gegangen.

Bis dann und wann, Jenna

 

(23.01.2019) Ausschlafen + organische Chemie = ein glückliches Jenna

Also ausschlafen in dem Fall heißt bis zehn. Ich persönlich hätte ja auch noch weitergeschlummert.

Aber ich hatte Tara versprochen, pünktlich zum Mittagessen in der Schule zu sein, auch wenn bei mir Theater ausgefallen ist und ich deswegen eigentlich gar nicht in der Schule wär zu der Zeit.

So stand also Mittagessen an und ehrlich gesagt war ich froh, dass ich da war, denn wenn diese Schule irgendwas gut kann, dann sind das Tortellini und genau die gabs heute!

Nachdem ich also geschätzt ein Kilo Tortellini verspachtelt hatte, wurde es dann Zeit für Mentorstid. Yay. Das ist quasi wie die Verfügungstunden, die wir in der Fünften und Sechsten hatten.

Heute stand dann – ganz spannend – das Beantworten einer Umfrage an. Eine Umfrage des Landes Schweden, das wissen wollte, wie es den Schülern in der Schule so geht. Also wie gestresst sie sind, wie sie ihre Umgebung finden, wie sie den Unterricht finden, ob jemand gemobbt wird (Anekdote hierzu folgt später), wie gut sie sich über ihre Noten etc informiert fühlen und, und, und…

Es hat ewig gedauert, all die lustigen Fragen zu beantworten und dann war quasi auch schon die halbe Stunde rum (abgesehen davon, dass natürlich wieder ne Diskussion darüber ausbrach, wie man jetzt all das mit dem schwedischen Äquivalent der Abiturentlassungsfeier machen soll).

Als die Diskussion losging, hab ich mir irgendwie gewünscht, dass mein Schwedisch mal kurz wieder ganz ganz schlecht wird, einzig und allein, damit ich das nicht hören muss.

Nun zur Anekdote (die eigentlich eher bloß ein Zitat ist).

Wo wir grade so schön von Mobbing sprechen. Der erste Satz, der mir da einfällt, ist tatsächlich von Mårten, der irgendwann Anfang Dezember mal sagte “På VRG blir du inte mobbad på grund av utseende utan av dina mattekunskaper. ‘Du kan inte ens integrera där!’”.

Dieser Satz ist wohl das das schönste Wortspiel, was ich jemals gehört hab.

„Am VRG [Viktor Rydberg Gymanium] wirst du nicht wegen deines Aussehens gemobbt, sondern wegen deiner Mathekenntnisse. ‚Du kannst (dich) da nicht mal integrieren'“.

Integrieren. Mathekenntnisse. Integrale. Klingelt da irgendwas bei irgendwem?

Dann folgte Chemie und ich muss sagen. ich liebe organische Chemie. Es ist so schön logisch und alles macht Sinn und mein Lehrer ist unfassbar gut im Erklären und es macht alles so viel Spaß. Und wie das so ist, wenn man spaß an etwas hat, dann vergeht die Zeit super schnell und die Notizen werden ziemlich schick (auch wenn sie eventuell etwas chaotisch aussehen, aber für meine Verhältnisse sind sie wirklich nett geworden).

Und so kam es, dass ich dann also nach Hause gekommen bin und mich essentiell auf mein Sofa gesetzt hab, und weiter Chemie gebüffelt hab. Aber was soll man machen, wenn es Spaß macht?

Irgendwann bin ich dann ziemlich müde geworden und so kam es, dass ich ziemlich bald nach dem Abendessen in mein Bettchen geklettert bin (wobei ich mir – wie fast jeden Tag – fast die Haxen gebrochen hätte, aber hey, es wird besser von Tag zu Tag).

Bis dann und wann, Jenna

(22.01.2018) Wenn ich Noten bekommen würde, wären sie sogar ganz okay

Das ist wohl das Fazit des heutigen Tages.

Der Tag fing an mit Physik und da haben wir heute eigentlich wirklich nicht viel gemacht. Also man könnte auch sagen gar nix.

Es gab nämlich die Klassenarbeit zurück, von der ich schon fast vergessen hatte, dass wir sie geschrieben hatten. Auf der anderen Seite war der Kiwihüter so am durchdrehen, dass es zumindest in den letzten zwei tagen recht schwer war, nicht dran zu denken. Aber glücklicherweise muss ich mir ja keine Sorgen um Noten machen.

Und so schlug ich meine Klassenarbeit auf und siehe da, ich hätte tatsächlich bestanden. Nicht mit Auszeichnung und Sternchen, aber bestanden.

Der Rest der Stunde ging dann fürs Besprechen der Klassenarbeit drauf, aber auch diese Stunde neigte sich dem Ende zu.

Irgendwie hab ich mich heute komisch gefühlt. Es war, als würde ich die ganze Zeit unter Starkstrom stehen und der kleinste Stups, die kleinste Verzögerung, oder das kleinste laute Geräusch hätte mich wirklich zum überkochen gebracht.

Ich glaube man hat diese Tage einfach manchmal. Vielleicht ist man mit dem falschen Bein aufgestanden, vielleicht ist die Laus, die morgens auf meiner Leber spazieren geht besonders schlecht drauf, vielleicht sind mir ein paar Latten vom Zaun gefallen oder vielleicht hab ich auch Krawallkekse gefrühstückt, wer weiß das schon?

Wenn ich eins hier in Schweden gelernt hab, dann das es okay ist zu sagen „Hey ihr, wir sehen uns nachher, aber ich muss mal kurz raus hier“.

Also für meine eigenen Anliegen und mein eigenes Wohlbefinden einzustehen und den Mund aufzumachen war ja noch nie so per se meine Stärke, aber ich glaub ich mach so langsam Schritte in die richtige Richtung.

So bin ich dann zu irgendeinem bäckerartigen Laden gelaufen, hab mir ein belegtes Brötchen und Orangensaft besorgt und hab mich dann allein in ne ruhige Ecke verkrümelt.

Dann war das Glück auf meiner Seite, denn in Englisch stand auch Einzelarbeit an.

Wir dürfen jetzt ein scientific research paper schreiben. In einem google document sollten dann alle das Thema ihres papers eintragen, damit Anna (meine Lehrerin) irgendwie nen Überblick hat, worüber jeder schreibt.

Es muss ein Thema aus der Biologie, Chemie, Physik oder Mathematik sein und soll was sein, was uns persönlich interessiert.

Da waren ein paar wirklich spannende Dinge drin. Unter anderem wie Sonnencreme Korallenriffe ausbleicht, die Physik des Internet-Phänomens „Bottle flip“, warum die Pole schneller schmelzen, als wir dachten… und dann kam ich. Ich schreibe über die Geschichte der Entdeckung der antithrombotischen Effekte von Acetylsalicylsäure. Also ist schön, wenn man das so mit den anderen vergleicht. Echt. Ich fühl mich ein bisschen wie der langweilige Streber.

Aber andererseits find ich ja die Geschichte der Chemie und Medizin unfassbar spannend und ihr freue mich schon sehr die lustige Anekdote einzubringen, dass ASS fast nicht auf den Markt gebracht wurde, weil Bayer so damit beschäftigt war, Heroin als Hustenmedizin auf den Markt zu bringen, dass sie keine Zeit (also eigentlich sind das viel ausführlichere Gründe aber ich bin ehrlich gesagt zu faul die hier jetzt aufzuzählen) hatten, um jetzt noch Aspirin zu vermarkten.

Nach Englisch hatte mich Tara dann gefragt, ob ich auch zur Vorlesung in Sachen mental health gehe. Natürlich gehe ich, die ist schließlich obligatorisch.

Außerdem hab ich festgestellt, dass ich den nationalen Englischtest, den wir letztes Jahr geschrieben haben, mit einem B bestanden hab, was mich dann doch echt (echt) glücklich gemacht hat.

Also erstmal 10/10 Punkten ans schwedische Schulsystem, dass sie sowas überhaupt zum Thema machen. Größen Punktabzug gibts dann ehrlich gesagt für die Ausführung, aber hey, daran kann man ja noch üben.

Tara und ich haben uns danach dann irgendwie festgequatscht und so standen wir fast eineinhalb Stunden an der U-Bahn-Haltestelle und haben über Gott und die Welt geredet.

Dann bin ich nach Hause und hab mich erstmal aufgetaut.

Ansonsten hab ich nicht mehr viel gemacht. Ich hab Tee geschlürft, ein bisschen hier und da mit meiner Familie gequatscht und schließlich bin ich dann eingeschlummert.

Bis dann und wann, Jenna

(21.01.2019) It’s starting all over again – Geschichte, Halbjahr zwei

So ist es. Die erste richtige Unterrichtswoche des neuen Halbjahres fängt natürlich mit meinem absoluten Lieblingsfach an. Geschichte.

Andererseits stehen die Chancen gut, dass wir die nächsten zwei Monate in Einzelarbeit beibringen dürfen. Es geht ab jetzt nämlich um Mindmaps.

Ja, wir haben ZWEI MONATE um eine MINDMAP zu basteln.

ZWEI MONATE!!!!!!!!

Ich weiß nicht, aber irgendwie weckt das in mir ein bisschen ein Gefühl von „Lehrer hat keinen Bock auf unterrichten“, aber das könnte natürlich auch nur ein Gefühl sein. Ein ganz dumpfes.

So oder so, die nächsten zwei Monate werde ich dann also damit verbringen, eine Mindmap in Sachen Erleuchtung basteln. Wobei basteln eigentlich völlig unpassend ist. Wir machen das nämlich am Computer. Weil man ja gerade Mindmaps wirklich wirklich schlecht auf Papier machen kann. Ich dreh am Rad ey.

Wir sprechen über eine Mindmap. Es gibt wirklich nicht (nichts!), wo Papier praktischer ist, als bei ner Mindmap. Aber klar, eine Mindmap, die so ausführlich ist, dass man zwei Monate dafür braucht, ist sicherlich super am PC zu bauen. Anstatt son A2-Plakat zu nehmen, wo man alles gut auf einen Blick sehen kann, ist es natürlich besser, das auf so nem blöden kleinen Computerbildschirm zu machen, wo man, wenn man reinzoomed den Überblick verliert und wenn man rauszoomed, kann man die Schrift nicht mehr lesen, weil sie zu klein wird. Aber klar, das ist toll durchdacht.

Ansonsten hat der Spaßvogel heute einfach wieder drei Stunden durchpalabert. Ich hätte mir ja Notizen gemacht, aber da war einfach nichts mit Inhalt dabei.

So hab ich Kafkas Parabeln aus dem Gedächtnis aufgeschrieben, Viktoria hat an ihrem Roman weitergeschrieben, Tara war wirklich bemüht, nicht einfach aufzugeben und Mårten sah aus, als würde er einfach bloß sterben wollen.

Und der Kiwihüter? Der hatte völlig aufgegeben und saß im gepolsterten Fensterbrett und hat Musik gehört.

Es war ein Traum.

Zu Mittagessen gabs dann heute Pfannkuchen, was den Tag dann irgendwie ein bisschen gerettet hat. Also zumindest wenn man wenigstens fünf ist und so viel Marmelade dazu hat, dass man sie füllen kann und dann noch nen Berg oben draufschaufeln kann. Danach war mir ein bisschen schlecht.

Es folgte zwei Stunden pause und diesmal warten sie nicht nur wegen mir alle in der Schule, sondern weil sie selber Unterricht haben. Sie haben nämlich dieses Jahr alle Religion dazu bekommen und sind so mäßig begeistert.

Viktoria ist wie ich, sie hält von Religion nicht besonders viel, aber so lange ein Mensch mit seinem Glauben niemanden außer sich selbst schadet, möge er doch bitte glauben, was auch immer er will. Deswegen stehen wir in Taras ewiger Debatte mit dem Kiwihüter auch auf ihrer Seite.

Tara glaubt an Gott (oder zumindest irgendwas da oben) und vertritt die Meinung, dass die Bibel, auch wenn zugegebenermaßen ganz schön viel Mist drin ist, einige gute Passagen enthält, in denen es um den Umgang mit seinen Mitmenschen geht, und nach denen sie so gut es geht leben will, weil das in ihren Augen richtig ist. Absolut legitim in meinen Augen.

Auf der anderen Seite haben wir den Kiwihüter, der Religion für „absolut utter bullshit“ hält und immer wieder erklärt, das religiöse Menschen den Fortschritt behindern und die Welt und Gesellschaft zurückhalten. Kann ich in Ansätzen definitiv nachvollziehen, wo dieser Gedanke herkommt und sehe ich, speziell in Anbetracht gewisser religiöser Gruppierungen, auch absolut ein. Was er allerdings nicht versteht, ist, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann.

Und wenn der also Tara jetzt jedes Mal, wenn das Thema Religion, Gott oder Glaube aufkommt, den Vortrag hält, wie scheiße er Religion findet und dass gläubige Menschen der Grund allen Übels sind, dann ist das nicht nur gemein und unfair, sondern auch einfach falsch.

Glücklicherweise sind Viktoria und ich die einzigen, die das wirklich drastisch nicht okay finden, denn zu unserer großen Freude, findet Tara das alles eher belustigend und fühlt sich nicht angegriffen.

Trotzdem. Argh. Die beiden sollten definitiv nicht zusammen Religionsunterricht haben. Um des Weltfriedens willen.

Während all die anderen aber genau das hatten, hatte ich Deutsch und ich hab mich wirklich gefreut, meine Deuschlehrerin wiederzusehen. Sie ist echt eine der liebsten Lehrerinnen, die ich je getroffen hab, auch wenn ihr Deutsch vielleicht nicht das beste ist. Sie spricht wirklich das perfekte Lehrbuchdeutsch, aber in Alltagskonversationen, die eben keine Lehrbuchdialoge sind, kommt sie doch ganz schön oft nicht mit und ich muss mich zusammenreißen, meine Sätze wieder grammatikalisch perfekt zu basteln.

Ansonsten ist heute nicht mehr viel passiert. Ich bin nach Hause gegangen, der Kiwihüter hatte noch Chor, irgendwann haben wir dann alle Abendbrot gegessen und irgendwann danach bin ich dann ziemlich totmüde in mein Bett gefallen.

Bis dann und wann, Jenna