(05.02.2019) Ein dienstäglicher Dienstag, an dem ich nicht viel Dienst verrichtet hab.

Ich glaube, ich wiederhole mich so langsam aber sicher wirklich.

Es ist Dienstag und – wie sollte es anders sein – fängt der Tag mal wieder mit Physik an. Wobei, es hatte diesmal einen wirklich lustigen Twist.

Wir haben nämlich nichts gemacht.

Unser Lehrer hat heute nämlich die halbjährlichen Einzelgespräche mit allen Schülern geführt. Er redet sehr gerne. Es waren sehr lange Gespräche. Außerdem wollte er dabei nicht gestört werden. Und er ist vergesslich.

Nimmt man das alles zusammen, kann man sich wahrscheinlich denken, wo das hingeführt hat.

Exakt! Er hat vergessen, uns Aufgaben zu geben, bevor er verschwunden ist.

Schlussendlich weiß ich nicht, was alle anderen gemacht haben, aber ich hab bei Viktoria im Schoß gesessen und hab erstmal ne gute Stunde geschlafen.

Irgendwann kam unser leicht verpeilter Lehrer dann rein und fragte uns dann, ob er uns irgendwelche Aufgaben dagelassen hätte und wir alle nur so „Äh neee…“, was ihn aber weder gestört noch verwundert hat. Stattdessen hat er uns dann allen einen Begriff gegeben und uns losgeschickt und gesagt, wir sollen einen kleinen Vortrag , also nur so ne Minute oder so, darüber halten.

Meine ersten Versuche hat die werte Viktoria dann gefilmt. Es klingt schlimm.

Wir standen übrigens in der Umkleide, weil alle Klassenräume belegt waren uns wir den Text nicht auf dem Flur üben wollten und außerdem war da ein Spiegel, den man zum Whiteboard umfunktionieren konnte. Also er war halt nicht white. Aber man konnte drauf schreiben. Mit Whiteboardstiften.

Hier kommen dann also die beiden ersten Versuche. Es ist slightly cringy.

Es geht um Gravitation oder auch „Tyngdkraft“, wie das so schön auf Schwedisch heißt.

Hier noch ein Video, wo ich nach etwa 5 Sekunden aufgegeben habe.

„This is going great“, she said and hopped way.

Ansonst hatten wir danach Englisch und wir lesen jetzt ein Buch.

Und das beste kommt jetzt:

Unsere Lehrerin hat uns eine Liste von Autoren und Büchern gegeben, aus der wir frei wählen konnten, was wir lesen wollen. Einzige Bedingung: Es müssen mindestens drei Leute das gleiche Buch lesen.

Auf der Liste stand übrigens auch Agatha Christie. Oh mein Gott!!!!! Schrie mein Kopf innerlich.

Ich hab dann also gespannt das google document betrachtet und gebetet, dass irgendwer Agatha Christie da einträgt. Und so sollte es kommen. „Agatha Christie“ ploppte zwei Mal auf uns ich bin aufgesprungen wie ein Flummi und habe hervorragende Lobbyarbeit geleistet (okay, mit Unterstützung meiner Lehrerin, die fleißig bejaht hat, dass „A Pocket Full of Rye“ (Oder „Das Geheimnis der Amseln“) eins der besten Bücher ist).

Ich darf jetzt also Miss Marple lesen. AHHHHHHHHHH!!!!!!

Ansonsten hab ich den Tag nicht mehr so viel gemacht, außer zur Buchhandlung gehen uns dort das Buch zu bestellen und dann noch ein bisschen viel Chemie lernen. Weil wegen Test morgen und so.

Bis dann und wann, Jenna

(04.02.2019) Montag. Bitte köpft mich.

Ich frage mich ein bisschen, wo diese überschüssige Energie hin ist, die ich am Anfang meines Austauschjahres jeden Morgen gespürt hab.

Inzwischen bin ich nämlich nur noch müde. Besonders Montags. Wenn man aus dem Bett rollen soll, weil man Geschichte hat.

Ich halte mich kurz, denn ich will mir selbst nicht die Laune verderben.

Wir haben ja jetzt immerhin Einzelprojekte, was schon mal sehr schön ist, so muss man wenigstens nicht mit seinen Mitmenschen kommunizieren. Aber die Idee, Mindmaps am Computer zu bauen, ist immer noch der größte Blödsinn, den ich je gehört hab.

Noch blöder wirds dann, wenn man eigentlich quasi ne Liste mit Wörtern kriegt, die darin vorkommen müssen. Alles schön und gut, aber die Liste ist mal locker-flockig 40 Wörter lang und es wär ihm nicht so recht, würden wir noch viel ergänzen oder irgendwas – aus welchen Gründen auch immer – umschreiben oder so.

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So sieht der Murks dann aus.

Also an sich ja vielleicht gar keine miese Idee, aber mit den Schullaptops, die nicht gerade die allertollsten sind, in Kombination mit diesem absolut dämlichen Programm… ein kleiner Albtraum.

Nach dem Mittagessen hatte ich Deutsch und dort haben wir zum einen Noten besprochen, und zum anderen gings um Familienverhältnisse. Ich hab dann alle meine künstlerischen Fähigkeiten zusammengekratzt und versucht, das irgendwie an die Tafel zu bringen.

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Übrigens, würde ich Noten bekommen, dann hätte ich in Deutsch ein A. Das kam sehr überraschend vor mich und ich bin vor Schock glatt umgefallen.

Ansonsten ist heute wirklich nicht mehr viel passiert.

Ich bin nach Hause gekommen, hab meine Sachen abgeladen, hab mir Nudeln gemacht, ein bisschen mit dem Kiwihüter über Gandalf und die Welt gesprochen, und hab mich schlussendlich dann in mein Bettchen verkrochen. Ich war selten so müde wie heute Nachmittag.

Mehr ist wirklich nicht passiert. Ich wurde irgendwann zum Abendbrot geweckt, hab gegessen und bin dann auch ganz bald ins Bett gegangen.

Bis dann und wann, Jena

(03.01.2019) Die alte Gastfamilie und die große Verwirrung

Ich hatte dann heute tatsächlich Dinge zu tun.

Also diese Dinge heißen Geschichte und sie treibt mich in den absoluten Wahnsinn.

Natürlich ist es für den Lehrer leichter, wenn man den Schülern ein Wortlimit von 700 Wörtern gibt und sie dann auch noch in Gruppen von sechs Personen zusammensteckt. Dann hat man nämlich echt nicht viel zu korrigieren.

Nur für die Schüler ists scheiße. Denn sich bei Aufsätzen, bei denen definitiv Interpretationsfreiraum vorhanden ist, mit fünf anderen zu einigen, ist nicht nur ne Herausforderung, sondern auch echt dämlich und überhaupt einfach schlichtweg beschissen.

So oder so, ich hab dann den ersten Teil des Tages damit verbracht, meinen Teil dazu beizutragen und danach durch den Kram der letzten Woche zu gehen, den ich verpasst hab, weil ich krank war.

Als ich dann irgendwann in die Küche zum Frühstücken geschlurft bin, wären mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Schnee! SCHNEEEEEEE!!!!!

Ich spare mir an dieser Stelle mal alle großen Worte und füge ein Video ein.

Ich hab dann also nicht besonders lange nachgedacht, sondern hab schnell meine Snowboardhose und Jacke angezogen, die Skibrille übergestülpt und bin dann Hals über Kopf raus in den Schnee gestürmt.

Der Kiwihüter hat dann fast ne Stunde damit verbracht, mich mit Schneebällen abzuwerfen, nur konnte ich nicht zurückwerfen, weil er in der Küchentür stand und ich sonst wahrscheinlich volles Brett in die Küche gepfeffert hätte.

Irgendwann, nachdem ich über ne Stunde im Schnee rumgekugelt bin, hab ich mich dann auch wieder reingequemt (okay, ich hatte Schnee überall und es wurde langsam nass und kalt) und dann meine Nudeln gefrühstückt, bevor ich mich wieder zurück zu meinem Laptop und Geschichte begeben hab.

Für heute Abend hat mich meine alte Gastfamilie zum Abendbrot eingeladen und Ante und seine Mama wollten auch kommen.

So konnte ich ihnen dann auch endlich ihre Reisetasche wieder zurückgeben, die ich ja noch immer bei mir rumstehen hatte.

Ein bisschen wehmütig war ich ja doch, ich hatte ganz vergessen, wie liebenswert diese Menschen eigentlich sind und wie sehr ich mich dort als Teil einer Familie gefühlt hab.

Alle haben mich so fest geknuddelt und als ich dann in der Küche auf meinem Stammplatz saß, guckt mein alter Gastpapa mich nu mit nem breiten Grinsen an und meint „Ah, så ska det se ut!“ (Ah, so soll das aussehen) und auch wenn ich in dem Moment es scheiße glücklich war, wären mir fast die Tränen hochgekommen.

Und als meine Gastmama dann sagte „Men Wille, ska du inte fixa lite bubbelvatten?“, da ist mir dann noch mehr aufgefallen, was ich eigentlich so vermisse. Dieses richtige Familienleben, wo nicht alle gestresst sind und irgendwie son bisschen komische Stimmung in der Luft hängt.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ja trotzdem glücklich in meiner neuen Family und vor allem sehr dankbar, aber es ist doch nicht direkt ein Vergleich.

Es sind so viele kleine Dinge. Mein alter Gastpapa hat ständig Bilder gemacht, weil er immer gesagt hat, dass er doch Erinnerungen an die Zeit behalten will, weil sie sich doch alle so gefreut haben, dass sie mich dahatten. Und es waren Menschen, die man gut einschätzen konnte und die wussten, dass ich doch nun mal Austauschschülerin bin und dass sicherlich mal was schiefläuft und dass ich meine Eigenarten hab und und und. Ich weiß nicht, aber verglichen damit hab ich in der neuen Familie oft das Gefühl, dass wir mehr so umeinander rumschleichen und das sie vor allem nicht verstehen, dass ganz schön viele Dinge nicht selbsterklärend sind.

Wo sind die Bettlaken? Wär wäscht wann wie Wäsche? Was macht man mit dem Geschirr? (Ja natürlich, abwaschen, aber wenn der Geschirrspüler läuft, wo stellt man das währenddessen hin?)

Ich erwarte auch überhaupt null, dass irgendwer so viel Interesse an mir und meinem Leben zeigt, wie meine alte Gastfamilie, aber in der neuen Familie ist es oft so, dass ich was erzähle und danach gucken mich dann mindestens zwei Leute mit dem „Ja, und?“-Blick an. Ja nix „Ja, und?“, das war meine Geschichte, ein Teil von meinem Leben, von dem ich dachte, dass ich ihn mit euch teilen könnte.

Andererseits, wenn man still ist, dann gucken auch alle von wegen „Alles okay? Du bist so still. Erzähl doch mal ein bisschen mehr“.

Es ist alles wirklich nicht so dramatisch, wie das jetzt vielleicht klingt. So dramatisch ists nur, wenn man das mit meiner alten Familie vergleicht, denn die waren ja echt absolute Spitzenklasse.

Irgendwann kamen dann auch Ante und seine Mama und es gab Korv Stroganoff.

Das sind alles so liebe Menschen.

Und so saßen wir dann alle zusammen da rum, haben geredet und gelacht und die drei Alten haben mal wieder ihre Witze gemacht, dass Ante und ich echt die selbe Person sind. Nur weil wir festgestellt haben, dass wir beide gerne die Midi-Versionen von Liedern hören.

Also da sind bestimmt so zwei Dinge auf der Welt, bei denen wir uns nicht einig sind. Animes und alte Spielekonsolen. Aber wär ja auch langweilig, wenn wir uns immer einig wären.

Irgendwann sind wir dann alle nach Hause getrottet.

Ich bin mit Ante und seiner Mama noch bis zur U-Bahn gelaufen, schließlich hatten wir eine Schneeballschlacht auszutragen. Seine Mama fand das so mäßig cool.

Ansonsten bin ich heute dann relativ früh ins Bett gegangen und auch direkt eingeschlafen. Also um Viertel ach neun. Das ist ätzend früh!

[Additionally: Hier noch ein paar Bilder, die ich heute gemacht hab:]

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Bis dann und wann, Jenna

(02.02.2019) Asså vi har verkligen försökt att titta på den här filmen…

Och varför säger man „den här“ och inte „denna“?

Man säger „den här“ för att det låter bättre än „denna“, och man vill minimera risken att låta som en göteborgare

(Und warum sagt man „den här“ (den hier (wie in „Wir spielen das Spiel hier“)) und nicht „denna“ (dieses (wie in „Wir speilen dieses Spiel“))? – Man sagt „den här“ weil das besser klingt als „denna“, und man will das Risiko minimieren, wie ein Göteborger zu klingen)

Sehr nett.

Ansonsten bin ich heute wie jeden Samstag so gegen neun aus dem Bett gepurzelt, hab mit dem Kiwihüter gequatscht, ein bisschen was gefrühstückt (oder zumindest Tee getrunken) und hab mich dann auf den Weg zu Ante gemacht.

Also immerhin ist ja heute Melodifestivalen. MELODIFESTIVALEN! MEDLODIFESTIVALEN!!!

Ich glaube ich kann gar nicht erklären, wie glücklich mich das macht.

Also mich, als Mensch, der jeden ESC gesehen hat (ja, sie sind alle auf Youtube vertreten sind und wo die Videoaufnahmen nicht wegen unschönen Zwischenfällen unter Verschluss gehalten werden. Und sogar die, wo es nur ne Audiospur gibt, hab ich gehört), für den ist das Melodifestivalen quasi fast genau so wichtig und spannend.

Ich würde an dieser Stelle kurz gerne ein paar Dinge verlinken.

ESC 1984 – der beste ESC, der jemals ausgetragen wurde. Aber wie soll man bei Désirée Nosbusch auch nein sagen können? Es ist immerhin Désirée Nosbusch die da moderiert!

Dieser Ikonische Moment in der Weltgeschichte, in dem Falco und Désirée zusammen Schlager singen. Falco. Schlager.

Linus Svenning mit „Bröder“ – das mit Abstand schönste Lied, was je beim Melo war!

Babsan mit „Ge mig en Spanjor“ – Ja, die Schweden haben versucht ne Drag Queen zum ESC zu schicken, die über betrunkene Kühlschrankinstallateure singt aber eigentlich einen spanischen Matador will.

Samir & Viktor mit „Bada nakna“ – Zwei Herren die aus irgendwelchen Gründen nackt am Sergels Torg (ein Platz in der Stockholmer Innenstadt, dort steht ne Fontäne in der nach erfolgreichen Fußballspielen gerne Fußballfans drin rumplanschen) baden wollen

Alcazar mit „Blame it on the disco“ – Ein erstaunlich großer Prozentteil der Eltern meiner Freunde findet die Klasse und ich muss zugeben, es ist catchy!

Lasse Berghagen mit „Jennie, Jennie“ – 1975 ist zwar schon ein bisschen her, aber das ist definitiv eins der schönsten Lieder, die sie jemals hatten!

Nano mit „Hold on“ – Jeder einzelne Schwede wird dir attestieren können, dass 2016 eigentlich Nano hätte gewinnen sollen. Es ist eins der emotionsgetränktesten Lieder, die ich je gehört hab.

Dana International mit „Diva“ – Einer der historisch wichtigsten ESC-Gewinner!

Und zu guter Letzt: Patrick Juvet mit „Je vais me marier, Marie“ – ein Lied, mit dem ich Papa gerne auf langen Autofahrten in den Wahnsinn treibe!

Ante und ich haben ernsthaft versucht, einen Film zu gucken. „Ready Player One“ in dem Fall. Wir haben knappe drei Stunden gebraucht, um die ersten 42 Minuten zu gucken und genau da haben wir dann auch einfach aufgegeben.

Der wohl meistbenutzte Satz war definitiv „Men vänta en stund, det påminner mig om nånting“ (Aber warte mal kurz, das erinnert mich an was). Ich mein, da sind so viele Anspielungen an Filme, Serien, Spiele und Musik drin, da fallen einem nun mal ständig irgendwelche Dinge ein.

Ansonsten hab ich mal wieder festgestellt, wie dankbar ich bin, dass mir Ante begegnet ist. Das ist einer von den Menschen, die mich auf gruselige Weise direkt durchschauen und dann aber zu meinem Besten handeln.

Ansonsten haben wir viel mit Musse gespielt und dann haben wir festgestellt, dass wir beide noch viel mehr Dinge gemeinsam haben, als wir dachten, dass es möglich wär.

Ich hab mich irgendwann in einem Akt der Antriebslosigkeitet auf den Küchenfußboden gelegt und hab dann erklärt „Du, jag skulle rekommendera att du bara blir van vid att jag kommer ligga på golvet ganska mycket. Jag kan inte ens förklara varför, det är bara så“ (Du, ich würde dir empfehlen, dass du dich einfach dran gewöhnst, dass ich ziemlich viel auf dem Boden liege. Ich kann nicht mal erklären warum, das ist einfach so). Die Antwort kam dann doch überraschend: „Asså jag också brukar ligga på golvet ganska mycket“ (Also ich pflege auch oft, auf dem Boden zu liegen), gefolgt von „Men min pappa också faktiskt“ (Aber mein Papa tatsächlich auch).

So lagen wir dann also ein bisschen zusammen auf dem Küchenfußboden rum und haben über Gott und die Welt geredet.

Ich bin so, so, so froh, dass ich angetroffen hab, denn in Sachen Schwedisch war das eins der besten Sachen, die mir je passiert sind. Auch wenn er sich inzwischen glaub ich an meine Aussprache und komische Satzkonstruktionen gewöhnt hat und sie ihm inzwischen schon nicht mehr auffallen. On way or another, es ist eins der besten Dinge, wenn man ne Sprache lernt, jemanden zu haben, mit dem man einfach blind drauflosschnattern kann, ohne wenn und aber und ohne, dass man groß denken muss.

Dann fiel uns irgendwann auf, dass wir ja noch einkaufen müssen, denn man hatte uns Aufgetragen, Chips und Dips zu kaufen.

Lustig wie wir sind, haben wir dann seinen kleinen Bruder Olle eingeschlossen, mit dem Hintergedanken, dass man ja beide Schlösser von innen aufmachen kann und er so nicht wirklich eingesperrt ist.

Mitten im Supermarkt kam dann der Anruf von Olle, der nicht aus der Wohnung kam, weil sein Schlüssel fürs zweite Schloss kaputt ist. Also zurück nach Hause. Oh man.

Auch die Pizza, die wir dann noch geholt haben, war zeitlich so ne brenzlige Situation und so kamen wir wirklich um Punkt acht Uhr zur Haustür reingesprintet.

Das Melodifestivalen war dann ein kleines bisschen enttäuschend. Der einzig gute Beitrag wurde rausgevotet, aber hey, es sind ja noch drei weiter Semi-finals angesetzt.

Irgendwann danach bin ich dann wieder nach Hause gedackelt, denn auch ich brauche Schlaf.

Bis dann und wann, Jenna

 

 

 

(01.02.2019) Eyo, ich hab Mathe bestanden

Es ist mal wieder Freitag.

Das bedeutet, dass ich heute quasi ausschlafen kann, denn wir fangen ja erst um zehn an.

Zum Glück stand heute für Sport mal wieder ein Klassenraum auf dem Stundenplan, ergo ist es ja nicht wirklich Sport und wir machen stattdessen mit den lustigen Filmen von letzter Woche weiter. Also ernsthaft. Man kann Licht auch echt verüberkomplizieren. Aber sure mate, wir können gern die Beleuchtungsstärke in der ganzen Schule ausmessen, nur um dann festzustellen, dass alle Messwerte völlig im Eimer sind. Ich hätt echt am liebsten wen gewürgt. Aber hey. Ich bin ja ein friedlicher Mensch.

Es gab dann eine äußerst demokratische Abstimmung und schließlich wurde die Deadline genau auf den Tag gelegt, wo wir auch noch Geschichte einreichen müssen und argh. Freude.

Manchmal denke ich, ich hätte das einfach machen sollen, wie der Austauschschüler, der in Deutschland in meinem WuN-Kurs saß. Also hinten im Klassenzimmer sitzen, nicht mitarbeiten, keine Klassenarbeiten mitschreiben, bei keiner Gruppenarbeit und so dabei sein. Mein Leben wär auf jeden Fall entspannter.

Aber ganz ehrlich? Dann hätt ich nicht so Momente gehabt wie heut in Mathe.

Auch wenn Mathe hier immer noch nicht mein Lieblingsfach ist, hab ich heute den wahrscheinlich schönsten und wohlklingensten Satz auf Erden gehört.

„You’re passing this course.“

Wir hatten „Halbjahresgespräche“, aka man hat halt einfach ein Gespräch mit der LehrerIn und erfährt halt, was man gut macht, was nicht so und was sonst noch so ist. Man bekommt ja keine Noten gesagt, aber einfach die Information dass ich, würde ich den tatsächlich Noten kriegen, diesen Kurs bestehen würde.

Oh mein Gott. Seriously, das war das schönste Gefühl seit langem.

Ansonsten hab ich heute nicht mehr allzu viel gemacht. Ich hab ein bisschen Kram für die Schule gemacht, war in der Stadt, um endlich die letzte Dankeskarte für Weihnachten fertig zu machen und hab mich ein bisschen viel über den Schnee gefreut, der jetzt so langsam aber sicher fällt.

Ansonsten bin ich einfach müde von der Woche.

Bis dann und wann, Jenna

(31.01.2019) Ferdinand, Schlittschuh und aua

Das ist wahrscheinlich die treffendste Zusammenfassung, die ich für diesen Tag finden kann.

Heute ist „activity-day“ in der Schule. Bedeutet, dass man sich vorher für verschiedene Aktivitäten eintragen konnte, und die dann heute machen konnte.

Unsere ganze Truppe hat sich zum Schlittschuhlaufen angemeldet, einfach weils das zeitlich Kürzeste war und außerdem auch am nächsten dran.

Ich hab dann für den Tag des Kiwhüters Schlittschuh gekriegt und der die von seinem Papa und dann mussten wir auch schon um neun los, denn um neun kommt jeden Donnerstag jemand, der sauber macht.

Der Kiwihüter und ich haben dann also im Espressohouse gefrühstückt und da dann knappe zwei Stunden rumgesessen, während wir drauf gewartet haben dass all die Leute von außerhalb eintrudeln.

Als dem so geschehen war, haben wir uns auf den Weg zur Schlittschuhbahn gemacht. Das ist hier etwas anders als in Deutschland, schließlich bezahlt man nichts, sondern es ist einfach nur ne große unförmige Eisfläche in der Mitte vom Park.

Nachdem ne Lehrerin unsere Anwesenheit abgehakt hatte, haben wir dann also die Schlittschuhe angezogen und haben ein paar Runden gedreht. Oder ich habe Tara gedreht. Die hatte ich nämlich quasi im Arm.

Für mich endete dann all der Spaß nach so etwa zwanzig Minuten, denn meine Knöchel waren komplett durch und haben appetitlich geblutet.

Linnea und ich haben uns dann von den anderen verabschiedet und uns auf den Weg zur U-Bahn gemacht. Sie musste vom Eis runter, weil sie keinen Helm dabei hatte (ja, hier besteht Helmpflicht beim Laufen). Wir sind auch tatsächlich bis zur U-Bahn-Statio gekommen, nur sind wir dann irgendwie in lustigen Gesprächen über die schwedische Meme-Kultur hängengeblieben und jetzt möchte ich auf der Stelle sterben. Ich dachte wir Deutsch hätten schrägen (und miserablen) Humor, aber das hier ist schlimmer.

Ich gedenke nicht, hier irgendwelche Beispiele einzufügen ich möchte das wirklich nicht auf meinem Blog verewigen.

Wobei, eins vielleicht.

Vaskduellen – frei übersetzt „Verschwendungsduell“. Da sind Untertitel in Englisch, das sollte das alles leichter machen.

Ansonsten standen Linnea und ich da so lange rum, dass all die anderen irgendwann auch aufm Odenplan aufschlugen und Tara und ich dann beschlossen hatten, dass wir ja jetzt noch was machen könnten. Allerdings haben wir vorher noch mein Paket abgeholt (aka TEAM REIBEN!!!).

Wir haben dann Ferdinand geguckt. Also nicht den Kurzfilm von 1938, den  ich da verlinkt hab, sondern den animierten Film von 2017. Scheiße man, war der niedlich!

Irgendwann hab ich Tara dann noch zur U-Bahn gebracht, bin wieder nach Hause gedölmert und hab mich dann irgendwann nach dem Abendbrot auch ziemlich schnell hingelegt.

Bis dann und wann, Jenna

 

(30.01.2019) Die magnetischen Felder

Ich hab noch immer keine Stimme und mein Kopf tut weh und bäh, aber ich hab heut Theater.

So bin ich also aufgewacht und in die Küche geschlumpft und hab dann versucht, meiner Gastmama zu erklären, warum ich zur Schule will, wo ich doch noch immer keine Stimme habe und dann auch noch ausgerechnet Theater. Es ist schwer, Dinge zu erklären, wenn man keine Stimme hat.

Schlussendlich hat sie dann meinem Gastpapa Bescheid gesagt, dass es gut sein kann, dass ich ihm irgendwann schreibe, dass ich jetzt nach Hause gegangen bin, aber das ich jetzt erstmal auf dem Weg zur Schule wär.

Und warum genau wollte ich so dringend zur Schule?

Jetzt, wo das Frühjahrssemester angefangen hat, konzentrieren wir uns voll auf das Theaterstück, was wir im Mai aufführen wollen, und heute werden die Rollen verteilt und ach ja… wir erfahren überhaupt erstmal, welches Stück wir eigentlich spielen.

Und so sollte es dann auch kommen.

Wir spielen „69 Lovesongs“, ein Stück von Kristian Hallberg, benannt und angelehnt an das Album „69 Lovesongs“ von The Magnetic Fields.

Es ist schlichtweg ein Beziehungsdrama und zwar der allerschlimmsten Sorte. Also echt.

Allerdings ist es echt witzig geschrieben und um ehrlich zu sein, auch wenns an manchen Stellen wirklich cringy ist und da Passagen drin sind, bei denen ich mir noch nicht allzu sicher bin, wie dringend ich sie vor Publikum vortragen will, ist es die meiste Zeit doch einfach nur ein heilloses Chaos und deswegen ziemlich amüsant.

Außerdem hat niemand in dem Stück einen Namen oder ein Geschlecht und irgendwie verlieben sich alle nacheinander kreuz und quer in all die anderen und irgendwann geht alle Logik flöten und jemand will 100km laufen, jemand versucht, jemand anderen für sich zu gewinnen, in dem er dem anderen Menschen das „perfect match“ vorstellt (funktioniert ganz toll), irgendwer will nen Plattenladen zum Cafe umbauen und mittendrin fällt der Satz „Hätte ich gewusst, dass du mich hintergehst, hätte ich dich schon viel eher betrogen“.

Es wird interessant.

Außerdem geht die ganze Suppe etwa drei Stunden und so hat unsere Lehrerin sich das so überlegt, dass ihr einer Theaterkurs (wir) den ersten Akt spielt und dann ihr zweiter Kurs den zweiten Akt. Das wird sicherlich auch spannend.

Danach hätte ich eigentlich Chemie gehabt, und auch wenn ich Chemie liebe, bin ich dann doch nach Hause gewandert.

Wir hätten heute im Labor gearbeitet und uns mit Cyclohexen beschäftigt, aber da mein Lehrer letzte Woche schon meinte, dass da Dinge aufsteigen, von denen man leicht Kopfschmerzen kriegt und das alle, die eh dazu neigen, Kopfschmerzen zu bekommen, doch zur Sicherheit Kopfschmerztabletten mitbringen sollen, hab ich mich dann dazu entschlossen, nach Hause zu gehen, mein Kopf tat immerhin schon weh.

Auf dem Weg nach Hause hab ich mir dann noch Essen mitgenommen, denn ich hatte definitiv Hunger, nur nach in der Küche stehen war mir dann echt nicht.

So hab ich meine Pommes dann noch in meinem Zimmer auf dem Boden gegessen, bevor ich meinem Gastpapa geschrieben hab, dass ich jetzt zu Hause bin. Keine 15 Minuten später war ich dann auch schon eingeschlafen.

Zum Abendbrot hat man mich dann wieder aufgeweckt, auch wenn ich nicht so schrecklich besonders wach war, sodass ich dann auch direkt nach dem Essen wieder ins Bett gepurzelt bin.

Bis dann und wann, Jenna